Erinnerungen an die Maxingstraße

Gestern bin ich ein Stück durch die Maxingstraße, in Hietzing, gegangen. Früher war ich hier öfter in der Gegend, und daher gibt es auch einiges, an das ich mich erinnere. Aber die Maxingstraße war auch Heimat berühmter Menschen. Da erste worauf man stößt, ist eine 1955 wegen Baufälligkeit abgerissenen Villa, von der heute nur mehr Fundamente erkennbar sind. Die Maxingvilla in Wien war eine 1849/50 im Auftrag von Ferdinand Maximilian von Österreich (1832–1867) erbaute Villa. (Sein Denkmal steht auch am Platzl). In der nahen Umgebung der Maxingvilla, auf der anderen Seite der späteren Maxingstraße, wohnten ab den 1870er Jahren zwei Frauen, zu denen Franz Joseph I. enge private Beziehungen unterhielt: Anna Nahowski und Katharina Schratt.

Die Straße hieß bis 1894 mit dem von der Maxingstraße südostwärts führenden Teil der heutigen Elisabethallee Hetzendorfer Straße, weil sie, von Hietzing aus gesehen, nach Hetzendorf (12. Gemeindebezirk) führt. Da 1894 dort die Hetzendorfer Straße benannt wurde, wurde die im 13. Bezirk gelegene umbenannt.

Auf Nummer 6, Ecke Trauttmansdorffgasse, befand sich der älteste Hietzinger Friedhof, der aber auf Anordnung Josephs II. 1787 aufgelassen worden war.

Nummer 18 war eine berühmte Adresse, hier besaß Johann Strauss (Sohn) ein Wohnhaus, da wohnte er 1870-1878. Hier komponierte er die Fledermaus. Später lebten hier der Maler Julius Schmid (1898-1925); er war Schöpfer des berühmten und bekannten Bildes „Ein Schubertabend“, und von 1911- 1927 wohnte der Komponist Carl Prohaska in diesem Haus.

Auch im Haus Nummer 20 gingen berühmte Gäste aus und ein: es gehörte dem Autor und Übersetzer Siegfried Trebitsch, zu dessen Gästen u. A.  Arthur Schnitzler und Stefan Zweig zählten. Trebitsch bereitete auch George Bernard Shaw den Weg auf die deutschen Bühnen. 1938 wurde das Gebäude enteignet und ab 1941 als Luftwaffen-Feldgericht verwendet.

Die Villa auf Nummer 24 gehörte dem Verleger Paul von Zsolnay, der mit Franz Werfel befreundet war und sich mit seinen deutschen Ausgaben englischer Autoren international Ruf erwarb.

Auf Nummer 26 lebte Carry Hauser (eigentlich Carl Maria Hauser), * 16. Februar 1895, † 28. Oktober 1985, Maler, Graphiker, Bühnenbildner, und Schriftsteller. Einer seiner Freunde war Franz Theodor Csokor.

Nummer 38, das ist das Palais der Familie Wittgenstein – hier gegenüber liegt der bereits erwähnte Maxingpark.

Und es ist die nächste Villa, die für mich viele persönliche Erinnerungen birgt. Nummer 48-54 (Weidlichgasse 1-5), Residenz des Botschafters der USA; hier weilte am 4./5. Juni 1961 während seines Gipfeltreffens mit Chruschtschow der US-amerikanische Präsident John F. Kennedy. Zu diesen Ereignissen waren wir aber nicht geladen, mein Mann und ich.

Wir haben viele der in Österreich akkreditierten US-Botschafter – und Botschafterinnen (gut) gekannt. Wir waren zu den verschiedensten Anlässen dort eingeladen. Besonders in Erinnerung ist mir ein Empfang für Leonard Bernstein geblieben, er setzte sich auch ans Klavier … Ich glaube, dass unsere oftmalige Anwesenheit dort auch darauf zurückzuführen war, dass wir beide Fulbright Studenten in den USA gewesen sind und dass mein Mann lange Zeit Chefredakteur der Zeitung die Presse gewesen ist. Erstmals waren wir unter Llewellyn Thompson zu einer Weihnachtsfeier dort, es gab Eggnog und Österreich war noch besetzt.  

Auf jeden Fall waren wir fast immer am 4. Juli (Independence Day: erinnert an die Ratifizierung der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten durch den Kontinentalkongress am 4. Juli 1776 in Philadelphia) in der Maxingstraße. Und meist konnte dieses Fest im herrlichen Garten der Villa stattfinden.  

Es gab große Empfänge und relativ „kleine“, sogenannte gesetzte Essen. Öfters fanden diese Essen für berühmte Persönlichkeiten aus den USA statt, so z.B. für Katherine Graham, die amerikanische Verlegerin; vielleicht haben Sie sogar den Film namens „die Verlegerin“ über sie gesehen, für mich war sie „ident“ mit der Washington Post. Auch Clare Booth Luce, Diplomatin, Schriftstellerin, Verlegerin und Politikerin, war einmal Gast in der Botschaft, wir waren bei einem Mittagessen dort. Besonders originelles Essen gab es zu Zeiten, als Ronald Lauder Botschafter war – ich erinnere mich an Spaghetti mit Vodka und Kaviar. Botschafter Huffington wurde von uns während der Zerfallskriege Jugoslawiens gar arg „bedrängt“, als sich die USA – die wir doch immer als die Weltpolizisten gesehen haben – noch immer nicht in diesen Krieg gemischt habe. Später taten sie es dann doch!

Dort haben wir auch erlebt, wie sich die Sicherheitsmaßnahmen im Laufe der zeit verschärft waren. Anfänglich stand mir der Mund offen, als mit Spiegeln die Unterseite unseres Autos untersucht wurde. Entschuldigen Sie die erwähnten Trivialitäten, aber an diese erinnert man sich dann doch am leichtesten.

Schön war’s – und vorbei ist es!

Erinnerungen an die Maxingstraße

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s