Ein kurzer Bericht aus der Stadt am 20. Oktober 2021.:

Auch in der Herrengasse hängt schon die Weihnachtsbeleuchtung. Ich werde mich in Zukunft nicht mehr darüber aufregen, weil die Kristalle auch hier im Sonnenlicht wunderschön funkeln, und aufgedreht – abends – ist die Beleuchtung ja noch nicht.

Gestern war wieder eine Demonstration am Ring. Ich merke das, wenn in meiner Gasse die Autos stauen. Daraus ist zu schließen, dass sie nicht in den verstopften Ring einbiegen können. Und etwas später merkte ich, dass der Ring ab Operngasse gesperrt war.  Dass eine „zivilisierte“ Demonstration erwartet wurde, war auch daraus zu schließen, dass keine Hubschrauber kreisten. Und sie dauerte dann auch nicht besonders lang.

Aber trotzdem sollte man auch die Folgen von Demonstrationen besonders im Hinblick auf Luftverschmutzung überdenken.  Solange man noch Autos in die Stadt lässt, sollte doch dafür gesorgt werden, dass sie da nicht im endlosen Stau stehen müssen. Fast keiner dreht zwischenzeitlich den Motor ab, auch wenn es nur – bestenfalls – im Schritttempo weitergeht.

Meine Gasse ist schon früh völlig zugeparkt: und wenn ich daran so vorübergehe, haben noch sehr wenige Autos grüne Kennzeichen (Zeichen für E-Autos). Die meisten der geparkten Autos sind entweder SUVs oder große, schwere Limousinen (und Autos von hier arbeitenden Handwerkern).  Und ich gehe sicher nicht fehl in der Annahme, dass da jeweils früh und abends eine Person drinnen sitzt. Nun man kann den Menschen nicht vorschreiben, welche Autos sie sich kaufen, aber wohin sie mit den Autos fahren und vor allem, wo sie damit parken, das könnte man schon regeln. (In den USA z.B. gilt auf Autobahnen, dass Autos mit nur einer Person nicht auf der Überholspur fahren dürfen.) Ich weiß schon, vielleicht wurden mit dem großen SUV vorher die Kinder in die Schule gebracht. Aber gewisse Beschränkungen in Ballungsgebieten für „riesige“ Autos sollte es doch geben. Ich versteh` auch, dass diese Fahrer dieser „riesigen“ Autos nicht gerne in Garagen fahren, denn diese jetzt existierenden Garagen sind für Mittelklassewagen gebaut worden, SUVs parken dann gerne auf Behindertenparkplätzen, die sind nämlich breiter (ich weiß das leider aus eigener Erfahrung).  

Irgendwie sollten wir, als Gesellschaft, es schaffen, das Auto als Fetisch, als Statussymbol, aus unseren Köpfen zu verbannen. Ja, ich höre, dass Car-Sharing im Zunehmen begriffen ist, aber wenn ich vernehme, dass dann ein Tag ca. EUR 100 kostet, dann verzichtet man nicht gar so gerne auf das eigene Fahrzeug. Vielleicht hat es sich bei den Jungen schon durchgesetzt, dass es eher ein Statussymbol ist, kein Auto zu besitzen, aber da stehen ja noch die Autos der Eltern zur Verfügung.

Jetzt sind auch wieder Touristen in Wien unterwegs, und gar nicht so wenige, oft auch in Gruppen -viele davon, glaube ich kommen von den Flusskreuzfahrtschiffen. Und manche Touristen fahren auch wieder mit den Fiakern. Viele in Wien leben von Touristen und daher sind wir zufrieden, dass „der Tourismus wieder anläuft“, aber ich gebe zu, dass mir die Stadt schon gut gefallen hat, als sie noch leerer war. Natürlich „schoppt“ sich der Touristenstrom auch an Schanigärten, die ja jetzt das ganze Jahr über offen gehaltenwerden dürfen. Und: vor dem Café Sacher, vor dem Café Zentral bilden sich Schlangen von Touristen, die dort Einlass begehren.

Man kann immer wieder feststellen, dass Wien eine sehr saubere Stadt ist. Dafür sind wir unserer Stadtverwaltung auch sehr dankbar. Aber die Mistkübel, die normalerweise in den Höfen oder Eingängen der Häuser untergebracht sind, stehen oft sehr lange auf den Gehsteigen herum und machen das Fortkommen etwas mühsam, besonders, da fast alle Schanigärten noch „in Betrieb“ sind, mit oder ohne Heizschwammerln.  Und morgens sind halt auch die Mistwagen unterwegs, die in den engen Gassen zusätzlich den Verkehr aufhalten.  Ein weiterer Grund, warum nicht alle Privatautos unbedingt in die Stadt kommen müssen.

Über herumliegende Stadtspielzeuge (also E-Roller) habe ich ja schon öfters geklagt.

Aber andererseits, ich gehe noch immer gerne zu Fuß durch die Stadt. Auch wenn mein geliebter Josefsplatz zuweilen verparkt ist, was ja eigentlich seit dem Brand in der Hofburg am 27. November 1992 (Geburtstag meines Mannes) verboten sein sollte, um die Feuerwehr bei eventuell erforderlichen Löscharbeiten nicht zu behindern. Bei diesem Brand damals wurden die Redoutensäle zerstört, die Lipizzaner sowie Bücher der Nationalbibliothek konnten aber in Sicherheit gebracht werden. Die Brandursache wurde nie restlos geklärt. Ich habe – nach dem Zweiten Weltkrieg in den Redoutensälen noch Opernaufführungen gesehen, als sie auch als Ersatz für die zerstörte Staatsoper dienten.  Und in den restaurierten Redoutensälen tagt (streitet) jetzt unser Parlament.

Ein kurzer Bericht aus der Stadt am 20. Oktober 2021.:

2 Gedanken zu “Ein kurzer Bericht aus der Stadt am 20. Oktober 2021.:

  1. Ich behaupte, dass bei uns in Deutschlund die Autolobby einen viel zu großen Einflauss auf die Politik hat. Anders lässt es sich nicht erklären, dass es noch immer keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen gibt und dies auch nicht von der zuküftigen Regierung geplant ist.

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