Die ORF-Moderatoren: die Beichtväter/-mütter der Nation?

„Welche Verantwortung tragen Sie an dieser Situation, Herr Minister?“ wurde gestern abends der Gesundheitsminister vom Moderator der ZIB-2 gefragt. Welche Antwort wurde erwartet (auf die mehrmals gestellte Frage)? Dass der Minister jetzt auf die Brust klopft und sagt: „ich habe gesündigt?“ Durch eine leicht veränderte Fragestellung wäre vielleicht an andere Antwort gekommen – was werden Sie in Zukunft im Licht der Erfahrungen der letzten Monate anders machen.

Ich finde nämlich, dass es um unser aller Zukunft gehen sollte. Was kann – aber jetzt wirklich – besser gemacht werden, um den fünften Lockdown zu vermeiden. Denn bei jedem Lockdown bisher wurde uns versprochen, dass dies der letzte sein würde und (nur) stattfände, um zukünftige zu vermeiden. Naja, und jetzt stehen wir bei Nummer vier.

Die Demonstrationen am vergangenen Samstag (20.November) haben gezeigt, dass es nicht nur „irre Impfgegner“ (und Neonazis, sowie Querdenker) sind, die sich derzeit gegen das (bisherige) Chaos wehren. Es waren auch Geimpfte dabei, die es unerträglich finden, entgegen aller Versprechungen doch wieder den Lockdown erdulden zu müssen.

Ich – für meine Person glaube, dass jeder einzelne zum Ende der grauslichen Pandemie beitragen muss – nicht nur durch Impfungen, sondern auch durch Argumentieren gegen Corona-Leugner. Ich gebe zu, dem bin ich bisher ausgewichen, ich habe zu all diesem Darstellungen (es ist keine Pandemie, Impfen bringt nix etc.) meist geschwiegen. Vielleicht dürfen wir das nicht mehr. Ich will sicher nicht mit meinen Freunden und Bekannten streiten. Aber ich selbst muss mich viel stärker mit den Argumenten der Corona Leugner und Impfgegner auseinandersetzen – um sie vielleicht da und dort entkräften zu können.

Ein Argument, das Impfgegner häufig verwendet haben, war, dass Geimpfte auch Dritte anstecken können. Dass das der Fall ist, hat gestern der Gesundheitsminister zugegeben, und auch, dass man das zu lange nicht gewusst bzw. berücksichtigt hat. Das heißt natürlich, dass sich auch Geimpfte in Zukunft werden regelmäßig testen lassen müssen. OK!

Ich möchte in diesem Zusammenhang besonders auf das Long-Covid verweisen. Eine akute COVID-19-Infektion dauert in der Regel bis zu vier Wochen. Längerfristige Symptome können aber über diesen Zeitraum hinaus bestehen oder zusätzlich auftreten, auch bei mildem Krankheitsverlauf oder unbemerkter Infektion. Die beobachteten Symptome sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von schwerwiegenden Lungenschäden bei hospitalisierten Patienten über Entzündungsreaktionen und Veränderungen an verschiedenen Organen bis zu Atemnot, Fatigue, Bewusstseinstrübungen und neurologischen Störungen. Gerade die Post-COVID-Müdigkeit oder -Fatigue kann bereits nach milden Verläufen auftreten. Man geht davon aus, dass bis zu 15 Prozent aller COVID-Kranken von Long-COVID-Symptomen betroffen sind.

Ich bin kein Freund der Impfpflicht, ich sähe sie ein z.B. für Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten, für Lehrpersonen (aller Stufen), aber alle? Wäre das wirklich sozial verträglich?  Aber da sehe ich einen Hoffnungsschimmer, wenn dieser berühmte „Totimpfstoff“ wirklich ab Februar 2022 von der EMA (Europäische Arzneimittel Agentur) genehmigt wird – und hoffentlich wirksam sein wird, werden sich viele derzeitige Impfgegner problemlos impfen lassen, denn ich habe oft gehört: „Erst wenn der Totimpfstoff“ zur Verfügung stehen wird, werde ich mich impfen lassen“. (Zu Totimpfstoff habe ich schon geschrieben: https://christachorherr.wordpress.com/2021/11/18/totimpfstoff-werden-sich-jetzt-die-impfverweigerer-damit-impfen-lassen/)

Ein Argument der Impfgegner, das besonders Ärzte auf die Palme treibt, ist, dass es jetzt mehr Personen gibt, die an COVID erkranken, als in der Zeit, als noch kein Impfstoff zur Verfügung stand. Prima facie ist das natürlich richtig. Einerseits muss aber dabei darauf hingewiesen werden, dass jetzt eine erheblich ansteckendere Version herrscht, und andererseits darf man dabei nicht vergessen, dass sich auch die Testsituation gründlich verändert hat. Es wird ein Vielfaches der Anzahl von Personen getestet als z.B. vor einem Jahr. Obwohl in den Medien sehr oft über Corona-Erkrankung von Geimpften „als Sensation“ berichtet wird, befinden sich auf den Intensivstationen derzeit 80% Ungeimpfte und 20 % Geimpfte. Und es sind die Intensivstationen, deren Belegung letztlich die Lockdowns auslöst.

Also bemühen wir uns, soweit es uns möglich ist, die Ängste von Impfgegnern durch Fakten (die wir halt jetzt erst mühsam lernen müssen) zu entkräften und ihnen klarzumachen, dass die Gefahren ausgelöst durch eine COVID-Erkrankung erheblich höher sind, als die Impffolgen. Die so genannten Langfristfolgen treten bei den meisten Impfstoffen meist relativ rasch (3 – 6 Monate) nach Einnahme auf, so sagt man mir, und das würde bei dem weltweit breiten Einsatz der jetzigen Mittel schon längst bekannt geworden sein.

Also, hören wir auf, Schuldige zu suchen, nehmen wir die Ängste der Impfgegner ernst – und lernen wir, sie zu entkräften. Es liegt auch an jedem Einzelnen von uns.

Die ORF-Moderatoren: die Beichtväter/-mütter der Nation?

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