Eine Buchempfehlung

Erik Larson: the Splendid and the Vile

A Saga of Churchill, Family, and defiance during the Blitz

Das ist ein großartiges Sachbuch. Der Autor nutzt Tagebücher, Original Dokumente aus diversen Archiven, und einst Geheimberichte. Es ist brillant geschrieben und keine Minute langweilig.  Es zeigt das Leben in England, als dieses sich allein Europa gegen Hilter verteidigte – und auf die Hilfe Amerikas hoffte – uns sie auch einforderte.

Als Churchill sein Amt als Premierminister antrat, fielen die Truppen Hitlers gerade in Holland und Belgien ein, Polen und die Tschechoslowakei waren bereits gefallen. Dünkirchen stand in zwei Wochen bevor. Während der nächsten zwölf Monate wird Nazideutschland den englischen Feind schonungslos bombardieren, das führte zum Tod von 45 000 Briten.

Es war Churchills Aufgabe, das Land zusammenzuhalten, und gleichzeitig den zögerlichen Roosevelt zu überreden, dass Britannien ein „würdiger“ Alliierter wäre, der bis zum Letzten kämpfen würde. Aber hauptsächlich musste Churchill seinen Landsleuten beibringen, ihre Angst zu vergessen.  Das war politisches Spiel mit dem Feuer! Gleichzeitig entfaltet sich das private Drama einerseits in Chequers, dem wochenendlichen Rückzugsort mit Familie, Freunden und Kampfgenossen während des Krieges, andererseits Ditchley, wohin Churchill und seine Entourage sich zurückziehen musste, wenn der Mond hell schien und daher die Gefahr der Bombardierung am größten war. Und selbstverständlich in Downing Street 10, in London.

Es geht um Churchill, wie erarbeitete, es geht auch um das Verhalten seiner tapferen Frau Clementine (Clemmie), seiner jüngsten Tochter Mary, die sich gegen die Maßnahmen zu ihrem Schutz durch ihre Eltern auflehnt, deren Sohn, Randolph, und seine schöne, unglückliche Frau Pamela. Und über Pamelas illegalen Liebhaber, den feschen amerikanischen Sonderbeauftragten. Nicht zu vergessen alle Mitarbeiter aus dem engsten Kreis um Churchill, dem sogenannten Secret-Circle, der ihm in den dunkelsten Stunden beriet und beistand.

Es kommen auch seine überarbeiteten Sekretärinnen zu Wort und die höchst unkonventionelle Arbeitsweise Churchills wird dargestellt, er diktierte im Bett sitzend, seine Zigarre paffend, er traf seine Mitarbeiter, nur mit einem Morgenmantel in leuchtenden Farben bekleidet. Sein Arbeitstag ist lang, geht weit über Mitternacht hinaus.

Das Buch ist spannend, auch wenn man auch den Ausgang kennt, Es werden viele Details beschrieben, die (mir) noch überhaupt nicht bekannt waren. Die Fußnoten sind nicht störend. Was mich daran besonders fasziniert, ist der Vergleich mit der Kriegführung heute, welche Methoden und Mittel den Kämpfenden zur Verfügung stehen, die es damals noch nicht einmal gab.

Ein wenig schwierig für mich zu verstehen ist die Tapferkeit, Gelassenheit und Gleichmütigkeit der Briten dem gefährlichen Geschehen damals gegenüber. Besonders wenn ich die Geisteshaltung damals mit der jetzigen – Brexit-Corona-Generation vergleiche. War es wirklich nur die grandiose Rhetorik und der Mut Churchills, ist es auf ihn zurückzuführen, dass diese Nation in der großen Krise zusammenstand und immer wieder- trotz Rückschlägen – neuen Mut fasste?

Mir scheint manches ein bisserl zu glorifiziert, aber ein Lesevergnügen ist es allemal, wenn man die Reden Churchills liest und dazu quasi ihre Entstehungsgeschichte erfährt. Allein das Kapitel über die Limitierung der Tee-Zuteilung ist ein Muster für „English-ness“.

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