4. Lockdown: Ich muss mich selbst äußerln führen, da ich keinen Hund habe.

Heute wäre ich gerne in ein Museum gegangen. Nix da – Lockdown. Also überlegte ich, was ich sonst tun könnte. Also, ich habe gehört, dass es rund um das Wien Museum, das ja derzeit umgestaltet wird, interessante Schautafeln zu sehen wären. Schnurstracks begab ich mich dorthin, ein Teil der Schautafeln sagt etwas über den Umbau aus, der Rest der Tafeln: ist nicht zu sehen, denn der Weg daran vorbei – ist abgesperrt. Sch…ss-Lockdown.

Also gehe ich durch die jetzt trostlosen Standeln des Christkindlmarktes vor der Karlskirche – der sonst eher zu den netteren dieser Sorte gehört hat, mit hübschen Dingen die man kaufen konnte, mit einem Streichelzoo für Kinder etc. Finster ist es jetzt dort. Dann komm ich noch bei der geschlossenen Albertina Modern vorüber und am geschlossenen Künstlerhauskino. Sch…ss-Lockdown.

Ich erinnere mich, dass es eine Outdoor Ausstellung neben dem Burgtor gibt, der Weg ist nicht weit, ich werfe noch einen Blick auf den ebenso gesperrten Weihnachtsmarkt zwischen den Museen, am Maria-Theresia-Platz. Naja, ich denke an all die Standler, die eingekauft haben, um alles für die Kunden bereitzustellen. Lebensmittel werden sie entweder verschenken oder wegwerfen müssen, anderes einfach wegpacken – und auf die nächsten Weihnachten hoffen. Aber die Kreditrückzahlungen für die gekaufte Ware werden dann ab Jänner zu laufen beginnen.

Jetzt bin ich beim Burgtor angekommen, aber die Schautafeln sind nicht einzeln beleuchtet, man ist nur auf das Licht der dort üblicherweise dort stehenden Laternen angewiesen. Und das reicht nur für wenige Tafeln, Hinterseiten sind komplett unlesbar. Da wäre es doch sinnvoll, jetzt, in der finsteren Jahreszeit Beleuchtungen an jeder dieser Tafeln anzubringen, denn die Schrift ist teilweise sehr klein. Es geht um „letzte Orte in Wien vor der Deportation”: Ausstellung zu Wiener NS-Sammellager. Wenn man die Texte nicht lesen kann, dann muss man’s lassen: Also eigentlich wieder nix.

Langsam wird mir kalt, jetzt wäre es nett in eine Konditorei oder ein Caféhaus zu gehen und eine heiße Schokolade vielleicht sogar mit Schlagobers zu trinken. Aber selbst, wenn es sie gäbe: eine heiße Schokolade „to go“ geht doch gar nicht.

Also schaue ich noch zu den Schautafeln bei den beiden Ersatz-Parlamentsgebäuden auf dem Heldenplatz. Dort sind noch immer die Texte über das Ehrenamt angebracht, aber die habe ich schon im Sommer gesehen. Es sind wenige Fenster dieser Gebäude beleuchtet – haben die dort Arbeitenden nichts zu tun?

Naja, traurig schaue ich zu den zwei geschlossenen Museen hinüber, un begebe ich durch die fast leere innere Burg und durch den Burggarten nach Hause. Ich schau zur geschlossenen Albertina hinauf, und überlege, was ich mir alles hätte anschauen können – ja, wenn nicht Lockdown wäre. Es sind nicht sehr viele Leute unterwegs, aber einige mit ihren Hunden, die sie äußerln führen.

Ich habe mich halt selbst äußerln geführt, das darf ich grad noch. Sch…ss-Lockdown.

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4. Lockdown: Ich muss mich selbst äußerln führen, da ich keinen Hund habe.

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