Am letzten warmen Abend im Freien essen ….

Zwetschkenknödel beim Huth

Heute früh bin ich nicht auf die Waage gestiegen, nach einem üppigen Nachtmahl gestern abends ist das gar nicht schlau, das hätte mir den Tag verpatzt. Wir haben das warme, schöne Wetter genutzt um noch einmal abends im Freien zu sitzen Wird wahrscheinlich ohnedies das letzte Mal gewesen sein, es sei denn, wir suchen uns ein Restaurant mit Heizschwammerln. Ich finde diese zwar energiepolitisch schlecht, aber fein sind sie schon, wenn man gern draußen sitzt. Jeder Gastgarten der Umgebung war gestern abends voll, nicht nur wir nutzten diese letzte Gelegenheit.

Wir waren beim Huth, im Gasthaus. Herr Huth regiert in der Schellinggasse drei Lokale und um die Ecke – in der Himmelpfortgasse – ein viertes. Die Kunst der Gründerpersönlichkeit besteht darin, sich selbst keine Konkurrenz zu machen – jedes seiner Lokale hat ein präzises, sich jeweils an ein anderes Publikum wendendes Programm. Bei diesem – dem ersten in der Umgebung – waren wir – mein leider verstorbenener Mann und ich – sehr oft essen, mit Familie, mit Freunden …  Mein Mann war schon dort, als das Restaurant noch Wirtshaus zu den drei Schwalben hieß.

Alle diese Restaurants befinden sich in der Schellinggasse, im sogenannten Philosophenviertel, fast alle Gassen rundherum tragen Namen von Philosophen: Hegel, Fichte, schon außerhalb des Rings die Kantgasse.

Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, ab 1808 Ritter von Schelling (* 27. Januar 1775 im Herzogtum Württemberg; † 20. August 1854 in Ragaz, in der Schweiz), war ein deutscher Philosoph, Anthropologe, Theoretiker der sogenannten Romantischen Medizin und einer der Hauptvertreter des Deutschen Idealismus. Schelling war der Hauptbegründer der spekulativen Naturphilosophie, die von etwa 1800 bis 1830 in Deutschland fast alle Gebiete der damaligen Naturwissenschaften prägte. Seine Philosophie des Unbewussten hatte Einfluss auf die Ausbildung der Psychoanalyse. Schellings Philosophie bildet sowohl das entscheidende Verbindungsglied zwischen der kantischen und der hegelschen Philosophie als auch zwischen der idealistischen und nachidealistischen Philosophie. In ihr gehen Vernunftspekulation und über den Idealismus hinausgehende Motive ineinander über.

Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, den sein Freund und Förderer Goethe als den einzigen interessanten Philosophen seiner Zeit betrachtet, bildet zusammen mit Fichte und Hegel den Kern des deutschen Idealismus.

Schelling befasste sich zeitlebens mit naturphilosophischen Fragen. Er beschreibt die Natur mit der Metapher eines Organismus. Während Mitte der 1980er Jahre die naturphilosophischen Schriften des jungen Schelling noch weithin unbekannt waren, erfolgt seitdem eine intensive Beschäftigung mit Schellings Naturphilosophie. Sie wird einerseits für ein verantwortungsvolles Naturverständnis in Anspruch genommen, andererseits in unmittelbaren Zusammenhang mit heutigen naturwissenschaftlichen Theorien gebracht. Aber auch ihr gesellschaftskritisches Potential ist in jüngster Zeit wiederentdeckt worden.

Das Denken Schellings hat den Widerspruch zum Inhalt und zwar unter verschiedenen Aspekten, als Frage nach dem Verhältnis von Freiheit und Notwendigkeit, von Natur und Geist, von Geschichte und Vernunft, von Wirklichkeit und Reflexion.  Das sind Gedanken, die auch uns heute bewegen!

Schellings prominentester Schüler, König Maximilian von Bayern, was der Schulmeinung seiner Zeit voraus, als er auf das Denkmal des 1854 verstorbenen Philosophen die Worte setzen ließ: „Dem ersten Denker Deutschlands“.

Aber zurück zum Restaurant und zum Essen: „Unser Huth“ hat auch berühmte Stammgäste, nicht selten trifft man dort den Maler Hermann Nitsch. Das Essen, das man dort bekommt, ist verlässlich gut, aber die gestrigen Zwetschkenknödel, die haben alles übertroffen – vor allem waren sie in Topfenteig gehüllt, der nicht so pappig wie der Erdäpfelteig, der sonst oft verwendet wird.

Ja, leider, bald ist der Sommer zu Ende und somit auch die Zeit des „Draußensitzens“. Und auch die Zwetschkenknödel haben nur kurzfristig Saison.

Am letzten warmen Abend im Freien essen ….

Überlegungen zu meinem Altsein

Ich traf einen „alten Bekannten“, den ich lange nicht gesehen hatte. Seit unserer gemeinsamen Studienzeit (in den 50er Jahren!) sind wir einander eher nur zufällig – und beiläufig – über den Weg gelaufen. Ich wurde ihm also neuerlich vorgestellt. Na gut, seine Begrüßung war überaus (und für mich erstaunlich) herzlich. Und er meinte: ich hätte Dich nicht wiedererkannt. Ich gebe zu, auch mir kam er anfangs nur „bekannt“ vor, bis mir sein Name dämmerte.  Wir plauderten, er erstaunte mich, als er erzählte, dass er abends auf einen Ball gehen werde, und dass er bei einem wirklich guten Mittagessen nichts essen werde, damit er noch in die alte Hose passen würde.  

Ich sinnierte eine Weile; also auf einen Ball gehen, das reizt mich überhaupt nicht – und in meine alten Ballkleider, so sie noch vorhanden sind, würde ich überhaupt nicht mehr passen, mit und ohne Mittagessen.

Aber dass er mich überhaupt nicht wiedererkannt hatte, erstaunte mich schon. Habe ich mich so verändert. Eher: bin ich so alt und schiach geworden, dass er mich nicht erkannte? Also gut, seit meiner Studienzeit (und so dürfte er mich in Erinnerung haben) sind immerhin mehr als 65 Jahre vergangen. Selbstverständlich habe ich mich verändert. Vieles um mich herum hat sich auch verändert – und ich war Teil davon.

Ich war fast 60 Jahre verheiratet, ich habe zwei Kinder, 7 Enkel und drei Urenkelinnen. Ich habe erst nach dem Studium mein – für den Job relevantes – Wissen erworben, und dieses Wissen während meiner Tätigkeit ständig erweitern (müssen). Ich habe komplexe Projekte geleitet, die von anderen abgelehnt worden waren.

In der Pension habe ich acht Bücher geschrieben, naja, es waren keine Bestseller, aber immerhin sind sie auf den Markt gekommen. Und ich habe immerhin in fünf Jahren einen Blog aufbauen können, mit insgesamt (in WordPress, Twitter und Facebook) ca. 2000 Followern.

All das hinterlässt Spuren, und so sage ich mir halt, auf die damit erworbenen Falten sollte ich doch eher stolz, und wenn nicht stolz, dann zufrieden sein.

Ich bin dankbar, für all das, auch dafür, dass meine Familie und ich so halbwegs heil durch die Krise gekommen sind, und dass ich jetzt wieder ein fast normales Leben genießen kann.  Ich weiß schon, Corona ist noch nicht vorüber und man soll nichts verschreien oder den Tag vor dem Abend loben.

Und wir leben in einem friedlichen Land – wenn ich mir so anschaue, dass die Taliban wieder ihre Gehenkten auf Kränen aufziehen, oder sich die Engländer auch für Auftanken anstellen müssen, dagegen leben wir wirklich doch ja, ich sag’s wieder, auf einer Insel der Seligen, wenn wir auch nicht immer einverstanden sind, wie wir regiert werden.

Also Ergebnis: macht nix, wie ich ausschaue. Ich könnte ja in mein Aussehen mehr Zeit investieren, aber die fehlte mir anderswo, Hauptsache: meinen Lieben und mir geht’s gut.

Jetzt schau‘ ich die Wahlen ausgehen!

Überlegungen zu meinem Altsein

Die Klagbaumgasse auf der Wieden

Und die Sage vom Klagbaum

Als ich gestern so mit der Straßenbahn Linie 62 dahinzuckelte und die Gegend betrachtete, fiel mir noch auf der Wieden die Klagbaumgasse auf.  Der Name der Gasse stammt nach der Legende vom Klagbaum und dem 1267 begründeten Siechenhaus „Zum Klagbaum“.

Siechenhaus St. Hiob (Job) zum Klagbaum wurde vom Magister Gerhard von Siebenbürgen, Pfarrer von Wien und Gars sowie päpstlicher Kaplan, für Leprose (Aussätzige) gestiftet. Der Stiftbrief für Klagbaum stammt aus dem Jahr 1267. Bereits für das Jahr 1266 ist im Eisenbuch eine Ordnung für das „siechhaws dacz dem Clagpawm“ überliefert. Ordnung und Stiftbrief sind teilweise widersprüchlich: Der Ordnung nach war das Siechenhaus etwa nur für Frauen bestimmt. Die Bezeichnung „Klagbaum“ geht der Sage nach auf einen Klagelaute von sich gebenden Baum zurück. Wahrscheinlich ist sie jedoch auf einen Kreuzigungsbild(stock) zurückzuführen. 

1482, als die Befestigungsanlagen beim Heranrücken von Matthias Corvinus verstärkt wurden, soll das Siechenhaus teilweise demoliert worden sein, um Baumaterial zu gewinnen. Im Zug der Ersten Osmanischen Belagerung von 1529 wurde die (wiederhergestellte?) Einrichtung wiederum in Mitleidenschaft gezogen. In der Folge dürfte Klagbaum mit St. Marx vereinigt worden und somit auch in städtische Hände gekommen sein. Die Zweite Osmanische Belagerung von 1683, während der die Türken das Siechenhaus als Pferdestall benutzt hatten, überstand die Einrichtung mit Ausnahme des Daches einigermaßen unbeschadet.

Da die Lepra weitgehend verschwunden war, fanden dort in der Frühen Neuzeit vor allem alte Menschen mit diversen Hautkrankheiten Aufnahme. Im Zug der Reformen Josephs II. wurde das Siechenhaus aufgehoben und die Insassinnen und Insassen 1785 größtenteils in St. Marx untergebracht, das zum Bürgerversorgungshaus umfunktioniert worden war. Kurz darauf erfolgten der Abriss des Hauses und der Kapelle sowie die Parzellierung des Areals, durch das heute die Klagbaumgasse führt.

Aber die Sage kann ich Ihnen nicht wirklich vorenthalten.

DER KLAGBAUM

Vor fast siebenhundert Jahren brach in Wien eine schreckliche Seuche aus, die aus dem Morgenland eingeschleppt wurde und rasch um sich griff: der Aussatz, eine Krankheit, die den Menschen aufs höchste entstellte. Man wußte kein Mittel, die gräßliche Seuche zu bannen.

Zur Versorgung der Menschen, die von der Krankheit befallen wurden, stiftete der Pfarrer Gerhard von St. Stephan im Jahre 1267 außerhalb der Stadt auf der heutigen Wieden ein Siechenhaus und eine Kapelle „Zum guten Sankt Hiob“, dem erhabenen Vorbild der Geduld.

Vor der Kapelle stand ein schöner, großer Lindenbaum, von dem manchmal bei Nacht seltsame Klageweisen ertönten. Die Gegend kam dadurch so in Verruf, daß niemand mehr zur Nachtzeit dort vorbeizugehen wagte. Einige Zeit setzten diese Weisen aus, um sich später um so deutlicher zu wiederholen. Nun baten die Bewohner der umliegenden Häuser mit dem Richter an der Spitze den Seelsorger des Spitals, diese „Wehklage“, die ihnen so große Angst einflößte, durch Gebet und Beschwörung zu bannen.

Der würdige Mann versprach ihnen, gegen Abend zum Lindenbaum zu kommen und zu sehen, welche Bewandtnis es mit der Klage habe. Bald nachdem die Dunkelheit hereingebrochen war, kam auch schon der Wächter, den man in der Nähe des Baums aufgestellt hatte, damit er dem Geistlichen das Ertönen der Klage melde, in höchster Erregung angestürzt und brachte die Botschaft, der Baum lasse wieder so seltsame Weisen erklingen, daß sich alle Leute zitternd in ihren Häusern verkröchen.

Der Pfarrer erhob sich, nahm Kreuz und Weihwedel und schritt mit Richtern und Räten zu der schaurigen Stätte. Fröstelnd und pochenden Herzens zog die kleine Schar durch die Nacht zu dem unheimlichen Baum. Als sie näher kamen, hörten sie es deutlich: wimmernde Töne erklangen; kein Zweifel, eine verwunschene Seele hielt hier ihre grausige Klage. Die Begleiter des Geistlichen stockten, allein schritt dieser zu dem spukhaften Baum. Immer lauter schlug der Klageton an sein Ohr, unheimlich fremd und doch wieder menschlich, daß er seine Schritte hemmte, um zu lauschen. Da drang ein Mondstrahl durch das Gewölk und warf sein unsicheres Licht auf eine schattengleiche Gestalt, die unter dem Baum hin und her zu wanken schien. Sogleich erhob der Pfarrer sein Kreuz, sprengte geweihtes Wasser vor sich hin und rief mit bebender Stimme seine Beschwörung: Da verstummte der Klageton, die dunkle Gestalt tauchte neben dem Beschwörenden auf, sie schien ihn zu fassen und verschwand mit ihm hinter dem Kirchlein.

Besorgt harrten die Bürger in sicherer Entfernung auf die Rückkehr des Priesters. Als aber geraume Zeit verstrich, ohne daß er wiederkam, gingen sie bedrückt wieder heim, in der sicheren Überzeugung, das Gespenst habe den Pfarrer mit sich genommen.

Am nächsten Morgen erschien der Geistliche lächelnd in ihrer Mitte und erzählte ihnen, nicht ein Gespenst habe die klagenden Weisen von sich gegeben, sondern ein wackerer Ritter und Sänger, dessen Namen er nicht nennen dürfe, habe unter dem Baum seine Klagelieder über die herrschende Krankheit ertönen lassen. Der Baum sei ihm wegen seiner Einsamkeit als der richtige Ort erschienen, seinen Schmerz über die Leiden seiner Vaterstadt zum Ausdruck zu bringen.

Doch die abergläubischen Leute glaubten den Worten des würdigen Pfarrherrn nicht. Sie meinten, dieser sei mit dem Gespenst im Bund, und nannten das Spital nach wie vor „Zum Klagbaum“, und dieser Name blieb, bis es später aufgelassen wurde. Noch heute erinnert die Klagbaumgasse auf der Wieden an die unheimlichen Weisen des klagenden Baumes.

Woran man so denkt, beim Straßenbahnfahren in Wien.

Die Klagbaumgasse auf der Wieden

In der Hetzendorfer Schlosskirche

Es hat damit begonnen, dass ich zwar den Hof des Schlosses betreten hatte – aber die Kirche nicht fand. Ich war zu einer Seelenmesse für einen Sohn lieber Freunde in die Kirche des Schlosses Hetzendorf eingeladen worden. Ich war noch nie im Schloss oder dem Park gewesen, ich weiß nur, dass die Modeschule Hetzendorf dort untergebracht ist. Es fand sich nach einigem Suchen eine Tür, die zwar die Aufschrift trug: „Eintritt verboten“, aber offen war.  Das war der Nebeneingang zur Kirche.

Nicht von außen erkennbar ist, dass sich eine Kirche im Schloss befindet, nämlich die Schlosskirche Hetzendorf, eine Rektoratskirche, die zur Erzdiözese Wien gehört. Kein Wunder, dass ich sie nicht gleich gefunden habe. Die Hetzendorfer Schlosskirche, die der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geweiht ist, wurde am 27. Juni 1745 vom Wiener Erzbischof Kardinal Graf Sigismund von Kollonitz (1716–1751) feierlich konsekriert. Im Zuge der Josephinischen Pfarrreform war sie während der Jahre 1784–1807 Lokalkurie sowie 1832–1910 Pfarrkirche von Hetzendorf. Seit dem 13. Mai 2008 trägt die Kirche durch erzbischöfliche Verfügung den Beinamen „Seliger-Kaiser-Karl-Gedächtniskirche“.

Die Decke des Kirchenschiffs ist mit Fresken von Daniel Gran geschmückt. Das Hochaltarbild stammt von Johann Karl Auerbach (1722–1788), Sohn des Hof- und Kammermalers Johann Gottfried Auerbach. Die Räumlichkeiten, in denen sich die Schlosskirche befindet, wurden 1994–1999 renoviert. Im Jahre 2000 fanden weitere Arbeiten statt.

Die Kirche ist relativ klein und im Altarraum fand sich kein Platz für einen Altartisch, daher wurde die Messe „in der alten Form“ nämlich mit dem Rücken des Priesters zu den Anwesenden gefeiert. Die Kirche wurde von der Trauerfamilie deshalb gewählt, weil dort sämtlich „Familienereignisse“ stattgefunden haben, z.B. die Trauung und die Taufen aller Kinder.

Dass es sich um die „Seliger-Kaiser-Karl-Gedächtniskirche“ handelt, ist wohl darauf zurückzuführen, dass 1912–1914 mit Zustimmung von Kaiser Franz Joseph I. Erzherzog Karl, ab 1916 Österreichs letzter Monarch, mit seiner Familie in diesem Schloss Hetzendorf wohnte. Sein Bild schmückt auch die Kapelle – wie auch einen Seitenaltar der Augustiner Kirche in der Stadt und wie die Kirche Nossa Senhora do Monte, in Funchal, wo Karl begaben liegt.

Das Schloss ist nicht besonders groß, auch nicht pompös und liegt in einem Park. Zu seiner Geschichte: 1675 kaufte Fürstin Maria Piccolomini vom Augustinerkloster einen Hof in Hetzendorf, einem damals von Wien weit entfernten Vorort „jenseits“ der kaiserlichen Sommerresidenz Schloss Schönbrunn (mit der er durch die die heutige Hauptachse des Schlosses verlängernde Schönbrunner Allee verbunden ist). Sie verkaufte die Anlage 1690 an Franz Sigismund Graf von Thun und Hohenstein, der drei weitere Höfe dazukaufte und ab 1694 ein eingeschoßiges Jagdschlösschen, den Thunhof, erbauen ließ. Architekt war vermutlich Johann Bernhard Fischer von Erlach. 1709 erbte die Nichte des Schlossherrn, Gräfin Eleonore von Thun-Hohenstein, den Thunhof und ließ ihn gemeinsam mit ihrem Ehemann Anton Florian Fürst von und zu Liechtenstein nach 1712 von Johann Lucas von Hildebrandt innen ausbauen und einen Park im französischen Stil anlegen. 1715 wurde die erste Schlosskapelle eingerichtet.

Nach einer Schenkung und einem Erbgang in der Hocharistokratie wurde das Schloss 1742 von der k.k. Hofkammer für Maria Theresia, die Monarchin der Habsburgermonarchie, angekauft. Maria Theresia beauftragte 1743 ihren Hofarchitekten Nikolaus Pacassi, das Gebäude zum Schloss zu erweitern und als Wohnsitz für ihre Mutter auszugestalten. Maria Theresias Sohn, Kaiser Joseph II., bewohnte das Schloss 1789/1790 zeitweise. Er ließ für seinen Hofstaat die Vorder- und Seitengebäude errichten.

1814 lebte im Schloss die von den napoleonischen Kriegen betroffene Königin von Neapel-Sizilien, Maria Karolina von Österreich. 1805 und 1809 waren französische Besatzungstruppen einquartiert. Nach dem Tod von Kaiser Franz, 1835, diente das Schloss vorwiegend als kaiserliches Gästehaus. Im Oktober des Revolutionsjahres 1848 war das Schloss Hauptquartier von Feldmarschall Alfred Fürst Windischgraetz bei der Rückeroberung Wiens für die Kaiserlichen. Es gab eine Reihe von prominenten Logiergästen, darunter Naser ad-Din Schah, der Monarch von Persien während seines Besuchs bei der Wiener Weltausstellung 1873.

Das Schloss zählte zum Hofärar. 1919 wurde das Hofärar im ganzen Land auf Grund des Habsburgergesetzes formal von der Republik übernommen. Von 1923 bis zu seinem Tod 1934 lebte hier der Bildhauer Anton Hanak, ein anderer Mieter der Zwischenkriegszeit war der Geigenvirtuose Bronisław Huberman.

Trotz eines Bombentreffers am Ende des Zweiten Weltkrieges – er betraf den linken Flügel des Ehrenhofs – blieb ein Großteil des kostbaren barocken Interieurs erhalten. Es war rechtzeitig in Salzbergwerke ausgelagert worden. 1946 pachtete die Stadt Wien das Schloss vom Bund für ihre Modeschule und kaufte es 1987 an.

Nach der Trauerfeier begab sich die ganz Gesellschaft ins Bierstöckl, ebenfalls auf dem Territorium des Schlosses. Wir saßen unter Kastanienbäumen, die noch viele Blätter hatten, aber deren Früchte schon am Boden verteilt waren und labten uns an gutem Essen.

In der Hetzendorfer Schlosskirche

Zu Hetzendorf in Meidling

Heute hat’s mich nach Hetzendorf verschlagen. Diese Gegend Wiens ist für mich leicht zu erreichen, kann ich doch eine der sehr langen Wiener Straßenbahnlinien besteigen – nämlich den 62er – und direkt dorthin fahren. Der Grund war eine Seelenmesse in der Kapelle des Hetzendorfer Schlosses. Es war ein wunderschöner Tag, sonnig, mit wunderbarem Licht, fast noch so warm wie im Sommer.

Hetzendorf, ehemalige Vorortgemeinde, ist seit 1890/1892 Teil des 12. Bezirks Meidling. Fälschlicherweise wird in der älteren Literatur ein Hervicus von Hetzendorf erwähnt, der 1190 das damals schon bestehende Gut als landesfürstliches Lehen erhalten haben soll; tatsächlich bezieht sich diese Nennung jedoch auf Hetzendorf bei Judenburg (Steiermark). Die älteste nachweisbare Nennung Hetzendorfs ist eine Urkunde um 1140 („Hercindorf“); die Schreibweise war im Verlauf des Mittelalters unterschiedlich, die Ableitung erfolgte möglicherweise vom Personennamen Hertzo. 1190 erhielt Henricus von Hetzendorf das Gebiet als landesfürstliches Lehen. Die erste nachweisbare Dorfherrschaft übte das Chorherrenstift Klosterneuburg aus; es konnte bisher nicht eruiert werden, wann und wie das Dorf in dessen Besitz gekommen ist.

1456 kam Hetzendorf an den Deutschen Ritterorden, in dessen Besitz es bis 1744 blieb. 1694 ließ sich Sigismund Graf Thun ein Jagdschlösschen, den Thunhof, erbauen (Hetzendorfer Schloss). 1744-1780 befand sich Hetzendorf im Besitz Maria Theresias (es wurde die prachtvolle Schönbrunner Allee angelegt), 1780 kam es an Christian August Graf von Seilern, der den Besitz am 15. April 1782 erweiterte (Kauf der Klosterneuburger Besitzungen in Hetzendorf) und 1783 die erste Schule stiftete. Der Ort, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts den Charakter einer Villensiedlung annahm und sich steigender Beliebtheit erfreute, hat sich nur langsam entwickelt. 1783 wird im erstmals die Fasangartenmauer erwähnt, 1799 gab [CC1] es eine Feuersbrunst. 1802 kam Hetzendorf an Christians Sohn Josef Graf von Seilern, der das Gut jedoch bereits 1803 an den Wiener Bürger Jacob Bernklau verkaufte. 1805 und 1809 waren französische Truppen in Hetzendorf einquartiert. Zu den späteren Besitzern gehörte Johann Müller (1819) und Carl Ritter von Heintl (1836), 1885 erfolgte die grundbücherliche Löschung Hetzendorfs als Herrschaft.

1848 lagerten kroatische Truppen in Hetzendorf, die jedoch (als Alfred Fürst Windisch-Graetz im Schloss sein Hauptquartier eingerichtet hatte) nach Altmannsdorf abzogen. Durch einen eingewanderten Bäckermeister aus Flandern wurde gemeinsam mit dem Zimmermeister Belghofer erstmals in Österreich ein artesischer Brunnen gegraben. Nach 1848 war es bis 1890 (Beschluss) bzw. 1. Jänner 1892 (Inkrafttreten) eine eigenständige Gemeinde in Österreich unter der Enns und wurde dann als Teil des 12. Wiener Gemeindebezirks, Meidling, nach Wien eingemeindet, da Hetzendorf ein provisorisches, 1850 ein definitives Gemeindegesetz erhielt, womit es selbständig wurde. Es kam zu größeren Parzellierungen; 1856 wurde auch die Gemeindeweide parzelliert und 1869 mit deren Verbauung begonnen. 1871 folgte das Areal zwischen Schloss und Südbahn, 1876 jenes zwischen Fasangarten und Allee. Das wellige Gelände erforderte kostspielige Nivellierungen der Straßen. 1851 erhielt Hetzendorf auf Ansuchen der Gemeinde eine Garnison, 1854 wurde die Beleuchtung ausgestaltet, 1857, 1878 und 1888 der Friedhof erweitert, 1876 die Schule errichtet und 1883-1886 die Gasrohrleitung von Obermeidling nach Hetzendorf verlegt.

Anfangs wurde noch in ländlicher Bauweise verbaut, später kam der Cottage Stil mit schönen Villen, um 1900 entstanden bereits Miethäuser. In der Zwischenkriegszeit erfasste die Bautätigkeit den Hetzendorfer Teil des Rosenhügels (ursprünglich teils öd, teils Ackerland, durchsetzt von Sandgruben, die noch 1850 vorhanden waren): Bau einer Genossenschaftssiedlung (1921-1926). Aber Hetzendorf – doch beträchtlich weit vom Stadtzentrum entfernt, hat seine lokale Identität als zumeist locker bebautes Wohnviertel im Grünen bis heute bewahrt.

Zusätzlich zum Schloss Hetzendorf – das heute mein Ziel gewesen ist (und einen eigene Blogeintrag erhält) gibt es noch mehr in Penzing zu sehen: In der neuromantischen Rosenkranzkirche sind Bilder von Ernst Fuchs zu bewundern. Historische Villen: z.B. im früher so genannten Erzherzogin-Marie-Valerie-Cottage genannt, nach der Lieblingstochter von Kaiser Franz Joseph I., Marie Valerie).

Unübersehbar in Hetzendorf: die Südbahn. Verkehrsmäßig ist Penzing durchaus gut erschlossen.

Somit lässt es sich hier gut wohnen, viel Grün, als Erholungsgebiet dient auch der schöne Schlosspark des Hetzendorfer Schlosses.


 [CC1]Penzing ist der 14. Wiener Gemeindebezirk

Zu Hetzendorf in Meidling

Christas Greislerei bietet Vermischtes

Rabengroßmutter?

Neulich war ich sehr betroffen, irgendwo im Radio habe ich die Empörung vernommen, dass eine Mutter ihr Kind wie einen Hund an der Leine geführt haben soll. Betroffen deshalb, weil ich selbiges vor vielen Jahren mit einem Enkel gemacht habe. Natürlich ist er nicht auf allen Vieren gegangen. Ich werde Ihnen erklären, warum ich das gemacht habe.

Mein Mann wollte seinem kleinen Enkel EURO-Disney zeigen. Disneyland Paris ist ein 2.230 Hektar großer Freizeitkomplex in der zur Ville nouvelle Marne-la-Vallée gehörenden Kommune Chessy, 32 km östlich von Paris, Frankreich. Das Resort wurde am 12. April 1992 nach vierjähriger Bauzeit eröffnet und seitdem von über 320 Millionen Menschen aus aller Welt besucht.

Dass wir es nicht bei EURO-Disney belassen haben, sondern auch in Paris Sehenswürdigkeiten besucht haben, ist vielleicht verständlich.

Der kleine Bub sprach selbstverständlich noch kein Französisch und war – Fremden gegenüber – damals sehr schüchtern. Ich hatte wirklich panische Angst, dass ich ihn in der Metro – die stets überfüllt war, wenn wir sie benutzten, auf den viel begangenen Boulevards, und in Museen und Ausstellungen einfach verlieren könnte, dass wir auseinandergerissen würden. Ich hatte vor der Abreise eine Riemenkonstruktion gekauft, die ich ihm anlegte und eine Leine daran befestigt. Ich kann mich nicht erinnern, dass der Bub Einspruch dagegen erhoben hat, und im EURO-Disney war ich heilfroh, dass ich ihn auf diese Art nicht verlieren konnte.  

Ja, manche Menschen in Paris haben mich empört angesehen, aber ihre französischen Beschimpfungen habe ich zum Glück nicht verstanden, dazu war schon damals mein Französisch nicht gut genug.

Müssen wir diesen Winter mit einer Energiekrise rechnen?

Seit Jahresbeginn hat sich der Gaspreis verdreifacht und der Strompreis verdoppelt.

In Europa und auf der ganzen Welt sind die Preise für Erdgas stark angestiegen. Dies schlägt sich nun auch in erhöhten Strompreisen nieder. Dabei kommt die kalte Jahreszeit erst noch. Am Anfang der derzeitigen Probleme stand das Wetter. Eine lange Kälteperiode im Winter führte dazu, dass Erdgasspeicher erst später als sonst üblich aufgefüllt werden konnten. Dann stieg wegen eines ungewöhnlich heißen Sommers und der wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Krise der Stromverbrauch in China stark an. Der auch in anderen Ländern Asiens hohe Bedarf an verflüssigtem Erdgas traf auf ein Angebot, das unter anderem wegen Wartungsarbeiten eingeschränkt war.

Windflaute und Gasknappheit führen zu explodierenden Energiepreisen. Die hohen Preise sind ein Anzeichen dafür, dass Europa in eine Energiekrise schlittern könnte. Energiemärkte sind international verbunden, und die Lage an diesen Märkten kann sich schnell ändern. Vor wenigen Monaten war man noch der Überzeugung, Energieträger wie Erdgas oder Kohle seien im Überfluss vorhanden. Nun zeigt sich, dass es keinen oder einen zu geringen Sicherheitspuffer gibt. Nun, auch der Herbst hat gerade begonnen, und es wird rasch dunkel, daher fehlt es an Solarenergie. Diese Energiekrise bedroht Europas Wirtschaft

Man weiß auch nicht genau, ob Russland nicht liefern will oder nicht liefern kann. Vielleicht hat dort einfach das Geld gefehlt, um in Produktionsanlagen und ihre Wartung zu investieren. Was jetzt dazu führt, dass die Gasproduktion nicht schnell ausgeweitet werden kann.

In Großbritannien ist die Lage noch angespannter als in Kontinentaleuropa. Die Briten setzen vor allem auf Windkraft. Das rächt sich nun, wenn das Wetter nicht mitspielt. Zusätzlich ist eine wichtige Verbindung zum französischen Stromnetz abgebrannt.

Wieder ein neuer Begriff: Evergrande

1996 gründete der Unternehmer Hui Ka Yan Evergrande in der Provinzhauptstadt Guangzhou, der Firmensitz wurde dann nach Shenzhen verlegt. Seither ging es für den Firmengründer steil bergauf. 2009 ging Evergrande an die Hongkonger Börse, wo der Konzern mit 722 Millionen US-Dollar bewertet wurde. Evergrande hat in fast jeder chinesischen Stadt Hochhäuser und Einkaufszentren gebaut, 2010 einen Fußballclub gekauft und in viele andere Geschäfte investiert, von Mineralwasser über Babymilch bis hin zu Elektroautos.

Evergrande ist der zweitgrößte Immobilienentwickler Chinas. Der Konzern hat Schulden von umgerechnet mehr als 300 Milliarden Dollar angehäuft, Anleger befürchten einen Zahlungsausfall. Evergrande muss Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihegläubiger fristgerecht zu bezahlen. Der Konzern ist so groß, dass einige Experten eine „Ansteckungsgefahr“ für die chinesische Wirtschaft und darüber hinaus befürchten.

Die große Frage ist nun, ob der chinesische Staat einspringt und das Unternehmen rettet. Denn eigentlich gilt Evergrande als „too big to fail“- zu groß, um es scheitern zu lassen. Betroffen sind 1,2 Millionen Menschen in China, die darauf warten, dass Evergrande die Wohnungen fertig baut, für die sie eine Menge Geld angezahlt haben.

Die drohende Pleite des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande sorgt an den internationalen Aktienbörsen zunehmend für Unruhe. Seit Tagen geht es an den Finanzplätzen Shanghai und Hongkong nur noch bergab. Die Lage hat sich derart zugespitzt, dass die chinesische Zentralbank 14 Milliarden Dollar in das Bankensystem gepumpt hat, um die Lage zu beruhigen. Offenbar mit Erfolg.

 Es wird aber erwartet, dass in Europa und insbesondere im Euroraum die direkten Belastungen begrenzt blieben, aber wir leben halt in einer vernetzten Welt.

Christas Greislerei bietet Vermischtes

Die ominösen Briefe mit dem schwarzen Rand

Adieu, liebe G., wir alle vermissen Dich schon

In meinem Alter bekommt man leider oft Briefe, die in einem Kuvert mit schwarzem oder grauem Rand stecken. Ich fürchte sie, denn sie enthalten entweder eine Todesanzeige – also eine Parte – oder ein Dankesschreiben für eine Beileidsbekundung.

Meist kommen sie „aus heiterem Himmel“, völlig unerwartet, und tragen so zu den Verlusten bei, die man bisher schon erlitten hat.  Unerwartet auch deshalb, weil man mit vielen auch guten Bekannten, ehemaligen Kollegen im Alter halt nicht mehr so engen Kontakt hält, besser halten kann.  

Und dann steht man da, mit dieser Parte in der Hand und denkt nach. Wann habe ich sie oder ihn das letzte Mal getroffen, man macht sich manchmal auch vielleicht auch Vorwürfe, hätte ich doch noch öfter angerufen. Aber zumeist denkt man an gemeinsam Erlebtes zurück.

So auch diesmal wieder! Die Parte betraf diesmal G. Sie durfte 89 Jahre alt werden, 66 davon war sie verheiratet gewesen. Sie war aber nicht nur Ehefrau, sondern auch Mutter, Großmutter und Urgroßmutter gewesen. Aber nicht nur ihre Familie zählte, sie war auch eine treue Freundin für viele von uns. Wenn ich an sie denke, fällt mir besonders ihre Fröhlichkeit ein, dabei war sie mitreißend. Aber ihre Fröhlichkeit verdeckte manchmal ihr tiefes Denken.

Ich erinnere mich besonders an ein „kleines“ Abendessen im Haus der Familie. G. war eine hervorragende Köchin, und da sie als Ehefrau eines Diplomaten an vielen Stationen gelebt und gearbeitet hat, konnte auch wunderbar wienerisch aber auch in ethnischer Vielfalt kochen. Dazu ist zu bemerken, dass Ehefrauen von Diplomaten großen Anteil am beruflichen Erfolg ihrer Ehemänner haben, sie müssen nicht nur mitunter große Haushalte führen können, angenehme Gastgeberinnen für alle möglichen Ereignisse, die auch plötzlich entstehen können, sein. Und ein hervorragendes Auftreten bei allen Gelegenheiten an den Tag legen. Sie müssen selbstverständlich wenigstens ein bisserl Ahnung von der jeweiligen Landessprache haben, wo immer sie auch hingeschickt werden. Sie müssen sich gut kleiden können und dürfen nicht allzu viel Geld dafür aufwenden.  In ihren Haushalten in verschiedenen Ländern müssen sie auch jederzeit in der Lage sein, Gäste aufzunehmen. Naja, dafür gibt es eigentlich keine Ausbildung – ihre Partner haben die Diplomatische Akademie absolviert, aber Frauen müssen das „Botschafterinnen-Sein“ on the Job lernen. Früher, also viel früher, sagten sie von sich: „from mink to sink“. Heutzutage trägt wohl keine Diplomatin oder Diplomatenfrau einen Mink (Nerzmantel), und an der Sink (Abwasch) wird sie auch nicht mehr stehen, dafür gibt’s die Geschirrwaschmaschine, aber an ihren umfangreichen und fordernden Aufgaben hat sich wenig geändert. Und Diplomaten, die nicht mit einer Frau mit diesen Eigenschaften/Kenntnissen verheiratet sind, haben es schwer – auch bei ihrer Karriere.

Dazu kam bei G. das Großziehen ihrer Kinder. Auch da stehen schwierige Entscheidungen für Eltern an: nimmt man die Kinder mit, in ein fremdes Land, gibt es dort entsprechende Schulen, wie werden die Kinder mit der Sprache zurechtkommen, oder lässt man die Kinder in Internaten zurück, wo sie halt dann an Wochenende von Verwandten und Freunden betreut werden, und nur ihre Ferien mit den Eltern verbringen können.

G. war keine geborene Österreicherin, aber sie wurde eine gute Österreicherin, nur ihr charmanter Akzent blieb ihr zeitlebens. Sie war auch immer bemüht, ihr Wissen (nicht nur über Österreich) zu vermehren. Man konnte sie bei den unterschiedlichsten Vorträgen antreffen. Musik spielte im leben Beider Ehepartner eine ganz große Rolle.

Woran ich mich besonders erinnere: es gab früher die sogenannten „Wochenenden im Schnee“, zu denen in Österreich ansässige ausländische Botschafter eingeladen wurden, und auch Mitarbeiter des Außenamts als Gastgeber und ein paar Journalisten waren dabei. Bei solchen Ausflügen durften wir – also mein leider verstorbener Mann und ich – mitmachen. G. und ihr lieber Mann fuhren als Gastgeber mit. Meist wurden wir alle per Bahn an einen schneereichen Ort gebracht, einige gingen Schifahren, andere spazieren. Auch sonst war für viel Unterhaltung gesorgt, der Ort, in dem das stattfand bemühte sich nach Kräften um die Gäste, das jeweilige Bundesland stellt sich vor. Alle hatten Gelegenheit einander besser kennenzulernen, informell Probleme zu besprechen und es auch einfach lustig miteinander zu haben. Wir feierten einmal gemeinsam den Geburtstag von Gaels Mann bei einem dieser Ausflüge.

G. war ein Mensch, dem man sich anvertrauen konnte, sie war keine „Tratsch ‘n“, sie konnte Geheimnisse bewahren und verlor nie ein böses Wort über andere. Eine seltene Eigenschaft.

Wenn wir auch zuletzt nicht mehr so viel Kontakte hatten, ich vermisse sie jetzt schon.

Die ominösen Briefe mit dem schwarzen Rand

Die gar nicht so friedlichen Mitbewohner

Ameisen und Motten

Ameisen sind eine Familie der Insekten innerhalb der Ordnung der Hautflügler. In Europa kommen etwa 200 Arten vor. Die ältesten fossilen Funde stammen aus der Kreidezeit und werden auf ein Alter von 100 Millionen Jahren datiert. Das Alter der Gruppe wird jedoch auf möglicherweise 130 Millionen Jahre geschätzt.

Im Frühling und Frühsommer kommen immer wieder die Ameisen, es sind sehr kleine schwarze, unendlich flinke Tiere, die sich gerne in der Küche, in der Speis und im Esszimmer (eh weniger) aufhalten und über alles Essbare herfallen. Ameisen leben von Zucker, Früchten, Honig, von Speiseresten, aber auch von Fleisch. Aber Ameisen verursachen kaum Schäden und können auch keine Krankheiten übertragen.

Wir haben vieles versucht: meine Haushaltshilfe, die in ihren Methoden noch etwas traditionell ist, hat überall, wo diese Viecher häufig auftreten, Gewürznelken und Zimtstangen aufgelegt. Ich lese, dass gegen Ameisen stark duftende Substanzen und Hausmittel wie Knoblauch, Zimtpulver, Lavendel, Nelken, Wacholder, Kerbel, Thymian, Majoran, Zitrone, aber auch Essig oder ätherische als Mittel zur Ameisen-Abwehr helfen. Ich glaube aber nicht, dass es diese Maßnahmen waren, die sie „vertrieben“ haben, sondern dass Ameisen sich ab Hochsommer wieder in den Ritzen verbergen und nicht mehr sichtbar sind, um im nächsten Frühjahr erneut wieder aufzutauchen. Ameisen legen ihre Nester in Wandritzen, unter Fußbodenbelägen und hinter Einbauschränken an. Oft befindet sich das Nest auch außerhalb des Hauses, an sonnigen Stellen, unter Steinen und Wegplatten und die Ameisen kommen nur in der warmen Jahreszeit zur Futtersuche ins Haus.

Ameisen sind zwar unerwünscht, unappetitlich, aber eigentlich richten sie kaum Schaden an.

Im Gegensatz dazu stehen die Motten. Sie richten viel Schaden an, sie nisten sich in Lebensmitteln ein und verderben sie. Selbst in ungeöffnete Packungen können sie eindringen.  Als Lebensmittelmotten, Speisemotten oder Küchenmotten werden umgangssprachlich verschiedene Arten aus der Familie der Zünsler bezeichnet, die oft als Vorratsschädlinge auftreten, im Einzelnen u. a. folgende Arten:

  • Dörrobstmotte (Farberscheinung: braun-weiß)
  • Mehlmotte (Farberscheinung: silbrig-grau)
  • Mehlzünsler (Farberscheinung: braun-gelb)

Der Dörrobstmotte kommt dabei in Mitteleuropa die größte wirtschaftliche Bedeutung zu. Nahrungsquellen der Tiere im Haushalt sind Reis, Mais, Mehl sowie auch Teigwaren, Gebäck, Gewürze, Nüsse, Trockenobst, Instantsuppen, Schokolade u. a., wobei Verpackungen aus Papier oder Karton kein Hindernis darstellen. Es sollten zur Aufbewahrung von Lebensmitteln gut schließende Gläser oder Plastikboxen eingesetzt werden. Zur Bekämpfung können mit Pheromonen präparierte Klebestreifen oder Puppen der Schlupfwespen eingesetzt werden.

Da diese Motten sich bei uns auch sowohl an den Wänden als auch an der Decke festsetzen, werden sie von meiner sehr resoluten Haushaltshilfe mit dem Staubsauger „abgesaugt“.  Das ist ein ziemlich aufwändiger Prozess, denn auf einer Leiter herumjonglieren, den Staubsauger in halber Höhe halten ist nicht ganz einfach. Aber ist erst der Jagdinstinkt geweckt, geht die Jagd doch zügig voran. Wir haben auch allerhand dieser Klebedinger aufgestellt, es fangen sich viele Motten darin, aber nicht alle!

Noch ärgerlicher sind die Kleidermotten. Nachdem ich schon einige Pullover und Jacken durch ihr Tun verloren habe, habe ich beschlossen mir keine Kleidungsstücke aus reiner Wolle zu kaufen. Wobei Wolle ist nicht Wolle – zu mindestens für die Motten, z.B. Shetland- oder Kaschmirwolle zählt zu den Leibspeisen der Kleidermotten.

Die Kleidermotte ist ein Schmetterling (Nachtfalter) mit weltweiter Verbreitung. Die Kleidermotte bevorzugt Wohn- und Lagerräume. Das Weibchen legt 100 bis 250 weiße Eier. Diese werden einzeln auf Wollstoffen, Federn, Pelzen und Polstermöbeln abgelegt. Aus den Eiern schlüpfen nach etwa zwei Wochen gelb-weiße Raupen (Larve der Schmetterlinge). Die Entwicklung bis zum Schmetterling dauert je nach Umweltbedingungen 60 Tage bis mehrere Monate. Unter optimalen Bedingungen sind vier Generationen pro Jahr möglich.

Die Larven der Kleidermotte benötigen das in Tierhaaren (Wolle, Pelze, Felle) enthaltene Protein Keratin. Rein pflanzliche und synthetische Gewebe werden von den Raupen gefressen, jedoch nicht verdaut; insbesondere gemischte Kleidung mit Wollanteil ist daher gefährdet. Papier und Holz werden von der Kleidermotte nicht befallen.

Ausschließlich die Raupe der Kleidermotte verursacht den Schaden. Durch den Fraß der Raupen kommt es zu Löchern und kahlen Stellen an Textilien und Pelzen. Besonders gefährdet sind Kleider, an denen Haare und Hautschuppen haften, da diese eine zusätzliche Nahrungsquelle bilden. Befallen werden neben Kleidung auch Teppiche, insbesondere an Stellen über Bodenritzen und unter Möbeln, wo die Mottenentwicklung nicht durch Tritte gestört wird.

Als Gegenmaßnahme empfiehlt sich das regelmäßige Staubsaugen, vor allem auf den Böden und in den Ritzen der Kleiderschränke und -kästen. Allerdings ist dabei darauf zu achten, dass sich das Mottennest auch im Staubsaugerbeutel befinden kann. Oje, oje! Des Weiteren sollte man nach der Quelle suchen und Kleidung regelmäßig kontrollieren.

Früher wurden die berüchtigten Mottenkugeln verwendet, wodurch die Kleider mitsamt den Personen stark danach rochen! Das letzte Mal habe ich Mottenkugeln gegen den Hamster im Motor verwendet, als er die Gummiteile angenagt hatte.

Natürliche Mottenabwehr wird mit Zedern-, Zirbelkiefer- oder Niembaumholz und deren ätherischen Ölen erreicht. Ebenso kann Lavendel, in kleinen Stoffsäckchen in den Schrank gelegt, Motten abwehren. Die Textilindustrie setzt synthetisch hergestellte Insektizide als Fraßgifte gegen Motten ein; damit werden die Textilien behandelt, um sie mottenecht auszurüsten.

Der Befall lässt sich auch durch vorsichtiges Einlegen in fast kochendes Wasser oder durch die Lagerung der befallenen Textilien im Tiefkühlschrank (für mindestens eine Woche) beseitigen; Waschen bei hohen Temperaturen kann zum Verfilzen der Wolle führen. Auch das haben wir schon erlebt!

Aber leider, wenn ich sie sehe, die graulichen Motten, erwische ich sie leider selten, um sie zu erschlagen. Egal, was man tut, sie kommen immer wieder! Lästiges Pack!

Die gar nicht so friedlichen Mitbewohner

Zur Modigliani Ausstellung

Ein faszinierendes Erlebnis

Die Plakate für die Modigliani Ausstellung locken. Nachdem die Albertina neue Öffnungszeiten bietet (auch am Mittwoch bis 21 Uhr offen) mache ich mich am Nachmittag auf den Weg. Aber leider gibt es Hindernisse: bei einer Überquerung eines Zebrastreifens achte ich auf den Verkehr und weniger auf eine Unebenheit im Boden – über die ich dann prompt stolpere. Ich falle auf die Hüfte und den Ellenbogen. Ich versuche festzustellen, ob ich mir ernsthaft wehgetan habe. Aber schon eilt mir der Chauffeur eines Taxis, das stehen geblieben ist, zu Hilfe. Er fragt mich, ob ich aufstehen kann – und hilft mir dabei, erkundigt sich neuerlich ob es mir gut ginge, oder ob ich irgendetwas brauche. Noch ein junger Mann kommt dazu. Die Autos hinter dem Taxi fangen bereits an, sich zu stauen, aber keiner hupt erbittert. Also weitergehen kann ich, es tut zwar ein bissel weh, aber es ist auszuhalten.

Jetzt möchte ich diesen hilfsbereiten Menschen danken, besonders diesem Taxichauffeur!

Aber nun zu Modigliani. Bisher habe ich wenige Bilde von ihm „live“ gesehen. Dabei hat er mich immer ein wenig an El Greco (* 1541 auf Kreta; † 7. April 1614 in Toledo) erinnert, aufgrund der langen schmalen Gesichter.  Aber in der hervorragenden Ausstellung wurde ich eines Besseren belehrt. Und zwar auf hervorragende Art belehrt: im ersten Teil der Ausstellung wird der Primitivismus erläutert. Und nicht nur anhand von Werken von Modigliani, sondern auch z.B. von Picasso und anderen – und anhand von Beispielen aus der Kunst aus Afrika, Südostasien aber auch dem archaischen Griechenland. Von da stammen z.B. die hohen sockelartigen, langen Hälse, die schmalen Köpfe mit den langen Nasen und kleinen Mündern.

Modigliani wurde nur 35 Jahre alt. Er wurde 1884 in Livorno geboren, hier studierte er die Kunst der Antike und der Renaissance.  1906 zog er nach Paris, dort kam er in Kontakt mit bedeutenden Künstlern wie Pablo Picasso und Constantin Brâncuși. Während seines Lebens hatte Amedeo Modigliani nur wenig Erfolg mit seiner Kunst, erst nach seinem Tod erreichte er größere Popularität und seine Kunstwerke erzielten hohe Preise. Oft skizzierte er Personen – nie ging er ohne Papier und Bleistift außer Haus – um ein Mittagessen. Er starb an Tuberkulose, wobei auch Alkohol- und Drogensucht eine Rolle spielte – er rauchte auch, wie alle in der damaligen Zeit.

Modigliani hatte, im Gegensatz zu seinem Freund Picasso in seinem Leben „kein Glück“. Z.B. Amedeo Modigliani fertigte 1916 und 1917 eine Serie von etwa 30 Aktgemälden an. Diese Bilder wurden in einer Einzelausstellung (übrigens die einzige Einzelausstellung in seinem Leben!) in der Galerie der Kunsthändlerin Berthe Weill gezeigt. Am 3. Dezember 1917 wurde die Ausstellung mit einer Vernissage mit geladenen Gästen eröffnet. Die Galerie lag gegenüber einer Polizeistation und ein Kommissar wurde auf den Menschenauflauf aufmerksam, der sich infolge eines im Schaufenster präsentierten Aktes bildete. Er rief Berthe Weill zu sich und forderte sie auf, die Ausstellung zu beenden und die Bilder abzuhängen, weil diese zu „freizügig“ seien. Um eine Beschlagnahmung der Bilder zu verhindern, kam Weill der Aufforderung nach.

Erst spät fand Modigliani seine große Liebe: 1917 lernte er die 19-jährige Jeanne Hébuterne (Model und Malerin) kennen, die beiden bezogen kurze Zeit später eine gemeinsame Wohnung. 1918 verließen sie Paris, als eine Invasion deutscher Truppen drohte. Es wird angenommen, dass ein Motiv für diesen Schritt eine Luftveränderung des kranken Künstlers Modigliani möglicherweise gut tun und seine Produktivität steigern würde. Das Paar  begab sich an die französische Mittelmeerküste, wo Modigliani zahlreiche Porträts malte, denen er sich nach den Akten wieder zugewandt hatte. Die Kinderbilder aus dieser Zeit sind bezaubernd. Die fertigen Bilder schickte er zum Verkauf nach Paris. In Nizza brachte Jeanne Hébuterne am 29. November 1918 eine Tochter zur Welt. Amedeo Modigliani erkannte die Vaterschaft des Kindes an.

1919 kehrte Modigliani nach Paris zurück. Als Jeanne Hébuterne erneut schwanger wurde, verlobte sich Amedeo Modigliani mit ihr. Es existiert eine Heiratsverpflichtung vom 7. Juli 1919, in dem er sie als seine zukünftige Ehefrau und die gemeinsame Tochter offiziell als sein Kind anerkennt. Diese Heiratsabsicht konnte er jedoch nicht mehr umsetzen, da er gegen Jahresende schwer an Tuberkulose erkrankte. Am 24. Januar 1920 verstarb Modigliani in der Charité in Paris. Am übernächsten Tag starb seine Verlobte durch Suizid.

Die Ausstellung vereint Hauptwerke aus den renommiertesten Museen und Privatsammlungen von den USA bis Singapur, von Großbritannien bis Russland mit größeren Leihgaben aus dem Musée Picasso-Paris und der Sammlung Jonas Netter, der ein großer Förderer Modiglianis zu seinen Lebzeiten war.

Mich haben viele dieser Bilder, die ich da sehen konnte, wirklich fasziniert. Obwohl er fast immer seinem „Stil“ der langen schmalen Gesichter und sockelartigen Hälse treu blieb, war jedes doch einzigartig und drückte viel von der gemalten Persönlichkeit aus. Ohne die Texte zu Bildern lesen zu müssen konnte man Eigenheiten der Personen nur aus den Bildern erkennen. Nicht ganz verstanden habe ich die Behandlung der Augen in den Gemälden: eines von ihnen scheint bei manchen Gemälden für mich „blind“ zu sein.

Wenn Sie anziehende Bilder Modiglianis und viel Information zu der Periode sehen wollen: Gehen Sie in die Albertina, bis 9. Jänner 2022 haben Sie dafür Zeit. Wie wär’s mit der langen Nacht der Museen am 2. Oktober 2021?

Zur Modigliani Ausstellung

Eine zufällige „Ahnenforschung“

Franz Xaver Chorherr

Heute, wie ich im Netz so herumgekramt habe, bin ich auf einen Vorfahren meines Mannes gestoßen. Ich habe von ihm des Öfteren im Kreise der Familie gehört, nichts Genaues leider. Viel steht im Netz aber auch nicht, schade, dass es damals noch kein Wikipedia gab, dann wüsste ich mehr.

Es handelt sich um Franz Xaver Chorherr. Er wurde um 1843 in Wien geboren, als Kind muss er die Revolution von 1848 erlebt haben, gestorben ist er 1929. Er spielte in den Kapellen von Carl Michael Ziehrer, Josef und Eduard Strauß und leitete 1875-1905 eine eigene Salonkapelle. Chorherr komponierte Märsche, Lieder und Tänze.

So genau habe ich aus Familienkreisen nicht gewusst. Aber es gab die von mir sehr geschätzte Tante Betty. Ich kann mich noch gut an ihren 80. Geburtstag erinnern. Der muss so in den späten fünfziger Jahren stattgefunden haben. Wenn ich mich recht erinnere, muss sie die zweite, weitaus jüngere Frau von Franz (?) gewesen sein. Allerdings gab es auch die „Mär“, dass ihr verstorbener Mann irgendetwas mit der Bahn zu tun gehabt hätte, und sie daher ihr gesamtes Leben in Österreich gratis Bahn fahren durfte und eine Auslandsreise „frei“ hätte. Sie war eine sehr lebenslustige Person, daher nehme ich an, dass sie dieses Privileg eifrig genutzt hat. Außerdem stand ihr noch eine jährliche Kohlenlieferung (Heizen!) zu. Wie das mit dem Musiker zusammenpasst, weiß ich nicht. Vielleicht leitete er auch eine der Kapellen der k.k. Eisenbahnen? Rührige Eisenbahnkapellen gibt es auch noch heute!

Tante Betty jedenfalls war für meinen Mann und seinen Bruder eine enge, liebevolle  Bezugsperson, unterstützend zu ihrer sehr früh verwitweten Mutter.

Schade, dass wir alle miteinander damals nicht mehr gefragt haben!

Eine zufällige „Ahnenforschung“