Drei-G oder Ein-G

Der guten Ordnung halber: ich bin weder Virologe noch Epidemiologe oder übe sonst einen segensreichen Beruf in dieser Branche aus. Aber „betroffen“ von der Pandemie bin ich dennoch – wenn ich auch das Glück gehabt habe, mich nicht angesteckt zu haben.

Und da ich mich als Betroffene erachte möchte ich gerne meine Meinung zur G3/G1 Debatte äußern.

Vorweg: ich bin – und darüber bin ich sehr froh und dankbar – geimpft (beide Stiche).

Ich meine auch, dass die Lage verbessert werden kann, je mehr Leute sich impfen lassen. Optimal wäre – wie heute gesagt wurde, wenn es 100% wären, dann wäre die Pandemie wahrscheinlich sehr bald vorbei. Aber das geht halt nicht, schon gar nicht weltweit.

Ich denke mir, dass es einen Anreiz für eine Impfung darstellt, dass man für gewisse Anlässe geimpft sein muss. Wahrscheinlich gilt das besonders für junge Leute, die ungeimpft – an bestimmten Ereignissen nicht teilnehmen dürften. Es wird aber notwendig sein, diese „Anlässe“ sehr sorgfältig auszusuchen, denn Menschen von gewissen Ereignissen auszuschließen – macht sie oft sehr wütend.

Wir alle haben die Demonstrationen der Impfgegner im Frühjahr in Wien erlebt. Ich bin zufällig und unabsichtlich in eine davon hineingeraten und sie hat mich außerordentlich erschreckt – ich habe mich gefürchtet. Zum Glück sind diese Demonstrationen jetzt in Österreich abgeebbt.

Aber wir erinnern uns auch an Frankreich: Das französische Parlament hatte die Verschärfung der Corona-Regeln Ende Juli 2021 verabschiedet. So wurden die Regelungen zum sogenannten Gesundheitspass erweitert:  beim Betreten von Restaurants und Cafés, Gesundheitseinrichtungen, manchen Einkaufszentren, Messen und Jahrmärkten sowie für Fernreisen in öffentlichen Verkehrsmitteln muss eine Impfung, eine Genesung oder ein Negativ-Test nachgewiesen werden. Auch sieht das Gesetz eine Corona-Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegekräfte sowie für Feuerwehrleute und andere Rettungskräfte vor. Seit Wochen demonstrierten in ganz Frankreich Zehntausende Menschen gegen das Gesetz. Mancherorts musste die Polizei Tränengas gegen die Demonstranten einsetzen. Teilnehmer der Protestaktion sahen durch den Pass, der nur an Geimpfte, Genesene und kürzlich auf das Coronavirus Getestete ausgegeben wird, eine Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit. (Manche behaupten allerdings, dass Franzosen gerne und aufgrund vieler Anlässe demonstrieren). Einzelne wandten sich auch gegen die Corona-Impfpflicht für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die ab dem 15. September gilt. Die Impfpflicht ist wiederum eine andere Frage, die gesondert zu behandeln ist!

Die Demonstranten trugen Plakate mit der Aufschrift „Unsere Freiheiten sterben“ und „Impfung: Fasst unsere Kinder nicht an“.

Die meisten Franzosen unterstützen allerdings laut Umfragen den Gesundheitspass. Der Süden Frankreichs gilt als Corona-Hochrisikogebiet. Dazu gehören die französischen Regionen Okzitanien, Provence-Alpes-Côte d’Azur sowie die Insel Korsika und auch die französischen Überseegebiete Guadeloupe, Martinique, Réunion, St. Martin und St. Barthélemy aufgrund gestiegener Ansteckungszahlen.

Ich habe den Eindruck, dass manchen Demonstrationen – zu denen vordergründig gegen „Corona-Maßnahmen“ aufgerufen wird, noch andere Zielsetzungen haben. Manchmal nutzen Oppositionsparteien (perfider Weise) diese Demonstrationen, um gegen die bestehende Regierung zu polemisieren. Manche Teilnehmer an Demonstrationen wollen nur ihren Unmut über die „gegenwärtige (politische) Situation“ zum Ausdruck bringen, oder nutzen sie für andere Anliegen (Klimakrise z.B.).

Dennoch – bei allem Ärgernis über Demonstrationen – ich bin „Betroffene“, weil sie meist in meiner Umgebung stattfinden, und zu erheblichen räumlichen Einschränkungen führen, sollen sie zugelassen werden. Denn „Privilegien“ für Geimpfte führen zu Neid und Hass auf diese „Privilegierten“ von Seiten der „Benachteiligten“. Und das könnte die Grundlage für eine Spaltung der Gesellschaft legen, die auf jeden falls vermieden werden muss!

Um noch auf die Impfplicht gewisser Berufsgruppen zu kommen. In meiner Kindheit gab es noch eine Impfpflicht für Kleinkinder.

Ich habe von 2 Unternehmern in zwei höchst unterschiedlichen Branchen gehört: Ich würde mir wünschen ein Schild an die Tür hängen zu können: „in diesem Betrieb arbeiten nur Geimpfte“. Beiden ist es nicht gelungen, obwohl sie sich sehr bemüht haben, die Impfung so einfach wie möglich – im Betrieb – durchführen zu lassen.  

Ich wünsche mir für meine Enkel und Urenkel, dass sie nur von Lehrern unterrichtet und Kindergartenpädagoginnen betreut würden, die geimpft sind. Denn wenn sie es nicht sind, sollten sie Masken tragen, was weder den Unterricht noch die Betreuung fördert. Ich wünsche mir für alle, die sich im Spital, Kuranstalten, Rehazentren, Altenheimen oder Seniorenresidenzen aufhalten, dass dort alle Bediensteten geimpft wären.

Aber Pflicht? Das ist doch ein sehr gewagter Schritt – vielleicht könnte es mit Überzeugungsarbeit gelingen?

Wenn Sie noch nicht geimpft sind – gehen Sie bitte hin, die COVID-19 und vor allem das mögliche Long-COVID hinterher sind sicher viel viel schlimmer als mögliche Impffolgen.  

Drei-G oder Ein-G

3 Gedanken zu “Drei-G oder Ein-G

  1. Der Eindruck, die Demonstranten betreffend, ist völlig richtig. Die da demonstrieren, nehmen Corona als neuen Vorwand, um zu sagen, daß sie gegen alles sind. Da werden dann auch Impfzentren verwüstet, Impfstoff zerstört – weil man ja so für die Freiheit ist, aber natürlich nur für die Freiheiten, die der eigenen Ansicht entsprechen, alle anderen tritt man mit Füßen.
    Interessant auch: die Ärzteschaft ist komplett durchgeimpft. Die Renitenten sind die Pflegepersonale, die nicht Medizin studiert haben – jedenfalls nicht weiter als bis zum ersten Jahr. Wer von beiden durchschaut und versteht wohl die Funktion der mRNA-Impfstoffe?

    Ich wage zu vermuten, daß diese Leute sich auch noch dem Aufruf, ein Gebäude wegen Bombenalarm zu räumen, widersetzen würden, weil man sich ja vom Staat nichts sagen läßt… Da hat man schon die Fünfte Republik und ist geistig immer noch im Ancien Régime steckengeblieben, wo der Staat der Gegner ist.

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