Sind wir so?

Nein so sind wir nicht (alle)!

Also, ich weiß nicht? Die Mehrzahl der Menschen, die ich kenne, ist vernünftig, einsichtig, gesprächsbereit. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber entweder wir diskutieren, und lassen die unterschiedlichen Meinungen stehen – und kommen in Zukunft nicht darauf zurück, oder wir können einander überzeugen. Letzteres ist eher selten. Aber unsere Beziehungen leiden nicht darunter.

Worüber sind wir nicht einig?  Da ist einmal die Causa prima: COVID. Die offene Frage ist, ob es etwas anderes als eine „normale“ Grippe ist. Die nächst folgende Frage ist, ob man sich impfen lassen soll oder nicht. Da kann man manchmal schon in Rage geraten, wenn darüber argumentiert wird, ob man Geimpfte bevorzugt, bzw. Ungeimpfte benachteiligt werden sollen. Aber wenn wir die Zahlen betrachten, sind immerhin mehr als 60% der Bevölkerung geimpft, und es kommen – tröpferlweise mehr dazu. Es bedarf halt eines originellen Ansporns – wie Impfung in der Hofburg – am Nationalfeiertag: wieder 300 Personen mehr, oder Impfung im Stephansdom.

Wenn jemand „radikal“ dagegen ist, werden Ansporne nicht helfen. Wenn jemand primär aus „politischen“ Gründen dagegen ist, und andere dazu aufruft, „dagegen“ zu sein, finde ich das verwerflich. So sind aber manche, und sie haben ihre Gefolgschaft. Es wird schwierig sein, sie zu überzeugen, da wird es mehr „der Peitsche, als des Zuckerbrots“ bedürfen. Schon allein um die anderen zu schützen.

Ein weiteres  Problem scheint mir die Spaltung der Menschen zu sein. Unser Herr Bundespräsident hat es als Riss bezeichnet. Vordergründig scheint es um das Verhalten einiger Politiker zu gehen. Ich hüte mich in dieser Causa eine klare Bezeichnung für das Missverhalten abzugeben, das ist Sache der Gerichte. Aber ich glaube, man kann ohne weiteres sagen, dass es sich jetzt einmal umgangssprachlich um Korruption handeln könnte.  Sicher ist das kein neues Phänomen, sicher ist das nicht nur ein österreichisches Phänomen, aber – Korruption etc. hat in der Politik nichts verloren.  

Meine erste Erinnerung an Politskandale war der so genannte Krauland Skandal (1950/51 aufgedeckt). Der Minister für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung Peter Krauland von der ÖVP hatte jahrelang sukzessive Gelder und Vermögenswerte veruntreut, zum Teil in die eigene Tasche, zum Teil auch an Parteien und Interessensverbände. Der nächste ganz große Schock kam z.B. 1977. Dabei versenkten der Sozialdemokratischen Partei (SPÖ) nahestehende Kreise das Schiff „Lucona“, um Versicherungsbetrug zu begehen. Dabei kamen sechs Besatzungsmitglieder ums Leben, die Folge waren 16 Rücktritte und Verurteilungen (auch aktiver Politiker).

Naheliegenderweise versuchen dabei die Parteien, die in Opposition stehen, diese Skandale dazu zu nutzen, selbst wieder an die Macht zu kommen. Aber mit Demonstrationen mit „… muss weg“, ist noch kein Problem gelöst worden. Es sollten auch nicht Umfragen (möglichst dennoch nicht manipulierte) sein, die zu Neuwahlen führen.

Wir haben derzeit eine funktionierende Regierung, wir haben Gerichte, die vielleicht überlastet sind, die werden halt priorisieren müssen, um die gegenwärtige Krise möglichst prompt aufzuarbeiten.  Inzwischen sollten Konflikte nicht auf der Straße, sondern in Gesprächen gelöst werden. Man sollte – und das ist schon oft gesagt werden, mit den anderen direkt, und nicht über die Medien verhandeln.

Das wünsche ich mir jedenfalls. Es gibt genug Probleme, um die sich alle, nicht nur die Regierenden, kümmern  müssen. Mir fiele dazu einiges ein.

Sind wir so?

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