Das Freud-Museum in Wien

(Das ist nun der dritte Teil dieses unseres drei geteilten Tages. Über die beiden anderen Ereignisse können Sie unter https://christachorherr.wordpress.com/2021/11/06/der-dreigeteilte-tag/ lesen.).

Eigentlich ist es eine große Schande, ich als Wienerin war bisher noch nie im Freud-Museum. Aber heute war ich in der Berggasse, und daher fuhr ich nach dem köstlichen Essen im Rebhuhn nicht nach Hause, um ein Mittagsschläfchen zu genießen, sondern ging – gestärkt durch einen Espresso – ins Freud Museum.

Ich ging durch den Hauseingang, eigentlich hätte ich gleich beim Café Freud hineingehen können. Und bei der Kassa wollte man mir nebst Ticket (für Senioren kostet der Eintritt EURO 10) eine FFP2 (Filtering Face Piece) Maske verhökern, da ich zwar eine ziemlich dichte, waschbare aber nicht als FFP2 gekennzeichnete Maske trug (noch niemand sonst hat das sonstwo gefordert!), aber ich hatte ein dieser schiachen weißen Masken dabei.   

Das Museum befindet sich in der Berggasse 19 im neunten Wiener Gemeindebezirk (Alsergrund). Hier hat Freud von 1891 bis 1938 gelebt und gearbeitet. Mit seiner Familie zog er 1891 in einen Neubau ein. Das alte Gebäude an dieser Stelle, in dem unter anderem der Politiker Victor Adler gelebt hatte, war abgerissen worden. (Die Räume wurden im April 1938 von Edmund Engelmann photographiert.) Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich musste Freud 1938 wegen seiner jüdischen Herkunft mit seiner Tochter Anna Freud nach London emigrieren, wo er ein Jahr später verstarb. Freud konnte sein ganzes Mobiliar mitnehmen. Im Haus richtete das nationalsozialistische Regime eine Judensammelwohnung ein.

Originalstücke aus Freuds Besitz sind im Museum ebenso zu sehen, wie das Wartezimmer der Praxis und einige Stücke aus Freuds umfangreicher Sammlung antiker Kunstwerke, hauptsächlich kleine Statuen (fand ich sehr interessant – vor allem die unterschiedlichen Kulturen, aus denen die Sammelstücke kommen).  Der Großteil der früheren Einrichtung mit der berühmten Couch befindet sich allerdings im Freud-Museum in London, wo Anna Freud bis zu ihrem Tod 1982 wohnte.

Nach der Gründung der Sigmund-Freud-Gesellschaft (1968) wurde die ehemalige Praxis mit Hilfe der Bundesregierung und der Stadt Wien erworben und nach Restaurierung der Räume zu einem Museum gestaltet (die Originaleinrichtung des Wartezimmers widmete Anna Freud), das am 15. Juni 1971 zugänglich gemacht werden konnte (von 26. bis 30. Juli 1971 fand in Wien der 27. Internationale Psychoanalytische Kongress statt). 1974 wurden von der Familie neue Originalstücke gewidmet, 1984 erfolgte eine Renovierung (Neuanordnung der Schausammlung in der ehemaligen Praxis; Eröffnung 17. Juni 1984). 1986 wurde die im selben Stockwerk gelegene ehemalige Privatwohnung Freuds erworben (Finanzierung mit Hilfe eines 1985 unter der Leitung von Leonard Bernstein im Musikvereinssaal gegebenen Benefizkonzerts), die 1989-1991 renoviert wurde.

1992 wurde das Museum um die Anna-Freud-Gedenkräume (frühere Ordinationsräume von Anna Freud) vergrößert (in der sich bis 1991 die Sigmund-Freud-Haus-Bibliothek befunden hatte). Das Sigmund-Freud-Haus umfasst Vorzimmer, Wartezimmer, Behandlungszimmer, Arbeitszimmer und Anna-Freud-Gedenkraum (in einem Teil der ehemaligen Privatwohnung). Die ebenfalls dort befindliche Bibliothek umfasst rund 40.000 Medien und ist damit Europas größte Studienbibliothek zur Psychoanalyse. Wechselnde Sonderausstellungen beleuchten den geschichtlichen, kulturellen und wissenschaftstheoretischen Hintergrund der Psychoanalyse sowie deren Rezeptionsgeschichte. In Summe stehen 280 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Träger des Museums ist die 2003 gegründete Sigmund Freud Privatstiftung, die 2006 das gesamte Haus Berggasse 19 erwerben konnte.

Durch das schöne alte Stiegenhaus kann man entweder die Wohnung oder die Ordinationsräume betreten. Nun es sind sehr wenige Möbel oder sonstige Einrichtungsgegenstände vorhanden. Aber alles ist liebevoll restauriert und detailliert beschrieben. Beeindruckt hat mich auch ein alter Kachelofen (ein ähnlicher hatten wir auch in meiner elterlichen Wohnung). Interessant fand ich auch, dass man die ehemaligen Tapeten und Malereien an der Decke freigelegt hat. Berührt hat mich der Durchgang, in dem die Bedienstete des Hauses täglich neuerlich ihr Bett aufstellen musste, sie getraute sich nicht, um ein Kammerl zu bitten.

Fasziniert hat mich auch der privat gedreht Film über die Familie Freud, der dort gezeigt wird. Ansonsten ist viel über Psychoanalyse in Schaukästen ausgestellt, frühe Werke zu dem Thema.  Interessant fand ich auch die Beschreibung „Berge von Briefen“, die Freud mit seinen Freunden und Kollegen ausgetauscht hat. (Heute schreibt doch kaum mehr jemand Briefe – mit der Hand, damals in Kurrentschrift).

Es waren durchaus viele (junge) Leute in dem Museum, allerdings sprachen die wenigsten Deutsch. Jedenfalls bietet die Ausstellung Einblicke nicht nur in das Leben der Freuds, sowie die Entwicklung der Psychologie, sondern auch über das damalige Leben in Wien.

Ich kann wiederum nur allen empfehlen, hinzugehen, sollten Sie nicht ohnedies schon dort gewesen sein.

Das Freud-Museum in Wien

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