City-Marathon in Wien, von einer anderen Seite

Vorweg: ich bewundere jeden, der diese Strecke laufen kann, egal in welcher Zeit. Es ist eine Monster-Herausforderung. Ich beneide aber keinen, obwohl ich nicht mehr laufen kann (nach Leistenbruch und Oberschenkelbruch), bin aber zufrieden, noch gut gehen zu können.

Aber für mich hat der Citymarathon eine andere Seite, ich wohne innerhalb des Rings, auf dem ein Teil dieser Veranstaltung stattfindet. Sogar in Hörweite des Rings – also Samstag und Sonntag sind die sogenannten Ringlinien gesperrt, es fahren hier keine Straßenbahnen (die ich Samstag abends gerne benutzt hätte, es war immerhin nach 22:30, als ich durch die Stadt nach dem Theater nach Hause ging. Der schnellste Weg geht durch die Burg – diese Höfe waren einfach wunderschön, beleuchtet, aber komplett leer. Es war ein lauer Abend, also war es keine Beeinträchtigung, sondern sogar eine Belohnung.

Samstag und Sonntag dröhnen die Hubschrauber über meine Wohnung, ich höre die Trash-Musik, die den Marathon begleiten muss (?), und den trommelartigen Rhythmus, der die Läufer anfeuern soll. Den Ring kann man überqueren, zu Fuß, wenn grad ein Loch zwischen den Läufern ist, Autos werden von der Polizei „bei Bedarf“ durchgelassen. Also bin ich nicht wirklich behindert, aber ich fühle mich doch ein wenig eingesperrt.

Anders war das noch, als mein leider in der Zwischenzeit verstorbener Mann – damals im Rollstuhl – und ich (ihn schiebend) versuchten, den Ring zu überqueren, da wir Konzertkarten im Musikverein hatten. Es hätte zwar einen langmächtigen Umweg gegeben, die Unterführung bei der Oper mit Lift und dann im großen Bogen durch den Resselpark, aber so früh waren wir auch wieder nicht dran. Das Auto hätten wir an einem solchen Wochenende auch nicht verwenden können, da es in der Garage innerhalb des Rings stand. Der Polizist meinte damals freundlich: queren Sie nicht direkt – also quer – sondern schräg und versuchen Sie „mitzulaufen“. Gesagt, getan, angezogen halt waren wir halt wie es sich für’s „Philharmonische“ gehört (ich noch mit höherem Absatz – keine Stilettos!), aber wir schafften es von einem Gehsteig zum anderen, die Läufer waren ungehalten aber das Publikum fand das sehr lustig – und applaudierte.

Gestern war meine „Behinderung“ eine andere. Ich war bei Freunden in Grinzing eingeladen. Die Ringwagen fahren nicht, die U-2 fährt diese Strecke wegen Umbaus auch nicht. Der U-Bahn Ersatz wird über die Ringstraße geführt …  Ich könnte mit der U-4 bis Heiligenstadt und dann mit dem 39a ….

Das alles war mir zu umständlich, da ich bin halt durch die Stadt zu Fuß gegangen – bis zum Schottenring. Das war doch wieder recht interessant. Die Stadt war sehr belebt, es waren Touristengruppen unterwegs (allerdings noch keine chinesischen) und man sah viele Rennläufer, stolz trugen sie ihre Laufbekleidung, ihre Laufnummer und manche einen bronzenen (Plastik)-Stern.  Begleitet waren sie meist von jenen, die sie wahrscheinlich angefeuert hatten. Ich habe mir überlegt: wenn ich gelaufen wäre, hätte ich wahrscheinlich nach Beendigung des Laufes möglichst bald das Laufgewand ausgezogen, wäre unter eine Dusche gestiegen und hätte mich niedergelegt. Aber ich bin halt keine Läuferin.

Dann habe ich noch festgestellt, dass „Das Mezzanin“ – Sie wissen schon, das „neue“ Restaurant im ehemaligen CA/Bank-Austria Gebäude am Schottenring – im Zusammenhang mit SPAR – jetzt einen kleinen Schani- „garten“ in der Schottengasse hat. Gestern war dort aber ein Monsterwirbel, wie ich vorbeigegangen bin, wurde gerade ein aufblasbares Torabgetragen, es war viel Polizei – auch in Mannschaftswagen auf der Straße, wohl um den Verkehr doch umzuleiten. Also lauschig war’s dort nicht, aber voll.

Es war ziemlich warm gestern, der Weg durch die Stadt war teilweise in der Sonne, daher war der „Marsch durch die Stadt“ durchaus anstrengend gewesen, und der 38er war dann nicht gekühlt. Sie werden vielleicht sagen, als Oldie, in Pension, könnte man ja an solchen Tagen zu Hause bleiben, aber an einem sonnigen Sonntag am Nachmittag?

Nachdem dann die Läufer das Feld geräumt hatten, bzw.  alle ins Ziel gekommen waren oder aufgegeben hatten, begann der große Abbau, vor allem der Werbungen.  Und in solchen Fällen ist dann zuletzt noch die Wiener Straßenreinigung am Werk, um die Strecke dann blitzblank wieder dem „normalen Verkehr“ zu übergeben. Dem Internet konnte man jedenfalls entnehmen, dass die Straßenbahnen voraussichtlich wieder ab 19 Uhr fahren würden. Das heißt, mein Heimweg war dann auch vollständig verkehrstechnisch gesichert.

Ich hoffe, dass der nächste City Marathon erst wieder in einem Jahr stattfindet.

City-Marathon in Wien, von einer anderen Seite

2 Gedanken zu “City-Marathon in Wien, von einer anderen Seite

  1. So wird es sein, liebe Christa Chorherr,
    mußte Umwege in Kauf nehmen, um zu einem Mittagessen bei meiner Freundin rechtzeitig einzutreffen. Ging mit U3 und Fußweg über Neubaugasse. Die Innere Stadt wird regelmäßig stranguliert, die Unfreiheit der Einen ist die Unfreiheit der Anderen und, nicht zu vergessen, die Innenstadtbewohner sind eine Minderheit.

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