Die Köhler und der Klimaschutz

Jetzt muss ich doch noch einmal über „früher“ erzählen. Als ich noch ein Kind war, bin ich – in Pernitz – sehr gerne in den Wald gegangen. Dort konnte man vieles erkunden, das war ein riesiger Spielplatz mit einer Unmenge von Dingen, die man als Spielzeug verwenden konnte.

Unter sehr vielem anderen entdeckten wir eine damals schon verlassene Köhlerhütte. Aus dieser Gegend war schon lange die Holzkohle nach Wien geliefert worden. Und Köhler waren selbstverständlich im Wald anwesend und tätig, ebenso wie die Pecher, die die Rinde der Nadelbäume anritzten, und Glas- „Gschirrln“ anhängten, in die das Harz – Pech genannt – floss.

Aber zurück zu den Köhlern: nachdem es jahrzehntelang keine Köhler mehr gegeben hat, wird neuerdings dieser Tätigkeit mehr Bedeutung zugemessen.

Ich warne Sie, denn jetzt wird’s kompliziert – und ich muss ausholen. Uns alle geht Klimaschutz etwas an, dazu muss CO² aus der Atmosphäre entfernt werden, dazu muss die Erderhitzung gestoppt werden. Kohle, Öl und Gas müssen deshalb im Boden bleiben! Wir alle klagen über den Temperaturanstieg: Hauptverantwortlich dafür ist die Zunahme von CO² in der Atmosphäre, da es die Abstrahlung der Wärme von der Erde ins Weltall bremst. 2015 vereinbarte die Welt mit dem Pariser Klimaabkommen den Stopp der Erderhitzung auf deutlich unter zwei, möglichst 1,5 Grad. Durch das Abkommen ist die CO²-Menge sehr begrenzt, die noch in die Atmosphäre gelangen darf. Bei gleichbleibendem CO²-Ausstoß wie bisher, ist dieses CO²-Budget in sieben Jahren aufgebraucht. Eine Maßnahme zur Bindung von CO² ist die planmäßige Aufforstung von Wäldern. Aber dafür würden sehr große Flächen gebraucht!

Auch mit mehr Humus im Boden lässt sich CO² binden, und in Humus befindet sich viel Kohlenstoff. Durch die Industrialisierung der Landwirtschaft ging jedoch viel Humus im Boden verloren und aus dem Kohlenstoff wurde CO². Mit Zwischenfruchtanbau, tiefwurzelnden Pflanzen, Einarbeiten von Ernteresten und Verzicht von tiefem Umpflügen lässt sich der Humusgehalt im Boden wieder deutlich steigern.

Als vielversprechende Technik der CO²-Bindung sehen einige Wissenschaftler Pflanzenkohle. Organisches Material wird mit Hilfe von Hitze, Druck und Ausschluss von Sauerstoff verkohlt (also die alte Köhlermethode). In pulverisierter Form wird die Biokohle anschließend auf Ackerböden gestreut. Dort wirkt sie als Dünger und erhöht ebenfalls den Kohlenstoffgehalt im Boden. Hier setzt die ursprünglich bei Köhlern verwendete Methode wieder ein.  Es dürfte halt nicht durch Abholzen von Bäumen erfolgen, sondern es dürften nur Reste der Holzbearbeitung verwendet werden, diese Reste werden aber auch bereits für die Produktion von Pellets eingesetzt.

Es gibt aber auch noch andere Methoden: Das Speichern von CO² tief in der Erde ist bekannt und wird zum Beispiel in Norwegens Ölfeldern praktiziert. Das Verfahren ist aber auch umstritten, weil das CO² im Untergrund zu Erdbeben führen und langfristig entweichen kann. Eine weitere Methode wird derzeit in Island praktiziert. CO² wird dort mit Basalt gebunden und zu Stein umgewandelt. Die Verbindung ist stabil. Bei beiden Verfahren gibt es noch Forschungsbedarf.  Das CO² für den Untergrund kann aus der Umgebungsluft mittels chemischer Prozesse gewonnen werden.

Noch eine Idee in dem Zusammenhang: Durch Düngung der Ozeane mit Eisen wird der Nährstoffgehalt im Ozean erhöht. Auf diese Weise könnte Plankton stärker wachsen und so CO² gebunden werden. Das Verfahren und das mögliche Potential sind jedoch sehr umstritten. Zudem hätte dieser Eingriff zahlreiche und kaum abschätzbare Nebenwirkungen.

Man geht heute davon aus, dass der Übergang zu einer 100 Prozent erneuerbaren Energieversorgung erreichbar ist. Selbstverständlich spielen Wind und Sonne die größte Rolle in dieser Gleichung. Eine sichere und kostengünstige Energieversorgung zur Erreichung der Pariser Klimaziele mit 100 Prozent erneuerbarer Energie ist nicht nur technisch möglich, sondern auch wirtschaftlich rentabel. Das Besondere ist, dass sich diese Klimaziele ohne Kernenergie und Geo-Engineering kostengünstig erreichen lassen (hoffentlich). Wichtig hierfür wäre auch feste Vergütungssätze für die Erzeugung von erneuerbaren Energien und der Abbau von Subventionen für fossile und atomare Energien und eine Steuer auf schmutzige Technologien.

Die „altmodischen“ Köhler der früheren Zeit werden in dieser Form nicht fröhliche Urständ feiern, aber ihre Technologien – umgesetzt auf moderne Verhältnisse – werden (ohne Abholzen von Bäumen) beitragen, die gesetzten, sehr ehrgeizigen Klimaziele doch zu erreichen.

Die Köhler und der Klimaschutz

2 Gedanken zu “Die Köhler und der Klimaschutz

  1. Somit ist der Holzkohlegrill, weil CO2-neutral, umweltfreundlicher als der Gasgrill. 😉

    Von allen Techniken zur CO2-Verklappung scheint mir die Besinnung auf alte landwirtschaftliche Gepflogenheiten noch die sinnvollste. Da weiß man, was es bringt, und nebenbei hat es noch den Effekt, daß man mit weniger Dünger und Pestiziden auskommen kann.

    Ansonsten gilt meiner Ansicht nach vor allem, daß die Verwendung fossiler Energie so schnell und deutlich wie möglich zu reduzieren ist.
    Und das kann, immer noch meiner Ansicht nach, nicht nur durch Erschließung neuer Energieformen geschehen. Denn eine hundertprozentige Umstellung auf „erneuerbare“ Energien (ich setze den Ausdruck in Anführungszeichen, weil Wind und Sonne nicht „erneuerbar“ sind, sondern natürlich zur Verfügung stehen, ebenso wie Fließwasser) auf dem Niveau des heutigen Energieverbrauchs gerade in der sogenannten Ersten Welt ist illusorisch. Wir können und dürfen nicht denken, wir könnten weitermachen wie bisher, nur sauber. Nein, wir müssen uns bemühen, auch wenn es manchmal weh tut, den Energieverbrauch unterm Strich deutlich zu senken.
    Elektroautos, die 1:1 die riesigen und energiehungrigen SUV-Straßenpanzer von heute darstellen, nur elektrisch, sind keine Lösung des Problems. Wenn ich bedenke, daß man immense Technik aufwendet, um heute Autos zu bauen, die 1,5t wiegen, aber nicht mehr Sprit brauchen als ein 400kg schwerer 2CV von 1946, dann stellt sich mir die Frage: warum nicht jetzt die moderne Technik anwenden, um ein 400kg schweres Fahrzeug mit 30% des Energieverbrauchs eines 2CV herzustellen? Das ist aber nicht gefragt, weil der 2CV nur Tempo 90 erreichte, und das ist ja so zum Einschlafen langweilig. (Aber die ersten Eisenbahnen mit 25km/h, die haben durch die hohe Geschwindigkeit irreparable Nervenschäden erzeugt!) Vielleicht ist es ja an der Zeit, vom Geschwindigkeitswahn abzukommen, oder wenigstens die Hochgeschwindigkeitsreise der Bahn zu überlassen?
    Dazu kommt der Unsinn von immer mehr elektrischen Fahrzeugen. Elektrisch unterstütztes Fahrrad – ok. Gern auch als Dreirad, wie in Ostfriesland schon lange Seniorenfahrräder angeboten werden, die nicht umfallen. Und wer etwas zu transportieren hat, nimmt einen Anhänger mit.
    Aber was bitte bringen elektrische Tretroller? Menschen, die in der Stadt Unterstützung brauchen, weil ihre Beine längere Fußwege oder überhaupt Fußwege nicht mehr bewältigen, können sich auf diesen kippeligen Dingern nicht halten. Wer einen elektrischen Tretroller überhaupt führen kann, hat gesunde Beine und kann zu Fuß gehen. Der elektrische Tretroller ersetzt also kein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor, sondern nur Fußgänger. Dafür aber wird er aufwendig hergestellt, wobei CO2 entsteht und weitere Probleme für die Umwelt u.a. bei der Herstellung der Batterie, und nach wenigen Wochen Nutzung findet man ihn in der Seine, der Ill, dem Rhein oder der Donau wieder. Die ersatzlose Streichung dieser Geräte wäre ein Reingewinn für die Umwelt.

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