Von einem Candleligth Dinner

Gestern war ich von lieben Freunden zum Candlelight Dinner eingeladen. Klingt schon sehr romantisch. Romantisch war es dann eher doch nicht.

Aber das habe ich auch nicht erwartet. Die lieben Freunde kommen aus dem Rotary Kreis, dem mein verstorbener Mann angehört hat und es gibt halt doch einige gute Menschen, die eine Witwe nach dem Tod ihres Mannes nicht gleich fallen lassen, wie einen heißen Erdapfel… Daher kannte ich auch einige der anderen Teilnehmer dieses Events, und es war nicht das erste Mal, dass wir alle zu einem Dinner im Hotel Marriott eingeladen worden waren.  Coronabedingt konnten wir halt über eine längere Periode nicht zusammenkommen. Und wie es bei unseren Freunden aus früherer Zeit so ist, sind wir halt allesamt nicht mehr die jüngsten. Und da unser Gastgeber früher bei der UNO in Wien gearbeitet hatte, kamen auch einige Freunde aus diesem internationalen Milieu.

Mit dem Hotel Marriott verbindet mich einiges: denn die die Redaktion der Zeitung „die Presse“, für die mein Mann solange gearbeitet hatte, hatte ihren Sitz über mehrere Jahre im Hotel Marriott. Um ihn von dort abzuholen, wartete ich nicht selten im Foyer – damals noch beim Wasserfall. Große Empfänge, die die Presse gab, fanden dort statt. Schwer bewacht war das Hotel zeitweilig auch, weil sich die Büros des Konsulats der USA hier befunden hatten. Auch noch nach der Gehirnblutung meines Mannes konnte er noch zu Fuß in die Redaktion gehen. Manche Interviews, die ich für die Bücher, die ich geschrieben habe, geführt hatte, fanden im Hotel Marriott statt. Ja, und eben auch die Candleligth Dinners unserer Freunde.

Und den Bau des Hauses selbst hatte ich miterlebt, Dieses Gebäude wurde zwischen 1983 und 1985 nach Plänen von Harry Glück und Peter Czernin erbaut. Die offizielle Eröffnung des Hotels fand am 27. September 1985 statt. Vorher stand hier ein Teil eines Hauses, das 1864 auf Gründen der Gartenbaugesellschaft errichtet worden war. Das Hotel Marriott hat auch gleichmehrere Adressen: Parkring 12a, Weihburggasse 29-31, Coburgbastei 3-9, Gartenbaupromenade 2-4.

Die k. k. Wiener Gartenbaugesellschaft wurde am 2. Mai 1837 zur Hebung des Gartenbaus gegründet und veranstaltete jährlich Ausstellungen in einem Garten auf der Landstraße und anderwärts (so wurde 1862 eine Obst- und Weinbauausstellung im Garten des Roßauer Liechtensteinpalais veranstaltet). Nachdem der Gesellschaft der Platz gekündigt worden war und sie nicht das Kapital zum Ankauf eines Grundstücks beziehungsweise zur Erbauung einer eigenen Heimstätte aufbringen konnte, gelang es, ein Baudarlehen aus dem Ausland zu erhalten. Mit diesem errichtete die Gesellschaft auf einem nach dem Abbruch der Braunbastei (1863) und der Einebnung des Stadtgrabens parzellierten Areal (das teilweise auf dem ehemaligen Glacis lag und unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde) ein für Ausstellungzwecke geeignetes einstöckiges Gebäude. Bei der Bebauung des Platzes war zu berücksichtigen, dass durch ein Servitut des Kaisers Franz Josef I. dem Palais Coburg bis heute der freie Ausblick auf die Ringstraße und den Stadtpark gesichert ist.

Und jetzt, nach all dem, wollen Sie sicher wissen, wie das Dinner so abgelaufen ist, und vor allem, was wir alles Köstliches gegessen haben. Es war ein „gesetztes“ Essen, wo jeder seinen fixen Platz hatte. Einer meiner Tischherren, ein Neurochirurg, konnte leider nicht kommen, da er Spital aufgehalten worden war. Dafür hatte ich wiederum ein düsteres Verständnis, denn wie mein Mann damals in der Neurochirurgie operiert wurde, wäre es mir auch lieber gewesen, dass ein verantwortlicher Neurochirurg anwesend gewesen wäre (er war es), statt im Marriott fein zu speisen.

Die Sprache am Tisch war teilweise englisch, teilweise deutsch, weil eben die internationalen Freunde der Gastgeber anwesend waren. Es wurde mit Champagner angestoßen, dann gab es Bier, Rot- und Weißwein. Das Essen holte man vom Buffet. Das war wirklich unfassbar reichhaltig. Bei den Vorspeisen hielt ich mich nur an Fische unterschiedlichster Art.  Natürlich hätte es verschieden Schinken (z.B. auch vom Hirsch gegeben), aber ich konnte all die Köstlichkeiten sehen, die mich noch erwarteten. Auf Empfehlung der Gastgeberin aß ich – mit großem Genuss – noch eine Bisqe des Homard (Hummercremesuppe). Trotz Wartens und Vermeidung, die verschiedenen Brotsorten zu kosten, war es mir unmöglich auch nur eine Hauptspeise zu essen. Aber ich hatte – undiszipliniert wie ich schon bin, einen Blick auf das Dessertbuffet geworfen. Und nach geraumer Zeit näherte ich mich diesem: es gab unterschiedlichste Torten, diverse Petit Fours (an denen ich -fast – vorbeiging) einen Kaiserschmarrn, aber und das war dann mein endgültiges Ziel: Früchte mit einem Schokoladebrunnen. Ein Schokoladebrunnen – der Traum der Kindheit.

Also überlegt habe ich mir schon, was mit all dem übrigbleibenden Essen (es waren schon noch andere Gäste anwesend) aber noch am Ende war alles vorhanden – wohl geschehen würde. Ich hoffe stark, dass es caritative Einrichtungen geht ….

Aber es war aber doch herrlich, wieder alte Freunde zu treffen – und zu schlemmen!

Von einem Candleligth Dinner

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