Weihnachten – organisatorisch – naht

(oder sollte ich sagen: droht?)

Ich habe schon wieder ein schlechtes Gewissen. Die Weihnachtsbeleuchtung ist offiziell aufgedreht worden. Der „Genussmarkt“ in der Mahlerstraße ist aufgestellt, die Menschen eilen in Massen zum Christkindlmarkt, überall stehen schon sehr hübsche Tannenbäume. Am Samstag am Nachmittag waren viele Menschen in der Stadt, die Einkaufssackerln getragen haben. Es fehlen (nicht mir) nur noch die Punschstände. Und mir fällt nichts ein, was ich zu Weihnachten verschenken könnte. Noch nicht einmal die Liste habe ich gemacht, wer aller zu beschenken ist. Aber ich kann das jetzt einfach noch nicht. Früher, da habe ich eine Ausrede gehabt, es galt noch meinen leider verstorbenen Mann zu feiern, der hat am 27. November Geburtstag, aber jetzt?

Aber ich prokrastiniere …

Und aus Erfahrung weiß ich, wenn ich jetzt anfange, Geschenke einzukaufen, fallen mir knapp vor Weihnachten viel Bessere ein, die ich dann doch auch noch kaufen muss. Und das ist suboptimal und teuer. Und wenn ich z.B. jetzt ein wirklich treffliches Geschenk für jemanden fände, so schaffe ich es nicht, es bis zu Weihnachten aufzuheben und möglichst zu verstecken, ich würde es gleich überreichen (und dann brauch ich wiederum noch ein Geschenk für Weihnachten). Also dann doch lieber: Geschenke in letzter Minute.

Im Gegensatz zu vielen, von denen ich Geschenke bekomme, die in wunderschönem Papier eingepackt sind, mit schönen Maschen verziert sind, bin ich „schlecht“ im Einpacken derselben. Meistens habe ich – in letzter Minute – keine Zeit mehr dafür.

Also werde ich jetzt einmal eine Liste von Personen machen, die zu beschenken sind, und da ich jedes Jahr eine derartige Liste mache, weiß ich auch, was ich die vorigen Jahre verschenkt habe. Die Menschen selbst zu fragen, was sie sich wünschen, ist ziemlich sinnlos, dann hört man meist – lass‘ das, ich brauche doch kein Geschenk.  Das sind aber meist die, die dann bei der Bescherung ein langes Gesicht machen, wenn wirklich kein Packerl für sie dabei ist.

Die Liste enthält auch Personen, denen ich „nur schreibe“ oder die ich traditionell zu Weihnachten anrufe. Aber da schaut es traurig aus, denn viele von denen – auf früheren Listen – sind leider nicht mehr unter uns.

Ich muss ja zugeben, dass ich sonst wenige Vorbereitungen für Weihnachten treffe. Ich habe nie gerne Kekse gebacken, das hat immer meine Mutter gemacht, die sind halt immer noch unübertroffen. Ich finde, das kann man nicht alleine machen. Und da ich beim Kochen mehr auf den Geschmack schaue, als auf die „Schönheit“, bin ich für hübsche, appetitliche Kekse recht ungeeignet. Ich kaufe sie, sowie auch einen Weihnachtsstollen. In gar nicht so lange zurückliegenden Zeiten habe ich Gänseleberpastete und/oder eingegossenen Gänseleber verfertigt. Aber dafür gibt es nur mehr sehr wenige Interessenten, da ein Großteil der Jungen vegetarisch lebt.

Den Christbaum haben mein Mann und ich immer am Neuen Markt gekauft. Aber seit dort eine Garage (schon seit Längerem) gebaut wird, musste der Christbaumverkäufer übersiedeln – und bei Corona hat er dann ganz aufgehört. Wir hatten immer kleine Christbäume, Schmuck war meinem Mann egal, er wollte nur viel Lametta. Jetzt war voriges Jahr – aufgrund der Wünsche meiner Mitbewohner – der Christbaum wesentlich größer (wenn auch nicht groß genug – wenn es um die Wünsche der Mitbewohner ging). Das Nachhause-Schleppen eines so großen Baumes (und das Entsorgen hinterher) war schon eine Herausforderung (wir hatten ihn am Karlsplatz gekauft). Ich wollte eigentlich gar keinen Schmuck – nur Kerzen, aber die Mitbewohner wollten ihre zu Weihnachten gewohnten Süßigkeiten am Baum vorfinden. Christbaumschmuck ist immer ein Kompromiss. Und die Krippe ist dann auch noch aufzustellen.

Schwierig wird es auch, wenn es darum geht, wer in der Familie wann mit wem feiert. Das beginnt damit, dass Kinder Partner haben, und dann erhebt sich die Frage, zu welchen Eltern man am Heiligen Abend geht. Oft „müssen“ beide Eltern besucht werden, d.h. dann wird drei Mal gefeiert, weil gemeinsam ohne Eltern wollen die Jungen ja auch feiern. Und dann gibt’s die Traditionen, dass man am Christtag zur Jause bei Tante X. anzutreten hat, und am Stephanitag „schon immer“ ein Treffen beim Cousin Y stattgefunden hat. Ich habe dann meine Familienfeier manchmal auf einen der Tage zwischen Weihnachten und Neujahr verlegt habe, aber wenn dann schon ein paar Familienmitglieder Schifahren waren, auf nach dem 6. Jänner. Geht auch, die Treffen waren auch sehr gemütlich, nur die Kerzen am Christbaum haben wir uns nicht mehr getraut anzuzünden, dazu war der Baum dann schon zu trocken.

Aber bitte missverstehen Sie mich nicht: Weihnachten ist viel mehr, als das hier beschriebene organisatorische Rundherum!

Weihnachten – organisatorisch – naht

2 Gedanken zu “Weihnachten – organisatorisch – naht

  1. Bei uns war’s früher so:
    Mein Vater hatte Heiligabend zwei Gottesdienste, wir waren beim zweiten dabei. Danach trafen wir mit allen Großeltern bei uns zusammen, und es gab erst Essen, dann Bescherung. Am 1. Feiertag war Gottesdienst, dann gingen wir zur Oma. Am 2. Feiertag war Gottesdienst, dann gingen wir zu Opa und Oma.

    Als ich selbst Organist war, hatte ich noch zusätzlich einen Gottesdienst um 23 Uhr. Großeltern und sogar die Bescherung war am 25., und am 27. brachen wir auf zu den anderen Großeltern.

    Heute würde ich, wenn ich aus der Kirche komme, am liebsten nur noch essen und dann Feierabend machen.

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