Tücken, auch bei den Wiener Linien

Vorauszuschicken ist, dass ich viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Wien fahre, seit ich über kein eigenes Auto mehr verfüge. Ich kenne mich gut aus, weiß auch u.U., wie man eventuell „alternativ“ irgendwo hinkommt. Und ich bin meist sehr zufrieden.

Heute war das nicht ganz so.

Ich habe sehr selten „Vormittagstermine“. Aber heute wollten wir wieder einmal Reisefilme bei einer meiner Freundinnen ansehen. Davon dann später. Schon meine Haushaltshilfe kam zu spät – etwas, das sie sonst nie tut, und ich war eigentlich bereits in Sorge. Sie berichtet von Verkehrsproblemen.

Ich ging dann durchaus rechtzeitig weg, kam zur Haltestelle, auf der Anzeigentafel sah ich „Störungen“ bei einiger der sonst hier fahrenden Linien, aus dem Lautsprecher krächzte eine Stimme, ich verstand leider die Botschaft nicht. Ich wollte schon zur U-Bahn wechseln, als dann doch sogar zwei Linien daherkamen, wovon mich eine ziemlich nahe an mein Ziel gebracht hätte. Zufrieden stieg ich ein. Um kurz darauf wieder aussteigen zu müssen, weil vor uns eine Reihe von sich nicht bewegenden Straßenbahnen stand. Kurz ärgerte ich mich, nicht zur U-Bahn gegangen zu sein, dann nahm ich – wie man so halt sagt – meine Beine in die Hand und ging zu Fuß. Ich war nicht die einzige. Eine ganze Kolonne ging den Ring entlang.

Unterwegs überlegte ich mir, dass das ja eigentlich mein alter Büro-Weg gewesen ist, erinnerte mich, was ich alles in den Häusern entlang des Weges erlebt hatte, wo z.B. Freundinnen von mir gewohnt hatten, und im Nu war ich dann bei meinem Ziel angelangt. Ca. 15 – 20 Minuten hatte ich mich verspätet. Na so schlimm war das auch wieder nicht, da ich ja angerufen hatte, um meine Verspätung anzukündigen.

Wir schauten uns gemeinsam einen Reisefilm an, den meine Freundin 1990 gedreht hatte, anlässlich ihrer Reise nach Tibet. Es war noch eine Zeit, während derer die chinesische Bahnlinie dorthin noch nicht fertig war, und das alte, das einheimische Tibet noch teilweise „sichtbar“ war. ich gebe zu, ich verstehe vom Buddhismus sehr wenig, ich kann vieles nicht nachvollziehen, wie Gebetstrommeln, wie Gebetsfahnen, aber eindrucksvoll ist Lhasa schon, und die Landschaft dieses Gebiets mit ihren Sechstausendern. Ich werde kaum noch dorthin kommen, daher bin ich froh und dankbar noch ein wenig – halt nur indirekt – davon sehen zu können.

Nach diesen schönen Erlebnissen war ich dann doch recht froh, dass die Straßenbahn wieder regemäßig fuhr. Sie war ziemlich voll, vor allem, weil ja wieder viele Schüler unterwegs sind. Zufrieden stellt ich fest, dass fast alle Fahrgäste FSP2 Masken trugen (Ausnahme: eine ältere Frau mit einem Einkaufs-Trolley, die ihre unter dem Kinn hängende Maske nicht hinaufgeschoben hatte. Sie telephonierte, in einer fremden Sprache.  Sie stieg dann bald wieder aus).

Dann stieg ein jüngeres Paar (nebst vielen anderen Leuten) zu und „eroberte“ zwei gegenüberliegende Sitzplätze, beide sprachen laut miteinander, ihre Masken (nicht FSP2) hingen unter ihrem jeweiligen Kinn. Die beiden Sitznachbarn erhoben sich, um sich von ihnen zu entfernen. Eine Dame bat sie freundlich, doch ihre Masken aufzusetzen und bekam, wie wir wienerisch sagen, „eine Goschen angehängt“, obwohl die beiden sicher keine hier geborenen Wiener waren.  Die Dame drohte dann, die Polizei zu rufen, das bewirkte  wiederum nur höhnische Kommentare der Frau ohne Maske hervor. Demonstrativ stellte diese dann beide Füße auf die Bank vor sich.

Die anderen Fahrgäste schüttelten nur ihre Köpfe. Ich photographierte die „Szene“.

Aber was tut man wirklich in so einem Fall? Jeder will doch so schnell wie möglich an sein Ziel kommen. Auch ich stieg aus, und die zwei „Übeltäter“ konnten mit ihrer Frechheit davonkommen. Höchst unbefriedigend, und sicherlich nicht „integrationsfördernd“.

Tücken, auch bei den Wiener Linien

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