Die Althanvorstadt – am Alsergrund.

Heute bin ich wieder einmal in den neunten Bezirk gekommen, dem Alsergrund, und konkret dort in die Althanvorstadt.

Die Althanvorstadt führte ihren Namen nach dem Grundbesitzer Christoph Johann Graf Althan, Obriststallmeister und Landjägermeister, der hier seit 1685 Besitzungen hatte. Um 1693 ließ Graf Althan einen Garten anlegen und von J. B. Fischer von Erlach ein Palais erbauen (Althanpalais – heute Franz-Josefs-Bahnhof). Um einen Mittelsaal, der im Erdgeschoß ein Tiefoval, im ersten Stockwerk ein Queroval bildete, waren vier Flügel windmühlenflügelartig angeordnet; in ihre Winkel wurde je eine weitere Baugruppe eingefügt. Die Ehrenhofseite hatte eine Freitreppenanlage. Ich habe mir vor vielen Jahren einen Stich von diesem Palais gekauft – es ist das hübscheste, das hier gebaut worden ist – alles hinterher, die Bahnhöfe, das Technische Zentrum – das jetzt wieder umgebaut wird, reichen nicht an die Schönheit und Eleganz ursprüngliche Bebauung heran.

In dem Gebäude über dem Franz Josefs-Bahnhof habe ich lange Zeit gearbeitet, daher ist mir diese Gegend besonders vertraut. Es ist auch nicht weit ins Lichtental, aber dazu vielleicht ein andermal, besonders zu der Lichtentaler Pfarrkirche (zu den hl. 14 Nothelfern), also zur Schubertkirche. Auch der wunderbare Liechtensteinpark, diese grüne Oase, ist nahe.  

Der Hubertushirsch im Wappen der Vorstadt nimmt auf die Funktion Althans Bezug. Die Vorstadt Althan führte ein Grundgerichtssiegel, das einen ovalen Schild in vierpaßartigem Ornament zeigt; im Schild ein nach rechts schreitender Hirsch (Zehnender), zwischen dem Geweih ein senkrecht schraffiertes Schildchen, in demselben ein Kreuz; über dem ornamentierten Schild eine fünfblättrige Blätterkrone.

Um 1700 wurde das Schloss erbaut (Althanpalais), 1706 starb der Graf und hinterließ den Besitz seinem Sohn Gundacker Ludwig Joseph Graf Althan. Dieser (* 1665; † 1747) war kaiserlicher Hofkriegsrat, General der Kavallerie, General-Hofbaudirektor Karls VI. Er leistete einen wesentlichen Beitrag zum Ausbau der von seinem Vater Christoph Johann Graf Althan begründeten (späteren) Althanvorstadt.

Althan war Ritter des Goldenen Vlieses und Freiherr zu der Goldburg, k. k. wirklicher Geheimer Rat und Gouverneur zu Raab. 1727 ernannte ihn Kaiser Karl VI. zum Direktor der Wiener Kunstakademie (gegründet 1692 durch Peter Strudel, † 1717); Althan überließ der Akademie 1732 Räumlichkeiten in seinem Haus Stadt 1090 (1., Seilergasse 8, Spiegelgasse 7), in denen sie bis 1742 verblieb. Raphael Donner schuf von Althan ein Porträtmedaillon.

Die Lage des Palais in einer durch Überschwemmungen gefährdeten Gegend veranlassten Althan, das Palais zu vermieten und am 1713 der Stadt Wien zu verkaufen. Nach seinem Tod kam die Liegenschaft 1754 an Johann Georg Schuller, der in den Nebengebäuden des Schlosses eine Kattunfabrik einrichtete. 1777 wurde der Großhändler Johann Baptist Pouthon Eigentümer.

Erst 1755 taucht erstmals die Bezeichnung „am Althannischen Grund“ auf (zuvor 1661 In dem Obern Wörth beziehungsweise Rossaw oberhalb der Scheiben, 1725 In dem Obern Wörth außerhalb des Alsterbachs, 1727 Oberhalb der Scheiben); 1778 lässt sich die Bezeichnung „Vorstadt Graf Althannischer Grund“, 1779 „Wiener Vorstadt Althann“ nachweisen. Die Grenzen der Vorstadt, zu der auch die Spittelau gehörte, verliefen in der Alserbachstraße, über die Häuser zur Fechtergasse von Nummer 16 bis zur Althanstraße, diese entlang bis zur Augasse und von dieser entlang der Gürtelbrücke zum Donaukanal.

Noch im 17. Jahrhundert war die Spittelau eine Insel des sogenannten „Wiener Donauarms“ oberhalb der Mündung der Als zwischen Lichtental und Brigittenau. Sie war mit der benachbarten Klosterneuburger Au durch einen Steg verbunden. Während der Pest von 1713/1714 wurde hier eine Quarantänestation eingerichtet und die Menschen in eigens aufgestellten Holzbaracken untergebracht. Es gab dort sogar eine Schule für die Kinder.

Den Charakter einer Insel verlor das Gebiet gegen 1800, als der zum „Festland“ noch bestehende Kanal zusehends zum Verlanden gebracht wurde. Die vormalige Au wurde weiterhin als landwirtschaftliche Fläche genutzt. Das Maschinenhaus der 1835 begonnenen Kaiser-Ferdinands-Wasserleitung stand in der Spittelau.

Das Areal vom Franz-Josefs-Bahnhof und dessen Überbauungen durch ein Amtsgebäude, die Universität Wien, das Objekt Nordbergstraße 15, die Post, ein Parkhaus sowie die Unicredit Bank Austria AG sind in der Stadt eher isoliert. Es gibt nur wenig Interaktion mit dem Umfeld. In den 2010er-Jahren arbeitet die Stadt Wien in Kooperation mit privaten Partnerunternehmen an der Revitalisierung des Areals. Bis Ende 2018 wird der Umbau am Objekt Nordbergstraße 15 abgeschlossen werden. In den nächsten Jahren soll das „Althan Quartier“ neugestaltet werden. Ein Siegerprojekt wurde Mitte April 2018 juriert.

Ich kann jetzt nur hoffen, dass die Neugestaltung gelingt, wobei ich fürchte, dass es wohl kaum an die Schönheit des Palais Althan und seinen Garten heran reichen wird.

Die Althanvorstadt – am Alsergrund.

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