Spazieren in Florenz

Ein Teil unserer Truppe hat sich heute aufgemacht und ist nach Florenz gefahren. Wir waren zu fünft, mit einer 2-Jährigen. Also einen Parkplatz in Florenz zu ergattern, ist die erste große Hürde. Sogar ein so gekennzeichneter war voll, und wir mussten aufgeben. Erst am Arno, erhaschten wir einen Blick auf ein wegfahrendes Auto und konnten dort stehen bleiben. Billig war es dennoch nicht.

Zuerst spazierten wir auf die Piazzale Michelangelo, um uns einen guten Überblick über die Stadt zu gönnen. Dieser Platz wurde 1865 geschaffen. Florenz war damals kurzfristig die Hauptstadt Italiens und in diesem Zusammenhang kam es zu ehrgeizigen Bau- und „Sanierungs“-Projekten, die bis an die an die Jahrhundertwende von 1900 weiterwirkten. Als eine der ersten Maßnahmen, eine acht Kilometer lange Aussichtsstraße auf den Hügel von San Miniato, genannt Viale dei Colli, als deren Zentrum und Höhepunkt der Piazzale Michelangelo gilt. Bronzekopien einiger Werke Michelangelos, etwa des David (derzeit eingerüstet) und der vier Allegorien der Mediceerkapellen von San Lorenzo schmücken den Platz. Vom Piazzale aus blickt man aufs Zentrum von Florenz, vom Forte Belvedere und der Kirche Santa Croce über den Ponte Vecchio, den Dom, den Palazzo Vecchio, den Bargello bis hin zu den Hügeln am Nordrand der Stadt, etwa jenen von Fiesole. Der Café hier oben schmeckt besonders gut.

Wir spazierten über hübsche baumbestandene Wege und Stiegen wieder hinunter, durch die Porta San Niccolo direkt in die Altstadt. Dieses Stadttor wurde im Jahre 1324 gebaut und war im Rahmen des sechsten Mauerringes für die Verteidigung des Arnos zuständig. Dieses Tor ist das einzige, das in späterer Zeit nicht gekappt wurde und zeigt noch heute den ursprünglichen Zustand aller Stadttoren von Florenz.

Entlang des Arno kamen wir zur Ponte Vecchio: Schon zu etruskischer Zeit existierte hier ein Übergang über den Arno. Nachdem 1333 ein Hochwasser weite Teile der Stadt überflutet und eine an derselben Stelle stehende Holzbrücke zerstört hatte, sicherte man zunächst die Ufer des Arno durch hohe Mauern und errichtete anschließend in zehnjähriger Bauzeit zwischen 1335 und 1345 die heutige Brücke aus Stein. Seitlich entlang der Brücke befinden sich seit 1345 lückenlos aneinandergereiht kleine Läden mit zur Brücke hin gerichtetem Eingang, deren rückwärtiger Teil jeweils einem Balkon ähnlich die eigentliche Brücke überragt. Nur in der Mitte der Brückenlänge hat der Passant Ausblick auf den Arno: Hier findet man auch eine Portraitstatue Benvenuto Cellinis.

Im Auftrage Cosimos I. de’ Medici wurde von Giorgio Vasari 1565 über der Ladenzeile ein Übergang gebaut, ein Teil des sogenannten Vasarikorridors, der den Palazzo Vecchio mit dem Palazzo Pitti verbindet.

Ursprünglich waren auf der Brücke hauptsächlich Schlachter und Gerber ansässig. Die Schlachter warfen ihre stinkenden Abfälle in den Arno, die Gerber wuschen ihre Stoffe, die zuvor mit Pferdeurin gegerbt wurden. 1565 wurden diese jedoch per Dekret von Cosimos I. de’ Medici durch Goldschmiede ersetzt, da diese keinen Abfall produzieren. Noch heute befinden sich zahlreiche Juweliere in den kleinen Läden auf der Brücke. Beim Rückzug der deutschen Truppen aus Florenz im Zweiten Weltkrieg wurde die Ponte Vecchio als einzige Brücke der Stadt nicht zerstört, sondern lediglich mit den Überresten der umliegenden zerstörten Gebäude versperrt.

Bei einem Hochwasser im November 1966 wurden große Teile der Altstadt überschwemmt, selbst die Fahrbahn der Brücke wurde überflutet und die Ladenzeile schwer geschädigt. Die Brücke selbst, ihre Widerlager, Pfeiler und Bögen widerstanden aber den Wassermassen.

Nun spazierten wir Richtung Piazza Signoria – unterwegs stärkten wir uns mit je einem Stück Pizza. Die Piazza della Signoria ist seit dem 14. Jahrhundert das weltliche Zentrum und das politische Herz der Stadt. Vor dem Rathaus, dem Palazzo Vecchio fanden die Volksversammlungen statt. Im Primo Cortile, dem ersten Innenhof, steht ein Brunnen von Verrocchio. Die 18 großen Stadtbilder an den Wänden wurden anlässlich der Hochzeit von Francesco I. mit Johanna von Österreich 1565 gemalt.

Die zahlreichen Statuen am Platz erinnern an Begebenheiten in der Geschichte der Stadt, den Aufstieg und Niedergang der Republik Florenz. Unter dem Pflaster befinden sich Kulturschätze aus etruskischer und römischer Zeit, aus dem Mittelalter und aus der Bronzezeit. Die Probegrabungen wurden aber unter dem Druck der Öffentlichkeit 1989 beendet, die Schätze verblieben im Untergrund.

Auf dem Platz erblickten wir das Reiterstandbild Cosimos I. de‘ Medici, 1587-1595 geschaffen, es erinnert an die Erhebung Cosimos zum Großherzog der Toskana durch Papst Pius V. Besonders beeindruckt hat uns der Neptunbrunnen (geschaffen 1563-1575). Anlass war die Hochzeit von Francesco de‘ Medici mit Johanna von Österreich (1547-1578). Vor dem Haupteingang zum Palazzo Vecchio stehen der überlebensgroße David (Kopie von 1910, Original in der Galleria dell‘ Accademia) von Michelangelo und die Marmorgruppe Herkules tötet Cacus (1533) von Baccio Bandinelli. Nun war es nicht mehr weit zum Duomo. Die Schlange, um in diesem hineinzukommen war lange, es wären mindestens 35 – 45 Minuten Anstellzeit erforderlich gewesen. Wir begnügten uns vorläufig mit einem Rundgang um diesen herrlichen Dom. Auch ins Baptisterium lugten wir nur hinein, dafür wären Tickets erforderlich gewesen. Außerdem stellten wir fest, dass sich drinnen einiges „in restauro“ befand. Das Baptisterium San Giovanni ist die Taufkirche des Doms von Florenz. Die Kirche wurde jedoch im 11. Jahrhundert geweiht. Das oktogonale Bauwerk wurde lange für einen alten Marstempel gehalten.

Jetzt wurde es zeitlich langsam eng. Wir mussten zum Parkplatz zurück, unsere Zeit in Florenz war diesmal abgelaufen.  

Spazieren in Florenz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s