Der Kompromiss

Der uns weltweit, aber jetzt in Österreich und auch in der EU fehlt

Wir sind nicht alle einer Meinung, in der Demokratie, aber wenn jeder auf seiner Position beharrt, die anderen als Gegner oder gar Feinde sieht, entsteh Missachtung und Hass, und das ist keiner Demokratie förderlich. Leider scheint das aber weltweit der Fall zu sein: Trump versucht – fast um jeden Preis, das Leben von Präsident Biden schwer zu machen, er will ihn schwächen, aus dem Amt vertreiben. Na, und unsere Situation in Österreich ist diesbezüglich auch nicht rosig, nur selten können Kompromisse auf politischer Ebene erzielt werden. Auch in der EU scheint die Kompromissbereitschaft seit dem Brexit zu schwinden. Das Konzept eines Kompromisses schlägt eine taktische oder strategische Entscheidung vor, bei der die Vor- und Nachteile der einzelnen Einstellungen vollständig verstanden werden. ich bin nicht sicher, dass das immer der Fall ist.

Was wird nun als Kompromiss bezeichnet?  Ein Kompromiss ist die Lösung eines Konfliktes durch gegenseitige freiwillige Übereinkunft, unter beiderseitigem Verzicht auf Teile der jeweils gestellten Forderungen. Die Verhandlungspartner gehen aufeinander zu. Sie verlassen die eigene Position und bewegen sich auf eine neue gemeinsame Position. Ziel ist ein gemeinsames Ergebnis, auf das sie sich einigen. Der Kompromiss ist eine vernünftige Art, widersprüchliche Interessen auszugleichen (Dissens-Management). Er lebt von der Achtung der gegnerischen Positionen und gehört zum Wesen der Demokratie.

Gestatten Sie mir bitte den Blick in die Antike (das habe ich im Gymnasium so gelernt, bei der Lösung jedes Problems gehe man mindestens bis Aristoteles zurück): Der schon bei Cicero belegte Ausdruck compromissum stammt aus der lateinischen Rechtssprache und bedeutete dort, dass die streitenden Parteien „gemeinsam versprechen“ (com-promittunt), sich dem Schiedsspruch eines zuvor als Schiedsrichter angerufenen Dritten zu unterwerfen. Eine Partei, die den Schiedsspruch nachher nicht anerkennt, verliert eine zuvor hinterlegte Pfandsumme Geldes.

Hinter einem Kompromiss steht immer ein Konflikt zwischen verschiedenen Wünschen, Interessen und Bedürfnissen. Meist ergeben sich Konflikte zwischen verschiedenen Menschen. Manchmal aber auch im Inneren eines Menschen („Zwei Seelen in meiner Brust“), oder zwischen Gruppen, Organisationen, Staaten, Kulturen oder Religionen. Oft sind vermeintliche Widersprüche und die daraus erfolgenden Konflikte lediglich eine Folge von Missverständnissen. Und oft steht hinter einem Wunsch oder einem Interesse ein verborgenes und viel wesentlicheres Bedürfnis. Wird ein Missverständnis aufgelöst oder das eigentliche Bedürfnis hinter dem vordergründigen Interesse erfüllt, gibt es auch keinen Konflikt mehr.

Sie werden gleich einwenden, dass Kompromisse aufgrund von geheimen (intransparenten) Packeleien entstehen, dass es auch ziemlich viele „faule Kompromisse“ gibt. Ein „fauler Kompromiss“ ist eine Variante, bei der nur scheinbar ein Kompromiss erzielt wurde – in Wahrheit aber eine Partei den Kürzeren gezogen hat, und dies nicht gemerkt wurde bzw. das Problem unter den Tisch gekehrt wird, oder ein Partner „über den Tisch gezogen wurde“. Oder bei der man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verständigt hat und dabei beide eher verlieren. Nicht selten werden mangelnde Vorteile oder entsprechende Nachteile erst später ersichtlich und machen dann Nachverhandlungen erforderlich. Keine Lösung wäre es, wenn der Stärkere seinen Willen auf Kosten des Schwächeren durchsetzt.

Je nach kulturellem oder sprachlichem Hintergrund kann die Bedeutung des Wortes „Kompromiss“ und die Erwartungshaltung dazu verschieden sein. In England, Irland und den Commonwealth-Staaten bedeutet das Wort compromise etwas Gutes: Man betrachtet eine Übereinkunft, einen Kompromiss, als etwas Positives, das beiden Seiten zugutekommt. In den USA dagegen versteht man unter diesem Begriff eine Lösung, bei der beide Seiten verlieren. In Deutschland war früher der Kompromiss gar nicht hoch angesehen. Man bevorzugte das Durschlagen des gordischen Knotens, oder sprach „Lass dich in keinen Kompromiss; du verlierst die Sach, das ist gewiss!“, so als wäre der Kompromiss eine Sache für Unentschlossene, Schwächlinge oder Unklare. (Gordischer Knoten: ursprünglich kunstvoll verknotete Seile, die einer griechischen Sage nach am Streitwagen des phrygischen Königs Gordios befestigt waren. Sie verbanden die Deichsel des Wagens untrennbar mit dem Zugjoch. Bekannt wurde der aus dem Bast der Kornelkirsche bestehende Knoten, weil Alexander der Große ihn mit seinem Schwert durchschlagen haben soll. Der Sage nach prophezeite ein Orakel, dass derjenige die Herrschaft über Asien erringen werde, der den Gordischen Knoten lösen könne. Heute bedeutet die Redewendung „den gordischen Knoten durchschlagen“ oder „den gordischen Knoten lösen“ die Überwindung eines schwierigen Problems mit energischen beziehungsweise unkonventionellen Mitteln.)

Im Gegensatz zu Deutschland gilt die Donaumonarchie bzw. die habsburgische Idee mit ihrem Grundsatz des „Leben und leben lassen!“ durch die Erarbeitung unzähliger Kompromisse als übernationaler ausgleichender vorbildlicher Mittler zwischen Sprachen und angestammten Ethnizitäten. Dies, so finde ich, war bis vor Kurzem noch in republikanischen Österreich so – aber die derzeitigen Politiker scheinen den deutschen Weg einschlagen zu wollen, leider – so scheint es- hassgetrieben.

Aus Sicht der (christlichen) Ethik muss sich konkretes Handeln an den ethischen Werten sowie an den eigenen realen Möglichkeiten und den realen Erfordernissen des Anderen orientieren. Bei konkreten Entscheidungen ist oft ein Kompromiss erforderlich: „Kompromissbereitschaft ist nicht Schwäche, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung; sie ist eine geforderte und zu übende Grundhaltung oder Tugend.“

Wir alle sollten wieder kompromissbereiter werden.

Der Kompromiss

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s