Dschingis Khan – der 18. August ist sein Todestag

Wiederveröffentlichung

Heute früh habe ich im Radio gehört, dass der 18. August, also heute, der Todestag von Dschingis Khan ist. Dabei ist mir eingefallen, dass es auch das Sterbedatum Kaiser Franz Joseph I gewesen ist. Aber darüber wird ja jetzt viel und ausgiebig im Rahmen des „Gedenkjahres“ berichtet, sodass ich keinen Grund sehe, auch noch meinen Kren dazu zugeben. Das einzige, was ich bemerken möchte: das Denkmal Kaiser Franz Josephs – im Burggarten – ist zwar sehr sympathisch, aber im Hinblick auf seine Bedeutung doch etwas mickrig, vor allem im Vergleich zu jenem seiner Frau Elisabeth – Sisi – im Volksgarten. In der Otto-Wagner-Ausstellung im Wien Museum habe ich mir viel trefflicher erscheinende Entwürfe für ein solches Standbild gesehen.

Aber zurück zu Dschingis Khan (* wahrscheinlich um 1155, 1162 oder 1167), hier im Westen die „Geißel Gottes“ genannt. Sein Reich war angeblich das bisher größte in der Geschichte, größer als jenes von Alexander dem Großen und größer als jenes der Habsburger (AEIOU) mitsamt ihren Überseekolonien. Aber es dauerte nicht besonders lange. Seine Regierungszeit als erster Großkhan der Mongolen dauerte von 1206 bis 1227. Sein Reich umfasste das Gebiet im Osten bis an das Japanische Meer und im Westen bis zum Kaspischen Meer. Seine Weitsicht zeigte sich aber darin, dass er, um dieses Reich zu verwalten, eine eigene Schrift entwickeln ließ und schriftliche und für alle verbindliche Gesetze durchsetzte. Nach seinem Tod wurde das Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt und noch weiter vergrößert, fiel aber zwei Generationen später wieder auseinander. Einer der vielen Gründe für den Zerfall war die große Zahl der Unterworfenen im Gegensatz zur Minderheit der Oberherren. Erst der grausame Tamerlan wollte es ca. 200 Jahre später wiedererrichten.

 Die Mongolen siedelten ursprünglich im Nordosten der heutigen Mongolei. Sie setzten sich aus nomadischen Hirtenstämmen der Steppe sowie Jägern und Fischern der Waldgebiete zusammen und waren in zahlreiche kleinere Gruppierungen zersplittert. Es bestand eine frühfeudale Ordnung innerhalb der einzelnen Stämme. Stammesübergreifend wurden die Führer für Kriegs-, Raub- und Jagdzüge um 1200 noch von den Stammesfürsten auf einer Kurultai frei gewählt, aber es bildete sich in den Einigungskämpfen jener Zeit eine Militäraristokratie heraus, die im Laufe der Entwicklung der mongolischen Kriegführung sehr viel Macht erlangte und deren Führungspositionen unter Dschingis Khan schließlich erblich wurde.

Der mongolischen Legende nach standen am Anfang des Stammbaums von Dschingis Khan (und auch aller Mongolen) ein Wolf und eine Hirschkuh. Zu dieser Zeit waren die Clans der Steppe in ständige Kämpfe untereinander verwickelt. 1190 vereinte der damals sehr junge Mann, noch Temüdschin genannt, die mongolischen Sippen, welche danach unter seiner Führung begannen, die benachbarten Steppenvölker zu unterwerfen. Als Anreiz für den unbedingten Gehorsam seiner Kämpfer versprach er ihnen reiche Beute auf den noch kommenden Kriegszügen.

1201 gelang ihm ein Sieg über seinen umtriebigsten Rivalen und ehemaligen Schwur- bzw. Blutsbruder, den Gurkhan Dschamucha. 1202, nach einem Sieg über die Merkiten im Norden, fühlte Temüdschin sich stark genug, um an den Tataren im Osten Vergeltung für den Tod seines Vaters zu üben. In blutigen Kämpfen besiegte er die vier Stämme der Tataren. 1203 schlug er die Keraiten und 1204 die Naimanen im Westen. Damit waren die letzten Hürden auf dem Weg zur uneingeschränkten Macht überwunden.

Im Jahr 1206 berief Temüdschin einen Reichstag ein, den sogenannten Kuriltai. Dort wurde er von den anwesenden Schamanen und Stammesfürsten zum „Dschingis Khan“, dem Großkhan aller Mongolen, ernannt und mit dem Titel „ungestümer Herrscher“ (ozeangleicher Herrscher) ausgezeichnet. Durch den Beschluss des Reichstags entstand ein neuer Staat mit Dschingis Khan als unumschränktem Herrscher und alleinigem Gesetzgeber. Die Regierung bildeten seine Mutter, Brüder und Söhne. Er befahl, die alten und neuerlassenen Gesetze in Form eines mongolischen Grundgesetzes, der Jassa, aufzuschreiben. Als nächstes etablierte er eine allgemeine Wehrpflicht. Erst um 1220 kamen genügend ausländische Beamte in mongolische Dienste, sodass man auch an eine Art Zivilverwaltung der unterworfenen Völker denken konnte. Dschingis Khan war selbst Analphabet, erkannte aber trotzdem die Bedeutung des Schriftwesens und ließ darum für die Verwaltung seines Reiches eine eigene Schrift entwickeln.

Im Anschluss an die Einigung des Reiches wandte sich Dschingis Khan der Eroberung Chinas zu. In der Folge eroberte das Heer der Mongolen die reichen muslimischen Königreiche im heutigen Kasachstan, Usbekistan, Iran, Afghanistan und der Türkei; kleine Reiche unterwarfen sich ihm als Vasallen. Es wird geschätzt, dass bei den gewaltsamen Einfällen des mongolischen Heeres etwa 30 % der Bevölkerung ums Leben kam. Dschingis Khan legte Wert darauf, dass bei den Massakern Künstler, Architekten und Verwalter verschont wurden, weil er diese für den Aufbau seines eigenen Reiches benötigte. 1219 zahlte auch Korea an ihn Tribut. Im Jahre 1218 unterwarf der Khan das Kara-Khitai-Reich, das letzte verbliebene Steppenreich am Balchaschsee. Im Westen wurde mit dem islamischen Choresmischen Reich in Persien ein Freundschaftsvertrag geschlossen, doch der Friede währte nur kurz. Bald darauf wurde dort eine mongolische Karawane überfallen und die Reisenden ermordet. 1219/20 besiegten die Mongolen in Transoxanien die Truppen des Choresm-Schahs. Buchara und Samarkand wurden erobert. Etwa zur selben Zeit (1220) griffen die Mongolen den Kaukasus und Südrussland an, und 1223 drangen die Truppen bis in die Ukraine vor. Dort besiegten sie die Ruthenen und Kiptschaken in der Schlacht an der Kalka. Bei all diesen Eroberungen ließ Dschingis Khan seine Krieger ganz besonders grausam vorgehen, was ihren Ruf als Geißel der Menschheit begründete. Andererseits legte Dschingis Khan höchsten Wert auf die persönliche Treue und Loyalität der Menschen gegenüber ihrem Herren oder ihren Freunden.

Als Dschingis Khan 1227 gestorben war, wurden alle Lebewesen in seiner Umgebung, inklusive 2000 Menschen, die am Begräbnis teilgenommen hatten, getötet. Nach mongolischer Tradition wurde der Ort der Grabstätte geheim gehalten und bis heute wurde das Grab von Dschingis Khan nicht gefunden. Seinen Bestattungsort haben angeblich tausend Reiter mit den Hufen ihrer Pferde eingeebnet, und sie sollen nach ihrer Rückkehr sofort hingerichtet worden sein, damit sie den genauen Ort niemandem verraten konnten. Als Dschingis Khan starb, hatte sein Reich eine Größe von 19 Millionen km² erreicht und war damit in etwa doppelt so groß wie das heutige China. Es ist bis heute der einzige Nomadenstaat der Welt, der 200 Jahre lang Bestand hatte. Doch erst unter Dschingis Khans Nachfolgern sollte er seine endgültige Ausdehnung erreichen und zum größten Weltreich in der bisherigen Geschichte der Menschheit werden. Dschingis Khan gilt bis heute als einer der größten Massenmörder in der Geschichte der Menschheit. Dennoch brachte sein gewaltiges Reich seinen Bewohnern für eine lange Zeitspanne Sicherheit und Frieden. Außerdem war er in religiösen Dingen sehr tolerant und bereit, jeder Glaubensrichtung und jeder Staatsphilosophie sein Ohr zu leihen. Dschingis Khan zeugte mit einer Vielzahl von Frauen zahlreiche Kinder, und mehrere seiner Söhne und Enkel taten es ihm darin gleich. Nach einigen Schätzungen leben daher heute etwa 16 Millionen Männer, die Nachfahren des Mongolenherrschers sind.  Hoffentlich haben sie keine politischen Ambitionen.

Parallel dazu führte in Europa eine religiöse Reformbewegung zur Stärkung des Papsttums, dessen Herrschaftsansprüche mit denen des Kaisers im Investiturstreit kollidierten. Damals wurden die Eroberung muslimisch beherrschter Territorien auf der iberischen Halbinsel (Reconquista) als auch die Einnahme Jerusalems durch den ersten Kreuzzug religiös legitimiert. Im Gegensatz dazu begründeten die Normannen ihre Eroberungen Englands und Süditaliens vor allem machtpolitisch. Von Zentralasien aus eroberten die muslimischen Seldschuken ein Gebiet bis nach Anatolien. Die Gebietsverluste in Anatolien schwächten das byzantinische Reich dauerhaft.

Blutige Zeiten!

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