Ein traditionelles Familientreffen

Einer meiner Neffen und seine Frau veranstalten jährlich ein Gartenfest. Diese Tradition gibt es schon sehr lange. Das Datum schwankt, anfänglich war es zu Anfang September (Schulbeginn), da sollten alle wieder in Wien zurück sein – aber das war dann häufig durch Regen beeinträchtigt. Dann wurde es in den Juli oder August verlegt, aber auch da plagte Regen häufig diese Zusammenkunft.

Heuer war uns das Wetter hold. Dennoch, ich fürchtete dieses Fest. Warum: naja, es wird von einem Teil der Familie veranstaltet, mit dem der Kontakt nach dem Tod meines lieben Mannes schon viel „lockerer“ geworden ist. Und außerdem: aus dieser Gruppe fehlen die „Oldies“. Mein Mann, sein Bruder, dessen Frau waren nicht mehr dabei, eine Tante, die herrliche Kekse gebacken und zu diesen Festen immer mitgebracht hat, sonst aber manchen etwas auf die Nerven ging – fehlte dennoch. Der Mann einer weiteren Tante der Hausfrau war nicht mehr dabei, und so war ich plötzlich- naja, nicht ganz so plötzlich, aber gestern kam es mir halt so zu Bewusstsein – die Älteste glaube ich. Und ich kam mir ein bissel verloren vor.

Eine Nichte, mit der ich doch mehr Kontakt gehalten hatte, die ich sehr mag, die originell ist und immer wieder Interessante Dinge unternimmt, hatte mich „mitgenommen“.  Denn in den sogenannten Kleingarten im Rosental kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur „umständlich“, also Umsteigen und Fußweg. Was halt dann doch dauert, bei gut geplanter Verkehrslage wahrscheinlich eine Stunde.

Meine Familie, die auch eingeladen gewesen wäre, ist derzeit über ganz Europa verteilt und ist daher nicht zu diesem Fest gekommen.

Wir, meine Nichte und ich, waren recht früh dran, nur die Familie meines Neffen und seiner Frau waren anwesend, ja und die neue Freundin des Sohnes, die gerade an dem Tag auch ihren Geburtstag feierte.  

 Ja, und der Familienhund – im Grunde die „Hauptperson“. Ein liebes Tier, trotz erheblicher Größe hält sie sich für einen Schoßhund, aber grundsätzlich gut erzogen und folgsam. Von dieser Hundeerziehung war dann im Laufe der Gespräche noch viel und ausführlich die Rede.  Die anderen, die Verwandten der Frau meines Neffen, deren Verwandtschaftsgrade ich teilweise nur erahnen kann, „tröpfelten“ später nach und nach ein. Ein weiterer Hund betrat die Bühne, meines Erachtens war er weit weniger gut erzogen, denn er machte sich über die bereitgestellten Brötchen her und schleckte den Aufstrich bw. den Belag der Brötchen ab. Er folgte dem Aufruf, das zu unterlassen, nur sehr unwillig. Bei den früheren „Gartenfesten“ hatte es keine Tiere gegeben.

Also vielleicht sollte ich noch kurz über die Speisen- und Getränkefolgen berichten: Man wurde mit Prosecco willkommen geheißen. Auf einem Tischchen wurden Mehlspeisen bereitgestellt. Dazu ist zu bemerken, dass die Frau meines Neffen eine sehr ambitionierte Köchin ist. Es gab daher mehrere Arten von Mehlspeisen.  Eine davon während der Produktion kurz gefährdet gewesen, da in der Küche des Kleingartenhauses eine wesentliche Zutat fehlte. Kurz entschlossen wurde diese ersetzt – und so entstand ein anders gearteter Kuchen, der selbstverständlich von allen dann gebührend gelobt wurde. (Leider wurde diese Geschichtebei jeweils neu eintreffenden Gästegruppen neuerlich erzählt.)

Alsdann gab es eine Pfirsichbowle, ein Getränk, das ich ein wenig fürchte, weil es einerseits wirklich köstlich schmeckt, andererseits aber – besonders durch die darin befindlichen „angesoffenen“ Früchte, sowie dem Rum und dem Cointreau – sehr rasch zur Trunkenheit führt. Ich hielt mich daher außerordentlich zurück, obwohl ich die weißen Nektarinen, die in der Bowle schwammen, schon sehr (na sicher nicht lecker) aber wohlschmeckend fand.

Und im Hintergrund, auf dem Tischchen, standen die traditionellen Brötchen (die auch dem Gast-Hund so gut schmeckten). Brötchen gab es jedes Jahr, weil zu Beginn, in den grauen Vorzeiten der Familiengeschichte, entschieden worden war, dass die Hausfrau während dieser Sommerfeste entlastet bleiben sollte. Grundsätzlich eine richtige Entscheidung, Und die Brötchen heuer waren auch besonders gut, vor allem die Fischbrötchen.

Gespräche, zwischen ca. 15 Personen, die um einen Tisch, auf einer Terrasse sitzen, sind schwierig. Eine Zeitlang dominiert einer oder meist eine, ansonsten zerbröseln die Gespräche in Gruppen, an denen man sich dann beteiligen kann – oder nicht.  Einer der Anwesenden, ein Arzt, hat gleich das Thema Corona ins Spiel gebracht, das die anderen bis dann eigentlich eher gemieden hatten. Die Gespräche waberten dann über Urlaubsziele, auch Costa Smeralda in Sardinien war darunter, und über die hohen Hotelpreise – für mich evident, dort wurde berichtet.  Dem wurde gekontert, dass die Preise in Porto Fino auch nicht billiger wären.  Es wurde weniger über die Schönheit der Orte als über die Kosten und die Staus berichtet.  

Der Swimming-Pool, der bei 31 ° doch eingeladen hätte, wurde vollständig ignoriert!

Hätte ich mein eigenes Auto gehabt, wäre ich sicher früher nach Hause gefahren, da ich leicht Rückenschmerzen bekomme, wenn ich lange auf demselben Sessel sitze. Aber die einstündige Heimreise wollte ich mir dann doch nicht antun. Aber es ist gut, dass ich diesen Teil des Groß-Clans wiedergesehen habe.

Ein traditionelles Familientreffen

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