Es gibt viele Gedenktage so Anfang November herum.

9. November 1848 – Hinrichtung Robert Blums bei Wien, einem der führenden Köpfe der Demokraten im Rahmen der Deutschen Revolution und in der Frankfurter Nationalversammlung.

9. November 1918 – Novemberrevolution in Berlin: Ausrufung der Republik in Deutschland.

9. November 1923 – Hitler-Ludendorff-Putsch in München: Der Nationalsozialismus wird erstmals international wahrgenommen.

9. November 1967 – Bei der feierlichen Amtseinführung des neuen Rektors der Hamburger Universität entfalten Studenten ein Transparent mit dem Spruch Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren, der zum Symbol der 68er-Bewegung werden wird.

9. November 1989 – Mauerfall

Über jedes dieser Ereignisse könnte und ist sehr viel geschrieben worden, aber ich denke auch an das Ende des Ersten Weltkriegs, an das Chaos, das ausgebrochen ist, auf die Hungersnot, die viele Teile der Bevölkerung betroffen hat und an die Spanische Grippe, die damals gewütet hat. Das Habsburger Reich zerbricht, Kaiser Karl I. muss 1918 nach der Niederlage im 1. Weltkrieg auf jegliche Beteiligung an den Regierungsgeschäften in Österreich und Ungarn verzichten. Allerdings dankt er nie ab, da der Kaisertitel immer von „Gottes Gnaden“ beansprucht wurde, wie bei allen früheren Habsburgern auch. In Österreich wird die 1. Republik am 12. November 1918 ausgerufen, die zunächst noch Deutschösterreich genannt wurde. Vieles darüber haben wir aus den Produktionen von Hugo Portisch gelernt.

Aber ich habe in meiner Jugend ein Theaterstück gesehen – ich weiß nicht mehr in welchem Theater – ich glaube es war die Burg – das für mich den Schrecken dieser Zeit symbolisiert. Aus dem Jahr 1965 gibt es auch einen Film. Das Stück und der Film heißen „3. November 1918“, geschrieben von Franz Theodor von Csokor (* 6. September 1885; † 5. Jänner 1969), er war ein österreichischer Schriftsteller und Dramatiker.

Das Stück spielt am 2. und am 3. November 1918, dem Tag, an dem der Waffenstillstand von Villa Giusti geschlossen wurde, in einem Schutzhaus in den Kärntner Karawanken, das als Heim für Verwundete benutzt wird. Das Haus ist seit drei Wochen eingeschneit.

Kurzer Einschub zum Waffenstillstand (gekürzt): Nach der verlorenen Schlacht von Vittorio Veneto Ende Oktober 1918 war die österreichisch-ungarische Armee in einem derartigen Zustand, dass sich die Heeresleitung verpflichtet sah, mit allen Mitteln einen Waffenstillstand anzustreben. Der Waffenstillstand umfasste:

Sofortige Einstellung der Feindseligkeiten zu Lande, Wasser und in der Luft.

Gänzliche Demobilisierung Österreich-Ungarns und sofortiges Zurückziehen aller Einheiten, die an der Front von der Nordsee bis zur Schweiz operieren.

Evakuierung jedes von Österreich-Ungarn seit Kriegsbeginn mit Waffengewalt besetzten Gebietes und Zurückziehung der österreichisch-ungarischen Kräfte. Alle geräumten Gebiete werden von den Truppen der Alliierten und der Vereinigten Staaten besetzt werden. Hierbei haben das ganze militärische Material und das Material der Eisenbahnen, die sich auf dem zu evakuierenden Gebiete befinden, an Ort und Stelle zu verbleiben. Auslieferung dieses ganzen Materials (Versorgung an Kohle inbegriffen) an die Alliierten und die Vereinigten Staaten. Es darf keine neue Zerstörung oder Plünderung oder neue Requisition von den feindlichen Truppen auf dem vom Feinde zu räumenden oder von Kräften der verbündeten Mächte zu besetzenden Gebieten geschehen.

Die Verbündeten werden das absolute Recht haben: a) einer freien Bewegung ihrer Truppen auf jeder Straße oder Eisenbahn oder Wasserweg des österreichisch-ungarischen Gebietes und des Gebrauches der nötigen österreichisch-ungarischen Transportmittel, b) mit verbündeten Kräften alle jene strategischen Punkte in Österreich-Ungarn für die den Alliierten nötig erscheinende Zeit zu besetzen, zum Zwecke dort zu wohnen oder die Ordnung aufrechtzuerhalten, c) zu Requisitionen gegen Bezahlung zugunsten der verbündeten Heere, wo immer sie sich befinden.

Sofortige Heimsendung ohne Gegenseitigkeit aller Kriegsgefangenen und internierten Untertanen der Alliierten,

Die im evakuierten Gebiete verbliebenen Kranken und Verwundeten müssen vom österreichisch-ungarischen Personal gepflegt werden, welches samt dem hierzu nötigen ärztlichen Material an Ort und Stelle zurückzulassen ist.

Sofortige Einstellung jeder Feindseligkeit zur See und genaue Angabe des Aufenthaltsortes und der Bewegung aller österreichisch-ungarischen Schiffe, und Übergabe dieser.

Freiheit der Schifffahrt aller Schiffe der Kriegs- und Handelsmarine der Alliierten und der verbündeten Mächte in der Adria, die territorialen Gewässer inbegriffen, auf der Donau und ihren Nebenflüssen innerhalb des österreichisch-ungarischen Gebiets.

Vereinigung und Belassung aller Luftstreitkräfte der Marine in einem von den Alliierten und den Vereinigten Staaten bestimmten Hafen.

Evakuierung der ganzen Küste und aller Handelshäfen, die von Österreich-Ungarn außerhalb seines nationalen Gebietes besetzt sind.

Besetzung aller Land- und Seebefestigungen und der zur Verteidigung von Pola eingerichteten Inseln sowie der Werft und des Arsenals durch die Alliierten und die Vereinigten Staaten.

Rückgabe aller weggenommenen Handelsschiffe.

Verbot jedweder Zerstörung von Anlagen oder Material vor der Räumung, Übergabe oder Rückgabe.

Rückgabe aller Gefangenen ohne Verpflichtung der Gegenseitigkeit.

Der Schluss dieses Stückes/Films (den anzuschauen ich empfehle) besteht in einem Begräbnis, bei dem die hinterbliebenen Soldaten Erde auf den Sarg ihres Vorgesetzten werfen, mit den Worten „Erde aus Ungarn, Erde aus Polen, Erde aus Kärnten, slowenische Erde, tschechische Erde, italienische Erde und schließlich der jüdische Regimentsarzt mit Erde aus Österreich“. Das Ende des Vielvölkerstaates (durch Nationalismus).

Hüten wir uns vor Nationalismus – der in der Lage ist, Einheit zu zerstören.

Es gibt viele Gedenktage so Anfang November herum.

4 Gedanken zu “Es gibt viele Gedenktage so Anfang November herum.

  1. Der 9. November 1923 war bewußt als Gegensatz zum 9. November 1918 geplant worden. Auch der 9. November 1938 gehört in diesen Zusammenhang.
    Die österreichischen Ereignisse des November 1918 kannte ich nicht; vielen Dank dafür.
    Vielen Dank auch für den energischen Appell zum Miteinander.

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      1. Ich bin kein Freund aus schon ewig-vergangenen Ereignissen Gedenktage entstehen zu lassen.. Beispiel: Die Tode von Rudi Dutschke und Benno Ohnesorg haben bei mir mehr Emotionen hoch gehen lassen, als die Nazi-Typen im Nürnberger Prozess
        . Und auch die berühmte Reichskristallnacht ist für mich -geb.1964- nur eine erschreckenswerte Erzählung aus der Vergangenheit.

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