Zur Abschaffung der Sklaverei

Und das Wiederauferstehen in anderer Form

Bereits die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte macht in Artikel 4 deutlich: „Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten.“

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden der Sklavenhandel und die rechtlich legitimierte Sklavenhaltung in den westeuropäischen Staaten und ihren Kolonialgebieten zunehmend infrage gestellt, bekämpft und schrittweise verboten. In den USA musste die Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1865 mit einem mehrjährigen Bürgerkrieg erkämpft werden.

Im „Übereinkommen betreffend die Sklaverei vom 25. Sept. 1926“ des Völkerbunds verpflichteten sich die Vertragsstaaten schließlich, „Sklavenhandel zu verhindern und zu unterdrücken“ und auf die Abschaffung der Sklaverei in all ihren Formen hinzuwirken.

Seit 1930 gilt zudem ein Übereinkommen über Zwangs- und Pflichtarbeit der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Als Zwangsarbeit gilt „jede Art von Arbeit oder Dienstleistung, die von einer Person unter Androhung irgendeiner Strafe verlangt wird und für die sie sich nicht freiwillig zur Verfügung gestellt hat.“  Ausgenommen sind Arbeiten im Militärdienst, übliche Bürgerpflichten, Arbeit im Strafvollzug, notwendige Arbeit in Fällen höherer Gewalt und Arbeiten, die dem unmittelbaren Wohl der Gemeinschaft dienen.

Das internationale Verbot und die Ächtung der Sklaverei wurde von den Vereinten Nationen zuerst 1948 als Grundsatz in die Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte übernommen und 1953 als internationales Abkommen, welches 1956 um das Zusatzübereinkommen über die Abschaffung der Sklaverei, des Sklavenhandels und Sklaverei ähnlicher Einrichtungen und Praktiken ergänzt wurde. Der Begriff der Sklaverei wurde in diesem Abkommen um Praktiken wie die Schuldknechtschaft, die Leibeigenschaft und den Verkauf von Frauen oder Kindern inhaltlich erweitert.

Ein weiteres ILO-Übereinkommen umfasst inhaltliche Erweiterungen:  Zwangsarbeit als Mittel politischen Zwanges oder politischer Erziehung oder als Strafe gegenüber politischen oder ideologischen Gegnern; als Methode der Rekrutierung und Verwendung von Arbeitskräften zur wirtschaftlichen Entwicklung; als Maßnahme der Arbeitsdisziplin; als Strafe für die Teilnahme an Streiks; als Maßnahme rassischer, sozialer, nationaler oder religiöser Diskriminierung.

Somit ist Vieles verboten, das dennoch in anderer Form auch heute noch praktiziert wird. Zur modernen Sklaverei gehören: Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, Zwangsprostitution, Zwangsheirat, Menschenhandel. Damit sind vielfältige Situationen der Ausbeutungen beschrieben, die eine Person aufgrund von Drohungen, Gewalt, Zwang, Irreführung und/oder Machtmissbrauch aus eigener Kraft nicht verlassen kann.

Es wird geschätzt, dass sich aktuell etwa 45.8 Millionen Menschen in klassischer Sklaverei, Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft, Zwangsprostitution und Menschenhandel befinden. Laut einem ILO waren 2016 40.3 Millionen Menschen Opfer moderner Sklaverei. Davon waren 24.9 Millionen von Zwangsarbeit betroffen, und 15.4 Millionen waren Opfer einer Zwangsheirat. Weiter waren rund 10 Millionen der Betroffenen minderjährig, also Kinder und Jugendliche. Diese sind insbesondere Opfer von Zwangsheiraten und von sexueller Ausbeutung.

UNICEF hinwieder schätzt, dass weltweit etwa 168 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren (mit-)arbeiten müssen. Selbst wenn nur ein kleinerer Teil davon als Kindersklaven gelten dürfte, zeigt es die Problematik der Schätzungen. Am meisten verbreitet ist die Zwangsarbeit im privaten Sektor, wovon die Schuldknechtschaft etwa die Hälfte ausmacht. Deutlich weniger Menschen sind von staatlicher Zwangsarbeit betroffen – vergleichbar der Anzahl von Frauen, die zur sexuellen Ausbeutung gezwungen werden. Eine deutlich größere Anzahl von Frauen hat eine Zwangsheirat erfahren.

Und welche Gründe bestehen für die heutige Sklaverei? Früher gerieten Kriegsgefangene, entführte Personen oder Schuldner in eine gesellschaftlich legitimierte Sklaverei, worauf ihre in Gefangenschaft gezeugten Nachkommen ebenfalls das Stigma der Sklaverei trugen. Diese erbliche Form der Sklaverei gibt es noch immer, wenn auch wegen der weltweiten Sklaverei Verbote zunehmend weniger.

Weiter verbreitet ist heute die Schuldknechtschaft. In diversen Ländern vergeben Privatpersonen oder private Unternehmen bedürftigen und oftmals perspektivlosen Privatpersonen Kredite zu überhöhten Zinsen. Häufig wachsen die Schulden durch die Zinsen schneller als sie zurückbezahlt werden können. Dadurch kann ein Verhältnis der Zwangsarbeit entstehen. Die Arbeit findet häufig unter schlechten Arbeitsbedingungen, Gewalt oder Gewaltandrohung, Missbrauch und sexueller Ausbeutung statt. Schulden werden dabei auch über Generationen weitergegeben und bewirken dabei eine Form erblicher Sklaverei.

Es werden weltweit rund 4,8 Millionen Menschen sexuell ausgebeutet, 99 Prozent davon Frauen. 21 Prozent der Opfer sind minderjährig. Menschenhandel zwecks sexueller Ausbeutung entsteht im Kontext von weltweit vorherrschenden Ungleichheits- und Machtverhältnissen und ist eng mit geschlechtsspezifischer Diskriminierung verknüpft. Frauen sind verletzlich. Menschenhändler nutzen diese Verletzlichkeit aus.

Weltweit werden rund 4,8 Millionen Menschen sexuell ausgebeutet, 99 Prozent davon Frauen. 21 Prozent der Opfer sind minderjährig. Obwohl in vielen Ländern kulturelle Praktiken die Grundlage für Zwangsheiraten oder für den Brautkauf sind, ist die Zwangsheirat auch Teil der modernen Sklaverei.

Rund ein Viertel der modernen Sklaven sind Kinder. Viele von ihnen schuften in Haushalten oder auf landwirtschaftlichen Betrieben und Plantagen. Viele Minderjährige fallen auch der Zwangsprostitution zum Opfer.

Die ILO hat den Einsatz von Kindern als Soldaten als extreme Form von ausbeuterischer Kinderarbeit definiert. In Krisengebieten werden Kinder verschleppt und als Soldaten zwangsrekrutiert. Unter massiver Gewalt und Misshandlung werden die Minderjährigen dazu gezwungen, Kriegsgräuel zu vollbringen – Taten, die ein lebenslanges Trauma auslösen.

Ich stehe ziemlich fassungslos vor der Tatsache dieser modernen Sklaverei. Man kann als Einzelner kaum dazu betragen – und das ist frustrierend. 1998 erklärte die UNESCO den 23. August zum Internationalen Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung! Der Internationale Tag gegen Kinderarbeit, der von der ILO 2002 ins Leben gerufen wurde und jedes Jahr am 12. Juni stattfindet, soll ein kritisches Bewusstsein für diese Ausbeutung von Kindern schaffen.

Ob das hilft?

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