Andreas Hofer – Volksheld (und Nationalheld)?

Wie ich zu meinem Andreas-Hofer-Bild kam

Fast hätte ich’s verpasst: der 22. November 1767 ist der Geburtstag von Andreas Hofer. Und ich frage mich, wieso mir das wichtig erscheint? Hofer war Anführer der Tiroler Aufstandsbewegung von 1809 und gilt als Freiheitskämpfer gegen die bayerische und französische Besetzung seiner Heimat. Es gibt eine Reihe anderer „Freiheitskämpfer“ in unserer Geschichte, die meist nur Historikern bzw. an Geschichte Interessierten bekannt sind.

Aus meiner Familie kam die „Hofer-Verehrung“ eher nicht, obwohl väterlicherseits tiefe Wurzeln in Südtirol liegen. Das hatte dazu geführt, dass mein Vater nach dem Ersten Weltkrieg, als seitens seiner Familie verabsäumt wurde, für die österreichische Staatsbürgerschaft zu optieren, bevor er diese dann erhalten hat – in Italien Militärdienst ableisten musste. Er hat ungern und kaum über diese Zeit gesprochen, ich weiß nur, dass er ein Südtiroler Einheit zugeteilt worden war, die letztlich in Libyen im Einsatz war. In seinem restlichen Leben hat mein Vater es abgelehnt nach Italien zu fahren. Schon allein deswegen nehme ich an, dass aus dieser Seite kaum „Andreas-Hofer-Verehrung“ kam.

Vielleicht war es die Schule, die mich diesbezüglich prägte – in der Zeit des Ständestaates und später im Nationalsozialismus waren die Tiroler Schützen – eben jene Gruppe, die das positive Bild Andreas Hofers hochhielt, Teil des Regimes. Die Schützen hatten sich für Propagandazwecke der Nazis missbrauchen lassen, „weil sie das Bild einer tiefen Verbundenheit der nationalsozialistischen Partei mit Heimat, Geschichte und Brauchtum vermittelten“.  Allerdings gab es auch eine Südtiroler Widerstandsgruppe während des Zweiten Weltkriegs namens Andreas Hofer.  Und in der Nachkriegszeit hat man neuerlich auf „österreichische Helden“ gesetzt. Naja und Hofer Denkmäler gibt es allenthalben, und „Zu Mantua in Banden …“ haben wir auch in der Schule gesungen.

Und wie wurde Andreas Hofer zum Helden? Es waren unruhige Zeiten, damals, die alte feudale Ordnung Europas geriet aus den Fugen, als sich Napoleon Bonaparte 1804 in einer spektakulären Selbstkrönung zum Kaiser der Franzosen machte. Und Franz II., Kaiser des Römischen Reiches Deutscher Nation hat diese „Funktion“ zurückgelegt und wurde zu Franz I., Kaiser von Österreich. Für Franz war die Schaffung des österreichischen Kaisertums eine Notlösung und kein wirklicher Ersatz für den ehrwürdigen Titel eines Kaisers des Heiligen Römischen Reiches. Es sollte durch die Auflösung des Alten Reiches nur um jeden Preis verhindert werden, dass im Falle einer Wahl Napoleons durch die Kurfürsten das Haus Habsburg zum Vasallen des Usurpators werden müsste. Es kam zu den Niederlagen der Monarchie.  Im Dritten Koalitionskrieg (1805–1807) gegen Frankreich, wurde Wien -von französischen Truppen kampflos besetzt und die kaiserlichen Truppen in der Dreikaiserschlacht von Austerlitz in der Nähe von Brünn vernichtend geschlagen. Im Frieden von Pressburg musste Franz daraufhin massive Gebietsverluste hinnehmen: neben dem erst 1797 erworbenen Venetien und Dalmatien musste Österreich Istrien, Tirol und Vorarlberg abtreten. Als Kompensation gelangte Salzburg an Österreich.

1809 versuchte Franz das Ruder herumzureißen und erklärte Napoleon neuerlich den Krieg. Die Franzosen besetzen wiederum Wien, und Napoleon residiert von Mai bis Oktober 1809 in Schönbrunn. Auf den Sieg der kaiserlichen Truppen in der Schlacht von Aspern bei Wien unter der Führung von Erzherzog Karl folgte kurz darauf die Niederlage in der Schlacht von Wagram. Auch der „Freiheitskampf“ der Tiroler unter Andreas Hofer brach mangels Unterstützung durch den Wiener Hof zusammen. Trotz anfänglicher Zusicherung seiner vollen Unterstützung opferte Franz den Volksaufstand mit Kalkül den außenpolitischen Notwendigkeiten. Im Frieden von Schönbrunn 1809 musste Österreich Salzburg und Teile Oberösterreichs an Bayern abtreten; Görz, Triest, Krain und Teile Kärntens gingen an das von Verwandten Napoleons regierte Königreich Italien, Westgalizien an das neu gegründete Großherzogtum Warschau.

Und jetzt konkret zu Tirol: Tirol stand nun seit 1805/1806 unter bayerischer Herrschaft. Die Bayern begannen eine Reihe von Reformen umzusetzen, wobei vor allem die Missachtung der alten Tiroler Wehrverfassung (Landlibell Kaiser Maximilians I. von 1511) und die Wiedereinführung der josephinischen Kirchenreform für Unmut sorgten. Auch die Eingriffe in das religiöse Leben (Verbot von Christmette, Prozessionen und Wallfahrten, Rosenkranz etc.) führten zum Widerstand des Klerus und der Bevölkerung.

Die Zwangsaushebung von Rekruten für die Bayerische Armee führte schließlich zum Aufstand, der am 9. April 1809 in der Tiroler Hauptstadt Innsbruck begann. Wurde der Aufstand lange meist als Freiheitskampf gegen bayerische und französische Fremdherrschaft und deren Kirchenkampf und Rekrutierungspraxis verstanden, zeigte dieser jedoch auch reaktionäre, antiaufklärerische Züge. So hatte sich Haspinger, ein Kapuzinerpater, der von der bayerischen Besatzung auch für Tirol eingeführten Pockenimpfung widersetzt, mit der Begründung, dadurch solle Tiroler Seelen „bayerisches Denken“ eingeimpft werden.

Andreas Hofer wurde als Oberkommandant an die Spitze der gegenbayerischen Bewegung gewählt. Hofer hatte als Anführer der Aufstandsbewegung bis zuletzt Widerstand geleistet und war zum Geächteten geworden. Zu einer Flucht nach Österreich konnte er sich aber nicht entschließen. Hofer wurde von französischen Besatzungssoldaten gefangen genommen, die seinen Aufenthaltsort von dem Tiroler Franz Raffl für 1500 Gulden erfahren hatten. Er wurde in Mantua gefangen gehalten. Der französische Kaiser Napoleon ordnete jedoch die unverzügliche Aburteilung und Exekution an.

Hofers letzte Worte sollen „Franzl, Franzl, das verdank ich dir!“ gewesen sein. Es wird aber auch berichtet, Hofer habe, nachdem die erste Exekutionssalve ihn nur verletzt hatte, ausgerufen: „Franzosen! Ach, wie schießt ihr schlecht!“

Hofer war ursprünglich Kommandant der Passeirer Schützen und nahm den Rang eines Majors ein, weswegen es bei den später aufgebotenen Standschützen keinen höheren Rang gab, da niemand über Andreas Hofer stehen sollte.

Andreas Hofer – Volksheld (und Nationalheld)?

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