Österreichische Pensionsverhältnisse und ihre Konsequenzen

Der Staat handelt bestenfalls „zwiespältig“. Die Anhebung des Pensionsfrauenalters von 60 auf 65 – ganz langsam und graduell – hat gerade erst begonnen. Konsequenz:  Frauen können – bei Bedarf – früher aus dem Arbeitsprozess „eliminiert“ werden, als Männer.

Zeitgleich wird eine Frau an die Spitze der ÖBAG (Österreichische Beteiligungs AG, verwaltet die Beteiligungen der Republik Österreich an einigen börsennotierten Unternehmen) berufen. Sie wurde 1957 geboren, ist also 64 Jahre alt – nach den derzeitigen Pensionsregelungen gehörte sie schon in Pension.  Absurd, werden Sie sagen, zu Recht.

Ich halte auch z.B. die Frühpensionierungen, die noch immer allenthalben einerseits von den Betroffenen selbst, andererseits von Unternehmungen angeboten bzw. angestrebt werden, die gerne ihre alten teuren Mitarbeiter loswerden wollen. Es wird argumentiert, dass es für „Ältere“ keine Arbeitsplätze gäbe. Vielleicht liege ich falsch, aber derzeit werden doch fast händeringend kompetente erfahrene (Fach-)Kräfte gesucht. Ältere Menschen sind nicht so unflexibel, wie sie manchmal hingestellt werden – es wäre doch einen Versuch wert sie diese Lücke, die derzeit besteht, wenn schon nicht zu schließen, doch kleiner zu machen.

Mir ist schon klar, dass es Berufe gibt, die die Menschen auspowern, die schon aus gesundheitlichen Gründen dringend von der Arbeit – in diesen Jobs – entlastet werden müssen. Aber eine zu frühe Pensionierung kann unter Umständen negative Konsequenzen haben. Der abrupte Wechsel von „auf Hochtouren laufen“ zu eigentlich keine Aufgabe zu haben, ist für manche sehr schwierig. Mit dem Verlassen des Arbeitsplatzes gehen auch viele „Freunde“ verloren. Den früheren Arbeitsplatz zu besuchen, ist auch problematisch, denn die dauernd stattfindenden Umstrukturieren mach es schwer, die „alten“ Kollegen zu finden. Außerdem stellen die Besuche eine Unterbrechung der Arbeit dar und sind von den Chefs „bei aller Liebe“ gar nicht gerne gesehen. Der besuchende Pensionist wird als lästig empfunden. Das „after-work-beer“ z.B. gibt es für den Pensionisten auch nicht mehr. Die Gefahr zu vereinsamen ist groß. Das so beliebte Reisen ist erstens teuer und zweitens in der Corona-Zeit auch nicht immer möglich gewesen. Was folgt, kann katastrophal sein: Geringere Bewegung, oftmals Mehr-essen, gelegentlich auch mehr Trinken und vielleicht sogar Rauchen. Genau diese Faktoren sind es, die dann eine Frühpension frühzeitig – durch Tod – beenden. Die auf vielen Sektoren zur Verfügung stehende ehrenamtliche Arbeit wird leider noch selten in Anspruch genommen.

Diese eben beschriebenen Vorgänge betreffen meist Männer. Frauen sind durch Haushaltsführung bzw. oft auch durch Übernahme von Enkelkindern sehr bald, auch in der Pension überbeschäftigt. Auch die Betreuung von Gebrechlichen, Kranken und Behinderten (in der Familie) fällt Frauen in Pension zu.

Aber diese Frauen haben noch ein zusätzliches Problem, ihre Pension ist in den meisten Fällen klein! Anfangs, als sie jung waren, war es sehr schwer “hinaufzukommen“. Die Chefs betonten oft, dass Frauen Kinder kriegen (no na), und dann eh zu Hause blieben. Die Frauen kriegten Kinder, blieben aber nicht zu Hause, sondern begannen Teilzeit zu arbeiten. Damit wuchs das Pensionskonto nicht mehr besonders stark an; und zweitens war es unüblich, Teilzeitarbeitskräfte zu befördern bzw. gar zu Chefs zu machen. Ihnen wurde meist nur viel und ungeliebte Arbeit zugeschanzt. Wenn sie letztlich in die „volle Arbeitszeit“ zurückkehrten mussten sie oft „von ganz vorne“ anfangen, schon deshalb, weil sich laufend technologische Änderungen ergeben hatten. Fortbildungskurse wurden Teilzeitarbeitenden oftmals verweigert, und bald galten Frauen dann als „alt“ (d.h. 40 Jahre alt!) nach dem Motto: die geht eh bald in Frühpension. Manche Frauen wurden so regelrecht hinausgemobbt. Unter all diesen Umständen fällt die staatliche Alterspension ziemlich mager aus.

Früher war man durch eine Ehe „versorgt“, das heißt für Frauen sorgte z.B. der Ehemann im Alter. Aber wir wissen auch, dass jede zweite Ehe in Österreich geschieden wird. Also fällt dieser Schutzschirm – die Witwenpension – in vielen Fällen weg.

Frauen und Männer leiden unter der derzeitigen Pensionssituation. Wie schon erwähnt, es werden Arbeitskräfte dringend gesucht, Warum nicht auf diesen Pool von (früh-)pensionierten Menschen zuzugreifen? Manche würden sich über eine Arbeit – vielleicht auf Zeit – vielleicht zur Einschulung der Jungen, die gerade jetzt eintreten – durchaus freuen. Es muss ja nicht die volle Arbeitszeit sein.

Ich glaube es ist Zeit für die Regierendern die Pensionssituation endlich neu zu denken. Als ich zu arbeiten begonnen habe, hieß es, dass man in der Pension (mit Glück) noch zehn gute Jahre hätte. Heute sind aus diesen zehn Jahren zwanzig, sogar dreißig geworden.

Diese Last muss finanziert werden! Da könnte z.B. das sofortige vollständige Angleichen des Pensionsalters für Frauen an jenes der Männer eine gewisse Erleichterung bringen.

Aber da blockiert die alte österreichische Haltung: die lebenslange Freude auf die Pension!

Österreichische Pensionsverhältnisse und ihre Konsequenzen

3 Gedanken zu “Österreichische Pensionsverhältnisse und ihre Konsequenzen

  1. Emmanuel Macron sieht das ganz ähnlich – das gelbbewestete Straßenvolk natürlich nicht.
    In Deutschland hat man im Beamtenrecht einiges schon früh neugeordnet, auch im Hinblick auf die Pensionslast für die öffentliche Hand (im deutschen Sprachgebrauch ist Pension das Ruhegehalt der Beamten; die Versicherungsleistung für die Altersversorgung der Arbeiter und Angestellten heißt Rente), während die Anpassung des Rentensystems sehr viel schwieriger ist und mehr Protest auslöst.

    Ich gehe für mich davon aus, bis mindestens 70 aktiv zu sein, wenn es die Gesundheit erlaubt. Das war noch vor 50 Jahren in der Evangelischen Kirche von Westfalen das Pensionsalter für Pfarrer.
    Meine jetzige Kirche kennt allerdings keine Pensionierung aus Altersgründen, lediglich wegen Berufsunfähigkeit. Es gibt allerdings eine Leitlinie, die (derzeit noch) die Pfarrer ermuntert, mit Erreichen des 65. Lebensjahres die Berufsunfähigkeit zu erklären.

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    1. Bleiben Sie gesund und arbeiten möglichst lange. Ich bin nicht gern aus dem Erwerbsprozess ausgestiegen. Dann – mit 69 habe ich begonnen Bücher zu schreiben; nachdem ich nach 8 Stück genug von Verlagen hatte, habe ich meinen Blog begonnen .

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      1. So ungefähr habe ich mir das auch vorgestellt. Mein Vater war froh, die Schule hinter sich zu lassen, aber ich kenne viele ältere Kollegen, denen das Loslassen sehr schwer fällt. Leider sieht das französische System keine Altersteilzeit vor, wenn man nicht große Einbußen bei den Altersbezügen hinnimmt. Sonst könnte man sich ja „ausschleichen“ wie das schon mein Großvater vor 50 Jahren tat, indem er seinen Nachfolger einarbeitete und seine eigene Arbeitszeit schrittweise reduzierte.

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