Chips

Nicht die zum Essen, sondern zum Autobau

Es ist erschreckend, jetzt, da es scheint, dass sich „die Wirtschaft“ nach der Pandemie erholt, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Kurzarbeit zurück geht, kommt es zu erheblichen Problemen z.B. der Automobilindustrie, die ja auch in Österreich – weitgehend als Zulieferer, aber auch Produzent – eine große Rolle spielt. Man hört, dass der Grund dafür „Chipmangel“ ist.

„Die Krise bei der Versorgung mit Chips für die Autoindustrie wird sich nicht so schnell auflösen“ kann man in einschlägigen Magazinen lesen. In Deutschland werden fast 700.000 Fahrzeuge bis Jahresende wegen des akuten Chipmangels nicht produziert. Die Lieferzeiten für die Mikrocontroller sind zuletzt von drei auf vier Monate gestiegen. Einer der Gründe scheint zu sein, dass die Halbleiterindustrie sehr lange Durchlaufzeiten, bei komplexen Chips bis zu einem halben Jahr, hat.

Wenn ein Autobauer mit einem Zulieferer einen Liefervertrag abschließt, sendet der Autohersteller alle sechs bis acht Wochen eine aktualisierte Abrufmenge an die Werke der Zulieferer. Da die Halbleiterherstellung ein zeitaufwendiger Prozess ist, dem ein Vorlauf von sechs bis acht Monaten vorausgeht, müssen Autozulieferer Lagerbestände für Halbleiterprodukte aufbauen, um eventuelle Marktschwankungen abfedern zu können. Die Größe des Lagerbestandes eines Zulieferers richtet sich nach den Markterwartungen.

Im Shutdown der ersten Coronawelle standen die Produktionsbänder der Autobauer still und wurden die Lieferketten zwischen den Herstellern und den Zulieferern zum Teil komplett gestoppt. Bei den Autozulieferern liefen deswegen die Chip-Lager voll. Erst bei Wiederanlaufen der Autoproduktion wurde auf diese Lagerbestände wieder zugegriffen. Im Oktober 2020 dann war ein Großteil der Chip-Bestände bei den Zulieferern abgebaut. Die Nachfrage der Autohersteller jedoch war ungebrochen hoch. Ab diesem Zeitpunkt wurde klar, dass die Prognosen hinsichtlich des Pkw-Absatzes nicht zutreffen werden. Ein Chip-Engpass wurde unvermeidlich.

Aber Autochips stehen nur für acht Prozent vom gesamten Umsatz der Branche. Der iPhone-Produzent Apple z.B. kauft allein so viele Chips ein wie die gesamte Autoindustrie.

Jetzt wird nach Regelungen dieses Marktes gesucht. Entlang der gesamten Lieferkette müssten demnach alle Marktteilnehmer, also Autobauer, Halbleiterhersteller und Zulieferer, größere Lager für Chips aufbauen und höhere Lagerkosten hinnehmen. Außerdem müssten nach dem Vorbild von Smartphone Herstellern wie Apple Autobauer mit den Zulieferern verbindliche Abnahmemengen vereinbaren.

Jetzt erst wird überlegt, die Chipherstellung verstärkt nach Europa zu verlegen. Ein Halbleiterhersteller ist ein Unternehmen, das auf Halbleiter basierende elektronische Bauteile herstellt, entweder integrierte Schaltungen (IC) oder einzelne Bauelemente wie Dioden und Transistoren (diskrete Halbleiter). Das ursprüngliche, immer noch existierende Geschäftsmodell ist der Integrated Device Manufacturer (IDM), der die Halbleiter-Bauteile selbst entwickelt, produziert und vermarktet. Eine Chipfabrik kann nicht kostendeckend betrieben werden, wenn sie nicht konstant zu mindestens 85 Prozent ausgelastet ist. Das Produktionsniveau umzustellen dauert drei bis vier Monate und kostet – wenn die Produktion aufgestockt wird – Milliarden im zweistelligen Bereich.

Schon seit Ende der 1990er Jahre herrschte immer wieder Knappheit bis hin zu Produktionsausfällen von Halbleitern. In der Zeit der Nuklearkatastrophe von Fukushima und der COVID-19-Pandemie erfuhr die Halbleiterindustrie erhebliche Probleme in der Lieferkette. Stand 2020/2021 betrug der europäische Anteil (hauptsächlich NXP, Infineon und ST Microelectronics) an der weltweiten Produktion von Halbleitern nur zehn Prozent (hauptsächlich NXP, Infineon und ST Microelectronics)! Führend ist Europa in Teilbereichen wie Leistungshalbleitern. Europa benötigt 10 bis 15 Jahre, um auf das Produktionsniveau von Amerika und Asien aufzuschließen.

Halbleiterhersteller erwarten auch weiterhin starkes Wachstum, das vor allem durch die Trends des autonomen Fahrens und der künstlichen Intelligenz (KI) getrieben wird. Noch machen diese Märkte allerdings nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus.

Den Stellenwert von Halbleitern haben jetzt viele Länder erkannt. US-Präsident Joe Biden hat im März 2020 beispielsweise per Executive Order angeordnet, Lieferketten zu prüfen und die Halbleiterfertigung in den USA zu fördern. Auch die EU hat mit ECSEL (Electronic Components and Systems for European Leadership) ein Programm ins Leben gerufen, das die Mikroelektronik in der EU fördern soll. ECSEL führt Interessenträger aus dem öffentlichen Sektor, der Industrie und Hochschulen in der EU zusammen. Es unterstützt Forschung, Entwicklung und Innovation auf dem Gebiet der Elektronik in wichtigen Anwendungen. Es geht wohlhauptsächlich darum, die Herstellung von Halbleitern und intelligenten Systemen in der EU zu halten.

Auch Südostasien will seine Position am Halbleitermarkt weiter ausbauen. Südkoreanische Halbleiterhersteller wollen beispielsweise bis 2030 rund 450 Milliarden Euro investieren. Die Regierung unterstützt die Investitionen mit Steuervergünstigungen für die Unternehmen.

Österreich ist mit Infineon im Halbleitergeschäft vertreten: Infineon Austria, Konzernunternehmen von einem der weltweit führenden Halbleiterhersteller Infineon Technologies AG, ist eines der forschungsstärksten Unternehmen Österreichs und bündelt als einziger Standort neben Deutschland die Kompetenzen für Forschung & Entwicklung, und Fertigung.

Und ich einfältige Person, habe gemeint, dass der Chipmangel auf die Corona-Pandemie und das Schiffunglück im Suez-Kanal zurückzuführen wäre ….

Chips

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