Das Rosental zu Wien

Ich begebe mich ins Rosental – das klingt doch romantisch? Und wo es ein Tal gibt, da gibt es auch einen Bach: Der Rosenbach ist ein Bach in den Wiener Gemeindebezirken Ottakring und Penzing. Er ist ein linker Zubringer des linken Wienflusssammelkanals und wird teilweise als Bachkanal geführt. Der Bach hat seinen Ursprung im Jubiläumswarte-Teich am Gallitzinberg, in Ottakring.

Nur kurz ein „Ausflug“ zum Gallitzinberg:  Er ist Teil des Kahlengebirges, 387,4 Meter hoch.  Im Volksmund wurde und wird der Berg „Galiziberg“ genannt, nachdem er um 1780 vom russischen Botschafter Demetrius Fürst Gallitzin angekauft worden war, der sich dort ein Sommerschlösschen erbauen ließ (Schloss Wilhelminenberg). Vorher war für die Erhebung der Name Predigtstuhl gebräuchlich. Nachdem Moritz Fürst Montléart das Sommerschloss seiner Gattin (1855) Wilhelmine geschenkt hatte, bürgerte sich der Name „Wilhelminenberg“ ein. Am Südhang des Gallitzinbergs, der Baumgartner Höhe, wurde 1907 die Niederösterreichische Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Geistes- und Nervenkranke eröffnet (Am Steinhof). Im Zweiten Weltkrieg entstand hier ein Gaubefehlsstand der so genannte Schirachbunker. Dieser war die bedeutendste Nachrichtenzentrale, Zentrum des Luftwarnsystems der „Ostmark“, angelegt 1940, inoffiziell benannt nach Gauleiter Baldur von Schirach. Nach mehrmaliger Bombardierung wurde die Anlage 1942-1945 unterirdisch neu errichtet (Bunker „Großer Stollen“, anschließend Gauleiterzimmer, Befehlsraum mit Milchglas Tafel zum Einzeichnen des Anflug-Routen der alliierten Bombergeschwader). Als die sowjetrussischen Truppen Hütteldorf erreichten, wurde der Bunker am 4. April 1945 geräumt; ein halbes Jahr nach Kriegsende wurde der Eingang gesprengt.

 Zurück zum Rosenbach: Er wird von mehreren kleinen Zubringern, darunter dem Abfluss des Heschteichs, gespeist. Er verläuft weiter durch das Rosental im Bezirksteil Hütteldorf des 14. Gemeindebezirks Penzing. Dabei passiert er mehrere Kleingartenanlagen. Er fließt durch den Dehnepark, wobei er den Dehneparkteich speist. Der Rosenbach führt das ganze Jahr über Wasser. Beim Rosenbach besteht eine sehr hohe Gefahr von Überflutungen. Im Fall eines Jahrhunderthochwassers sind in sehr hohem Ausmaß Infrastruktur und auch in hohem Ausmaß Wohnbevölkerung betroffen.

Der Rosenbach ist ein naturnaher Wienerwaldbach. Er ist ein Lebensraum des seltenen Steinkrebses Im Bach finden sich Eintagsfliegenlarven und Bachflohkrebse, Nachweis für seine gute Wasserqualität. Im Dehneparkteich wurden Hechte, Karpfen, Rotwangen-Schmuckschildkröten und Signalkrebse ausgesetzt. Diese sind jedoch Fressfeinde sämtlicher Amphibien, für die der Teich dadurch unbewohnbar wurde. Außerdem übertragen Signalkrebse die Krebspest auf Steinkrebse.

Der Rosenbach mündete im 18. und 19. Jahrhundert in den Mariabrunner Mühlbach. Sein Unterlauf war deshalb bereits Mitte des 18. Jahrhunderts vollständig begradigt. Der spätere Dehnepark wurde von 1791 bis 1804 als englischer Landschaftsgarten angelegt. Dabei wurde der Rosenbach in diesem Bereich verlagert und reguliert. An der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert erfolgte die Einwölbung des Unterlaufs des Rosenbachs. Dabei verschwand auch der Mariabrunner Mühlbach in der Kanalisation. Ich kann nur immer wieder betonen, ich finde es verständlich, aber schade, dass so viele Wiener Bäche oder Bachteile in der Kanalisation verschwunden sind. Manche von ihnen wieder zu öffnen, würde doch sicher das Klima der Stadt nachhaltig verbessern? Der Rosenbach wird heute von neun (Fußgeher-)Brücken überquert.

Aber nun zum eigentlichen Rosental und zu den bereits erwähnten Kleingartensiedlungen.  1909 entstand der Verein „Schrebergärten Wien und Umgebung“ – heute „Kleingartenverein Rosental“. 1910 wurden die Rosentalgründe gepachtet. 1911 wurden Parzellen vergeben, die Rosentalgründe eingezäunt, Gärten angelegt, Werkzeughütten und Gartenlauben errichtet, das große Schutzhaus gebaut, 1913 kommt es zum Anschluss an die 2. Wiener Hochquellen-Wasserleitung, Ausarbeitung einer Schrebergartenordnung und Zulassung von Übernachten in den Gärten.  1931 hat sich die Anzahl der Gärten (850) bereits verdoppelt.

Auch die Politik betrifft die Kleingartensiedlungen: zwischen 1934 – 1938 kommt es zur zeitweisen Auflösung des Vereins im Ständestaat wegen Tätigkeiten im sozialdemokratischen Sinn. 1938 erfolgt die Zwangseingliederung in den „Reichsbund Deutscher Kleingärten“ – und damit die Befolgung des Erlasses des Reichsarbeitsministers “Es ist Sorge zu tragen, dass ungeeigneten Familien gekündigt wird…“ In dieser Zeit wuchs in diesen Gärten viel mehr Gemüse, zur Eigenversorgung. Oft auch Erdäpfel, die sind dann den prächtigen Blumen gewichen. Aber halt: jetzt beginnt der Trend sich umzukehren – die Regionalität der Eigenversorgung kann man am besten im eigenen Garten verwirklichen.

Ab 1945 kam es zum Wiederaufbau und zu einer demokratischen Vereinsführung, 1982 zur internationalen Auszeichnung, trefflicher Weise „Die Goldenen Rose“ genannt. 1992 ist der Beginn der Umwidmung auf „Erholungsgebiet Kleingarten für ganzjähriges Wohnen“. Damit wird ganzjähriges Wohnen und Verbauung von maximal 50m² möglich. Dann werden bereits die ersten Pachtgründe im Eigentumsbesitz erworben. 2010 haben bereits von 896 Kleingartenbesitzern 135 ihre vormals Pachtgründe von der Gemeinde Wien durch Kauf im Eigentum erworben. Ab dann wurde in den verschiedenen Kleingartensiedlungen eifrig gebaut. Ob damit der ursprünglichen Idee der Schrebergärten wirklich Rechnung getragen wird?

Na leider ist die Geschichte des Rosentales jetzt doch etwas „unromantisch“ geworden, aber schön ist’s dort noch allemal. (Und von den Schrebergärten – im Allgemeinen und den Dehnepark im Besonderen erzähle ich Ihnen dann demnächst.)

Das Rosental zu Wien

2 Gedanken zu “Das Rosental zu Wien

  1. Christa Reitermayr schreibt:

    Danke für die viele Informationen – als „Transdanubierin“ kanne ich das Rosental bzw. den Dehnepark kaum – ich werde einen meiner nächsten Ausflüge dorthin machen!

    LG, Christa Reitermayr

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