Erster Adventsonntag 2021

Träumen vom Reisen – Reisen, die ich gemacht habe und Reisen, die ich noch gerne machen würde

Genau weiß ich nicht wieso, aber ich denke an „Reisen“. Ich weiß schon, real ist daran jetzt schon gar nicht zu denken, aber sich Gedanken darüber zu machen ist immerhin ziemlich erfreulich.

Ich habe mir überlegt, wie schade es eigentlich ist, dass wir meist in ein Flugzeug steigen, um von A nach B zu kommen. Besonders wenn es um Übersee-Reisen geht. Ja, Reisen mit Kreuzfahrschiffen haben sich eingebürgert, aber früher war das doch ganz anders, wenn man z.B. von Genua (oder Southampton – wie die Titanic) nach New York oder von Triest nach Shanghai (als Fluchtziel der Juden vor den Nazis 1938/1939) mit dem Schiff gereist ist. Die Seereise z.B. nach China dauerte einen Monat und war sehr kostspielig!

Früher sind die englischen Kolonialbeamten aber auch Militärs aller Grade von England per Schiff in die verschiedenen Kolonien gereist z.B. nach Indien. Ich erinnere mich an einen Film, in dem Engländer auf einem Schiff unentwegt Bridge spielen – und wie einer von ihnen aufstehen will, um den Suezkanal zu sehen, und von seine Bridgepartnern daran gehindert wird. (Wenn Sie sich vielleicht daran erinnern – bitte sagen Sie mir, wie der Film geheißen hat).

Es war ein geruhsames Reisen, wenn’s nicht gerade am Zwischendeck war, man hatte hinterher keinen Jetlag, denn der Zeitunterschied konnte langsam überbrückt werden. Für gesellschaftliche Unterhaltung war immer bestens gesorgt. Ein Problem konnte das Wetter darstellen, heftiger Wind und hoher Seegang konnten die schönste Reise für viele zum Albtraum werden lassen, denn die Seekrankheit ist alles andere als lustig.

Ich bin noch 1953 mit dem Schiff von Genua nach New York und von 1954 New York nach Genua gereist, ich war 18 bzw. 19 Jahre alt, und voller Erwartungen. Und sie wurden alle erfüllt. Die Reise dauerte 9 Tage, wir legten in Neapel, Barcelona an, wir passierten Gibraltar und später die Azoren (dort war das Wetter doch ziemlich rau), und liefen in den New Yorker Hafen ein, ein unvergessliches Erlebnis. Wir als Studenten waren zwar in der „dritten Klasse“ (aber eines Luxusschiffes, gebaut in Italien, genannt Andra Doria) untergebracht, wurden aber zwecks Unterhaltung der wenigen Passagiere der Ersten Klasse zu bestimmten Zeiten dort zugelassen (also nicht zu den Mahlzeiten).

Die Andrea Doria war mit drei auf Deck liegenden Schwimmbecken ausgestattet – einem für jede Klasse: Erste, Kabinen- und Touristenklasse. Auf zehn Decks konnte das Schiff 218 Passagiere der ersten Klasse, 320 der Kabinenklasse und 703 Passagiere der Touristenklasse befördern. Das Schiff wurde vielfach als eines der schönsten Passagierschiffe bezeichnet, die je gebaut wurden. Wohl kein Wunder, dass ich Schiffsreisen nachtrauere.

Ich muss überhaupt dankbar sein, für Reisen, die ich machen konnte, in Gegenden, in die man sich heute kaum mehr trauen kann. Da waren Reisen in den fast noch komplett unzerstörten Libanon, damals das Paradies des Nahen Ostens genannt. Und genauso konnte man dort auch leben. Wir konnten von Beirut mit dem Taxi Ausflüge z.B. nach Palmyra oder Damaskus machen. Wir waren in Byblos und in Baalbek, noch weitgehend allein.

Wir waren auch in Syrien, in Aleppo und neuerlich in Damaskus, wo durch den langen noch immer nicht beendeten Krieg so viel Schönes zerstört worden ist.

Wir kamen nicht nach Afghanistan, nicht in den Irak oder den Iran – das bedauere ich außerordentlich. Ich hatte für 2020 eine Reise nach Armenien und Georgien geplant, sie wurde auf 2021 verschoben und fand wieder nicht statt, ob es aufgrund von Corona abgesagt wurde oder ob eines neuerlichen Ausbruchs des Konflikts um Berg-Karabach weiß ich nicht. Die Reise wurde auf 2022 verschoben, aber jetzt fühle ich mich den zu erwartenden Strapazen doch nicht mehr gewachsen, abgesehen davon, ob diese Reise überhaupt stattfinden kann.

Aber es gibt ein Land, in das ich gerne noch einmal fahren würde – Marokko.  Noch einmal die Königsstädte (Fès, Marrakesch, Meknès und Rabat) sehen, noch einmal über den großen Atlas fahren, und diesmal vielleicht nicht nur am Rand der Sahara bleiben.  Nächte unter dem Sternenzelt zu verbringen und der Stille zu lauschen – das gehört zu den Träumen vom Reisen!

Jetzt gehe ich und zünde die erste Kerze auf dem Adventkranz an!

Erster Adventsonntag 2021

2 Gedanken zu “Erster Adventsonntag 2021

  1. Die Andrea Doria war wirklich ein sehr schönes Schiff (ich kenne sie nur von alten Fotos), sowas wird heute gar nicht mehr gebaut. Leider ereilte sie ein tragisches Schicksal.
    Wir lieben Kreuzfahrten, sie sind so entspannend. Man muss sich ja nicht jedem Amüsement an Bord hingeben.

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