„Das Leben ein Fest“ Lovis Corinth im Oberen Belvedere

Ein Plakat hat mich auf die Ausstellung aufmerksam gemacht: Lovis Corinth, im Oberen Belvedere.  Ich hatte in anderen Ausstellungen einzelne Bilder von ihm gesehen und war daher an einer Gesamtschau interessiert. Vom wirtschaftlichen Standpunkt ist es nicht besonders schlau, sich einzelne Ausstellungen in großen Häusern – die vieles zu bieten haben – anschauen. Ich finde aber, dass man auf eine Malerpersönlichkeit, ein Thema, eine Landschaft eingehen können soll, und sich nicht durch anderes ablenken lassen soll. Daher kaufe ich mir lieber Jahreskarten, dann kann ich beliebig oft hingehen und mich auch entsprechend konzentrieren.

Diese Ausstellung heißt „Das Leben ein Fest“.

Ganz zu Beginn, als ich seine Biographie las, fiel mir auf, dass Corinth 1858 als Franz Heinrich Louis Corinth in Tapiau, Ostpreußen geboren wurde, und in Königsberg seine erste Ausbildung erhielt. Heute ist Kaliningrad eine russische Exklave an der Ostsee. Königsberg war seit 1724 die Königliche Haupt- und Residenzstadt in Preußen. Die Stadt wurde in der Deutschordenszeit gegründet. Ich habe sie leider nie besucht.

Aber Corinth blieb nicht dort – er ging an die Kunstakademie in München, die zu der Zeit als bedeutendstes Zentrum für Malerei neben Paris galt und mit der Kulturszene dieser Stadt in engem Austausch stand. Er reiste viel, kehrte aber nach München zurück. Corinth zog im Herbst 1901 nach Berlin und wurde Mitglied der Berliner Secession. Auf einer Reise an die pommersche Ostseeküste kamen Corinth und Charlotte Berend, seine sehr begabte Schülerin, einander näher und begannen eine Beziehung. 1902 bis 1904 arbeitete Corinth mit dem Regisseur und Theaterbesitzer Max Reinhardt zusammen. 1904 heirateten Lovis Corinth und Charlotte Berend, die sich für den Doppelnamen Berend-Corinth entschied. 1904 kam ihr gemeinsamer Sohn Thomas Corinth auf die Welt, die Tochter Wilhelmine Corinth folgte fünf Jahre später 1909. 1914 bereiste Corinth Monte Carlo und Rom, dort vor allem den Vatikan, um sich die Fresken von Raffael anzuschauen. Danach führte seine Reise nach St. Moritz, wurde dort jedoch aufgrund des beginnenden Ersten Weltkrieges unterbrochen.

Lovis Corinth erlitt in seinem 54. Lebensjahr einen rechtshemisphärischen Schlaganfall, den er um 14 Jahre überlebte. Er kämpfte anschließend weniger gegen seine motorische Behinderung, die sein Wirken nicht relevant beeinträchtigte, als viel eher mit seinem neuropsychologischen Defizit, welches deutliche Auswirkungen für seine künstlerische Produktion hatte. Über die Hälfte seines künstlerischen Lebenswerks entstand in dieser Zeit. Mich hat dieses Faktum besonders interessiert, da ja mein leider verstorbener Mann zwar keinen Schlaganfall aber eine Gehirnblutung erlitten hatte, und die darauffolgenden Jahre mit seinem starken Willen und Disziplin die Mehrzahl seiner Bücher schrieb.

In den folgenden Jahren entstanden damals populäre Kriegsbilder, Im März 1918 veranstaltete die Berliner Secession eine Ausstellung zum 60. Geburtstag Corinths, im selben Jahr ging der Krieg zu Ende, das Kaiserreich brach zusammen und wurde durch die Novemberrevolution und die nachfolgende Weimarer Republik abgelöst. Corinth sah sich dadurch in seinem Glauben an die deutsche Malerei erschüttert.

Im Jahr 1919 kaufte Lovis Corinth ein Grundstück in Urfeld, auf dem seine Frau Charlotte Berend ihm ein Haus baute. Das Haus am Walchensee wurde zum Rückzugsort des Künstlers, an dem er vor allem Landschaftsbilder, Porträts und Stillleben produzierte, sich von der aktiven Kunstszene allerdings auch immer mehr zurückzog. Am 17. Juli starb 1925 er in Zandvoort nahe Amsterdam an einer Lungenentzündung.

Interessant für mich bei dieser Ausstellung war das Faktum, dass Lovis fast jedes Jahr ein Selbstbildnis – rund um seinen Geburtstag schuf, und da die Bilder sehr wirklichkeitsnah schienen, war dieser Alterungsprozess schon faszinierend. Weiters fand ich einen Film – genannt „die Hand“ spannend, leider nur in schwarz-weiß, in dem der Prozess des Malens des Künstlers abgebildet war.

Die meisten Bilder dieser Ausstellung haben mich fasziniert, manche haben mir sehr gut gefallen, andere haben mich einfach abgestoßen (z.B. die Schlachthausbilder). Es ist keine Frage, Lovis war ein großer Maler, mit wenigen Pinselstrichen konnte er ein großes Gemälde schaffen – ich hatte den Eindruck, dass er sehr ungeduldig gewesen sein muss. Es wird auch berichtet, dass es sehr genoss, als viril wahrgenommen zu werden, und dass er stolz auf seine Eroberungen war. Aber die Bilder besonders von seiner Frau zeugen von Liebe zu ihr. Bezaubernd fand ich die Bilder seiner Kinder.

Die besonders hochgelobten Bilder vom Walchensee waren zwar eindrucksvoll, noch sehr kraftvoll aber mir haben sie weniger gefallen. Irgendwie „gestört“ hat mich die Tatsache, dass sie „schief“ waren, z.B. die Hänge abglitten. Ob das wohl eine Folge des Schlaganfalls war?

Das das Leben ein Fest sein soll, das kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen – bin aber auch keine Künstlerin.  

Ich bin nach dieser Ausstellung nicht in jenen Teil des Belvederes gegangen, wo sich die großartigen mir aber vertrauten Klimts, Schieles, Gerstls, Kokoschkas etc. Bilder befinden, obwohl diese Künstler Corinths Zeitgenossen waren.

Ich empfehle, schauen Sie sich diese Corinth Ausstellung an, es lohnt sich immer über den „heimischen Tellerrand“ hinaus zu schauen.

„Das Leben ein Fest“ Lovis Corinth im Oberen Belvedere

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