Der 11. November

Über den Fasching, Waffenstillstände, St. Martin und das Laternderl-Fest, Bier etc. etc.

Heute ist der 11.11. Aus mir nicht ganz durchschaubaren Gründen wird in deutschen, österreichischen und schweizerischen Karnevals-, Fastnachts- und Faschingshochburgen der 11. November als Elfter im Elften um 11:11 Uhr als Beginn der Karnevalssession oder -Kampagne gefeiert. Denn in meiner Erinnerung beginnt der Fasching erst nach dem 6. Jänner. Daher werde ich mir auch erst dann meine ersten Faschingskrapfen kaufen, auch wenn sie mich jetzt schon so freundlich anlachen.

1918 endeten an diesem Tag die Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs mit der Unterzeichnung der Waffenstillstandserklärung von Compiegne.  Er wurde zwischen dem Deutschen Reich und den beiden Westmächten Frankreich und Großbritannien geschlossen. Den Deutschen erschienen die Waffenstillstandsbedingungen, die ihnen vorgeschlagen wurden, als sehr hart, doch die Delegation der Entente-Mächte ließ Einwendungen nicht zu. Der Vertrag wurde am 11. November zwischen 5:12 Uhr und 5:20 Uhr französischer Zeit unterzeichnet. Das fand im Wagen von Compiegne statt: Der Wagen von Compiègne ist der ehemalige Speisewagen und spätere Salonwagen, auf einer Lichtung bei Compiègne (noch heute) steht. Dieser erste Waffenstillstand von Compiegne  trug wesentlich zu der späteren Dolchstoßlegende bei. Das war eine von der deutschen Obersten Heeresleitung (OHL) in die Welt gesetzte Verschwörungstheorie, die die Schuld an der von ihr verantworteten militärischen Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg vor allem auf die Sozialdemokratie, andere demokratische Politiker und das „bolschewistische Judentum“ abwälzen sollte. Sie besagte, das deutsche Heer sei im Weltkrieg „im Felde unbesiegt“ geblieben und habe erst durch oppositionelle „vaterlandslose“ Zivilisten aus der Heimat einen „Dolchstoß von hinten“ erhalten. Antisemiten verknüpften „innere“ und „äußere Reichsfeinde“ dabei zusätzlich mit dem Trugbild vom „internationalen Judentum“.

Im Juni 1940 wurde die Kapitulation Frankreichs gegenüber dem Deutschen Reich ebenfalls dort und im selben Wagen unterzeichnet (Zweiter Waffenstillstand von Compiègne). Dieser Waffenstillstand sah die Besetzung von 60 Prozent des französischen Territoriums in Europa durch die deutsche Wehrmacht vor. Im unbesetzten Teil Frankreichs bildete sich das eng an Deutschland angelehnte Vichy-Regime. Die Bedingungen des Waffenstillstands kamen einer Kapitulation Frankreichs gleich, es verlor seine vormalige Souveränität.

In vielen Ländern wird der 11. November daher in Erinnerung an die Gefallenen als Gedenk- oder Feiertag begangen. In Großbritannien und den Ländern des Commonwealth wird er als Remembrance Day (auch „Armistice Day“ oder „Poppy Day“) bezeichnet, in Frankreich und Belgien nennt man ihn „Jour de l’Armistice“.

Am 11. November 1918 erklärt Kaiser Karl I. seinen Verzicht auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften im österreichischen Teil der Donaumonarchie.

Und an demselben Tag werden die deutschen Truppen in Warschau von Polen entwaffnet. Der Regentschaftsrat und die Lubliner Regierung legen alle Staatsgewalt in die Hände Józef Piłsudskis. Damit endet die Ära des Regentschaftskönigreiches Polen. Polen wird unabhängige Republik.

Anderswo – ebenfalls 1918 erklären Elsass und Lothringen ihre Unabhängigkeit als Republik Elsaß-Lothringen, die aber wegen des Einmarsches französischer Truppen nur wenige Tage Bestand hat.

Am 11. November wird Sankt Martin mit regional verschiedenen Martinsbräuchen gefeiert (Martinstag). Zu dem Thema habe ich vor ein paar Tagengeschrieben: https://christachorherr.wordpress.com/2021/11/07/ganslzeit-ists-eine-wiederveroffentlichung/

In ganz Deutschland und Österreich feiern die Kinder mit Martinsumzügen, bei denen sie singend mit Laternen durch die Straßen ziehen. Ja, und nicht zu vergessen, an diesem Tag findet das sogenannte Laternderl-Fest statt, dem alle Kindergartenkinder entgegenfiebern.

In Asien und immer mehr Regionen der Welt wird der 11.11. als Tag der Singles (Singles’ Day) gefeiert. Dieser ist in China so beliebt, dass der 11. November inzwischen der größte Onlineshopping-Tag der Welt ist.

Am 11. November 1942 besetzen als Reaktion auf die Landung der Alliierten in Algerien im Zweiten Weltkrieg deutsche Truppen auch Vichy-Frankreich.

Und vielleicht noch etwas für die Biertrinker unter meinen Followern: am 11. November 1842 wird in drei Gasthöfen Pilsens erstmals in der Geschichte des Bieres Bier nach Pilsner Brauart ausgeschenkt, basierend auf dem von Josef Groll erfundenen Sud.

Und etwas ganz anderes – für jugendlichere Leser:  am 11. November 1954 erscheint in Großbritannien mit The Two Towers der zweite Teil von Tolkiens The Lord of the Rings. (Ich gebe zu, ich habe das auch gern gelesen.)

Und damit eventuelle Feministinnen nicht leer ausgehen: am 11 November 1992 beschließt die die Generalsynode der Church of England die Zulassung von Frauen zum Priesteramt.

Jedenfalls kann man sagen, dass der 11. November sehr oft ein ereignisreicher Tag gewesen ist.

Der 11. November

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