Goldener Sonntag statt Black Friday 2021

Heuer spielt sich die Einkaufsschlacht am Black Friday ausschließlich im Internet ab. Mir tun die Händler leid. Aber dafür dürfen sie am letzten Adventsonntag aufsperren. Einkaufssonntage, die gab es schon lange nicht mehr. Früher nannte man diesen Tag: Goldenen Sonntag (den Sonntag davor den Silbernen Sonntag).1893 war der Goldene Sonntag in Wien eingeführt worden. Der letzte Goldene Sonntag – ebenso wie der letzte Silberne Sonntag – fand in Wien zur Weihnachtszeit 1960 statt.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, denn meine Schwiegermutter betrieb zwei Parfümerien, eine davon in der Belvedere Gasse. Für sie war der Advent mit den offenen Sonntagen eine große Herausforderung, denn an diesen Tagen machte sie die höchsten Umsätze. Dennoch versuchte sie alles für ein großes Weihnachtsfest für die Familie vorzubereiten.  Ich fand es gut, als der Silberne und Goldenen Sonntag abgeschafft wurde, die Samstage blieben ja offen.  Aber – heuer – nach dem Lockdown (hoffentlich), finde ich den Goldenen Sonntag erfreulich.

Aber nun zum Black Friday:

Dazu habe ich schon zweimal geschrieben:

Nun kurz zur Geschichte des Goldenen Sonntags:

1893 war er schließlich so weit: Anfang Dezember wurde die Verordnung über die Sonntagsruhe für den Sonntag vor Weihnachten außer Kraft gesetzt. Dem Handel war es somit gestattet, bis 7.00 Uhr abends Geschäfte zu machen. Dass dies unbedingt notwendig sei, wurde so begründet: „Die Mehrheit entschließt sich erst im letzten Augenblicke und so kommt es, dass, je näher das Fest heranrückt, desto stärker der Andrang in den Geschäften wird.“

Zeitungen berichteten darüber: „Ein unbeschreibliches Gewühl herrschte auf dem Kohlmarkt, Graben und in der Kärntnerstraße. In dieser Straße war es in den Abendstunden stellenweise schwer, weiter zu kommen; die Wagen bewegten sich nur im Schritt vorwärts. (…) aus den Bezirken und den alten Vororten waren Tausende in die Stadt gezogen, um die Herrlichkeit der glänzend erleuchteten Auslagen zu bewundern. Das Gewühl dauerte bis gegen 7 Uhr abends (…) Nicht bloß in der Inneren Stadt, wo in einzelnen großen Niederlagen ein bedeutender Umsatz erzielt wurde, sondern auch in den Bezirken hat sich der ‚goldene Sonntag‘ glänzend bewährt, denn tatsächlich haben viele Geschenkekäufer den freien Tag abgewartet, um ihre Auswahl zu treffen.

Daher blieb der Goldene Sonntag von 1893 – selbst nach Einführung des Sonntagsruhegesetzes von 1895 – keine Ausnahme. Oft wurden Erfolg oder Misserfolg des Handelstags mit dem Wetter in Verbindung gebracht. Gab es mildes, freundliches Wetter, lockte es „ungezählt Tausende“ zum Einkauf. War das Wetter schlecht, konnte der Sonntag höchstens als „leichtvergoldeter Sonntag“ bezeichnet werden oder war gar „ein recht trauriger Goldener Sonntag“.

Auch 1914 war die Stimmung mehrheitlich noch gut. Dabei wurde schon auf sogenannte „Liebesgaben“ für Soldaten im Feld wurde mittels Feldpostsendungen geachtet. 1918 sind in der Berichterstattung über den Goldenen Sonntag Ernüchterung, Wehmut, Melancholie und sogar Galgenhumor spürbar. Die Lage blieb auch in den Folgejahren unstet. 1928 wurde der Goldene Sonntag (noch) mehrheitlich positiv bewertet. Als einen Goldenen Sonntag „der Billigkeit und der gesunkenen Kaufkraft der breiten Schichten der Bevölkerung“ sah man bereits den Einkaufstag des Krisenjahres 1929. Es wurde ein Weihnachtsfest der schweren wirtschaftlichen Depression und der schrecklichen Arbeitslosigkeit prognostizierte. In der Geschäftswelt wurde mit Preisreduzierungen um Kunden geworben. Einer schleppenden Erholung in den 1930er Jahren folgte mit dem Zweiten Weltkrieg die nächste Katastrophe. Inzwischen gab es – vermutlich seit 1933 – auch einen Kupfernen Sonntag, der den dritten Einkaufssonntag vor Weihnachten bezeichnete. Allerdings dürfte sich dieser Einkaufstag nicht als fixe Größe im Weihnachtsgeschäft etabliert haben.

Das erste Weihnachtsfest nach dem Krieg spiegelt die triste wirtschaftliche und soziale Not wider. Es gab einfach nichts, das man hätte kaufen können.  Der Handel war auf ein Minimum an Gütern reduziert. Bereits am 20. Dezember 1949 ging es in der Mariahilfer Straße zeitweise ausgesprochen lebensgefährlich zu. Jeder Käufer musste sich drängen und quetschen, er musste schieben und sich schieben lassen, um vorwärts zu kommen. Aber nicht nur dort, auch in anderen Geschäftsstraßen der Stadt herrschte reger Einkaufsbetrieb. Besonders begehrte Artikel damals Nylons (Strümpfe) und Pelzschuhe: Wer Strümpfe anzubieten hatte, machte an diesem Goldenen Sonntag das beste Geschäft. Der Wirtschaftsaufschwung der nächsten Jahre machte den Goldenen Sonntag rasch wieder zu einer neu belebten Selbstverständlichkeit im Weihnachtsgeschäft.

Der letzte Goldene Sonntag – ebenso wie der letzte Silberne Sonntag – fand in Wien zur Weihnachtszeit 1960 statt. Als Ersatz für die verkaufsfreien Sonntage wurden in Wien 1961 die vier Samstage vor Weihnachten zu „langen“ Einkaufssamstagen.

Vielleicht erinnern Sie sich – in dem Zusammenhang – auch um den Kampf um den 8. Dezember als Einkaufstag.

Und heuer – 2021?

Goldener Sonntag statt Black Friday 2021

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