Die faszinierende Habsburgergasse

Schön ist sie beleuchtet, jetzt zur Weihnachtszeit – die Habsburgergasse. Und nicht nur attraktive Geschäfte, mit Dingen von denen ich zugebe, sie mir gerne kaufen zu wollen, finden sich hier. Auch, und gar nicht so selten kommt einem ein Fiaker entgegen. Und Erinnerungen habe ich auch, hier wohnte einst der legendäre Tanzschulbesitzer, Rittmeister Willi Elmayer. Und jahrelang besuchte ich hier den Salon Bundy & Bundy, wo meine Haare in Form gebracht worden waren

Die Habsburgergasse wurde um 1200 im Verlauf der babenbergischen Stadterweiterung als südliche Seitengasse des Grabens angelegt. Im 14. Jahrhundert hieß sie dann Preidenstraße (auch Strata Brigide, vielleicht im Zusammenhang mit einer hier befindlichen Brigittakapelle), in der Folge wurde der Name verballhornt zu Preinerstraße im 17. Jahrhundert, daraus wurde 1701 Obere Bräunerstraße, seit 1862 (nach der in Österreich ab 1278 herrschenden Dynastie der Habsburger) Habsburgergasse.

Gleich das Haus Nummer 2: auch Graben Nr. 16. Heute ein Wohnhaus mit einem beeindruckenden Jugendstil-Eingang errichtet 1910. Vorgängerbauten sind seit 700 Jahren bekannt, so das „städtische Brothaus“ im 14.Jh. – 1534 war das Haus bereits im Privatbesitz und ab 1787 Speise- und Gasthaus, im Besitz eines französischen Kochs im Diente der Grafen Harrach. 1800 wohnten hier Admiral Nelson und Lady Hamilton mit Gemahl. Im Vorgängerbau wohnte der Schneidermeister Joseph Gunkel (* 28. Dezember 1802, † 2. Juni 1878). Sein Vater hatte ein Weißwaren- und Leinengeschäft gegründet, das Gunkel später in eine Modeschneiderei umwandelte, die im Biedermeier tonangebend war. Das Geschäft befand sich im Haus „Zum deutschen Reiter“ (Graben 16); Gunkel beschäftigte Mitte der 30er Jahre über 80 Arbeiter, darunter 25 Schneidermeister. Im Vormärz erlangte die Nobel- und Hofschneiderei Gunkel lokale Berühmtheit; Durch Nestroy („Der Zerrissene“, 1845) und Heine ist Gunkel in die Literatur eingegangen. Adelige, Geldaristokraten, Schauspieler, Schriftsteller und wohlhabende Bürger zählten zu Gunkels Kundschaften. 1835 stellte er auf der Gewerbeproduktenausstellung aus, 1837 übersiedelte die Firma ins Haus 1, Tuchlauben 11; 1873 wurde der Firmenwortlaut in „Theodor Gunkel & Co.“ geändert.

Im damaligen Haus der „Auswanderungshilfsorganisation für nichtmosaische Juden in der Ostmark“ gründete 1940 das Caritas-Institut Wien eine „Erzbischöfliche Diözesanstelle für nichtarische Katholiken“.

Das Haus Nummer 4 ist ein barockes Wohnhaus (Fassade mit Atlanten im ersten Stock und Pilasterordnung, Marienrelief und Wappen um 1720); hier befand sich das Bierhaus „Zum burgundischen Kreuz“ (bereits 1684 erwähnt).

Auf Nummer 5 (gleichzeitig Bräunerstraße 8) befand sich das Cavrianische Haus. Im 14. Jahrhundert stand dieses Haus im Besitz der Herren von Kapellen, welche 1384 das letzte Mal erwähnt werden. Nach 1567 kam das Haus an den Münzmeister Hanns Hartmann, dann an Konrad von Pappenheim. 1605 wurde das Haus von den Grafen Cavriani angekauft, 1723 ließ Hofkammerrat Maximilian Graf Cavriani das Haus in seiner heutigen Form neu erbauen. Es fällt durch sein reichstuckiertes Barockportal mit der darüber thronenden Madonnenstatue und die anspruchsvollen Fensterumrahmungen auf und gehört zu den prächtigsten Wohnhäusern seiner Zeit.

Das Haus auf Nummer 7 wurde 1913/1914 in Formen des Secessionismus erbaut.

Auf Nummer 9, auch Bräunerstraße 12, identisch mit Stallburggasse 4 stand Anfang des 14. Jahrhunderts der Pfarrhof. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts sind hier zwei Häuser belegt, die später zu einem verbaut wurden. Ab 1590 standen sie im Besitz von Paul Sixt Trautson, der eine Kapelle zu Ehren aller Heiligen erbauen ließ, in dessen Inventar sich später mehrere Reliquien befanden, wie Partikel des heiligen Kreuzes und der Säule, woran Christus gegeißelt wurde, ein Stück von dessen Kleidung, ein Teil der Krippe des Betlehemer Stalls, Reliquien vom letzten Abendmahl, der Lanze und vom Schwamm, sowie diverser Märtyrer, die alle in kostbaren Kreuzen aus Elfenbein, Altären, Monstranzen, Statuen, etc. gefasst und mit Gold, Silber, Perlen, Kristallen, feinen Gläsern und Edelsteinen verziert waren. Als letzter aus diesem Geschlecht starb am 31. Oktober 1775 Johann Wilhelm Fürst von Trautson, Graf zu Falkenstein, Freiherr auf Sprechenstein und Schroffenstein, Herr der Grafschaft Falkenstein, dann der Herrschaften Poysbrunn, Kaya, Fladnitz, Burg Laa, St. Pölten, Seyring, Goldegg, Pielahag, Friesing, Regecz und Saros Patak, Ritter des goldenen Vlieses, Obersterblandhofmeister in Österreich u.d. Enns, Oberst Erblandmarschall in Tirol, n.ö. Landmarschall, geh. Rat, der zweimal verheiratet und Vater von neun Kindern war, die alle vor ihrem Vater starben.

Habsburgergasse 10 , hieß im 15. Jahrhundert das „Ruckkendorfer Haus“. „Im 17. Jahrhundert besaß es Sebastian Bischof, von dessen Erben es an Christoph Freiherrn von Abele kam, der im Jahr 1683 (Zweite Türkenbelagerung) an der Gewähr des Hauses steht. Er war ein Gönner der Serviten, die erst wenige Jahre vorher (1678) ihre Kirche und ihr Kloster in der Rossau vollendet hatten, beim Herannahen der Türken aber fluchtartig ihr Heim verlassen mussten. Von den vierzehn Mönchen fanden zwölf Einlass in die Stadt. Zwei hatten sich verspätet und die Stadttore bereits geschlossen gefunden. Noch hofften sie Neustadt erreichen zu können, sollen jedoch in der Nähe von Baden von einem türkischen Streifcorps ergriffen und niedergesäbelt worden sein. Die übrigen fanden im Haus des Grafen Abele von Lilienberg gastfreundlich Aufnahme und blieben bis zum Entsatz der Stadt dort.“ Ein Neubau erfolge 1915.

Das Haus Nummer 11 (auch Reitschulgasse 2, Stallburggasse 5, Bräunerstraße 1) ist die Stallburg, die wiederum Teil der Hofburg ist. Das wird einmal ein gesondertes Kapitel.

Habsburgergasse 12: Dort standen ursprünglich zwei Objekte, „Kolonitsch Behausung“ und der Pfarrhof. Das eine Haus ist ab dem 14. Jahrhundert belegt. im 16. Jahrhundert im Besitz von Seyfried von Kolonitsch, der sich während der ersten Türkenbelagerung (1529) auszeichnete. Später war es im Besitz der Barnabiten. Beim zweiten Objekt handelt es sich um den Pfarrhof von St. Michael (Michaelerkirche), der am 26. Oktober 1601 bei einem Feuer niederbrannte und anschließend wieder aufgebaut wurde. Ebenfalls befand sich hier eine Schule. 1626 wurde die Kirche den Barnabiten übergeben, die auch die Schulräumlichkeiten für sich selbst benötigten. 1705 kam es zu einem neuerlichen Brand. Zusammen mit dem Objekt von Haus A entstand hier das alte Michaelerhaus; 1749 erfolgte ein Umbau.

In Nummer 14 befindet sich der Durchgang zum Haus Michaelerplatz 6 (darüber habe ich in https://christachorherr.wordpress.com/2021/10/14/durchhauser-diesmal-nur-in-der-inneren-stadt/ geschrieben).

Viel Geschichte, in dieser gar nicht so langen Gasse!

Die faszinierende Habsburgergasse

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