Sie war die erste Frau, die 1791 für die Rechte der Frau auftrat – und landete auf der Guillotine

Haben Sie schon einmal von Olympe de Gouges gehört? Eigentlich hieß sie Marie Gouze; wurde 1748 geboren und starb 1793. Sie lebte im Zeitalter der Aufklärung, aber auch zur Zeit der Französischen Revolution. Sie war Schriftstellerin und Autorin von Theaterstücken und Romanen, aber auch eine Revolutionärin und Frauenrechtlerin. Sie ist die Verfasserin der Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin von 1791. Aber sie büßte für ihren Einsatz für die Rechte der Frau. Man empfand darin eine unerwünschte Einmischung in die den Männern vorbehaltene Politik. Sie wurde hingerichtet. Das Todesurteil wurde am 3. November 1793 auf der Place de la Concorde durch die Guillotine vollstreckt.

Im Sommer 1793 war Olympe de Gouges zur Zeit der Terrorherrschaft Robespierres verhaftet und als Royalistin angeklagt worden und wurde monatelang in verschiedenen Revolutionsgefängnissen eingekerkert. Der öffentliche Ankläger Antoine Fouquier-Tinville machte vor dem Sondergericht für politisch Andersdenkende, dem Revolutionstribunal, kurzen Prozess mit ihr. Der Historiker Karl Heinz Burmeister gibt an: „Ihre Neigung zu den Girondisten, ihr Bekenntnis zum Föderalismus und zur Monarchie, ihre Gegnerschaft zu den Jakobinern, ihre persönliche Feindschaft zu Robespierre, hatten zu ihrer Hinrichtung geführt.

In ihrer Vorrede zur Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin schrieb sie: „Mann, bist du überhaupt imstande, gerecht zu sein? […] Kannst du mir sagen, wer dir die unumschränkte Macht verliehen hat, die Angehörigen unseres Geschlechts zu unterdrücken? […] Schau auf den Schöpfer in seiner Weisheit, […] betrachte die Geschlechter in der Ordnung der Natur. […] Allein der Mann […] will in diesem Jahrhundert der Aufklärung und des klaren Verstandes in durch nichts mehr zu rechtfertigender Unwissenheit despotisch über ein Geschlecht herrschen, das über alle geistigen Fähigkeiten verfügt. Er nimmt für sich in Anspruch, die Revolution für sich allein zu nutzen und seine Rechte auf Gleichheit einzufordern, um nur so viel zu sagen.“

Denn die Revolutionäre hatten mit wenigen Ausnahmen, wie dem seit langem für die Frauenrechte eintretenden Aufklärer Nicolas de Condorcet, die weibliche Hälfte der Bevölkerung ausgeschlossen. Aber nicht nur Frauen wurden von der Menschenrechtserklärung der Revolutionären „in unterschiedlichem Ausmaß … Juden, Schwarze [und das] Proletariat“ ausgeschlossen. Da die Menschenrechte an Bürgerrechte und einen nationalstaatlichen Kontext gekoppelt wurden, kamen nur besitzende europäische Männer in das Privileg der erklärten Menschenrechte!

Olympe de Gouges veröffentlichte viele politische Texte zu aktuellen Ereignissen, die sie als Broschüren, Flugblätter und Plakate druckte und verbreitete. So entwickelte sie nicht nur fortschrittliche Ideen in der Frauenfrage oder der Befreiung der Sklaven, sondern vertrat auch frühsozialistische Ideen. Sie setzte sich für eine staatliche Fürsorge ein, forderte eine Mehr-Besteuerung der Reichen und die Einrichtung landwirtschaftlicher Genossenschaften auf unbebautem Land.

Erst 1791 verfasste sie in großer Eile die Déclaration des droits de la Femme et de la Citoyenne (Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin), die als Protest gegen die Männer-Privilegien, die nun in Verfassungsrang erhoben waren, zu verstehen ist. Ihre feministisch-revolutionäre „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ war noch im Druck, als die männlich geprägte bürgerliche Verfassung bereits angenommen und Frankreich eine konstitutionelle Monarchie geworden war. Da der Souverän alle Frauen von der Volkssouveränität ausschloss, nannte Olympe de Gouges das neue Regime Tyrannei. Sie forderte von der Nationalversammlung im Namen der Mütter, Töchter und Schwestern der Nation, ihre Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin, die Anerkennung privater und politischer Bürgerinnenrechte, schnellstens zu verabschieden. Sie verlangte diese neue, universal-egalitäre Verfassung, denn die gerade in Kraft getretene sei illegitim und nichtig, weil das weibliche Volk nicht vertreten und an deren Ausarbeitung gar nicht beteiligt gewesen sei.

Wer war diese gescheite, tapfere Frau?  Ihre Mutter war eine Wäscherin, ihr Vater ein Metzger, allerdings nicht ihr biologischer Vater. Entstammte sie einem Verhältnis ihrer Mutter mit Jean-Jacques Lefranc, Marquis de Pompignan, einem reichen Landadeligen und bekannten Widersacher Voltaires? Aber der Katholik Pompignan fühlte sich, damaligen Moralvorstellungen entsprechend, nicht verpflichtet, Mutter und Tochter materiell zu unterstützen. Mit 17 Jahren wurde Marie Gouze – gegen ihren Willen – mit dem Pariser Wirt Louis-Yves Aubry verheiratet, der dank ihrer Mitgift eine Gastwirtschaft eröffnen konnte. Aber er starb bald, sie heiratete aber kein zweites Mal; bekannt ist lediglich eine freie, langjährige Verbindung mit Jacques Biétrix de Rozières, Erbe eines Privilegs auf Militärtransporte.

Im 18. Jahrhundert gab es in der französischen breiten Bevölkerung selten Lese- und Schreibkenntnisse; insbesondere Frauen erhielten kaum Bildung. In der Heimat von Marie wurde überdies Okzitanisch gesprochen, das Französisch des Nordens war hier nicht gebräuchlich. Die Jahre zwischen ihrer Ankunft in Paris (etwa 1768) und dem Zeitpunkt, da sie ihr erstes Theaterstück bei einer Bühne einreichte (1784), nutzte sie zu intensivem Selbststudium. Sie verfasste bereits 1774 eine Denkschrift, die sich gegen die Sklaverei wandte. Wegen des umstrittenen Themas und des Geschlechts der Autorin wurde die Schrift erst nach der Revolution 1789 veröffentlicht. De Gouges setzte sich auch dafür ein, dass die Eherechte auf gleichberechtigter Basis geregelt wurden. Aber frauenfeindliche Kritiker diskreditierten und diffamierten damals viele bekannte Frauen.  

Wir sollten dieser Frau Olympe des Gouges ehrend gedenken, sie hat ihren Einsatz für die Rechte der Frauen damals mit ihrem Leben bezahlt.

Sie war die erste Frau, die 1791 für die Rechte der Frau auftrat – und landete auf der Guillotine

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