Haben Sie heute schon einen Zebrastreifen überquert,

 oder haben Sie vor einem Zebrastreifen angehalten?

Die Streifen sind in Deutschland und in Österreich weiß, daher werden diese dort umgangssprachlich meistens Zebrastreifen bezeichnet. In der Schweiz sind die Streifen gelb, daher hat sich die Bezeichnung Zebrastreifen dort aber auch nicht entwickelt.

Ein Schutzweg ist gemäß § 2 Abs. 1 Z 12 StVO 1960 „ein durch gleichmäßige Längsstreifen (sogenannte „Zebrastreifen“) gekennzeichneter, für die Überquerung der Fahrbahn durch Fußgänger bestimmter Fahrbahnteil“. Das Verhalten von Fahrzeuglenkern vor einem Schutzweg ist im § 9 Abs. 2 StVO, das Verhalten von Fußgängern – und damit auch das Queren der Fahrbahn auf Schutzwegen – ist in § 76 StVO geregelt. Schutzwege vor Schulen werden temporär oft zusätzlich durch Polizisten oder Schülerlotsen gesichert, um Schülern eine problemlose Benutzung des Schutzweges zu ermöglichen.

Der Fußgängerübergang ist eine Querungsanlage auf Straßen für Fußgänger und Rollstuhlfahrer. Ein Fußgängerüberweg ist neben dem Hinweis mit entsprechender Beschilderung oder Ampeln durch breite Linien auf der Fahrbahn gekennzeichnet, die ebenfalls als Verkehrszeichen dienen. Da zwischen Gehsteig und Fahrbahn in den meisten Fällen ein Niveauunterschied (Stufe) besteht, wird die Bordsteinkante an Fußgängerüberwegen in der Regel abgesenkt oder abgeschrägt, um ein leichteres Überqueren auch mit Kinderwagen, Rollstühlen oder Handkarren zu ermöglichen.

Seit wann gibt es eigentlich gesicherte Fußgängerübergänge? Na? Bei den höchst zivilisierten Alten Römern: Als Vorgänger der Zebrastreifen gelten die Fußgängerfurten in Form von auf den Fuhrwerk-Fahrbahnen verteilten Trittsteinen im Straßennetz des Römischen Reiches. Sie ermöglichten den Fußgängern eine sicherere Querung der Straße, da Wagenführer zur erhöhten Aufmerksamkeit gezwungen wurden.

Dann versanken die meisten Fußgänger – im Gatsch. Erst im 19. Jahrhundert nahm in den großen Städten der Verkehr stark zu. Die Fußgänger konkurrierten hier mit den von Pferden gezogenen Wagen, Droschken, Kutschen und Bussen. Es war äußerst gefährlich für Fußgänger damals, da meist erst im letzten Moment gebremst wurde.

Pedestrian Crossing“, die direkte Übersetzung von Fußgängerüberweg, taucht in der Zeitung erstmals 1913 im Zusammenhang mit Straßenbahnen auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm in den westlichen Städten der Automobilverkehr stark zu. Fußgängern gelang es oft nur mit Risiken, eine belebte Straße zu überqueren. Die Britische Regierung nahm sich dieses Problems an, ließ 1948 an Verkehrskreuzungen in London Straßenmarkierungen in Form von zwei parallelen punktierten Linien anbringen und veröffentlichte Schulungsfilme zum sicheren Überqueren stark befahrener Straßen.

Der Zebrastreifen taucht in internationalen Vereinbarungen erstmals in dem am 19. September 1949 in Genf unterzeichneten Protokoll über Straßenverkehrszeichen auf. Die Konferenz der Vereinten Nationen über Straßen- und Automobilverkehr fand im September 1949 statt und endete mit der Unterzeichnung eines Abkommens über den Straßenverkehr und eines Protokolls über Straßenverkehrszeichen. Gleichzeitig wurde das Abkommen über die Vereinheitlichung der Wegezeichen vom 30. März 1931 aufgehoben. Diese internationalen Abkommen mussten allerdings noch von den nationalen Parlamenten ratifiziert werden.

Die Zebrastreifen wurden in Mitteleuropa zu Beginn der 50er Jahre eingeführt. Der Vorrang für Fußgänger auf Zebrastreifen wurde erst ca. Mitte der 60er Jahre festgelegt.  Danach wurden allerdings viele Fußgängerübergänge beseitigt, um den Verkehrsfluss aufrechtzuerhalten, wie es in einem Fachartikel von 1967 hieß. Damals galt noch der Vorrang des Autos allüberall.

Gesetze und Verwaltungsvorschriften richten sich heute zunehmend nach der Wahrnehmung durch Fußgänger und Fahrbahnbenutzer. Dies schließt ein, dass ein Zebrastreifen nicht überall sinnvoll ist, wo er nach der Rechtslage eingerichtet werden könnte. Es wird befürchtet, dass der Rechtsanspruch für Fußgänger auf Vorrang in der Praxis oft dazu führe, dass diese nicht mehr im erforderlichen Umfang auf den Straßenverkehr achten. Erhöht sich die Sicherheit dadurch nur scheinbar?

Die Akzeptanz von Zebrastreifen durch die Verkehrsteilnehmer spiegelt sich in dem für Straßenverkehrsdelikte ausgesprochenen Strafmaß im Laufe der Zeit. Das Wort „Zebra Crossing“ taucht in der Londoner Times erstmals 1951 im Zusammenhang mit dem Tod einer Frau auf, die auf dem Zebrastreifen die Straße überquerte, kurz vor Erreichen der anderen Straßenseite stehenblieb und von einem Auto überfahren wurde. Der Fahrer bekannte sich schuldig und wurde wegen Fahrlässigkeit zu £ 20 und wegen Missachtung der Fußgängerpriorität zu £ 2 Geldstrafe verurteilt.

Die mit dem Zebrastreifen angestrebte Erhöhung der Sicherheit des Fußgängers beim Überqueren der Straße verkehrt sich häufig ins Gegenteil, wenn irreguläres Verhalten Platz greift.

Daher werden, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, immer wieder Versuche gestartet die Wahrnehmbarkeit der Schutzwege zu verbessern. Dennoch, „ganz sicher“ ist diese Einrichtung nicht. Besonders bei geregelten Kreuzungen und abbiegenden Lastwagen kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen sowohl mit Radfahren als auch mit Fußgängern. Dagegen könnte ein gesetzlich vorgeschriebener „Abbiegeassistent“ helfen. Das ist eine sicherheitswirksame technische Einrichtung in Kraftfahrzeugen, die Verkehrsteilnehmer als Radfahrer oder Fußgänger im direkten Umfeld am Fahrzeug erkennt und den Fahrzeugführer akustisch, optisch, taktil oder in sonstiger Weise warnt, um dann bei Bedarf eine Notfallbremsung einzuleiten.

Ausgelöst durch einen Unfall in Wien, bei dem ein Bub durch einen nach rechts abbiegenden LKW getötet wurde, begann die Diskussion über eine Verpflichtung schon vor einer EU-weiten Regelung. Nach Empfehlung und Förderung zum freiwilligen Einbau österreichweit, sollte nach einem Verordnungsentwurf durch die Stadt Wien, ab 1. April 2020 ein Abbiegen nach rechts von LKWs mit einem Gesamtgewicht über 7,5 Tonnen ohne Assistenten nicht mehr erlaubt sein, was einer Verpflichtung zum Einbau gleichkommt. Diese Verordnung wurde jedoch auf Grund der Corona-Regelungen noch immer nicht umgesetzt.

Und alles ist noch viel komplexer geworden, seit es viele weitere Fahrzeuge – wie Fahrräder, Lastenrädert, Elektroroller etc. auf den Straßen gibt.

Falls Sie heute einen Zebrastreifen queren, passen Sie dennoch auf (wie der sprichwörtliche Haftelmacher), denn es gibt Fahrzeuge, die sich nicht an die Regelungen halten.

Haben Sie heute schon einen Zebrastreifen überquert,

4 Gedanken zu “Haben Sie heute schon einen Zebrastreifen überquert,

  1. In Frankreich gibt es heute zwar fast ausschließlich „Zebrastreifen“, aber sie werden noch oft als „passage clouté“ bezeichnet, weil wohl die ersten Fußgängerüberwege durch große – flache und für Reifen ungefährliche – Nagelköpfe markiert waren. Davon kommen wohl auch die Ausdrücke „être dans les clous“ bzw. „être hors des clous“, je nachdem ob man im Rahmen des Erlaubten handelt oder eben nicht.
    Vielerorts in Frankreich werden Zebrastreifen als Mittel zur Verlangsamung des rollenden Verkehrs ge- (miß-?)braucht, manchmal alle zehn bis fünfzehn Meter. Der Erfolg ist nicht, daß die Autos langsamer fahren, sondern daß niemand mehr auf die weißen Streifen achtet. Unter Umständen ist es auch gefährlich, für Fußgänger zu bremsen, weil die Klette auf der hinteren Stoßstange weder die Abstandregeln einhält noch damit rechnet, daß man bremsen könnte.

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  2. Andreas Springsholz schreibt:

    Leider reißt es immer mehr ein, dass sichtlich nur mehr wenige die StVO – Verkehrsregeln kennen bzw. sträflich mißachten – bei Allen Verkehrsteilnehmern !
    Wir hatten in Ottakring in letzter Zeit leider noch zwei weitere Verkehrstote – 1. Kreuzung Schumeierplatz / Thaliastraße – Verkehrsgegner ein LKW und eine Radfahrerin, beide von der Possingergasse kommend, bei der Kreuzung wollte der LKW rechts stadteinwärts abbiegen, als ihm vermutlich rechts am Mehrzweck-Streifen eine Radfahrerin überholen wollte und unter die LKW-Räder kam. Auch wenn ich als RadfahrerIn einen Mehrzweckstreifen benutze, sagt doch der Hausverstand, das man nicht rechts an einem abbiegenden LKW vorbeifahren kann. Und zweiter Toter Kreuzung Thaliastraße / Weinheimergasse ( neben S 45 Vorortelinie ) – der LKW hatte grün und fuhr gerade von der Huttengasse, über die Thaliastraße in die Weinheimergasse als ein Fußgänger bei ROT die Kreuzung überquerte. Zwei tragische Fälle, wo sich nicht Alle an die geltenden Regeln gehalten haben, leider die schwächeren, die mit ihrem Leichtsinn mit dem Leben bezahlen mußten.
    Es wäre wieder höchste Zeit schon ab dem Kindergarten Verkehrserziehung zu intensivieren

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