Heute, Samstag 20 November 2021, es ist mild, die Sonne scheint

Es wird zu einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen aufgerufen.

Ich war kurz in der Stadt – Einkaufen. Am Vormittag, mir wurde geraten, heute nicht auf die Straße zu gehen, also zu Mittag will ich dann wieder zu Hause sein. Es geht heute nicht nur um „Güter des täglichen Bedarfes. Denn es ist ja die letzte Möglichkeit vor dem Lockdown (von dem man nie so genau weiß, wie lange er wirklich dauern wird) noch etwas zu besorgen, wie für z.B. anfallende Geburts- und Namenstage, für den Nikolo (wenn’s nicht nur Süßigkeiten sein sollen). Und diese Möglichkeit nutzen noch viele, man sieht es an ihrem entschlossenen Gesichtsausdruck, wie viel sie noch zu erledigen haben. Einige Sackerln haben sie schon in der Hand, sie eilen vorüber. Großes Gedränge vor dem Blumengeschäft, es werden Adventkränze gekauft. Dabei ist morgen noch nicht einmal der erste Adventsonntag, aber ab Montag haben dann auch die Blumengeschäfte geschlossen. Ich habe mich erkundigt, auf Anruf wird alles auch während des Lockdowns geliefert. Ich habe mich dafür entschlossen. In einem Teegeschäft drängen sich derart viele Menschen, dass ich sofort die Flucht ergreife, es gibt auch andere diesbezügliche Geschäfte in Wien.

Ein Kellner eines Caféhauses steht davor und raucht seine Zigarette. Er schimpft, wenn’s no‘ lang so weida geht, verlier i no mein Job. Aber mein Kind, des lass i net impfen. Net amol der Arzt kann mir sogn, was in der Spritz’n drin is … Den werde ich wohl kaum überzeugen können.

Über uns kreisen beständig die Hubschrauber der Polizei, Polizisten in Gruppen gehen eilig durch die Menge. Einzelne Passanten, mit Taferln (gegen Impfpflicht) gerüstet, gehen gruppenweise durch die Kärntnerstraße.  Der Ring ist schon ab der Operngasse gesperrt. In dichten Reihen gehen (wild entschlossene) Menschen ohne Maske Richtung (ich nehme an) Heldenplatz oder Ballhausplatz, den Ring entlang. Ein Polizist regelt die Übergänge, einzelne Autos, besonders jene von der Polizei, dürfen ja noch fahren. Als sich zwei junge Damen besonders patschert benehmen (sie dürfen zwar nicht, wollen aber gehen und können sich nicht entschließen) lächelt der Polizist noch. Hoffentlich bleibt’s bei der Rücksichtnahme.

Ich beäuge die mich umgebenden Menschen genau, eine Gruppe junger Männer, die vor dem MacDonald herumlümmelt – warten sie auf eine Chance zur Randale? Im Grunde bin ich traurig, dass ich so misstrauisch geworden bin.  

An der Ecke zur Kärntnerstraße ist schon ein Filmteam positioniert, ich weiß nicht, was sie erwarten oder ob sie „nur“ Passanten interviewen wollen. Immer wieder tönen Folgetonhörner.

Was ich von dieser Demonstration halte, ist nicht schwer zu erraten. Ich halte sie für überflüssig und gefährlich. Die Exekutive rechnete mit bis zu 15.000 Teilnehmern in der Wiener City. Am Vormittag hielten bereits zahlreiche Busse an der Stadtgrenze. Im Vorfeld hatten zahlreiche Querdenker und Covid-Leugner insbesondere auf Telegram mobilisiert. Auch die Teilnahme von Rechtsextremen (wie bei den Demos im Jänner bis März 2021) ist nicht unwahrscheinlich. Aufrufe gab es auch bei den Identitären und in der Hooligan-Szene.

Außerdem gab es Gerüchte über mögliche Angriffe auf Spitäler, Medienhäuser, Ministerien und das Parlament. Mehr als 1.300 Beamte werden im Einsatz sein, sowohl aus Wien als auch aus den Bundesländern, dazu kommen Polizeidiensthunde. Aber der Einsatz von Wasserwerfern ist nicht geplant, es sind ja auch ganze Familien unter den Demonstranten.  Auch bei den Impfstraßen der Bundeshauptstadt wurden die Sicherheitsmitarbeiter aufgestockt und die Polizeipräsenz erhöht. Drei größere Kundgebungen wurden angezeigt, auf der Jesuitenwiese, dem Platz der Menschenrechte und am Heldenplatz. Gestartet werden soll um 12.00 Uhr.

Viele demonstrieren vielleicht gegen die Corona-Maßnahmen, besonders gegen die Impfpflicht – die ja erst ab 1. Februar gelten soll. Aber ich glaube bei vielen besteht auch ein gewaltiger Frust, ob der Situation, in der wir uns befinden und daher Wut auf jene, von denen man meint, sie wären schuld an der Misere.

Ich glaube es besteht nicht nur eine Gefahr von Corona angesteckt zu werden, es besteht auch eine Gefahr für unsere Demokratie. Noch darf demonstriert werden (wenn es mir auch gar nicht gefällt), aber auch dieses Recht muss geschützt werden!

Eigentlich sollten wir alle zusammen gegen das Virus kämpfen und in die Zukunft schauen, nicht Fehler in der Vergangenheit suchen und Schuldige dafür suchen nominieren. Ja, es wurden Fehler gemacht, aber manche haben sich auch entschuldigt.  

Ich gehe eilig nach Hause (dabei wär’s so schön zum Spazierengehen).

Heute, Samstag 20 November 2021, es ist mild, die Sonne scheint

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