Wieder ein Abschied für immer

Wie ein Freund sagt: viel zu früh

Altwerden bzw. Altsein bringt viel Schönes! Es bringt eine große Freiheit – die manchmal gesundheitlich etwas eingeschränkt ist. Dennoch, man kann auf vieles dankbar zurückblicken.

Es kommen aber auch die sehr traurigen Momente, wenn man Menschen verliert, auch jene, die einem oft nur „mehr oder minder“ nahegestanden sind. Man erinnert sich an die gemeinsam verbrachte Zeit, die schönen, lustigen Stunden, in denen interessante Gespräche geführt wurden, gemeinsame Reisen, oder sonstige Erlebnisse. Mir geht es jedenfalls so, dass ich jene Freunde am meisten vermisse, mit denen ich gemeinsame Interessen geteilt habe, man hat einander angerufen, wenn man Fragen zu diesem bestimmten Thema hatte. Man hat nicht immer eine Antwort bekommen, aber das „Gemeinsam-Reden“, das Bestätigen der Meinung war doch sehr, sehr wichtig. Oftmals wenn eine Frage auftaucht – zu einem bestimmten Thema, ja da muss ich den X anrufen – aber der X ist halt leider – wie mein leider auch schon eine gute Weile verstorbener Mann oft sagte, zu seinen Vätern versammelt worden.

Diese Woche habe ich wieder einen solche Verlust erlebt. Und man liest dann über: das erreichte Alter, vielleicht einen Hinweis an eine „geduldig ertragene Krankheit“, oder im Kreise der Familie, verstorben. Dann kommen die beruflichen Erfolge: Direktor des …, Geschäftsführer dort …, Vorsitzender da …, Aufsichtsrat von …, er hat dieses oder jenes Unternehmen gegründet, er hat auch nach der Pensionierung beigetragen. Vielleicht wird noch das Gebiet angeführt, auf dem er „führend“ war. Dann werden eventuell jene Organisationen aufgezählt, bei denen der Betreffende ehrenamtlich tätig war. Und dann – so vorhanden, kommen die verschiedenen Ehrungen: verliehene Orden mitsamt der Angabe von Klassen, verliehene Titel. Man ist überwältigt.

Vielleicht haben Sie gemerkt, dass ich immer „er“ verwendet habe. Bei Frauen lauten Parten ganz anders, da ist von der liebevollen Mutter, der guten Großmutter die Rede, da wird die „Aufopferung – eh schon ein grässliches Wort – für die Familie“ gerühmt – auch wenn diese Frauen ihr Leben lang berufstätig waren – aber meist, bei den jetzt Verstorbenen halt nicht „in führender Stellung“, daher nicht erwähnenswert. Naja, Billakassierin klingt halt nicht so gut. Da schlägt das „klassische Frauenbild“ noch immer voll durch.

Aber jetzt zu dem kürzlich Verstorbenen, der diese Gedanken wieder einmal ausgelöst hat. Wie erinnere ich mich an ihn. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass er ein wirklich liebevoller Ehemann und guter Vater war. Er hat sich in jeder Lebenslage um seine Familie gesorgt. Er hat aber seine Frau auch bei ihrer Arbeit unterstützt und diese Arbeit immer gewürdigt, er hat ihre Überlegenheit in manchen Gebieten nicht nur anerkannt, sondern auch gerühmt. Er hat den Seinen die Wünsche von den Augen abgelesen. Er ist immer treu zu seinen Freunden gestanden. Ja auch zu seinen „Freundinnen“, also den Ehefrauen seiner verstorbenen Freunde. (Dazu darf ich auch mich zählen!)

Ich möchte nur ganz wenige „gemeinsame Ereignisse“ aus seinem Leben herausgreifen. Da waren die berühmten Adventtreffen, zu denen das Ehepaar jährlich in sein Haus in Währing eingeladen hat. Diese Einladungen waren sehr begehrt und diese Feste waren „üppig“. Das Haus war wunderschön weihnachtlich geschmückt, fastenmäßig war das Essen und Trinken gar nicht. Man traf alte Freunde und interessante, bisher Unbekannte – aus allen gesellschaftlichen Gruppierungen – aus Wirtschaft, Politik, aus Kunst, und selbstverständlich aus den Medien.

Dann war da einmal ein „Nachtmahl“, wir waren nur zu sechst. Aber der Tisch bog sich, spartanisch war anders. Eine „ausgefallene“, aber dennoch köstliche Speise folgte der anderen. Es hätten wahrscheinlich doppelt oder drei Mal so viele Personen das Gebotene essen können – und trotzdem satt werden.

Und dann war noch einmal – viel später – ein Treffen in einem Restaurant – wir waren zu viert – zwei davon waren schon Witwen. Und dem Gastgeber war alles schon ziemlich mühsam aber er spielte seine Rolle sehr tapfer. Ein nächstes Mal gab es dann nicht mehr, der Termin fiel ins Wasser, denn das Ehepaar wollte verständlicherweise im kalten Winter lieber nach Mallorca fliegen, wo es ein gemütliches Haus gibt.

Leb wohl, lieber F.! Du fehlst uns jetzt schon.

Wieder ein Abschied für immer

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