Heute führte mich ein Spaziergang ein Stück entlang der alten Bastei.

Mit der Bezeichnung Bastei war umgangssprachlich ab dem 18. Jahrhundert das gesamte Festungswerk gemeint, das die Innere Stadt umgeben hat. In Wien erscheinen im 16. Jahrhundert die neu entstandenen Bastionen unter dem Begriff Bastei. Diese ist ein vor den Wall springendes Befestigungselement als Bestandteil des bastionären Systems, das durch seinen fünfeckigen Grundriss von den benachbarten Basteien aus komplett flankiert werden konnte und dass selbst ein Bestreichen der anschließenden Bereiche der Festung ermöglichte.

Die Bastion (= Bastei) besteht aus zwei in den Angriffsraum vorspringenden Frontlinien, von denen das Vorfeld unter Beschuss genommen werden kann, und zwei zurückgezogenen Linien (Flanken), die das seitliche Bestreichen ermöglichen; die Kurtine (breiter Wall) verbindet die Bastionen.

Die Demolierung der Basteien und Befestigungsanlagen wurde von Franz Joseph I. am 20. Dezember 1857 angeordnet (Abbruch 1858-1875); man begann beim Rotenturm- und Laurenzertor bis zur Biberbastei. In chronologischer Reihung folgen: die Stubenbastei (bei gleichzeitiger Regulierung des Dominikanergartens), das alte Kärntnertor und die Basteien bis zum Kolowratpalais (samt Herstellung eines Damms von der Kärntner Straße zur Elisabethbrücke über den Wienfluss;), die Gonzagabastei , das Neutor samt den Resten der Elendbastei bis zur Schottenbastei (die an das Wasenmeisterhaus angrenzenden Mauern der Bastei erst später), die „Wasserkunstravelins“ (samt Herstellung eines Straßendamms über den Stadtgraben vor dem Kolowratpalais, wodurch die Ausführung der Straße gegen die Mondscheinbrücke ermöglicht wurde, hingegen die als Dekorationsdepot für das Hofoperntheater bestimmten Kasematten vorläufig belassen wurden;  das „Ravelin“ an der Augustinerbastei (bei gleichzeitiger Demolierung des neuen Kärntnertors in Verbindung mit der Herstellung der Ringstraße zwischen Kärntner- und Burgtor;), die Mölkerbastei , die Kurtinenmauern beim Schotten- und Franzenstor samt der Brücke bei letzterem und Herstellung einer Auffahrtsrampe von der Ringstraße auf die Löwelbastei , die Stubentorbastei bis zum Coburgpalais, die Wasserkunstbastei zwischen Coburg- und Kolowratpalais, die Umwallungen zu beiden Seiten des Burgtors entlang der Burg und des Volksgartens, die Augustinerbastei um das Albrechtspalais, die „Paradiesgartenravelins“ und Teile der Löwelbastei, die Biberbastei (samt Regulierungsarbeiten und Herstellung einer Rampe zur Franz-Joseph-Kaserne; damit waren die Arbeiten im Wesentlichen abgeschlossen. Es folgten nach längerer Unterbrechung Teile der Stubenbastei (anläßlich der Abtragung des Kleinen Jacoberhofs; und Teile der Mölkerbastei (im Zuge der Herstellung einer Rampe neben dem Kleppersteig;), später die Regulierung des „Paradiesgartenravelins“ und die Demolierung des auf ihm bestehenden Restaurationsgebäudes und abschließend Arbeiten an der Löwelbastei beziehungsweise an der sogenannten Bellariarampe. Die gänzliche Abtragung der Stubenbastei und der auf ihr bestehenden Häuser vollzog sich 1884, während sich die Demolierung der Schottenbasteihäuser über einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten erstreckte. Nur geringe Reste von Kurtinen (Verbindungsmauern zwischen den Basteien) haben sich bis heute erhalten: Augustinerbastei (Albertina), Coburgbastei (Coburgpalais), Dominikanerbastei (teilweise Regulierung entlang der Postgasse 1968), Mölkerbastei.

Aufgrund der Demolierung der Befestigungsanlagen der Stadt haben sich folgende Veränderungen ergeben: Die Burgbastei entspricht dem Burgring in seiner ganzen Ausdehnung, die Löwelbastei dem Josef-Meinrad-Platz und dem südlichen Teil des Burgtheaters; auf dem Terrain der Mölkerbastei stehen die Häuser Universitätsring (Univrsitätsring-Ring) 6-12 sowie die Rampe der Universität, auf jenem der Elendbastei die Häuser Schottenbastei 7, 9 (heute Bundesrealgymnasium „Schottenbastei“) und 11, Hohenstaufengasse 10-14, 15-17 sowie Wipplingerstraße 33 und 35 (OPEC-Zentrale und Haus der Europäischen Union); die Neue Bastei befand sich dort, wo heute die Häuser Neutorgasse 6-8, Werdertorgasse 4-8, Gonzagagasse 9-11 sowie Rudolfsplatz 13, 13A und 14 stehen; die anschließende Gonzagabastei erstreckte sich vom Morzinplatz bis zum Franz-Josefs-Kai 29, die Biberbastei von Franz-Josefs-Kai 7-11, Dominikanerbastei 20-24 bis Wiesingerstraße 1, die Dominikanerbastei dort, wo die Häuser Biberstraße 3, 5 und 4, 6, Falkestraße 1-4 und Dominikanerbastei 4, 6 erbaut worden sind; die Braunbastei entspricht einem etwa 50 Meter breiten Streifen vor dem Coburgpalais; wo sich die Wasserkunstbastei erstreckte, stehen heute die Häuser Schellinggasse 13 (Bundesgewerbeschule Wien 1), 14, 16, Walfischgasse 8-15 und Mahlerstraße 9-15; schließlich wurde das Gebiet der Kärntnerbastei zum Bau der Staatsoper und zum Bau der Häuser Operngasse 4-6, Hanuschgasse 1-3 und Goethegasse 1 benutzt. Das Areal, auf dem die Festung errichtet worden war, lag im Bereich des städtischen Burgfriedens, weshalb die Stadt Wien niemals ihren Anspruch auf das für die Fortifikation benötigte Gelände aufgegeben hat. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erwog die Gemeinde Wien des Öfteren, mit dem Staat zur Klärung der Rechtsverhältnisse zu prozessieren. Nach der Anordnung Franz Josephs I. zur Schleifung der Basteien unternahm sie noch einmal den Versuch, eine Generalvollmacht für die Bebauung zu erhalten; tatsächlich wurde diese jedoch der Stadterweiterungskommission erteilt.

Da ich sichtlich dort wohne, wo sich früher die Wasserkunstbastei erstreckte, spazierte ich heute durch die Seilerstätte, die Stubenbastei (eigentlich eine Kurtine, denn eine Stubenbastei im engeren Sinn dieses Worts hat es nie gegeben), die von der Dominikanerbastei, durchbrochen vom Stubentor, bis zur Braunbastei reichte. An die Biberbastei erinnert heut wohl nur mehr die Biberstraße. Dann ging ich die Rotenturm Bastei entlang, um durch die Stadt den Heimweg anzutreten. Berichten kann ich nur, dass am Stephansplatz ebenfalls bereits (ein sehr schöner) Christbaum steht (übrigens, die „Staud’n“ vor dem Rathaus ist dank der Interventionen auch ganz ansehnlich geworden) und der Christkindlmarkt wird ebenfalls schon aufgebaut.

Über die Stadttore ins Alte Wien werde ich Ihnen demnächst berichten.

Heute führte mich ein Spaziergang ein Stück entlang der alten Bastei.

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