Ein paar Notizen zu Nussdorf

Welchem Wiener, welcher Wienerin geht nicht das Herz auf, wenn der Name „Nussdorf“ fällt. Denn entgegen touristischen Erwartungen gehen viele von uns lieber nach Nußdorf als nach Grinzing („zu touristisch“) z.B. zum Heurigen. Und Nußdorf grenzt auch noch an die Donau, und hat demnach auch einen Hafen.  Seit dem 16. Jahrhundert war er der wichtigste Donauhafen Wiens, da die dahinterliegende Schifffahrtsrinne sehr schmal war. Waren wurden hier von größeren Schiffen und Flössen auf kleinere Schiffe oder Wagen umgeladen und nach Wien gebracht. Da sich die Händler länger in Nussdorf aufhielten, entstanden auch zahlreiche Gaststätten und Herbergen, eine Mautstelle wurde 1675 eingerichtet. Handels- und Umschlagsplatz war der heutige Nussdorfer Platz, gehandelt wurden besonders Getreide, Salz, Tiere und Tierprodukte, Obst sowie Ton- und Holzwaren. Durch die Donauregulierung 1870–1875 verlor der Hafen aber über Nacht seine Bedeutung. Der flussaufwärts beim Kahlenbergerdorf angelegte Kuchelauer Hafen erlangte nie eine annähernde Bedeutung. Heute dient der Hafen auch als Anlegestelle für Kreuzfahrt- und Ausflugschiffe auf der Donau.

Und ein architektonisches Prunkstück befindet sich gleich daneben: Die Nussdorfer Wehr- und Schleusenanlage (errichtet zwischen 1894 und 1899) und das Kaiserbadwehr waren die einzigen wasserbautechnischen Bauwerke, die für die Verwirklichung des geplanten Hafens im Donaukanal in die Realität umgesetzt wurden. Hier zweigt der Donaukanal von der Donau ab. Otto Wagner erstellte die Pläne für die architektonische Gestaltung des Wehrs mit der Schemerlbrücke (auch als Löwenbrücke bekannt). Unterhalb des Wehrs wurde ohne außen sichtbare Veränderung das Kraftwerk Nussdorf errichtet. Seit April 2017 können Fische mittels einer Fischtreppe das Wehr überwinden.

Nussdorf liegt beiderseits des Nussbachs (Schreiberbach) an dessen Mündung in den Donaukanal und südseitig des Nussberges. Es war bis Ende 1891 eine eigenständige Gemeinde und ist heute ein Stadtteil Wiens im 19. Wiener Gemeindebezirk, Döbling, sowie eine der 89 Wiener Katastralgemeinden. Die urkundlichen Belege weisen eindeutig auf „Dorf, wo Nussbäume wachsen“ hin. Der Name des Ortes Nussdorf leitet sich also von den zahlreichen Walnussbäumen und Haselnusssträuchern ab. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts bestanden im Ort Nussbaumalleen. Der Vorort Nußdorf führte ein Siegel (Wappen), das einen Baumstrunk, aus welchem je rechts und links ein Zweig mit Blättern und Nüssen, im Ganzen drei Nüsse, emporwächst.

Die Ortschaft wird um 1114 erstmals genannt. Ein altes Ortszentrum ist kaum noch zu bestimmen. Die Bewohner waren Bauern, die im Wesentlichen für den Eigenbedarf produzierten. Auch der Fang von Krebsen und Fischen im westlichsten Arm der Donau (heute Heiligenstädter Straße) spielte eine Rolle. Für den Verkauf wurde Wein angebaut.

Nach dem Namen der Siedlung benannte sich ab dem 12. Jahrhundert auch das Geschlecht der Herren von Nussdorf. Einzelne Nachkommen fungierten als herzogliche Waldmeister. Ende des 14. Jahrhunderts starb dieses Geschlecht jedoch aus. Schon frühzeitig besaßen weltliche und geistliche Grundherren (Klöster, Stifte) in Nußdorf zahlreiche Weingärten; die Zahl der letzteren verringerte sich erst durch die Klosteraufhebungen Josephs II. Ab 1450 besaß Nußdorf eine dem heiligen Thomas geweihte Kapelle, gehörte jedoch bis 1783 zur Pfarre Heiligenstadt (in diesem Jahr erhielt Nußdorf einen eigenen Pfarrsprengel und mit der 1787-1789 neu erbauten Thomaskirche – Nußdorfer Kirche – auch eine eigene Pfarrkirche).

Einträglich für Nussdorf war neben dem Weinbau das Fährrecht, das heißt das Recht zum Transport von Waren und Menschen über die Donau. Am Donauufer entstand deshalb der Ort Urfar, der jedoch immer nur aus wenigen Hütten bestand. Sie dienten als Unterkünfte für die Fährleute oder Reisende. Am Donauufer gelegen, wurde die Siedlung jedoch oft überschwemmt und verlor durch den Bau der ersten großen Donaubrücke 1439 völlig an Bedeutung und verschwand schließlich zur Gänze.

Selbstverständlich teilte auch Nussdorf Wiens Probleme und Schwierigkeiten: 1425 beschossen die Hussiten von Jedlesee aus Nußdorf, 1484 legte Matthias Corvinus, als er Wien belagerte, in dieser Gegend Verschanzungen an, 1529 und 1683 litt der Ort unter den Türkeninvasionen (Kara Mustafa ließ Nußdorf gegen das Entsatzheer befestigen) und 1809 durch die Plünderungen der Franzosen so sehr, dass er sich nur langsam erholen konnte.

Aber dennoch entstanden Wirtschaftsgebäude; 15 Freihöfe bildeten selbständige Grundobrigkeiten, der Weinbau machte die Bewohner wohlhabend. Eines der ältesten Gebäude, der Neudeckerhof, existiert heute noch. Das Stift Klosterneuburg hatte als größter Grundherr die Dorfobrigkeit in Nußdorf inne.

1819 wurde die Nussdorfer Brauerei errichtet und die Kahlenbergbahn auf den Kahlenberg machte Nussdorf im 19. Jahrhundert zu einem beliebten Ausflugsziel der Wiener. Ab dem 18., besonders aber im 19. Jahrhundert ließen sich begüterte Wiener hier Sommerhäuser errichten.

1870 wurde die Franz-Josefs-Bahn am rechten Donauufer eröffnet. Im gleichen Jahr wurde der Bahnhof Wien Nußdorf, der bis heute besteht, in Betrieb genommen. 1885 wurde zur Verbindung mit der von 1874 bis 1919 von Nussdorf aus betriebenen Kahlenbergbahn (Zahnradbahn) eine Pferdebahnlinie durch die Heiligenstädter Straße nach Nussdorf eröffnet; seit 1903 wird sie in elektrischem Betrieb (seit 1907 Linie D) bedient. Nussdorf wurde von der Donauschifffahrt mit einer eigenen Anlegestelle angefahren.

1892 wurde Nussdorf gemeinsam mit den benachbarten Wiener Vororten Sievering, Grinzing, Oberdöbling, Unterdöbling, Heiligenstadt und dem Kahlenbergerdorf zu Wien eingemeindet.

Ein paar Notizen zu Nussdorf

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