Ein wenig ausgegrabenes Schulwissen, das hier sehr nützlich wäre

Es ist schon interessant, wie man plötzlich vergessenes Schulwissen gerne wieder „präsent“ hätte. Mich hat zwar Geschichte immer mehr interessiert, als „Naturwissenschaftliches“, aber die deutschen Kaiser im Mittelalter – naja, die fand ich damals, in der Schule, schon sehr „fad“. Die Aufzählung ihrer Namen, die Daten ihrer Kriege, etc. das konnte man sich damals nur schwer merken. Ich hoffe, dass heute dieses faszinierende Material besser dargebracht wird, vor allem in einem europäischen Kontext.  

Wenn man jetzt hier in der Toskana über die Geschichte der verschiedenen Stadtstaaten liest, trifft man immer wieder auf die Ghibellinen und Guelfen. So haben wir’s nicht gelernt, wir kannten sie unter eher unter Staufer und Welfen.

Die Welfen sind seit dem 8. Jahrhundert urkundlich nachgewiesen und das älteste noch existierende Hochadelsgeschlecht Europas. Die Dynastie erreichte einen ersten Machthöhepunkt im Hochmittelalter im Heiligen Römischen Reich, als sie Herzöge von Bayern und Sachsen sowie als Konkurrenten der Staufer einen Kaiser stellte. In der Neuzeit standen die Welfen erneut im Zenit, als sie zu Kurfürsten und Königen von Hannover sowie zu Königen von Großbritannien und Irland aufstiegen.

Die Staufer (früher auch Hohenstaufen genannt) waren ein Adelsgeschlecht, das vom 11. bis zum 13. Jahrhundert mehrere schwäbische Herzöge und römisch-deutsche Könige und Kaiser hervorbrachte. Wir alle erinnern uns z.B. an Friedlich Barbarossa, und Friedrich II., „stupor Mundi „genannt, aus diesem Geschlecht.

Die Ghibellinen und Guelfen – wie sie heute genannt werden, waren zwei verfeindete politische Gruppierungen im mittelalterlichen Reichsitalien. Während die Ghibellinen (Waiblinger) die Parteigänger des Kaisers waren, unterstützten die Guelfen (Welfen) die Politik des Papsttums.

Allerdings unterstützten die italienischen Guelfen gegebenenfalls auch die Sache des Kaisers, wenn es in ihrem Interesse war. Daher war die Trennung in Ghibellinen und Guelfen keineswegs immer so ausgeprägt, wie es für uns klarer wäre. So spalteten sich um 1300 in Florenz die Guelfen in die weißen Guelfen (kaiserfreundliche Guelfen), die für einen Kompromiss mit dem Kaiser eintraten, und die schwarzen Guelfen, die eine harte Politik gegenüber dem Kaiser verfolgten. Je nach aktueller Regierung in den Kommunen wurden Anhänger der einen oder der anderen Partei aus der Stadt verwiesen und ins Exil geschickt. Opfer dieser Machtpolitik wurde in Florenz beispielsweise auch der berühmte Dichter Dante. Der Kampf zwischen beiden Parteien überdauerte den Untergang der Staufer und stand im Spätmittelalter oft nur für verschiedene Gruppen innerhalb einer italienischen Kommune, die sich feindlich gegenüberstanden.

Innerstädtische Kämpfe spielten in der Geschichte vieler italienischer Städte eine große Rolle. Solche Fehden gab es in fast allen italienischen Städten – mit Ausnahme Venedigs. Mit Beginn des Mittelalters bestand im 6. Jahrhundert und später zunehmend im 10. und 11. Jahrhundert ein umfassender Konkurrenzkampf um die Macht im christlichen Abendland. Neben dem Machtanspruch des Kaisers gab es den des Papstes in Rom. Aus einem Streit um die Aufteilung des menschlichen Lebens zwischen religiösen und weltlichen Prinzipien war ein rein politischer Machtkampf geworden. Eine der zentralen Fragen war, wie die Rangordnung zwischen Papst und Kaiser zu definieren sei, woraus sich die Folgefrage ableitete, wer wen einsetzen – und damit auch absetzen – dürfe; dämmert es Ihnen auch: das wird als Investiturstreit bezeichnet.

Unter den toskanischen Städten führten Florenz, Lucca und San Gimignano meist eine papstfreundliche Politik gegen den Kaiser, zumal die Kirche durch ihre internationalen Verbindungen den Fernhandel begünstigte. Arezzo, Pisa, Pistoia und Siena dagegen erhofften vom Kaiser Unterstützung gegen den Expansionsdrang der Republik Florenz.

Seit etwa 1240 nannte man die Parteigänger des Reiches Ghibellinen, die des Heiligen Stuhles Guelfen. Zu den Parteigängern der Ghibellinen zählte vor allem der Adel, während die Großkaufleute auf der Seite der Guelfen standen. In allen Städten waren beide Parteien vertreten.

Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen wurden teilweise mit großer Zerstörungswut ausgetragen. In Florenz wurden beispielsweise vor dem Auszug der Guelfen zur Schlacht von Montaperti am 4. September 1260 gegen die sienesischen Ghibellinen deren Florentiner Türme abgebrochen. Doch die Ghibellinen gewannen die Schlacht und rissen nun ihrerseits 47 Paläste, 198 Häuser und 59 Türme der Guelfen in Florenz und weitere 464 Gebäude auf dem Land nieder. Andere wichtige Schlachten zwischen Ghibellinen und Guelfen waren die Schlacht von Cortenuova am 27. November 1237, die Schlacht bei Tagliacozzo am 23. August 1268, die Schlacht von Campaldino am 11. Juni 1289 und die Schlacht von Altopascio im Jahr 1325, sollten Ihnen diese Namen irgendwo unterkommen.

Als heraldisches Symbol wählte sich die Guelfenpartei die Lilie, die sich vom Lilienwappen des Kapetingers Karl von Anjou ableitete, der mit päpstlicher Unterstützung die Kaiserpartei der Staufer bekämpfte. Die Ghibellinen hingegen verwendeten den kaiserlichen Reichsadler. Die Lilie ist daher in zahlreichen Wappen einst guelfisch gesinnter italienischer Adelsgeschlechter oder auch Kommunen (etwa von Florenz und Bologna), zu finden, während der doppelköpfige Adler auf ghibellinische Anhängerschaft hindeutete.

Es ist schwierig für uns, die jetzt diese wunderbaren Städte besichtigen, sich vorzustellen, mit welcher Zerstörungswut sie aufeinander losgingen.

Ein wenig ausgegrabenes Schulwissen, das hier sehr nützlich wäre

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