Überlegungen zu meinem Altsein

Ich traf einen „alten Bekannten“, den ich lange nicht gesehen hatte. Seit unserer gemeinsamen Studienzeit (in den 50er Jahren!) sind wir einander eher nur zufällig – und beiläufig – über den Weg gelaufen. Ich wurde ihm also neuerlich vorgestellt. Na gut, seine Begrüßung war überaus (und für mich erstaunlich) herzlich. Und er meinte: ich hätte Dich nicht wiedererkannt. Ich gebe zu, auch mir kam er anfangs nur „bekannt“ vor, bis mir sein Name dämmerte.  Wir plauderten, er erstaunte mich, als er erzählte, dass er abends auf einen Ball gehen werde, und dass er bei einem wirklich guten Mittagessen nichts essen werde, damit er noch in die alte Hose passen würde.  

Ich sinnierte eine Weile; also auf einen Ball gehen, das reizt mich überhaupt nicht – und in meine alten Ballkleider, so sie noch vorhanden sind, würde ich überhaupt nicht mehr passen, mit und ohne Mittagessen.

Aber dass er mich überhaupt nicht wiedererkannt hatte, erstaunte mich schon. Habe ich mich so verändert. Eher: bin ich so alt und schiach geworden, dass er mich nicht erkannte? Also gut, seit meiner Studienzeit (und so dürfte er mich in Erinnerung haben) sind immerhin mehr als 65 Jahre vergangen. Selbstverständlich habe ich mich verändert. Vieles um mich herum hat sich auch verändert – und ich war Teil davon.

Ich war fast 60 Jahre verheiratet, ich habe zwei Kinder, 7 Enkel und drei Urenkelinnen. Ich habe erst nach dem Studium mein – für den Job relevantes – Wissen erworben, und dieses Wissen während meiner Tätigkeit ständig erweitern (müssen). Ich habe komplexe Projekte geleitet, die von anderen abgelehnt worden waren.

In der Pension habe ich acht Bücher geschrieben, naja, es waren keine Bestseller, aber immerhin sind sie auf den Markt gekommen. Und ich habe immerhin in fünf Jahren einen Blog aufbauen können, mit insgesamt (in WordPress, Twitter und Facebook) ca. 2000 Followern.

All das hinterlässt Spuren, und so sage ich mir halt, auf die damit erworbenen Falten sollte ich doch eher stolz, und wenn nicht stolz, dann zufrieden sein.

Ich bin dankbar, für all das, auch dafür, dass meine Familie und ich so halbwegs heil durch die Krise gekommen sind, und dass ich jetzt wieder ein fast normales Leben genießen kann.  Ich weiß schon, Corona ist noch nicht vorüber und man soll nichts verschreien oder den Tag vor dem Abend loben.

Und wir leben in einem friedlichen Land – wenn ich mir so anschaue, dass die Taliban wieder ihre Gehenkten auf Kränen aufziehen, oder sich die Engländer auch für Auftanken anstellen müssen, dagegen leben wir wirklich doch ja, ich sag’s wieder, auf einer Insel der Seligen, wenn wir auch nicht immer einverstanden sind, wie wir regiert werden.

Also Ergebnis: macht nix, wie ich ausschaue. Ich könnte ja in mein Aussehen mehr Zeit investieren, aber die fehlte mir anderswo, Hauptsache: meinen Lieben und mir geht’s gut.

Jetzt schau‘ ich die Wahlen ausgehen!

Überlegungen zu meinem Altsein

2 Gedanken zu “Überlegungen zu meinem Altsein

  1. Ernst Hoffmann-Rumerstein schreibt:

    Liebe Christa, ich würde Dich immer erkennen, wieviel Promille Alkohol ich auch habe. Das Altern ist nicht schön. Ich gratuliere Dir zu Enkeln und Urenkeln. Ich gehe auch bald auf die 60 zu. Alles wird schwerer, mühsamer, die Kondition von einst ist verloren nach 3-maligen Hüftoperationen und Herzrrymthusstörungen.. Früher hatte ich (fast) alle Sportarten probiert: Tennis, Squash, Wasserski (Mono), Surfen, Fußball, Golfen, Tischtennis, aber leider heute geht nix mehr.

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