In der Nacht vom 26. auf den 27.  November 1992 brannten die Redoutensäle der Hofburg aus

Wir sind sie bereits wieder gewohnt, die Bilder, die wir bei den Übertragungen aus dem Parlament sehen:  die Plenarsitzungen von Nationalrat und Bundesrat werden im Großen Redoutensaal der Hofburg abgehalten. Uns sind das Deckenbild und die 22 Wandbilder von Josef Mikl (gemalt 1992–1997) schon fast vertraut. (Mir haben sie anfänglich nicht gefallen, ich fand, dass sie nicht in diesen „ehrwürdigen“ Saal passten.) Eigentlich beachten wir den Saal, jetzt mit Plexiglaswänden für die einzelnen Abgeordneten ausgestattet, kaum, wir hören doch nur zu und beobachten die handelnden Personen. 

Ich habe noch den „alten Saal“ gekannt. Nein, nicht den ganz alten, aber jenen der bis zum Brand der Hofburg 1992 bestand. Dort fanden nach dem Krieg hinreißende Mozartopernaufführungen statt, als die Oper am Ring noch restauriert wurde. Aber dabei hat man den Saal an sich auch nicht besonders beachtet. Ich war auch noch bei einem Kaffeesiederball dort, und habe an einem Elmayer-Kränzchen mit meiner Enkeltochter teilgenommen.

Auch im Fernsehen habe ich den Saal gesehen:  bei dem Gipfeltreffen zwischen US-Präsident John F. Kennedy und UdSSR-Präsident Nikita Chruschtschow 1961. Und bei dem hier am 18. Juni 1979 von Jimmy Carter und Leonid Breschnew unterzeichneten Rüstungsbegrenzungsabkommen SALT-II.

Lange vor meiner Zeit konnte man dort die Uraufführung von Beethovens 8. Symphonie, Franz Liszt und Josef Strauss erleben.

Es war Maria Theresia, die ein Opernhaus aus dem 17. Jahrhundert umbauen ließ und damit die Redoutensäle geschaffen hat, gleichsam die Tanz- und Konzertsäle par excellence. Die Redoutensäle wurden immer wieder umgestaltet, etwa durch Verspiegelung der Fenster, Stuck und Goldleisten an der Decke oder die Einleitung der Elektrizität. 1973 baute man die Säle zu einem Kongresszentrum um.

In der Nacht vom 26. auf den 27. November 1992 entstand in der Hofburg ein Großbrand im Bereich der Redoutensäle am Josefsplatz. Es war die Nacht vor dem 60. Geburtstag meines Mannes, viel war er nicht zu Hause, in dieser Nacht.

In der Nacht auf den 27. November 1992 war ein Wachmann in der Wiener Hofburg auf seinem Rundgang, der ihn auf den Dachboden oberhalb der Redoutensäle führte. Zunächst bemerkte er Rauch, durch einen Schlitz der Aufhängung der großen Kristallluster in der Decke sah er Feuer. Mit einem Kollegen gab der junge Wachmann gegen 1.10 Uhr Alarm, zeitgleich schlug ein Rauchmelder in einer etwas von den Redoutensälen entfernten Dolmetscherkabine an. Drei Minuten später trafen die ersten Löschfahrzeuge ein. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass es der Beginn eines der größten Einsätze der Berufsfeuerwehr Wien nach dem Zweiten Weltkrieg werden sollte.

Die Ursache wurde nie geklärt. Als mögliche Auslöser gelten ein elektrischer Defekt oder glosende Zigarettenreste. Die Redoutensäle wurden zerstört, die angrenzende Nationalbibliothek blieb gerade noch verschont, ebenso der Präsidententrakt und die Schatzkammer.

Zu Beginn des Einsatzes tobte im Inneren des Redoutensaal-Traktes bereits das Feuer. Damals gab es in diesem Teil der Hofburg keine Brandabschnitte, so konnten sich die Flammen nahezu ungehindert ausbreiten. Brennbares Material in Form von Holz war in den Geschoß- und Zwischendecken sowie im Dachstuhl reichlich vorhanden. Nach außen hin war fast nichts zu bemerken. Grund dafür waren Fenster, die keine waren: Etwa einen halben Meter hinter den Glasscheiben befand sich die Holzverschalung des fensterlosen Redoutensaals. Kein Feuerschein, kaum Rauch drang aus dem Gebäude. Erst als die Verschalung verbrannt war und die Flammen bis zum Dach reichten, war das Ausmaß zu erahnen.

Erst als der Dachstuhl einstürzte, konnte die enorme Hitze aus dem Gebäude entweichen, starker Westwind trieb aber bis zu faustgroße Glutstücke Richtung Innenstadt. Der Prunksaal der Nationalbibliothek, die Schatzkammer und die Spanische Hofreitschule, aber auch nahe liegende Häuser waren gefährdet. 69 Lipizzaner wurden zum Teil mit Hilfe von Passanten in den Volksgarten gebracht. 240 Polizisten bildeten eine Kette und schafften mehr als 10.000 wertvolle Bücher aus der Nationalbibliothek. Erst gegen 6.00 Uhr war der Brand unter Kontrolle.

Insgesamt waren bis zum “Brand aus” fast 400 Feuerwehrleute mit etwa 50 Fahrzeugen aus dem gesamten Stadtgebiet im Einsatz, dazu kam Unterstützung von Freiwilligen Feuerwehren aus Wien und Niederösterreich, die auch halfen, die verwaisten Wiener Feuerwachen zu besetzen. Die umfangreichen und gefährlichen Nachlöscharbeiten dauern bis 28. November 1992.

Die Redoutensäle wurden bei dem Brand schwer beschädigt. Die Kosten für die Restaurierung beliefen sich auf insgesamt 840 Millionen Schilling (61 Mio. Euro). Die Fassade des Hofburgtraktes blieb unangetastet, innen wurden jedoch nicht nur die Säle wiedererrichtet. Auch der Dachraum wurde völlig neugestaltet und ein Konferenzraum für rund 1.000 Personen eingerichtet.

Der barocke Kleine Redoutensaal, wo 80 Prozent der alten Bausubstanz das Feuer überstanden, wurde detailgetreu rekonstruiert. Beim Großen Saal war das nicht möglich gewesen.

Am 26. Oktober 1997, also knapp fünf Jahre nach dem verheerenden Feuer, wurden die Redoutensäle wiedereröffnet.

In der Nacht vom 26. auf den 27.  November 1992 brannten die Redoutensäle der Hofburg aus

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