Für mich Neuland: Blumengärten Hirschstetten.

Sehr gut kenne ich meine Stadt nun wirklich nicht. Gestern habe ich zum ersten Mal über die Blumengärten Hirschstetten gehört. Was ich davon (im Fernsehen) sehen konnte, hat mir gut gefallen, daher habe ich einfach einmal angefangen darüber Informationen zu sammeln. Es stellt sich heraus, für mich wären die Gärten mit Öffentlichen Verkehrsmitteln in knapp einer Stunde erreichbar.

Und dazu muss ich mich nach Hirschstetten begeben, einen Ortsteil von Wien, den ich auch noch nicht kenne:

Der Ort wechselte im Lauf der Zeit oftmals den Besitzer; er kam aus anfänglich landesfürstlichem und geistlichem Besitz später an adlige und bürgerliche Privatpersonen. Im 14.Jh. hat es hier einen Herrensitz gegeben, einen Vorläufer des späteren Schlosses, der mehrmals den Inhaber wechselte. Als 1693 Otto Ferdinand Graf Hohenfeld einige Zinsrechte erwarb, trennten sich Orts- und Schlossgeschichte (Hirschstettner Schloss). 1739 ließ der damalige Schlossbesitzer Johann Wilhelm Graf Wurmbrand eine Hauskapelle errichten, die er der Bevölkerung zur Verfügung stellte, weil der Weg nach Kagran infolge Überschwemmungen oftmals unpassierbar war. Erst Ende des 17.Jh. errichtete ein Graf von Hohenfeld ein „adelig Wohnhaus“, das von späteren Besitzern erweitert wurde. 1786 bestand die Ansiedlung aus 25 Gehöften, die im Krieg 1809 arg in Mitleidenschaft gezogen wurden, so auch beim Hochwasser von 1830. Hierauf wurden Schutzwälle gebaut. 1824 baute die Gemeinde einen Ziegelofen. 1848 wurden die Bauern im Zuge der Grundentlastung freie Herren ihres Landes, der Ort selbst kurzzeitig mit der Nachbargemeinde Stadlau vereint. 

1868 erwarb die Familie Pirquet das Schloss, dem bald eine Baumschule angeschlossen wurde. Der Entwicklung des Ortes förderlich waren der Anschluss an die Bahnlinie Wien-Marchegg 1870, damals die Hauptstrecke nach Budapest, und an die Dampftramway Floridsdorf- Groß-Enzersdorf. Die Bewohner des Ortes waren vorwiegend in der Landwirtschaft tätig waren. In den Zwanzigerjahren entstanden nordöstlich des Ortskerns die „Kriegerheimstätten“.

Die letzten Kriegstage 1945 setzten Hirschstetten arg zu, lagen doch in unmittelbarer Nähe große Rüstungsbetriebe, Raffinerien und Bahnanlagen. Bei einem massiven Luftangriff wurde auch das Schloss vernichtet. Bald nach Kriegsende setzte eine rege Bautätigkeit ein. Auf einem über 3 ha großen Areal fand der städtische Reservegarten nach seinem Auszug aus dem Stuwerviertel im 2. Bezirk eine neue Betriebsstätte. Das Gelände des ehemaligen Schlosses ist ab 1953 im Besitz des deutschen Ordens der Claretiner.

Seit 2002 sind die Blumengärten Hirschstetten zwischen Mitte März und Mitte Oktober geöffnet und werden als Erholungsort genutzt. In der öffentlich zugänglichen Anlage können neben dem Palmenhaus im 60.000 m2 großen Florarium thematisch angelegte Schaugärten („Donaustädter Weinhügel“, „Garten der Provence“, „Chinesischer bzw. TCM-Garten“, „Urzeitgarten“), ein nachempfundener traditioneller Bauernhof und mehrere kleine zoologische Bereiche (Wildkatzengehege, Ziegen am Bauernhof, Schildkröten-Garten, Insektarium im Palmenhaus) besichtigt werden. Das klingt ja sehr interessant!

Aber wie kam es dazu?

1860 erwarb die Stadt Wien die Gärtnerei des Bechard-Palais (heute Standort der Weißgerberkirche), um die für die städtischen Gartenanlagen benötigten Pflanzen selbst ziehen zu können. Zwischen 1867 und 1868 wurde ein neuer Standort auf dem Heumarkt im Bereich des heutigen Wiener Eislaufvereins bezogen, der allerdings 1896/1897 wegen der Wienflussregulierung zugunsten der neuen Adresse Vorgartenstraße in Wien-Leopoldstadt aufgegeben wurde.

Auf den dort zur Verfügung stehenden 46.000 m2 Grundfläche befanden sich Mistbeete, 25 Glashäuser und ein (1904 errichtetes) Palmenhaus, in dem man die für städtische Repräsentationsveranstaltungen gebrauchten Kübelpflanzen überwinterte. Im Juli 1914 wurde die Finanzierung für den Bau eines Gebäudes beschlossen, das außersaisonal das Geflügel städtischer Parkteiche aufnehmen sollte.

Eine weitere, mit 71.300 m2 bedeutende städtische Anlage war der Reservegarten Kagran (Ziegenhäufl), heute: Schulgarten Kagran mit dem seit 1977 bestehenden Österreichischen Gartenbaumuseum im Haus Siebeckstraße 14. Der in Teilen vor dem Ersten Weltkrieg von Stadtgartendirektor Wenzel Hybler (1847–1920) angelegte Reservegarten Kagran gewann vor allem in der Kriegs- wie Nachkriegszeit besondere Bedeutung, da bedingt durch die schlechte Versorgungslage der Bewohner Wiens die Schulung für Anbau und Aufzucht von Gemüse und Obstbäumen geboten war; bereits 1915 wurden, wenn auch noch in bescheidenem Umfang, Gemüsesetzlinge an die Bevölkerung unentgeltlich abgegeben, 1916 waren es bereits 1,6 Millionen. 1923 überließ die Gemeindeverwaltung den Reservegarten der Kleingartenstelle der Stadt Wien GmbH, verbunden mit dem Auftrag, eine Produktionsstätte für Obstbäume zu schaffen, da, nach einer Schätzung, allein in Wiener Gärten Platz für über 300.000 Obstbäume vorhanden war. Einige Jahre später ging die Anlage in den Besitz des Wiener Fortbildungsschulrates über, der den Betrieb in eine Gartenbauschule überführte.

In den Blumengärten Hirschstetten wurden seit den 1950er Jahren die für die öffentlichen Auspflanzungen benötigten Pflanzen gezogen. Da die Produktion der Pflanzen mehr und mehr durch Zukauf überflüssig wurde, hat man beschlossen die Flächen umzugestalten und für Besucher zu öffnen.

Mit der Übernahme des Grundstücks in der Quadenstraße begann das Wiener Stadtbauamt mit den Planungsarbeiten für die neue städtische Gärtnerei. Gründe für die zwischen ab 1957 erfolgte schrittweise Übersiedlung nach Hirschstetten waren die schweren Kriegsschäden an der Anlage in der Vorgartenstraße und auch die Abgase des nahe gelegenen Dampfkraftwerks Engerthstraße.

Um all das besichtigen zu können, werde ich mir wohl einen ganzen Tag reservieren müssen – sonnig sollte er halt sein. Vielleicht sollte ich auf das Frühjahr warten, denn im Herbst sind Gärten manchmal ein bissel traurig.

Für mich Neuland: Blumengärten Hirschstetten.

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