Zu Hetzendorf in Meidling

Heute hat’s mich nach Hetzendorf verschlagen. Diese Gegend Wiens ist für mich leicht zu erreichen, kann ich doch eine der sehr langen Wiener Straßenbahnlinien besteigen – nämlich den 62er – und direkt dorthin fahren. Der Grund war eine Seelenmesse in der Kapelle des Hetzendorfer Schlosses. Es war ein wunderschöner Tag, sonnig, mit wunderbarem Licht, fast noch so warm wie im Sommer.

Hetzendorf, ehemalige Vorortgemeinde, ist seit 1890/1892 Teil des 12. Bezirks Meidling. Fälschlicherweise wird in der älteren Literatur ein Hervicus von Hetzendorf erwähnt, der 1190 das damals schon bestehende Gut als landesfürstliches Lehen erhalten haben soll; tatsächlich bezieht sich diese Nennung jedoch auf Hetzendorf bei Judenburg (Steiermark). Die älteste nachweisbare Nennung Hetzendorfs ist eine Urkunde um 1140 („Hercindorf“); die Schreibweise war im Verlauf des Mittelalters unterschiedlich, die Ableitung erfolgte möglicherweise vom Personennamen Hertzo. 1190 erhielt Henricus von Hetzendorf das Gebiet als landesfürstliches Lehen. Die erste nachweisbare Dorfherrschaft übte das Chorherrenstift Klosterneuburg aus; es konnte bisher nicht eruiert werden, wann und wie das Dorf in dessen Besitz gekommen ist.

1456 kam Hetzendorf an den Deutschen Ritterorden, in dessen Besitz es bis 1744 blieb. 1694 ließ sich Sigismund Graf Thun ein Jagdschlösschen, den Thunhof, erbauen (Hetzendorfer Schloss). 1744-1780 befand sich Hetzendorf im Besitz Maria Theresias (es wurde die prachtvolle Schönbrunner Allee angelegt), 1780 kam es an Christian August Graf von Seilern, der den Besitz am 15. April 1782 erweiterte (Kauf der Klosterneuburger Besitzungen in Hetzendorf) und 1783 die erste Schule stiftete. Der Ort, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts den Charakter einer Villensiedlung annahm und sich steigender Beliebtheit erfreute, hat sich nur langsam entwickelt. 1783 wird im erstmals die Fasangartenmauer erwähnt, 1799 gab [CC1] es eine Feuersbrunst. 1802 kam Hetzendorf an Christians Sohn Josef Graf von Seilern, der das Gut jedoch bereits 1803 an den Wiener Bürger Jacob Bernklau verkaufte. 1805 und 1809 waren französische Truppen in Hetzendorf einquartiert. Zu den späteren Besitzern gehörte Johann Müller (1819) und Carl Ritter von Heintl (1836), 1885 erfolgte die grundbücherliche Löschung Hetzendorfs als Herrschaft.

1848 lagerten kroatische Truppen in Hetzendorf, die jedoch (als Alfred Fürst Windisch-Graetz im Schloss sein Hauptquartier eingerichtet hatte) nach Altmannsdorf abzogen. Durch einen eingewanderten Bäckermeister aus Flandern wurde gemeinsam mit dem Zimmermeister Belghofer erstmals in Österreich ein artesischer Brunnen gegraben. Nach 1848 war es bis 1890 (Beschluss) bzw. 1. Jänner 1892 (Inkrafttreten) eine eigenständige Gemeinde in Österreich unter der Enns und wurde dann als Teil des 12. Wiener Gemeindebezirks, Meidling, nach Wien eingemeindet, da Hetzendorf ein provisorisches, 1850 ein definitives Gemeindegesetz erhielt, womit es selbständig wurde. Es kam zu größeren Parzellierungen; 1856 wurde auch die Gemeindeweide parzelliert und 1869 mit deren Verbauung begonnen. 1871 folgte das Areal zwischen Schloss und Südbahn, 1876 jenes zwischen Fasangarten und Allee. Das wellige Gelände erforderte kostspielige Nivellierungen der Straßen. 1851 erhielt Hetzendorf auf Ansuchen der Gemeinde eine Garnison, 1854 wurde die Beleuchtung ausgestaltet, 1857, 1878 und 1888 der Friedhof erweitert, 1876 die Schule errichtet und 1883-1886 die Gasrohrleitung von Obermeidling nach Hetzendorf verlegt.

Anfangs wurde noch in ländlicher Bauweise verbaut, später kam der Cottage Stil mit schönen Villen, um 1900 entstanden bereits Miethäuser. In der Zwischenkriegszeit erfasste die Bautätigkeit den Hetzendorfer Teil des Rosenhügels (ursprünglich teils öd, teils Ackerland, durchsetzt von Sandgruben, die noch 1850 vorhanden waren): Bau einer Genossenschaftssiedlung (1921-1926). Aber Hetzendorf – doch beträchtlich weit vom Stadtzentrum entfernt, hat seine lokale Identität als zumeist locker bebautes Wohnviertel im Grünen bis heute bewahrt.

Zusätzlich zum Schloss Hetzendorf – das heute mein Ziel gewesen ist (und einen eigene Blogeintrag erhält) gibt es noch mehr in Penzing zu sehen: In der neuromantischen Rosenkranzkirche sind Bilder von Ernst Fuchs zu bewundern. Historische Villen: z.B. im früher so genannten Erzherzogin-Marie-Valerie-Cottage genannt, nach der Lieblingstochter von Kaiser Franz Joseph I., Marie Valerie).

Unübersehbar in Hetzendorf: die Südbahn. Verkehrsmäßig ist Penzing durchaus gut erschlossen.

Somit lässt es sich hier gut wohnen, viel Grün, als Erholungsgebiet dient auch der schöne Schlosspark des Hetzendorfer Schlosses.


 [CC1]Penzing ist der 14. Wiener Gemeindebezirk

Zu Hetzendorf in Meidling

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