Der Kampf um Kobalt und dessen Wichtigkeit für die Elektromobilität (und unser Klima)

Um unser Klima zu retten, oder vielleicht besser gesagt, seine Verschlechterung hintanzuhalten, sollen wir vermehrt auf Fahrzeugen mit elektrischem Antrieb umsteigen. Diese Fahrzeuge benötigen starke Batterien.  Und zur Erzeugung der Batterien brauchen wir Kobalt. „Der mit Abstand wichtigste Verwendungszweck von Kobalt liegt im Bereich der wieder-aufladbaren Batterien“, so lese ich.

Die weltweit bekannten Cobalt-Reserven betragen 25 Millionen Tonnen. Die wichtigsten Erzlagerstätten befinden sich in der Demokratischen Republik Kongo und in Sambia, wo das Cobalt zusammen mit Kupfer auftritt, außerdem in Kanada, Marokko, Kuba, Russland, Australien und den USA.

Das Kobalt stammt aus der südwestlichen Region der Demokratischen Republik Kongo namens Kisanfu, in der sich eines der größten Kobaltvorkommen der Welt befindet. Der Kongo als Ganzes ist für die Produktion von über 70 % des weltweiten Kobaltangebots verantwortlich. 15 der 19 Kobalt produzierenden Minen des Landes sind inzwischen im Besitz chinesischer Unternehmen, die Kredite und Finanzierungen in Höhe von mindestens 12 Milliarden US-Dollar von staatlich unterstützten Institutionen erhalten haben. Die USA sind unterdessen ins Hintertreffen geraten – und haben sogar Kobalt-Assets verloren. Das ist die Bühne für einen großen Kampf um die Energie des 21. Jahrhunderts, mit Kongolesische Arbeitern und Anwohner sind mittendrin. Kongolesische Beamte haben einem dieser Bergbauunternehmen, China Molybdän, vorgeworfen, Zahlungen an die Regierung zurückgehalten zu haben. Während die Kobaltproduktion seit der Übernahme durch die chinesischen Firmen rasant angestiegen, beklagten sich mindestens ein Dutzend Mitarbeiter und Auftragnehmer in einer Mine von Tenke Fungurume über einen „drastischen Rückgang der Sicherheit und eine Zunahme der Verletzungen, von denen viele dem Management nicht gemeldet wurden“. Es gibt im Kongo Kinderarbeit in illegalen Minen, die unter mehr als fragwürdigen Bedingungen insbesondere von den Chinesen ausgenutzt werden.

Die Raffinade Produktion von Kobalt findet weltweit statt und betrug 2017 etwa 116.940 Tonnen. Hauptherstellerland ist China mit 69.600 Tonnen. Das machte 2017 einen Anteil von knapp 60 Prozent aus. China konzentriert sich dabei vorwiegend auf die Herstellung von kobalthaltigen Salzen und Chemikalien.

Die USA und China befinden sich möglicherweise auf einem Kollisionskurs um knappe Ressourcen, deren Folgen massive Auswirkungen auf die Entwicklungsländer haben könnten. Es geht bei diesem neuen Ressourcenkampf um Metalle und Mineralien, die schon derzeit, aber besonders in der Zukunft für Elektrofahrzeuge in stark steigendem Maße benötigt werden.

Aber Analysten und Experten warnen bereits vor einem kommenden Batteriemangel (für Elektrofahrzeuge). In den USA bereiten sich Elektroautohersteller wie Tesla bzw. auch Traditionsmarken wie General Motors und Ford darauf vor, ihren Kobalt- und Lithiumbedarf in den kommenden Jahren drastisch zu erhöhen, während sie die Elektrofahrzeugproduktion hochfahren. Werden die Chinesen ausreichend liefern, dass es nicht wieder zu Versorgungsengpässen kommt und die Produktionen stillstehen werden – und wo bleibt übrigens die europäische Autoproduktion dabei?  Es kommt derzeit schon zu einem Anstieg der Batteriezellenpreise bei gleichzeitig steigenden Rohstoffpreisen. Wenn die Länder ihren Weg zur Erreichung der erforderlichen Klimaziele fortsetzen, könnten Lieferungen aus bestehenden Minen bis 2030 nur noch die Hälfte des Lithium- und Kobaltbedarfs decken.

Als Antwort auf diese Schwierigkeiten hat Tesla den Kobalt-Anteil seiner Akkus auf mindestens 2,8 Prozent reduziert. BMW hat angekündigt, seine Rohstoffe einerseits selbst zu besorgen und andererseits vorwiegend aus Australien zu beziehen – und nicht mehr aus dem Kongo.

Rohstoffe wie Kobalt (und Lithium), die einmal im Umlauf sind, lassen sich bei intelligenter Etablierung einer Kreislaufwirtschaft, mehrfach verwenden. Einziges Handicap: Es gibt noch nicht genügend Akkus aus alten Elektroautos, weil diese zu lange halten… und 2025 werden völlig kobaltfreie Batterien auf dem Markt sein, wird angekündigt.

(China, allerdings, dominiert den Markt für seltene Erden die für Motoren – die unabhängig vom Antriebssystem erforderlich sind.)

Aber der Umstieg auf Elektromobilität ist dringend erforderlich, ein Grund hierfür ist der Endenergieverbrauch: Derzeit hat der Verkehr einen Endenergieverbrauch von 800 Terawattstunden. Würde die Fahrleistung mit Elektroautos erbracht, würde sich dieser auf 200 Terawattstunden reduzieren, meinen Fachleuten.

Und es gibt einen weiteren Grund: es wird davon ausgegangen, dass ab 2025 mehr als die Hälfte des Öls bereits aus unkonventionellen Quellen gefördert werden muss, und das bedeutet aus Fracking, aus Teer Sand oder gar der Tiefsee. Schon 2030 werden es, so schätzt man, 80 Prozent aus unkonventionellen Quellen – mit all den Nachteilen in Sachen Umweltschutz, Transport und Emissionen sein.

Bisher scheint der weltweite Vorstoß in Richtung erneuerbarer Energietechnologien einem vertrauten Drehbuch zu folgen, mit einer Handvoll großer Akteure, die auf der globalen Bühne hart um die Gewinnung wertvoller Ressourcen konkurrieren, wahrscheinlich auf Kosten lokaler Gegebenheiten, besonders Ökologie und zu Lasten des Zusammenhalts der lokalen Bevölkerung.

Der Kampf um Kobalt und dessen Wichtigkeit für die Elektromobilität (und unser Klima)

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