Thomas Morus, Patron der Regierenden und der Politiker

Gezeigt in einem Film: Ein Mann zu jeder Jahreszeit

Manchmal werden wirklich gute Filme auch „im Fernsehen“ – diesmal auf ARTE – geboten.  Es ging um „Ein Mann zu jeder Jahreszeit“, die Verfilmung der Lebensgeschichte von Thomas Morus. Der Film, der 1966 unter der Regie von dem großen Fred Zinnemann (österreichischer Filmregisseur mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft) gedreht wurde, basiert auf dem Bühnenstück Thomas Morus (Originaltitel: A Man For All Seasons) von Robert Bolt, der auch das Drehbuch verfasste.

Es waren glänzende Schauspieler, die diese „Großen“ der Geschichte darstellten, es war eben kein „Historienschinken“, sondern fast ein Kammerspiel, indem der Gewissenskonflikt von Thomas Morus herausgearbeitet wurde.  Solche Filme würde ich gerne öfter sehen können. Nachdem ich diesen Film gesehen habe, beschloss ich, mir demnächst gute Biographien von Thomas Morus und Oliver Cromwell zu besorgen.

Kurz zur Handlung des Films: Thomas Morus gilt in England als einer der gerechtesten und weisesten Richter. Er ist Parlamentsmitglied und ein Vertrauter König Heinrichs VIII. Dieser beabsichtigt, die Ehe mit seiner ersten Ehefrau, Katharina von Aragon, für nichtig erklären zu lassen, um seine Geliebte Anna Boleyn heiraten zu können. Dazu benötigt er die Genehmigung des Papstes.

Papst Clemens VII. hätte einer Aufhebung der Ehe Heinrichs mit Katharina eventuell zugestimmt, wenn ihn nicht Katharinas Neffe, Kaiser Karl V., nach dem Sacco di Roma in der Hand gehabt hätte. Als der Papst ablehnte, erklärte Heinrich sich selbst zum Oberhaupt der Kirche von England. Die Geistlichkeit musste den Suprematseid schwören und damit den König – als weltlichem und geistlichem Herrscher – als Oberhaupt der nunmehr anglikanischen Kirche anerkennen

Lordkanzler Thomas Kardinal Wolsey bittet Morus vergeblich, ihn dabei zu unterstützen, auf den Heiligen Stuhl Druck auszuüben. Doch Morus’ Gewissen verbietet es ihm, sich gegen den Papst zu stellen. Als Wolsey stirbt, macht der König ihn zu seinem Nachfolger als Lordkanzler. Schließlich sagt sich der König von der römisch-katholischen Kirche los und macht sich selbst zum Oberhaupt der anglikanischen Kirche. So kann er seine Heiratspläne endlich durchsetzen.

Morus legt deswegen sein Amt als Lordkanzler nieder. Sein Nachfolger wird Staatssekretär Cromwell, einer der schärfsten Widersacher der katholischen Kirche.

Morus löst den Gewissenskonflikt, in dem sich befindet, indem er sich weigert, über das Thema zu sprechen. Da die neuen staatlichen Gesetze den göttlichen widersprechen, sieht Morus sein Schweigen als einzige Lösung. Dass Morus den Treueeid auf den König verweigert, wird von Cromwell als Missbilligung angesehen. Freunde von Morus versuchen, ihn dazu zu bringen, den Eid abzulegen. Doch schließlich zeigt der junge Staatsbedienstete Richard Rich, der immer zu Thomas Morus aufgesehen hatte, die Charakterschwäche, die Morus immer in ihm vermutet hatte. Er belastet Morus durch eine falsche Aussage unter Eid. Vor dem Staatsgericht wird Morus zum Tode verurteilt. Obwohl er seine Familie, die er sehr liebt, verlieren wird, weigert er sich weiterhin, gegen sein Gewissen zu handeln. 1535 wird Morus im Tower zu London enthauptet. Seine letzten Worte sind: Ich sterbe als treuer Diener des Königs, aber vor allem als treuer Diener Gottes.

Thomas Morus (* wahrscheinlich 1478; † 1535) gilt heute als ein Heiliger und Märtyrer der anglikanischen Kirche (Gedenktag am 6. Juli) sowie der römisch-katholischen Kirche (Gedenktag 22. Juni), in der er als Patron der Regierenden und Politiker gilt. Sein als philosophischer Dialog aufgebauter Roman Utopia begründete das Genre des utopischen Romans.

Thomas Morus war ein ungewöhnlich gebildeter Mann, gleichzeitig fachkundiger Jurist und ein geschickter Unterhändler. Seine Unparteilichkeit wurde gerühmt. Er galt als fleißiger Beamter, der sämtliche anhängigen Gerichtsfälle abarbeitete. Als Katholik setzte er sich konsequent für die Autorität des Heiligen Stuhls ein. Er verfasste auch eine Geschichte König Richards III. Diese gilt – auch wegen ihrer meisterlichen Beherrschung der englischen Prosa – als Juwel der englischen Geschichtsschreibung.

Sein bekanntestes Werk ist De optimo statu rei publicae deque nova insula Utopia („Von der besten Verfassung des Staates und von der neuen Insel Utopia“), in dem er 1516 wohl in Anlehnung an Platons Dialog Timaios ein erfundenes Inselreich mit einer ganz anderen Gesellschaftsstruktur beschrieb, als sie zu seiner Zeit in England herrschte. In dem Stadtstaat dieser Insel herrscht eine Art Kommunismus: Die Interessen des Einzelnen sind denen der Gemeinschaft untergeordnet. Wie in einem (idealen) Kloster ist jedermann zu gemeinschaftlicher Arbeit und Bildung verpflichtet und genießt religiöse Toleranz. Grund und Boden sind gemeinsamer Besitz.

1886 sprach die katholische Kirche Thomas Morus selig. Die Heiligsprechung erfolgte 1935, zu einer Zeit, als die Konflikte zwischen NS-Regime und katholischer Kirche durch Nichtachtung der Konkordatsvereinbarungen und Menschenrechtsverletzungen durch die Nationalsozialisten immer offenkundiger wurden. Die Heiligsprechung wurde von einigen als ein Zeichen zum religiösen Widerstand gegen totalitäre Herrschaftsansprüche interpretiert, für den Thomas Morus das Martyrium erlitten hatte. Seit 1980 wird auch in der Church of England Thomas Morus‘ als Märtyrers der Reformation gedacht. Am 31. Oktober 2000 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Patron der Regierenden und der Politiker.

Thomas Morus, Patron der Regierenden und der Politiker

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