Armes – reiches – Afghanistan

Afghanistan verfügt über Rohstoffe im Wert von bis zu drei Billionen Dollar

Es gibt sehr vieles, das ich überhaupt nicht verstehen kann. Manches davon betrifft Afghanistan. Jetzt herrscht große Aufregung darüber, dass viele Waffen, die die Amerikaner der afghanischen Armee geliefert haben, in die Hände der Taliban gefallen sind. Man zerbricht darüber den Kopf, wieviel sie gekostet haben, ob die Taliban in der Lage sind, sie überhaupt zu verwenden (also ich meine, die meisten doch, und außerdem werden genug Personen vorhanden sein, seien es Militärs, russische oder chinesische “Berater“, die sie darin ausbilden werden).  

Aber keiner fragt, was die „Besatzer“ so in den 20 Jahren überhaupt getan haben. Gut: anfänglich mussten sie die Taliban besiegen, etwas, das ja auch geglückt ist. Aber was ist dann geschehen, um das Land aufzubauen, die Demokratie zu stärken, und vor allem wirtschaftliche Strukturen zu schaffen. Waren es überhaupt Militärs, die dort waren, oder waren es hauptsächlich Söldner, die im Wesentlichen meist gekämpft haben.

Wie ist es möglich, dass das Land keine funktionierende Wirtschaft hat und angeblich vor einer Hungerkatastrophe steht? Vielleicht als Folge der jahrzehntelangen Kriege ist Afghanistans Wirtschaft in einem desolaten Zustand. Als eines der ärmsten Länder der Welt ist Afghanistan stark auf Hilfsgelder und Investitionen aus dem Ausland angewiesen. Laut der Asiatischen Entwicklungs-Bank (ADB) leben fast 50% der Afghanen unter der Armutsgrenze. Seit einigen Jahren gibt es Ernteausfälle durch extreme Dürreperioden, was zu akuter Nahrungsmittelunsicherheit geführt hat. Laut dem UNO-Welternährungsprogramm ist über ein Drittel der afghanischen Bevölkerung von Hunger bedroht.

Nach der Machtübernahme durch die Taliban haben die USA den Großteil von Afghanistans Währungsreserven eingefroren und auch andere westliche Staaten wollen die finanzielle Unterstützung beenden. Auch der internationale Währungsfonds hat den Zugang Kabuls zu den IWF-Ressourcen vorläufig ausgesetzt und die Weltbank hat die Auszahlungen von Hilfsgeldern gestoppt. Die Taliban brauchen deshalb dringend finanzielle Hilfe und Investitionen von anderen Ländern. China hat bereits Unterstützung angekündigt, die Taliban erhoffen sich auch durch gute Beziehungen zu Peking mehr internationale Anerkennung.

Laut Weltbank machten im Jahr 2020 Hilfsgelder über 40% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus.  Fast 30% des Bruttoinlandproduktes muss die afghanische Regierung für die Finanzierung des Militär- und Polizeiapparates ausgeben, Länder mit vergleichbarer Wirtschaftsleistung geben im Durchschnitt 3% dafür aus. In dem Land mit 33 Millionen Einwohner ist die Arbeitslosigkeit hoch. Wegen der unsicheren Lage, aus Angst vor Krieg und Repressalien von Seiten der Taliban und anderer Milizen, aber auch wegen der schlechten wirtschaftlichen Situation verlassen viele Afghanen das Land, darunter auch solche mit einem hohen Bildungsniveau, was zu einem massiven Braindrain führt. Politische Instabilität, schwache Institutionen, eine unzureichende Infrastruktur und Korruption haben dazu geführt, dass es kaum einen privaten Sektor gibt. Laut Weltbank arbeiten über 40% der Menschen in der wenig produktiven Landwirtschaft.

Viele Bauern bauen Opium an, dessen Anbau lukrativer ist als der Anbau von Getreide oder von anderen Nutzpflanzen. Der illegale Handel mit Opium gilt als Haupteinnahmequelle Afghanistans. Mit den Einkünften aus dem Opiumanbau finanzieren die Taliban und andere Milizen unter anderem ihre Waffenkäufe. Laut dem UNO-Weltdrogenbericht stammen über 80 % des weltweit angebauten Opiums aus Afghanistan. Während der 20-jährigen Präsenz der Nato-Truppen hat der Opiumanbau in Afghanistan stark zugenommen.

Schon Alexander der Große und Dschingis Khan wussten von den reichen Bodenschätzen Afghanistans. Im 20. Jahrhundert haben westliche Staaten das Land nach Bodenschätzen erkundet. Zur Zeit der sowjetischen Besatzung haben russische Geologen Daten über Afghanistans Bodenschätze gesammelt und ihre Erkenntnisse später mit den Amerikanern geteilt. Geologen der US-Geologie-Behörde (USGS) schätzen, dass Afghanistan über Rohstoffe im Wert von bis zu drei Billionen Dollar verfügt. Die Vorräte an Kupfer, Eisenerz, Gold, Silber, Chrom, Zink, Blei, Uran, Edelsteinen, Kohle, Öl- und Gas würden ausreichen, um das von Kriegen gezeichnete Land zu einem wichtigen Rohstofflieferanten zu machen. Auf besonderes Interesse stoßen Seltene Erden, Lithium und Kobalt, die unter anderem zur Herstellung von Batterien und Motoren für Elektroautos benötigt werden. Afghanistan soll so große Lithium-Reserven wie Bolivien haben, das derzeit über die weltweit größten Lithium-Vorkommen verfügt, auch die Reserven an Seltenen Erden sollen sehr hoch sein.

Die jahrzehntelangen Kriege und die politisch instabile Lage haben bis jetzt eine wirtschaftlich effiziente Ausbeutung der Bodenschätze größtenteils verhindert. Zudem fehlt die nötige Infrastruktur, es gibt weder eine funktionstüchtige Bergbauindustrie, noch die für Exporte notwendigen Straßen oder Eisenbahnlinien, in vielen Gegenden gibt es kein Stromnetz. Derzeit wird nur ein geringer Teil der vorhandenen Bodenschätze ausgebeutet.

Wie es mit Afghanistans Wirtschaft weitergeht, wird in erster Linie davon abhängen, ob die Taliban die sicherheitspolitische Lage in den Griff bekommen und ob es in Zukunft einen dauerhaften Frieden geben wird. Der Abbau der Bodenschätze wäre eine große Chance, um das Wirtschaftswachstum zu fördern. Um einen umfangreichen und profitablen Abbau der reichen Bodenschätze zu ermöglichen, ist eine einigermaßen politisch stabile Situation im Land am Hindukusch Voraussetzung. Ob und wann eine ausreichend sichere Infrastruktur für den Abbau vorhanden sein wird, ist wohl eine Frage die derzeit nicht beantwortet werden kann. Aber die diesbezüglichen Versäumnisse der Besatzung durch die NATO sind evident.

Armes – reiches – Afghanistan.

Armes – reiches – Afghanistan

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