Beleuchtung oder Lichtverschmutzung

Eine Wiederveröffentlichung aufgrund der Tatsache, dass heute, an einem 2. September 1667 die Straßenbeleuchtung  eingeführt wurde, um das nächtliche Geschehen polizeilich besser überwachen zu können.

Betrachtungen betreffend Straßenbeleuchtung

Bekanntlich leben wir in Lockdown-Zeiten. Immer noch! Und das bedeutet derzeit unter vielem anderen: Ausgehverbot nach 20 Uhr. Und wenn ich so auf die Straße schau, wird das auch weitgehend eingehalten, zumindest was die Fußgänger betrifft, Autos sind schon noch jede Menge unterwegs.

Was ich aber nicht verstehe, ist, dass auch jetzt z.B. sämtliche Auslagen beleuchtet sind, sämtliche ist vielleicht übertrieben, jene, die schon endgültig zugesperrt haben, natürlich nicht. Leider werden diese laufend mehr. In meiner Umgebung wurde ein Haus renoviert, seither sind an der Außenseite Beleuchtungskörper angebracht, die das Haus anstrahlen – die ganze Nacht. Zugegeben, es schaut gut aus, das Haus sticht heraus, aber was bringt’s?

Sie werden vielleicht fragen, warum ich weiß, dass die Auslagen, das Haus etc. die ganze Nacht beleuchtet ist, naja, ich schlafe schlecht und bin daher in der Wohnung nächtens viel unterwegs und daher in der Lage, derartiges zu beobachten. Und ich brauche das Licht in der Wohnung nicht aufzudrehen, da die Beleuchtung von außen die Wohnung ausreichend beleuchtet, um darin herumzugehen. Auch manche Stiegenhäuser werden die ganze Nacht beleuchtet, auch das kann für den Schlaf der Bewohner der näheren Umgebung ziemlich störend sein. Wenn in Büros manchmal auch in der Nacht alle Lichter brennen, kann das mehrere Gründe haben: es kann sich um ein Tochterunternehmen eines überseeischen Unternehmens handeln oder die Bedienerin hat nach dem Aufräumen vergessen, das Licht abzudrehen.

Vielleicht werden Sie einwenden, dass ja auch die Straßenbeleuchtung in der Nacht brennt. Eine wesentliche Aufgabe der modernen Straßenbeleuchtung ist es als Bestandteil der allgemeinen öffentlichen Sicherheit die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer in der Nacht zu verbessern. Straßenbeleuchtungen gab es bereits in der Antike. Antiochia am Orontes z.B. besaß eine Straßenbeleuchtung, die angeblich „mit der strahlenden Helle des Tages wetteiferte“, Im Mittelalter verwendete man Kienspäne sowie Lampen, die Öle oder Fette verbrannten. Am 2. September 1667 wurde in Paris die Beleuchtung der Gassen eingeführt. In Wien wurde am 24. Februar 1687 die erste Verordnung zur Illuminierung von Straßen und Plätzen erlassen. In der Folge wurden 17 Talglichter in der Dorotheergasse aufgestellt. Bereits ein Jahr später wurde die gesamte Innenstadt mit 2000 Lampen beleuchtet. Ende des 17. Jahrhunderts dienten in Paris Öllampen zur Beleuchtung wichtiger Straßen. Das Rüböl kam trotz seiner Lichtschwäche für die Beleuchtung ganzer Straßenzüge zum Einsatz. Petroleumlaternen waren in Orten ohne Gasanstalt im Einsatz. Ab dem 19. Jahrhundert wurde Wal-Tran überwiegend zum Betreiben der Straßenbeleuchtung in fortschrittlichen Städten benutzt. Danach kam Stadtgas zum Einsatz. So wurde 1824 in London das Unternehmen Imperial-Continental-Gas-Association, mit dem Ziel, alle europäischen Großstädte mit Gas zu beleuchten, gegründet. Hierfür wurde das Gas aus Kohle in Gaswerken gewonnen und durch ein Rohrnetz zu den Straßenlaternen (Kandelabern) geleitet. Dieses Gaslicht wurde in Dresden 1828 eingeführt. Die oberösterreichische Stadt Steyr beleuchtete (zunächst nur zeitweilig) vom 2. August bis zum 30. September 1884 ihre Straßen während der Steyrer Elektrischen Ausstellung, die Stadt Scheibbs führte 1886 die erste permanente Straßenbeleuchtung der k.u.k. Monarchie ein. Um das Jahr 1900 gab es im Wesentlichen zwei verschiedene Arten von Straßenbeleuchtungen: Gaslicht und elektrisches Licht. Aufgrund der leichteren Verfügbarkeit und der bis dahin gesammelten Erfahrungen gaben viele Städte und Gemeinden dem Gaslicht auch nach dem Zweiten Weltkrieg den Vorzug. Obwohl am Ende des 19. Jahrhunderts der elektrische Strom zur Beleuchtung Verwendung fand (z. B. 1878 in Paris), wurde die Gasbeleuchtung in manchen europäischen Städten zum Teil bis in das 21. Jahrhundert beibehalten. Erst die Verfügbarkeit von neuen Leuchtmitteln brachte die Abkehr vom Gaslicht, zunächst kamen Leuchtstofflampen zum Einsatz, später Quecksilberdampf- und Natriumdampf-Hochdrucklampen. Die weitere Entwicklung richtet sich auf den Einsatz der LED-Technik und die Leuchtmittel und Beleuchtungssysteme werden effizienter, um die Wartungs- und Energiekosten zu senken.

Über die Formen der Straßenlaternen/Kandelaber  kann man mitunter recht unterschiedliche Meinungen hören. Ich finde z.B. die Leuchten am Schwarzenbergplatz ziemlich hässlich und störend.

Neben den mit dem Energieverbrauch verbundenen umweltschädigenden Wirkungen gibt es weitere Belastungen der Umwelt. Überflüssige, falsch montierte oder schlecht abgeschirmte Straßenlaternen verursachen Lichtverschmutzung, die sich nicht nur negativ auf die Fauna auswirkt, sondern auch die Menschen schädigen kann, etwa wenn Schlafzimmer nicht mehr ausreichend verdunkelt werden können oder durch Reizüberflutung. Daneben wird astronomische Forschung durch das im besiedelten Gebiet überall vorhandene diffuse Licht behindert und muss auf Lichtschutzgebiete ausweichen.

Darüber hinaus kommen zahlreiche Insekten, vor allem Nachtfalter und Käfer, an den Lampen zu Tode. Besonders Quecksilberdampf-Hochdrucklampen strahlen Licht einer Wellenlänge aus, die die Insekten besonders anzieht. Viel weniger anziehend ist das gelbe Licht der Natriumdampf-Hochdrucklampen.

In Wien gehen die Lichter nun früher aus: Statt wie bisher um 23 Uhr werden Teile der Straßenbeleuchtung nun bereits um 22 Uhr gedimmt – aus Kostengründen.

Aber unabhängig von all dem – den Sternenhimmel über Wien kann ich nicht mehr sehen, vielleicht dann und wann einen vereinzelten Stern – und das ist traurig!

Beleuchtung oder Lichtverschmutzung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s