Zum Thema Frauenstudium

Viele von uns schauen verstört auf Afghanistan, erschreckt, dass man Frauen vom Studium ausschließt. Ein für uns heute ein undenkbarer Zustand. Und sicher, wir alle sollten versuchen, in irgendeiner Form diesen Frauen zu helfen. Es gibt sicher Wege, ihnen Studien zu ermöglichen, schließlich sind unsere Studierenden auch durch die diversen Lockdowns gekommen. Vieles konnte on-line studiert werden, sogar Prüfungen konnten on-line abgewickelt werden.

Nun weiß ich viel zu wenig über die Ausstattung der lernwilligen Frauen in Afghanistan, verfügen sie über Laptops, wie gut sind die Netze dort ausgebaut. Es gibt große Hindernisse, denn in Afghanistan werden etwa 49 Sprachen und über 200 verschiedene Dialekte gesprochen. 1964 bestimmte die Große Ratsversammlung (Loja Dschirga) im Rahmen der Bestätigung einer neuen Verfassung Persisch („Dari“) und Paschto als offizielle Landes- und Regierungssprachen (Amtssprachen). Ich gehe aber davon aus, dass in gebildeten Familien auch englisch gesprochen wird.

Jedenfalls sollte versucht werden, bildungswilligen Frauen (nicht nur) in Afghanistan zu helfen.

Aber denken wir zurück: Im k.k. Österreich wurde 1878 eingeführt, dass Frauen Vorlesungen als Gasthörerinnen besuchen durften, obwohl andererseits 1877 die bisher am k.k. Polytechnischen Institut (heute TU Wien) gehaltenen „Damen-Vorlesungen“ abgeschafft wurden. 1896 wurden im Ausland erworbene Doktordiplome anerkannt, unter der Bedingung der Nostrifikation (Wiederholung sämtlicher Rigorosen), und auch die Zulassung zur Matura gesetzlich verankert. Ab 1897 ließen die Universitäten Wien sowie Prag, Graz und Innsbruck Studentinnen zur philosophischen Fakultät zu, ab 1900 auch zum Medizinstudium, aber erst nach Ende des Ersten Weltkriegs erhielten sie 1919 Zutritt zur juristischen Fakultät, 1928 an der evangelisch-theologischen und ab 1945 an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien. Gabriele Possanner promovierte als erste Frau in Österreich am 2. April 1897 im Fach Medizin in Wien. Die erste Habilitation, ebenfalls in Wien, war die der Elise Richter 1905 für Romanistik. Elise Richter wurde 1921 auch zur ersten außerordentlichen Professorin Österreichs berufen.

Der Wiener Stadtschulratspräsident Otto Glöckel setzte sich besonders für die Zulassung der Frauen an den Universitäten ein. Glöckels Erlass vom 7./22. April 1919 sicherte den Frauen den freien Zugang zu den technischen Hochschulen und der Hochschule für Bodenkultur.

Die Nationalsozialisten kündigten nach ihrer Regierungsübernahme an, den Anteil der Studentinnen auf unter 10 % zu senken. Diese Maßnahme wurde aber nur ansatzweise umgesetzt und später stillschweigend wieder aufgehoben. Die anfänglichen Zugangsbeschränkungen im Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen wurden 1935 für Frauen wieder aufgehoben. Die Studentenzahlen waren wegen des beschleunigten Aufbaus der Wehrmacht stärker als erwartet zurückgegangen und auf deutlich weniger als die 15.000 avisierten zurückgegangen. 1934 immatrikulierten sich 10538 Männer und 1503 Frauen und ein akademischer Nachwuchsmangel setzte ein. Tatsächlich nahm seit 1936 die Zahl studierender Frauen wieder zu. Ab 1938 wurde sogar für das Frauenstudium geworben. Der Anteil der Frauen an der Gesamtstudentenzahl stieg in den Kriegsjahren anteilsmäßig und absolut erheblich an und erreichte mit knapp 25.000 und knapp 50 % Frauen 1943 ein zuvor noch nie erreichtes Maß. Der entsprechende Anteil wurde erst 1995 wieder erreicht. Zum Teil waren Frauen selbst in den naturwissenschaftlichen Fächern kriegsbedingt in der Überzahl.

Auch in Österreich fand 1934 eine Wende statt, es wurde ein Numerus clausus von 10 % eingeführt, und diverse Zugangsbeschränkungen und Studienerschwernisse kamen zum Tragen. Zwar erhöhte sich der Frauenanteil ab 1939 kriegsbedingt wieder deutlich, aber erst nach 1945 wurden in Österreich neue, gleichbehandelnde Lehrgesetze und Studienordnungen eingeführt.

Als ich zu studieren begann, 1954, war der Anteil der Frauen ca. 10%, die dann auch ihr Studium beendeten. Die Dropout Rate war unter Frauen hoch, da ja manche Mädchen damals noch die Universitäten nur besuchten, um einen passenden Kandidaten zu suchen, den sie heiraten könnten.

1982 wurde in Österreich die UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau ratifiziert. Das Bundes-Gleichbehandlungsgesetz (B-GlBG) behandelt insbesondere Sonderbestimmungen für Angehörige von Universitäten, wonach Studienwerberinnen und weiblichen Studierenden keine Benachteiligung in Bezug auf „Zulassung zum Studium, Zugang zu Lehrveranstaltungen mit einer beschränkten Teilnehmerzahl, bei der Anmeldung und Durchführung von Prüfungen, Beurteilung des Studienerfolges, Festlegung des Themas und der Betreuung der Bakkalaureats-, (künstlerischen) Magister- oder Diplomarbeit oder Dissertation“ wie auch „der Einräumung der Möglichkeit zur Benützung der facheinschlägigen Einrichtungen der Universität“) erwachsen darf.

Eine Frauenquote ist dabei aber nicht gefordert und auch nicht nötig: Im Jahr 2006 betrug der Frauenanteil unter den Studierenden an österreichischen Universitäten und Fachhochschulen 52,3 %, Tendenz steigend (im Jahr 2000 waren es noch 50,4 %). Gemäß § 42 des Universitätsgesetzes 2002 ist an jeder österreichischen Universität neben den Kontaktfrauen ein Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen einzurichten (§ 41(1) B-GlBG), der einen Frauenförderungsplan erstellt und Gutachten an den Senat I der Gleichbehandlungskommission des Bundes am Bundeskanzleramt richtet, der sich mit Belangen der Gleichbehandlung von Frauen und Männern befasst.

Der Titel Professorin ist im Bundes-Verfassungsgesetz verankert, und für Ausschreibungen von Professuren fordert das B-GlBG im § 7 das Erreichen der Frauenquote. Diese Maßnahme ist weniger erfolgreich, so betrug der Anteil der weiblich besetzten Professuren an der Universität Wien 1997 nur 7 %.

Es war auch in Österreich ein langer Weg, der erst vor nicht so langer Zeit begonnen wurde.  Daher – so finde ich – sehe ich uns in der Verantwortung, Frauen, die über diese Privilegien nicht verfügen, zu helfen.

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