Warum stellten deutsche Fürstenhäuser die Könige von England?

Am 20. Oktober hat sich viel getan, das – sagen wir so – interessant für uns ist.

1696: Die russische Duma beschließt auf Wunsch von Zar Peter I. der Große den Aufbau einer Marine.

1740: Maria Theresia wird zur Erzherzogin von Österreich und Königin Ungarns und Böhmens gekrönt. Die Nichtanerkennung der weiblichen Erbfolge im Sinne der Pragmatischen Sanktion durch Karl Albrecht von Bayern und andere deutsche Fürsten ist der Auslöser für den Österreichischen Erbfolgekrieg.

1803: Der Senat der Vereinigten Staaten ratifiziert den Louisiana Purchase. Die USA erwerben damit die rund 2 Millionen km² große Kolonie Louisiana von Frankreich.

1827: Die Schlacht von Navarino markiert den Höhepunkt der Griechischen Revolution, an deren Ende Griechenland seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangt.

1973: Königin Elisabeth II. eröffnet das Opernhaus von Sydney. Die Eröffnung, bei der Beethovens 9. Sinfonie zur Aufführung gebracht wird, wird live im Fernsehen übertragen und mit einem großen Feuerwerk gefeiert.

1983: Der Meter wird in Paris von der 17. Generalkonferenz für Maß und Gewicht neu definiert als Strecke, die das Licht im Vakuum in 1/299.792.458 Sekunde zurücklegt.

Über jedes dieser Ereignisse ließe sich trefflich schreiben.

Aber immer, wenn mir etwas nicht klar ist, und ich es herausfinden möchte, dann erst ist es wirklich interessant für mich: 1714: Georg I., zugleich Herzog und Kurfürst in Hannover, wird in der Westminster Abbey zum König von Großbritannien und Irland gekrönt.

Und meine Frage zu dem Thema: wie kommen deutsche Fürstenhäuser dazu, Könige in England zu stellen. Bekannt als ihre Vorgänger sind mir: Haus Wessex und Heptarchie – sieben angelsächsischen Kleinkönigreiche – (802 bis 1066), Normannische Herrschaft (1066 bis 1154), Haus Anjou-Plantagenêt (1154 bis 1399), Häuser Lancaster und York (1399 bis 1485), Haus Tudor (1485 bis 1603), Haus Stuart (1603 bis 1714).

Dann kam Königin Anne und der erste Act of Union (1707). Der Union Act selbst war ein Gesetz mit 25 Artikeln. Davon betrafen 15 nur wirtschaftliche Fragen wie beispielsweise die Währungs- und Zollunion wie auch die Vereinheitlichung von Gewichten und Maßen. Das schottische Rechtssystem mit dem oberen Zivilgericht wie auch die schottische Kirche blieben erhalten.1901), Haus Sachsen-Coburg und Gotha (1901 bis 1917), Haus Windsor (1917 bis heute).

Königin Anne Stuart hinterließ zwar keine Kinder, aber eine eindeutige Regelung ihrer Nachfolge. Das englische Parlament hatte bereits 1701 mit dem Act of Settlement ein Gesetz verabschiedet, dass die Thronfolge durch Katholiken kategorisch verbot.

Mit dem Act of Settlement (dt. „Gesetz zur Regelung“) schuf das englische Parlament 1701 die neue Grundlage der protestantischen Thronfolge im Königreich England. Als Thronfolgeregelung ist der Act of Settlement bis heute im Vereinigten Königreich gültig, aber seit 2015 durch das sogenannte Perth Agreement grundlegend verändert (männlich Primogenitur ersetzt durch absolute Primogenitur). Der Act of Settlement schreibt fest, dass nach dem Tod Annes, der letzten protestantischen Thronfolgerin im Haus Stuart (und späteren Königin von 1702 bis 1714), das Recht der Thronfolge – unter Umgehung der bis dahin gültigen Erbfolgelinie, auf Sophie von der Pfalz bzw. deren protestantische Nachkommen übergehen sollte. Sophie von der Pfalz war eine Tochter der Elisabeth Stuart und die nächste lebende protestantische Verwandte des Königshauses. Außerdem wurde geregelt, dass auch alle jene ihrer künftigen Nachkommen ihr Anrecht auf den englischen (ab 1707 britischen) Thron verlieren, die katholisch werden oder einen katholischen Partner heiraten („die päpstliche Religion bekennen oder einen Papisten heiraten“). Der historische Hintergrund war, dass der Vater Annes, Jakob II., der nach dem Englischen Bürgerkrieg und der republikanischen Herrschaft der Puritaner unter Oliver Cromwell im französischen Exil aufgewachsen war, nach der Wiederherstellung der Monarchie 1660 unter seinem älteren Bruder Karl II. um 1668 zum katholischen Glauben konvertiert war.

Mit dem Act of Settlement wurden auf einen Schlag gleich 56 Personen von der Thronfolge ausgeschlossen. Zugleich rutschte der damalige Kurfürst von Hannover aus dem Haus der Welfen zum Thronfolger auf. Dieser Georg I. entstammte dem deutschen Uradel und schuf eine neue Königslinie, die fast 200 Jahre über England beziehungsweise Großbritannien herrschte.

Und nun wie es zum Haus Sachsen-Coburg und Gotha kam: Königin Victoria war mit ihrem Cousin Albert von Sachsen-Coburg und Gotha verheiratet. Das Geschlecht geht auf die Wettiner zurück. Dieses Haus wiederum gehört zu den ältesten Geschlechtern des deutschen Adels. Sie wurden bereits vor dem Jahr 1000 urkundlich erwähnt. Der älteste Sohn von Victoria und Albert wurde am 9. August 1901 als König Edward VII. in Westminster Abbey gekrönt. Trotz damaliger Vorbehalte gegen den Deutschen war die Herrschaft bis 1910 insgesamt positiv.

Von 1910 bis 1936 regierte Georg V. das britische Königreich. Aufgrund der anti-deutschen Stimmung im Ersten Weltkrieg änderte er 1917 den Familiennamen seiner Dynastie. Er wählte als Bezeichnung den Namen einer Burg aus normannischer Zeit – Windsor Castle. So wurde aus den britischen Haus Sachsen-Coburg und Gotha mit einem Schlag das Haus Windsor.

All das könnte fast der Stoff für eine Netflix Saga sein?

Warum stellten deutsche Fürstenhäuser die Könige von England?

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