Gegen die Spaltung der Gesellschaft

(in Impfbefürworter und -gegner)

Ja, ich bin bekümmert, ja, ich bin sogar verstört. Was ist aus meinem gemütlichen Österreich geworden. Da stehen einander Impfbefürworter und Impfgegner wütend gegenüber, da machen hilflose Politiker Experten lächerlich, da werden Regeln verkündet, von denen keiner weiß, wie ihre Einhaltung überprüft werden kann. Andere „kochen ihr politisches Süppchen“ und hoffen so an die politische Macht zu kommen. Derzeit gibt es ganz wenige „vernünftige“ Politiker, die so handeln, wie ich mir das vorstelle. Aber diese werden nicht pausenlos vor das Tribunal „ZIB-2“ geladen, um dort Rechenschaft abzulegen.

Politiker sind Volksvertreter und sollten aus allen Schichten unserer Gesellschaft kommen. Sie sind in der derzeitigen Situation wahrscheinlich genauso überfordert, wie wir alle. Sie waren noch nie mit einer Pandemie konfrontiert, man hat sie in Schulungen nicht darauf vorbereitet. Ja, sie sollen und müssen sich auf „Experten“ verlassen, aber leider blasen sich manche, die weit entfernt davon sind, als Experten auf – daher herrschen auch auf diesem Sektor höchst unterschiedliche Meinungen.  Die „Richtigen“ von den „Falschen“ unterschieden zu können, ist sicher nicht leicht, aber die Aufgabe der Politik!

Aber was derzeit sonst so passiert, darum kümmern sich viel zu wenige. Wir schlittern im Moment in eine böse Spaltung der Bevölkerung hinein. Hier die Impfbefürworter – da die Impfgegner. Man hat derzeit (noch) viele böse Wort füreinander. Und auf dieses Thema hat sich eine politische Partei gesetzt, die für „Verhetzungen“ bekannt ist (nein, derzeit sind es nicht die Flüchtlinge das Thema, kommt schon wieder!).

Ich meine, wir können doch nur alle gemeinsam aus diesem Pandemie-Schlamassel herauskommen. Es sind weder Seilbahnbetreiber „böse Menschen“, weil sie ihre Seilbahnen gerne gefüllt sehen wollen, noch sind die Spitalsbetreiber „böse Menschen“, weil sie davor warnen, dass die Intensivbetten ausgehen. Wir alle sind daran interessiert, dass Österreich wirtschaftlich „gut dasteht“, dass die Arbeitslosigkeit sinkt, dass immer weniger Menschen in Kurzarbeit bleiben müssen.  Aber die Voraussetzung ist, dass alle Menschen gesund bleiben, und nicht nur Corona-Patienten in Intensiv-Stationen liegen können.  

Es ist und bleibt ein Dilemma. Corona-Leugner und Impfgegner werden nicht dazu gebracht werden können, sich impfen zu lassen. Sie werden nicht „überzeugt“ werden können (wir haben es alle probiert).  Daher müssen sie veranlasst werden, sich an bestimmte Corona-Regeln zu halten. Das wird derzeit versucht – durch „Lockdown für Ungeimpfte“. Ich weiß zwar nicht, wie’s gehen soll, und ich finde auch, dass Ungeimpfte derzeit ohnedies von fast allen „gesellschaftlichen Aktivitäten“ (Theater, Konzerte, Sporteinrichtungen, Friseur etc.) ausgeschlossen sind. Könnte man dieser Maßnahme nicht Zeit geben, ihre Ergebnisse zu zeigen? Normalerweise dauert es doch eine Woche bis 10 Tage, bis eine Maßnahme Wirkung zeigt. Und was brächte ein Lockdown für Ungeimpfte darüber hinaus. 

Sie werden jetzt sagen, dass ich genauso wenig „Experte“ bin, Maßnahmen zu beurteilen, wie die meisten Politiker. Aber wenn wir einer Spaltung der Gesellschaft vorbeugen wollen – und das sollten wir unbedingt – dann sollten wir doch auch „Ungeimpfte“ nicht ausgrenzen. Man hatte gehofft, sie durch diese bereits eh schon bestehenden Ausgrenzungen dazu zu bringen, sich doch endlich impfen zu lassen; ja die (Erst-)Impfungen steigen wieder (ein wenig) an, aber die meisten, die sich derzeit impfen lassen, sind solche, die sich den dritten Stich holen. Das ist auch wichtig zur Eingrenzung der Pandemie, weil es (hoffentlich) die Impfdurchbrüche verringert?

Die Pandemie wird einmal vorbei sein, so oder so. Entweder sie flaut ab oder wir müssen uns halt in bestimmten Abständen dagegen impfen lassen. Aber gegen eine Spaltung der Gesellschaft gibt es keine Salbe, keine Impfung, keine Pille. Und derzeit scheint es, dass wir primär mit unseren Haltungen und daraus resultierenden Maßnahmen stark in „autoritäre Verhältnisse“ rutschen. Und das wollen doch die wenigsten von uns (ja, einige schon!)?

Igeln wir uns doch nicht in unseren „jeweiligen Blasen“ ein. Mäßigen wir unsere Sprache (auch in sozialen Medien, – die „Gegner““ sind nicht alle „Deppen“ etc.), reden wir miteinander, ob wir Impfbefürworter oder Impfgegner sind, nicht nur auf der Straße, Transparente schwingend. Wir haben doch so viel gemeinsam, außerhalb Pandemie und Impfen. Vielleicht können wir uns miteinander z.B. zum Klimaschutz einigen, um den man sich auch dringend kümmern müsste.

Tut mir leid, Sie anraunzen zu müssen.

Gegen die Spaltung der Gesellschaft

6 Gedanken zu “Gegen die Spaltung der Gesellschaft

  1. Elena schreibt:

    Sie raunzen nicht.
    Aber mein Verständnis für Menschen, die sich impfen lassen könnten, es aber aus Schwurbelgründen nicht tun ist im Gegensatz zu Ihnen enden wollend. Ich würde zB nicht in die Wohnung der Impfverweigerin gehen – so sehr ich Ihr Argument, daß es schön ist Freundinnen zu treffen verstehe.
    Und ich will auch nicht von einigen möglicherweise ungeimpften (meist älteren, männlichen) Nase-Freien im Geschäft unnötigerweise mit Viren „eingedeckt“ werden, obzwar ich als bald dreimal Geimpfte in geschlossenen Räumen immer die FFP2 trug und auch weiterhin zu tragen gedenke.
    Ja, die Pandemie wird wohl irgend wann einmal vorbei sein – hätten wir in Ö aber deutlich mehr Geimpfte wäre die Lage zweifellos viel besser und keine Spaltung zu befürchten..

    Mit herzlichen Grüßen
    Elena

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    1. Sie haben ja so recht, aber mir geht diese“Bestrafung“ der Ungeimpften schon auf die Nerven, obwohl ich weiß, was sie derzeit in den Spitälern anrichten und dem Pflegepersonal antun. Ich wüsste gern einen Wefg, sie zum Impfen zu bringen.

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  2. Ich fühle mich nicht angeraunzt, und ich pflichte Ihnen bei.
    So nervig es manchmal ist, wenn Kultus und Kultur in unseren Kirchen zusammentreffen, die verschiedenen Regeln unterliegen (Kultus: keine Impf- oder Testnachweise, aber Maskenpflicht; Kultur: Nachweispflicht, aber je nach Stand der Infektionsfront u.U. keine Maskenpflicht) und so gern ich mal wieder einen „normalen“ Gottesdienst feiern würde, so dankbar bin ich dem französischen Gesetzgeber für diese Sonderregelung, die wenigstens in Kirchen- und Gemeinderäumen keinen Raum für diese Spaltung der Gesellschaft eröffnet. Aber das geht leider auch nur, weil es die Ausnahme von der Regel ist, sonst können wir nie wieder ohne Masken irgendwohin.

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