Unser Katharinen Fest

Heute, da haben wir noch gefeiert, heute durften wir ja noch. Der Anlass: in der kommenden Woche, konkret am 25.November, hat Katharina Namenstag.  Katharina von Alexandrien ist eine der bekanntesten Heiligen. Sie wird in der katholischen und der orthodoxen Kirche als Märtyrerin verehrt und gehört zu den sogenannten Virgines capitales, den vier großen heiligen Jungfrauen. Die hl. Katharina zählt auch zu den heiligen vierzehn Nothelfern und gilt als Helferin bei Leiden der Zunge und Sprachschwierigkeiten. Sie ist Schutzpatronin der Schulen, der philosophischen Fakultäten, der Näherinnen und Schneiderinnen. Sie ist Patronin zahlreicher Kirchen. Der christlichen Überlieferung nach lebte sie im 3. und frühen 4. Jahrhundert und erlitt unter dem römischen Kaiser Maxentius (306–312), nach anderen Angaben unter Maximinus Daia (305–313) oder unter Maximian (286–305) das Martyrium.

Nach heutigem Forschungsstand handelt es sich bei Katharina mit großer Sicherheit um eine erfundene Gestalt. Die Katharina-Legende wurde vermutlich nach der Persönlichkeit und dem Schicksal der spätantiken, von Christen ermordeten Hypatia aus Alexandria (ca. 355–415/416) -griechische spätantike Mathematikerin, Astronomin und Philosophin – konstruiert. Dabei wurden die Rollen von Christen und Heiden vertauscht.

Jedenfalls gibt es in unserer Familie zwei Katharinas. Grund genug deren Namenstag zu feiern, besonders weil eine der Katharinen am 24. Dezember Geburtstag hat und daher meist um Geschenke „umfällt“. Daher gab es auch heute wiederum Geschenke.

Verbracht haben wir den Tag in St. Pölten. Eine Katharina und ich fuhren nach St. Pölten. Dort fand im Dom eine Messfeier mit Orchester und Chor statt: gesungen wurde eine Messe von Franz Schubert, jene in es Dur, die Nummer 6 (entstanden im letzten Lebensjahr Schuberts 1828, geschrieben vermutlich für die Wiener Dreifaltigkeitskirche im Alsergrund).  Zelebriert hat Bischof Wagner, der auch sehr eindrucksvoll gepredigt hat.  Besonders berührend war das „Et incarnatus est“ im Credo. Es war aber schließlich auch das Christkönigsfest, „Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, des Königs des Weltalls“. Das Christkönigsfest wurde in der römisch-katholischen Kirche anlässlich des Heiligen Jahres 1925 zur 1600-Jahr-Feier des Konzils von Nicäa 325 von Papst Pius XI. mit seiner Enzyklika Quas primas vom 11. Dezember 1925 eingesetzt, wenige Jahre nach dem Untergang von König- und Kaiserreichen mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, etwa in Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland. Das Fest wurde erstmals am 31. Dezember 1925 gefeiert und dann jeweils am letzten Sonntag im Oktober. Im Zuge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde das Fest 1970 auf den letzten Sonntag des Kirchenjahres Ende November verlegt.

Ja, und nicht zu vergessen: dieser Sonntag ist auch der Caeciliensonntag. Der Gedenktag der hl. Caecilia (22. November) ist seit alters her auch der Festtag der Kirchenmusik. Caecilia lebte in Rom und stellte ihr Haus als Hauskirche zur Verfügung – zu einer Zeit, in der das Christentum noch verboten war. Über ihrem Grab wurde später ein Benediktinerkloster errichtet. Durch einen Übersetzungsfehler wurde sie mit dem Attribut der Orgel ausgestattet und zur Patronin der Kirchenmusik. Und an diesem Sonntag wurde auch der Leiter des Chores der Domkirche von St. Pölten mit dem Orlando di Lasso Orden (Komponist und Kapellmeister der Renaissance) ausgezeichnet.

Wir hingegen begaben uns zum Mittagessen. Vom Domplatz, der zwar wunderschön restauriert, aber zum Parkplatz degradiert wird (wirklich, eine Sünde) spazierten wir durch die wunderschöne Altstadt von St. Pölten. Jedes einzelne Haus scheint frisch, in Pastellfarben geputzt, teilweise mit Stuck verziert, mit schönen schmiedeeisernen Balkonen. Eine wahre Freude! Hier jedenfalls ist Fußgängerzone. Wir betrachteten die Auslagen, z.B. mit prächtigen Adventkränzen, nur wer soll die wann kaufen? Zu Beginn des Advents, wenn sie benötigt werden, sind die Geschäfte zu. Na sicher, manche werden bei Anruf liefern, aber das ist halt nicht dasselbe, als persönlich kaufen. Viele werden zu Amazon & Co. abwandern.

Das Essen hat uns gut geschmeckt, einzelne Speisen waren schon ausverkauft, und dadurch wurden wir wiederum daran erinnert, dass morgen wieder ein Lockdown beginnt, dass er nur zwei Wochen dauern soll, glaubt eh keiner. Was sollen z.B. Restaurants mit übrig gebliebenen Vorräten machen, diesmal bleibt ihnen nur, alles bisher Eingekaufte – wegzuwerfen. Ein trauriger Gedanke.

Wir fuhren dann noch bei Sonnenschein, die Sonne stand schon sehr schräg – zurück nach Wien, wo dann schon wieder der Nebel eingefallen war.

Unser Katharinen Fest

6 Gedanken zu “Unser Katharinen Fest

  1. Christa Reitermayr schreibt:

    Liebe Frau Chorrherr, Ihr Eintrag ist wieder einmal sehr interessant!
    Katharina als Helferin bei Sprachschwierigkeiten – da ist sie mir – oder besser noch, meinen Schüler:innen wohl oft beigestanden. Ich habe ja lange Zeit als Sprachheilpädagogin gearbeitet. Und auch jetzt, als Integrationslehrerin, also fix in einer Schule, fühle ich mich sehr beschützt. Naja, und dann nähe ich auch noch sehr gerne – also, eine Heilige für alle (meine) Fälle…
    Und ist sie nicht auch „Katharina mit dem Radl“ eine der „drei heiligen Madl“?
    Ich wünsche Ihren Katharinen und Cäcilien schöne Namensfeste!
    Liebe Grüße, Christa Reitermayr

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  2. Im Elsass wird zu Sainte Catherine gefeiert, oft mit einem Tanzball. Die „Catherinettes“, nämlich junge Frauen, die 25 Jahre alt und (noch…) ledig sind, tragen dabei ein besonderes Kostüm und müssen in manchen Dörfern auch die Rathaustreppe fegen. Winterschlußverkauf im Heiratsmarkt, gewissermaßen, der aus einer Zeit kommt, als viele Frauen mit 25 schon vier Kinder hatten.

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      1. Sicher. Es ist ja auch heutzutage nur noch ein fröhliches Fest.
        Aber es schadet auch nicht, wenn man ein wenig darüber nachdenkt, was dieser Brauch früher ausdrückte. 25jährige ledige Frauen wurden damit, zehn Jahre nach dem Ende der Schule, als B-Ware auf den Markt gestellt, um nicht als alte Jungfer bis zu ihrem Hinscheiden dem Hoferben zur Last zu fallen.

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