4. Lockdown: Ich muss mich selbst äußerln führen, da ich keinen Hund habe.

Heute wäre ich gerne in ein Museum gegangen. Nix da – Lockdown. Also überlegte ich, was ich sonst tun könnte. Also, ich habe gehört, dass es rund um das Wien Museum, das ja derzeit umgestaltet wird, interessante Schautafeln zu sehen wären. Schnurstracks begab ich mich dorthin, ein Teil der Schautafeln sagt etwas über den Umbau aus, der Rest der Tafeln: ist nicht zu sehen, denn der Weg daran vorbei – ist abgesperrt. Sch…ss-Lockdown.

Also gehe ich durch die jetzt trostlosen Standeln des Christkindlmarktes vor der Karlskirche – der sonst eher zu den netteren dieser Sorte gehört hat, mit hübschen Dingen die man kaufen konnte, mit einem Streichelzoo für Kinder etc. Finster ist es jetzt dort. Dann komm ich noch bei der geschlossenen Albertina Modern vorüber und am geschlossenen Künstlerhauskino. Sch…ss-Lockdown.

Ich erinnere mich, dass es eine Outdoor Ausstellung neben dem Burgtor gibt, der Weg ist nicht weit, ich werfe noch einen Blick auf den ebenso gesperrten Weihnachtsmarkt zwischen den Museen, am Maria-Theresia-Platz. Naja, ich denke an all die Standler, die eingekauft haben, um alles für die Kunden bereitzustellen. Lebensmittel werden sie entweder verschenken oder wegwerfen müssen, anderes einfach wegpacken – und auf die nächsten Weihnachten hoffen. Aber die Kreditrückzahlungen für die gekaufte Ware werden dann ab Jänner zu laufen beginnen.

Jetzt bin ich beim Burgtor angekommen, aber die Schautafeln sind nicht einzeln beleuchtet, man ist nur auf das Licht der dort üblicherweise dort stehenden Laternen angewiesen. Und das reicht nur für wenige Tafeln, Hinterseiten sind komplett unlesbar. Da wäre es doch sinnvoll, jetzt, in der finsteren Jahreszeit Beleuchtungen an jeder dieser Tafeln anzubringen, denn die Schrift ist teilweise sehr klein. Es geht um „letzte Orte in Wien vor der Deportation”: Ausstellung zu Wiener NS-Sammellager. Wenn man die Texte nicht lesen kann, dann muss man’s lassen: Also eigentlich wieder nix.

Langsam wird mir kalt, jetzt wäre es nett in eine Konditorei oder ein Caféhaus zu gehen und eine heiße Schokolade vielleicht sogar mit Schlagobers zu trinken. Aber selbst, wenn es sie gäbe: eine heiße Schokolade „to go“ geht doch gar nicht.

Also schaue ich noch zu den Schautafeln bei den beiden Ersatz-Parlamentsgebäuden auf dem Heldenplatz. Dort sind noch immer die Texte über das Ehrenamt angebracht, aber die habe ich schon im Sommer gesehen. Es sind wenige Fenster dieser Gebäude beleuchtet – haben die dort Arbeitenden nichts zu tun?

Naja, traurig schaue ich zu den zwei geschlossenen Museen hinüber, un begebe ich durch die fast leere innere Burg und durch den Burggarten nach Hause. Ich schau zur geschlossenen Albertina hinauf, und überlege, was ich mir alles hätte anschauen können – ja, wenn nicht Lockdown wäre. Es sind nicht sehr viele Leute unterwegs, aber einige mit ihren Hunden, die sie äußerln führen.

Ich habe mich halt selbst äußerln geführt, das darf ich grad noch. Sch…ss-Lockdown.

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4. Lockdown: Ich muss mich selbst äußerln führen, da ich keinen Hund habe.

Maria Christina von Österreich – Regentin von Spanien

Gestatten Sie mir – ausnahmsweise – auf eine bedeutende Frau hinzuweisen, besonders da sie aus Österreich kommt und denselben Vornamen wie ich trägt. Und, am 25.November 1885 wechselte nach dem Tod des spanischen Königs Alfons XII. die Regentschaft auf seine schwangere Ehefrau Maria Christina von Österreich über. Die Königin bleibt im Amt, bis 1902 ihr gemeinsamer Sohn Alfons die Macht übernehmen kann.

Maria Christina, von ihrer Familie Christa genannt, wurde als Tochter Erzherzog Karl Ferdinands, des zweiten Sohnes Erzherzog Karls, und seiner Frau Elisabeth Franziska Maria von Österreich geboren. Damit war sie eine Urenkelin von Kaiser Leopold II. Es geht um Erzherzogin Maria Christina Désirée Henriette Felicitas Rainiera von Habsburg-Lothringen (span. María Cristina de Habsburgo-Lorena, * 21. Juli 1858; † 6. Februar 1929), kaiserliche und königliche Prinzessin, Erzherzogin von Österreich, sie war war die zweite Frau von König Alfons XII. von Spanien, Mutter von König Alfons XIII. und Regentin von Spanien von 1885 bis 1902.

Ihre Jugend verbrachte Maria Christina in Wien am Hof von Kaiser Franz Joseph I. und erhielt eine katholisch geprägte Erziehung. Sie war sehr gebildet und erwarb etwa in Sprachen, Literatur und Geschichte große Kenntnisse. Sie lernte ihren späteren Mann Alphons (damals noch nicht XII) schon sehr früh in Wien kennen, dieser verliebt sich in eine andere und heiratete diese dann auch. Maria Christina sah ihre Hoffnungen enttäuscht und übernahm 1878 das ehrenvolle Amt einer Äbtissin des 1755 von Maria Theresia gestifteten adligen Damenstifts der heiligen Theresa auf dem Hradschin in Prag, ohne allerdings geweiht zu werden.

Da die erste Gattin Alfons’ XII. nach nur sechsmonatiger Ehe starb, musste der spanische König sich trotz seiner Trauer zur Sicherung der Thronfolge rasch wiederverheiraten. Alfons verliebte sich nicht in die für ihn ausgesuchte Braut Maria Christina (damals 21). Sie liebte ihren Gatten wohl sehr und schenkte ihm drei Kinder, litt aber unter seiner oftmaligen Untreue. Mit viel Selbstbeherrschung zügelte sie ihre Eifersucht. Aber von der Politik hielt Maria Christina sich zu Lebzeiten Alfons’ XII. weitgehend fern.

Die damals in Spanien erst am Beginn stehende Arbeiterbewegung hatte anarchistische Züge. Es wurden Attentate auf die Herrschenden versucht, die aber fehlschlugen. Aber es war Tuberkulose, die am 25. November 1885 den Tod des erst 27-jährigen Alfons XII. verursachte. Er war mit Maria Christina nur sechs Jahre verheiratet gewesen und hinterließ sie, zum dritten Mal schwanger, als Witwe. Die junge Herrscherin übernahm nun verfassungsgemäß zuerst für ihre älteste Tochter Maria de las Mercedes die Regentschaft. Sie sah sich der schwierigen Aufgabe gegenüber, trotz ihrer durch Schwangerschaft, politischer Unerfahrenheit und Stellung als Ausländerin erschwerten Situation die nach der Thronbesteigung ihres Gemahls begonnene, aber noch keineswegs gesicherte Stabilisierung der innenpolitischen Lage Spaniens weiter voranzutreiben. In Kooperation mit den führenden Staatsmännern bewältigte sie diese heikle Situation dennoch souverän, so dass sie im Land bald geachtet und beliebt war. Die Geburt ihres Sohnes am 17. Mai 1886 sicherte die Fortdauer der Monarchie. Er wurde sofort als Alfons (XIII.) zum König ausgerufen und seine Mutter blieb weitere 16 Jahre Regentin. In dieser Zeit konnte sie im Wesentlichen eine innere Konsolidierung Spaniens erreichen, den außenpolitischen Abstieg aber nicht verhindern.

Die bedeutenden Befugnisse, die Maria Christina aufgrund der Verfassung von 1876 besaß, setzte sie klug und taktvoll ein und erwarb sich große Autorität. Sie hatte das Recht, die Legislative gemeinsam mit den Cortes auszuüben und diese Ständeversammlung einzuberufen und aufzulösen. Nur mit ihrer Zustimmung konnten Gesetze in Kraft treten. Außerdem besaß sie Exekutivgewalt. Sie mischte sich aber wenig in die Tagespolitik ein. Durch das Einvernehmen der beiden größten Parteien untereinander und mit der Regentin wurde Putschversuchen durch republikanische Anhänger vorgebeugt und Ende der 1880er Jahre erreichte Maria Christina auch ein Abkommen mit dem karlistischen Thronprätendenten Don Carlos (VII.). Regen Zulauf erhielt der Anarchismus, insbesondere in Katalonien. Ein aus dieser Szene stammender Attentäter ermordete den Ministerpräsidenten 1897. Um dem Anarchismus den Boden zu entziehen, suchte Maria Christina gemeinsam mit den parlamentarischen Regierungen, den sozialen Standard zu heben und das Bildungssystem zu fördern, was allerdings aufgrund mangelnder Geldmittel nicht sehr weit gedieh. Eine neue Blüte erfuhr aber das kulturelle Leben Spaniens.

Der Verlust der letzten Überseekolonien nach dem verlorenen Krieg gegen die Vereinigten Staaten (1898) wurde in Spanien als Katastrophe betrachtet, gefährdete den Fortbestand der bereits gefestigten Monarchie aber nicht.

Generell verfolgte die Regentin eine vorsichtig-defensive und neutrale Außenpolitik, da Spanien keine Großmacht mehr war. 1886 wurden im Küstengebiet Nordwestafrikas militärische Operationen begonnen, deren Ausweitung zu teuren und blutigen Kriegen Maria Christina Grenzen zog.

Maria Christina galt als agile, ja für die damalige Zeit geradezu wagemutige Frau. Im Mai 1902 übergab Maria Christina die Regierung an ihren mit einem Alter von 16 Jahren nun volljährigen Sohn. Als erfahrene Beraterin ihres Sohnes hatte sie an mancherlei seiner Entscheidungen Anteil. Maria Christina musste miterleben, wie Spanien unter der Regierung ihres Sohnes in eine tiefe Krise geriet. Sie trug aber dazu bei, dass das Land während des Ersten Weltkrieges neutral blieb.

Maria Christina starb plötzlich am 6. Februar 1929 im Alter von 71 Jahren an Angina Pectoris. Mir erscheint sie als sehr tapfere, tatkräftige Frau, die sich den Herausforderungen stellte und mit Klugheit zu Lösungen beitrug.

Sie könnte vielen von uns ein Vorbild sein.  

Maria Christina von Österreich – Regentin von Spanien

Besuche machen Freude – und Kranke benötigen sie zur Heilung

Etwas ganz Neues! Jetzt ist Lockdown.  Ja, aber viele von uns haben damit leben gelernt. Ein gutes Beispiel sind die Blumenhändler: alles, was man da so ins Freie stellen kann (Adventkränze, Barbarazweigerl, Zyklamenstöckerl, vergoldete und versilberte Krampusruten etc. etc.) steht auf Stellagen vor dem Geschäft. Der Kunde sucht etwas aus, der Besitzer/Verkäufer kommt zur Tür, deren untere Hälfte etwas verbarrikadiert ist, der Kunde zahlt und dem Lockdown ist Genüge getan.

Aber es gibt auch ganz andere Fälle, von denen ich eine gestern im Mittagsjournal gehört habe, und da es Parallelen zu meiner eigenen Geschichte gibt, hat mich dieser Fall – und es kann kein Einzelfall sein – besonders berührt, ja, fast erschüttert.

Es geht um die Besuchszeit in Spitälern.

Die Dame berichtete, dass ihr Mann vor einiger Zeit einen Schlaganfall erlitten hatte und sich jetzt in Spitalsbehandlung befindet, um seine früheren Fähigkeiten, soweit als möglich wieder aufzubauen und ein gewisses Maß an Selbstständigkeit zu erlangen. Er hat unter anderem auch einen Sprachverlust erlitten.   Als er nun erfuhr, dass aufgrund des Lockdowns Besuche auf nur einmal pro Woche eine Stunde beschränkt werden, brach er fast zusammen und hat alles „wieder neu Erlernte“ „vergessen“ – es musste mit der Behandlung von vorne wieder begonnen werden, wobei der Mann verzweifelt war, weil ihm die Unterstützung seiner Frau fehlte. Diese – bereits drei Mal geimpft, täglich getestet, war vorher täglich zu ihm ins Spital gekommen und hatte ihn bei seinem „Wiedererlernen“ kräftig unterstützt.

Das Ergebnis des Lockdowns: das Ehepaar hat sich entschlossen, den Mann aus dem Spital zu nehmen und nach Hause zu bringen, obwohl dort selbstverständlich die Pflegekräfte und vor allem die dringend benötigten Therapeuten – Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden etc. (besonders im Lockdown) nicht zur Verfügung stehen. Daher wird die gesundheitliche Wiederherstellung der Selbstständigkeit des Patienten wesentlich verzögert und behindert.

Mich hat das deshalb besonders berührt, da ich mich in den  Jahren 1962/1963 in einer ähnlichen Situation (ohne Lockdown), wie sie diese Dame geschildert hat, befand.  Mein Mann hatte eine massive Gehirnblutung erlitten, konnte anfangs auch nicht sprechen und war halbseitig gelähmt.  Ich hatte ihn in der Rettung begleiten dürfen und dann im Spital, anfangs Wiener Neustadt mit Ausnahme der Untersuchungszeiten bei ihm bleiben. Schon dorthin kam die Familie meiner Tochter. Er lag dann verhältnismäßig kurze Zeit nach einer Gehirnoperation auf einer Intensivstation im AKH, wo wir ab dem zweiten Tag täglich, wenn auch nur kurz besuchen durften. Auf der Neurologie durfte ich täglich längere Zeit (bis zu 4 Stunden) am Wochenende und Feiertagen fast den ganzen Tag bei ihm sein. Es kam die Familie mit den Kindern, es kam täglich sein bester Freund, es kamen viele Freunde, es kamen die Kollegen aus „seiner“ Zeitung … Ich musste die Besuche regeln, damit nicht zu viele Personen gleichzeitig bei ihm waren. Einer der Höhepunkte dieser Zeit war der Besuch unseres Enkels, er war damals so zwei Jahre alt, genoss es riesig auf dem „Galgen“ im Bett zu schaukeln, wenn mein Mann „heraußen“ (also außerhalb des Bettes) sitzen durfte, und bemerkte „Opa wieder lacht“. Die Familie meines Sohnes brachte ein „Gschirrl“ mit Griesnockerln. Meine Schwiegertochter machte hervorragende Griesnockerl, eine der Lieblingsspeisen meines Mannes.

Man Mann hatte seine Scham über seinen Zustand – Bewegungsprobleme, Sprachprobleme, „im Nachthemd im Bett“ überwunden und freute sich über den Besuch jedes einzelnen. Diese Besuche – beständig jene der Familie und seines Freundes, sporadisch der anderen, waren ungeheuer wichtig, für den körperlichen Aufbau (der Wunsch, sich nicht gehen zu lassen), und für das psychische Gesundbleiben. Denn Depressionen sind nicht unübliche Begleiter nach Schlaganfällen und Gehirnblutungen. Davor konnte mein Mann durch diese regelmäßigen Besuche bewahrt bleiben.

Meinem Mann waren noch weitere 25 Jahre geblieben, die er dank dieser Behandlungen im Spital, in Reha-Kliniken, zwar eingeschränkt, aber sehr aktiv, weiterleben durfte. Ja, er war dann öfters mit diversen Problemen immer wieder in verschiedenen Spitälern. Besuche waren bei allen Krankenhausaufenthalten meines Mannes wichtig.   Früher durften begleitende Angehörige nicht in Reha-Kliniken wohnen (das hat sich jetzt drastisch geändert – und das ist gut so). Immer, wenn ich mich verabschieden musste, sei es aus dem Spital oder der Reha-Klinik sagte mein Mann bei der Verabschiedung – „wann kommst Du wieder“?

Selbst bei seinem letzten Aufenthalt in der Intensivstation des „alte“ Floridsdorfer Spitals durfte ich meinen Mann täglich ab ca. 15 Uhr besuchen – und bleiben. Alle – die Kinder und Schwiegerkinder, die Enkel die engen Freunde – alle durfte er noch sehen. Und meine Tochter und ich durften bis zu seinem letzten Atemzug bei ihm bleiben.

Ich bin dankbar!

Besuche machen Freude – und Kranke benötigen sie zur Heilung

Am 24.11.1963: Ermordung des angeblichen Mörders vom John. F. Kennedy

Ein Schockerlebnis – für Amerikaliebhaber

Es ist eines der Bilder aus turbulenten Zeiten, das man nicht so schnell vergessen wird. Gerade erst war bei einem Attentat John F. Kennedy, der 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika am 22. November 1963 in Dallas durch zwei Gewehrschüsse ums Leben gekommen. Schon das hatte nicht nur die amerikanische Bevölkerung, sondern auch die Menschen weltweit erschüttert. Jeder, der damals lebte, weiß bis heute, wo er von diesem Attentat erfahren hatte. Jack Kennedy und seine Frau Jackie, wie sie genannt wurden, waren damals ungeheuer populär. Ihre Schwächen, die später ans Licht kamen, beeinflussten unsere Meinung damals nicht.

Das Attentat polarisierte die Öffentlichkeit nachhaltig: Die Mehrheit der Amerikaner geht davon aus, dass Kennedy Opfer einer Verschwörung wurde; nach wie vor werden einige Verschwörungstheorien in Betracht gezogen. Historiker vertreten überwiegend die Einzeltäterschaft Oswalds. Die Aufklärung des Mordfalls wurde von Anfang an von Pannen, Versäumnissen und Fehlern der Ermittlungsbehörden, Ärzte und Untersuchungskommissionen beeinträchtigt.

Dennoch war bald „der Mörder“ Kennedys gefunden: aus den Fingerabdrücken des Gewehrs, das im 5. Stock des Schulbuchdepots in Texas gefunden wurde, konnte Lee Harvey Oswald identifiziert werden.  Oswald wurde vom FBI und der Polizei von Dallas in deren Hauptquartier unter insgesamt chaotischen Umständen vernommen: Reguläre Protokolle wurden nicht angefertigt, außerdem hatte die Presse weitgehend freien Zutritt ins Polizeigebäude. Polizeichef Jesse Curry wollte damit Gerüchten entgegentreten, Oswald werde im Polizeigewahrsam misshandelt. Nicht nur die Beamten, auch Oswald hatte die Gelegenheit, vor der Presse zu sprechen. Hier wie auch bei den Vernehmungen stritt er jede Verwicklung in den Mord an Kennedy ab und erklärte, er solle zum „Sündenbock“ gemacht werden.

Weil zu befürchten war, dass man bei weiterer intensiver Berichterstattung der Presse keine unvoreingenommenen Geschworenen mehr finden könne, die noch nichts über den Fall wussten, wurde beschlossen, Oswald ins Bezirksgefängnis von Dallas zu überstellen. Obwohl es bereits Morddrohungen gegeben hatte, wurde der Termin mit der gleichen Großzügigkeit gegenüber der Presse bekannt gegeben wie die ersten Verhöre. Der Transfer verzögerte sich jedoch, weil das ursprünglich dafür vorgesehene Fahrzeug zu klein war, um auch die Wachen aufzunehmen. Eine weitere Verzögerung ergab sich, weil Oswald gebeten hatte, seinen Pullover mitnehmen zu können. Am 24. November 1963 um 11:21 Uhr betraten schließlich die Wachen mit ihm die Garage im Tiefgeschoss des Polizeihauptquartiers, fast genau gleichzeitig mit Jack Ruby, einem Nachtclubbesitzer aus Dallas mit Verbindungen zur Mafia, der wenige Augenblicke zuvor unkontrolliert ins Gebäude gelangt war. Mit den Worten: „Du hast meinen Präsidenten getötet, du Ratte“, feuerte Ruby vor laufenden Fernsehkameras auf Oswald. All dies erfolgte live vor den Fernsehkameras. Oswald wurde mit Bauchschuss ins Parkland Memorial Hospital gebracht, wo er kurz darauf an inneren Blutungen starb.

Wir – mein Mann und ich hatten damals schon ein Fernsehgerät – waren fassungslos, dass derartiges in „unserem Amerika“ (wir hatten beide dort studiert) „heute“ passieren konnte. Die Szene erschien uns wie aus einem Gangsterfilm entnommen.

Ruby wurde im März 1964 wegen Mordes zum Tode verurteilt. Er starb im Januar 1967 an einer Lungenembolie. Über seine Motive machte er unterschiedliche Angaben. Kurz nach seinen Schüssen auf Oswald soll er nach Zeugenaussagen erklärt haben, er habe geschossen, um der von ihm verehrten Jackie Kennedy eine Zeugenaussage im Prozess zu ersparen und weil er den Verdacht, hinter der Ermordung des Präsidenten stecke eine jüdische Verschwörung, entkräften wollte: Die hetzerische Anzeige des selbsternannten „Ermittlungsausschusses“ hatte nämlich unter anderem einen jüdisch klingenden Namen getragen.

Jack Ruby (* 25. März 1911 als Jacob Leon Rubenstein; † 3. Januar 1967) wurde als Kind polnisch-jüdischer Einwanderer geboren. Er lebte mit seinen sieben Geschwistern bei Pflegeeltern. Schon früh geriet er in kriminelle Machenschaften und beteiligte sich an gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Mitgliedern des nationalsozialistischen Amerikadeutschen Bundes. Während der 1950er Jahre wurde Ruby wiederholt festgenommen, unter anderem wegen Streitereien mit Kunden, wegen Verstößen gegen die Sperrstunde und das Waffengesetz und wegen tätlichen Angriffs. Hierfür musste er einmal eine Geldbuße zahlen, ansonsten hatte er keine Vorstrafen. Angehörige der Polizei von Dallas bestach er, indem er sie in seine Clubs einlud oder nebenberuflich als Rausschmeißer beschäftigte. 1959 nahm das FBI Kontakt mit ihm auf, um ihn als Informanten anzuwerben. Ruby kooperierte, da er aber keine Informationen hatte, die von irgendeinem Interesse gewesen wären, wurde die Zusammenarbeit eingestellt.

Unser damals sehr idealisiertes Amerikabild wurde durch diese hässliche Szene in der Garage des Polizeitiefgeschosses in Dallas, Texas am 24. November 1963 nachhaltig erschüttert.

Am 24.11.1963: Ermordung des angeblichen Mörders vom John. F. Kennedy

Ein paar Notizen zu Nussdorf

Welchem Wiener, welcher Wienerin geht nicht das Herz auf, wenn der Name „Nussdorf“ fällt. Denn entgegen touristischen Erwartungen gehen viele von uns lieber nach Nußdorf als nach Grinzing („zu touristisch“) z.B. zum Heurigen. Und Nußdorf grenzt auch noch an die Donau, und hat demnach auch einen Hafen.  Seit dem 16. Jahrhundert war er der wichtigste Donauhafen Wiens, da die dahinterliegende Schifffahrtsrinne sehr schmal war. Waren wurden hier von größeren Schiffen und Flössen auf kleinere Schiffe oder Wagen umgeladen und nach Wien gebracht. Da sich die Händler länger in Nussdorf aufhielten, entstanden auch zahlreiche Gaststätten und Herbergen, eine Mautstelle wurde 1675 eingerichtet. Handels- und Umschlagsplatz war der heutige Nussdorfer Platz, gehandelt wurden besonders Getreide, Salz, Tiere und Tierprodukte, Obst sowie Ton- und Holzwaren. Durch die Donauregulierung 1870–1875 verlor der Hafen aber über Nacht seine Bedeutung. Der flussaufwärts beim Kahlenbergerdorf angelegte Kuchelauer Hafen erlangte nie eine annähernde Bedeutung. Heute dient der Hafen auch als Anlegestelle für Kreuzfahrt- und Ausflugschiffe auf der Donau.

Und ein architektonisches Prunkstück befindet sich gleich daneben: Die Nussdorfer Wehr- und Schleusenanlage (errichtet zwischen 1894 und 1899) und das Kaiserbadwehr waren die einzigen wasserbautechnischen Bauwerke, die für die Verwirklichung des geplanten Hafens im Donaukanal in die Realität umgesetzt wurden. Hier zweigt der Donaukanal von der Donau ab. Otto Wagner erstellte die Pläne für die architektonische Gestaltung des Wehrs mit der Schemerlbrücke (auch als Löwenbrücke bekannt). Unterhalb des Wehrs wurde ohne außen sichtbare Veränderung das Kraftwerk Nussdorf errichtet. Seit April 2017 können Fische mittels einer Fischtreppe das Wehr überwinden.

Nussdorf liegt beiderseits des Nussbachs (Schreiberbach) an dessen Mündung in den Donaukanal und südseitig des Nussberges. Es war bis Ende 1891 eine eigenständige Gemeinde und ist heute ein Stadtteil Wiens im 19. Wiener Gemeindebezirk, Döbling, sowie eine der 89 Wiener Katastralgemeinden. Die urkundlichen Belege weisen eindeutig auf „Dorf, wo Nussbäume wachsen“ hin. Der Name des Ortes Nussdorf leitet sich also von den zahlreichen Walnussbäumen und Haselnusssträuchern ab. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts bestanden im Ort Nussbaumalleen. Der Vorort Nußdorf führte ein Siegel (Wappen), das einen Baumstrunk, aus welchem je rechts und links ein Zweig mit Blättern und Nüssen, im Ganzen drei Nüsse, emporwächst.

Die Ortschaft wird um 1114 erstmals genannt. Ein altes Ortszentrum ist kaum noch zu bestimmen. Die Bewohner waren Bauern, die im Wesentlichen für den Eigenbedarf produzierten. Auch der Fang von Krebsen und Fischen im westlichsten Arm der Donau (heute Heiligenstädter Straße) spielte eine Rolle. Für den Verkauf wurde Wein angebaut.

Nach dem Namen der Siedlung benannte sich ab dem 12. Jahrhundert auch das Geschlecht der Herren von Nussdorf. Einzelne Nachkommen fungierten als herzogliche Waldmeister. Ende des 14. Jahrhunderts starb dieses Geschlecht jedoch aus. Schon frühzeitig besaßen weltliche und geistliche Grundherren (Klöster, Stifte) in Nußdorf zahlreiche Weingärten; die Zahl der letzteren verringerte sich erst durch die Klosteraufhebungen Josephs II. Ab 1450 besaß Nußdorf eine dem heiligen Thomas geweihte Kapelle, gehörte jedoch bis 1783 zur Pfarre Heiligenstadt (in diesem Jahr erhielt Nußdorf einen eigenen Pfarrsprengel und mit der 1787-1789 neu erbauten Thomaskirche – Nußdorfer Kirche – auch eine eigene Pfarrkirche).

Einträglich für Nussdorf war neben dem Weinbau das Fährrecht, das heißt das Recht zum Transport von Waren und Menschen über die Donau. Am Donauufer entstand deshalb der Ort Urfar, der jedoch immer nur aus wenigen Hütten bestand. Sie dienten als Unterkünfte für die Fährleute oder Reisende. Am Donauufer gelegen, wurde die Siedlung jedoch oft überschwemmt und verlor durch den Bau der ersten großen Donaubrücke 1439 völlig an Bedeutung und verschwand schließlich zur Gänze.

Selbstverständlich teilte auch Nussdorf Wiens Probleme und Schwierigkeiten: 1425 beschossen die Hussiten von Jedlesee aus Nußdorf, 1484 legte Matthias Corvinus, als er Wien belagerte, in dieser Gegend Verschanzungen an, 1529 und 1683 litt der Ort unter den Türkeninvasionen (Kara Mustafa ließ Nußdorf gegen das Entsatzheer befestigen) und 1809 durch die Plünderungen der Franzosen so sehr, dass er sich nur langsam erholen konnte.

Aber dennoch entstanden Wirtschaftsgebäude; 15 Freihöfe bildeten selbständige Grundobrigkeiten, der Weinbau machte die Bewohner wohlhabend. Eines der ältesten Gebäude, der Neudeckerhof, existiert heute noch. Das Stift Klosterneuburg hatte als größter Grundherr die Dorfobrigkeit in Nußdorf inne.

1819 wurde die Nussdorfer Brauerei errichtet und die Kahlenbergbahn auf den Kahlenberg machte Nussdorf im 19. Jahrhundert zu einem beliebten Ausflugsziel der Wiener. Ab dem 18., besonders aber im 19. Jahrhundert ließen sich begüterte Wiener hier Sommerhäuser errichten.

1870 wurde die Franz-Josefs-Bahn am rechten Donauufer eröffnet. Im gleichen Jahr wurde der Bahnhof Wien Nußdorf, der bis heute besteht, in Betrieb genommen. 1885 wurde zur Verbindung mit der von 1874 bis 1919 von Nussdorf aus betriebenen Kahlenbergbahn (Zahnradbahn) eine Pferdebahnlinie durch die Heiligenstädter Straße nach Nussdorf eröffnet; seit 1903 wird sie in elektrischem Betrieb (seit 1907 Linie D) bedient. Nussdorf wurde von der Donauschifffahrt mit einer eigenen Anlegestelle angefahren.

1892 wurde Nussdorf gemeinsam mit den benachbarten Wiener Vororten Sievering, Grinzing, Oberdöbling, Unterdöbling, Heiligenstadt und dem Kahlenbergerdorf zu Wien eingemeindet.

Ein paar Notizen zu Nussdorf

Die Pandemie und die Rolle der EU

Bei Betrachtung des Pandemiegeschehens konzentrieren wir uns meist nur auf unser eigenes Land, da wird medial heftige Nabelschau betrieben. Vielleicht interessieren wir uns auch noch über jene Länder, in denen wir demnächst Urlaub machen wollen, oder in die wir reisen müssen, können oder sollen.  

Aber letztlich sind wir doch Mitglied der EU – und die Pandemie, die trifft doch alle Länder gleichermaßen. Oder doch nicht? Die Pandemie verläuft in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich. Von Staat zu Staat schwankt die Zahl der bestätigten Infektionen und Neuinfektionen mit dem Coronavirus ebenso wie die Zahl der schweren Verläufe mit Todesfällen. Aber die Gesamtzahlen sind erschreckend: 1.465.307 Verstorbene seit Beginn der Pandemie; 1,82 % der bestätigten Fälle sind verstorben, aber 91,47 % der bestätigten Fälle sind genesen (Genesungsrate ist eine ungefähre Angabe. Großbritannien, Schweden, Niederlande und Serbien liefern darüber keine offiziellen Informationen).

Aber wenn wir doch nicht so besonders viel davon hören: Die EU und ihre Mitgliedstaaten arbeiten in diesen Krisenzeiten zusammen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, die Gesundheitssysteme zu stärken, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie abzufedern und Beschäftigte, Unternehmen und Mitgliedstaaten zu unterstützen.

Da stellt sich die sofortige Frage WIE?

  • Da ist einmal der Aufbauplan für Europa – der Haushaltsrahmen in Höhe von 1 824 Mrd. € für den Zeitraum 2021-2027 wurde festgelegt. Dieses Paket, das den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) mit dem außerordentlichen Aufbaufonds „NextGenerationEU“ verknüpft, hilft der EU beim Wiederaufbau nach der COVID-19-Pandemie und fördert Investitionen in den grünen und den digitalen Wandel. Diese Elemente ergänzen drei Sicherheitsnetze, die die EU bereits eingerichtet hat, um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Unternehmen und Länder zu unterstützen. Es wurde außerdem dazu aufgerufen, schnellstmöglich zu einem voll funktionsfähigen Binnenmarkt zurückzukehren, die weltweite Wettbewerbsfähigkeit der EU‑Branchen zu steigern und ihre Autonomie zu stärken sowie den digitalen Wandel zu beschleunigen.
  • Es gibt Notfallmaßnahmen der EU als Reaktion auf den Ausbruch von COVID‑19, um die Gesundheit und das Wohlergehen der EU‑Bürgerinnen und ‑Bürger zu schützen und Leben zu retten. Die EU geht dabei nach folgenden Prioritäten vor:

Eindämmung der Ausbreitung des Virus

Absicherung der Versorgung mit medizinischer Ausrüstung

Förderung der Forschung im Bereich Therapien und Impfstoffe

Unterstützung für Arbeitsmarkt, Unternehmen und Wirtschaft

Die Schwerpunkte der Koordinierungsbemühungen auf EU-Eben sind die folgenden:

Teststrategien und Einsatz von Antigen-Schnelltests

gegenseitige Anerkennung von Tests

grenzüberschreitende Ermittlung von Kontaktpersonen

Quarantänevorschriften

Entwicklung, Herstellung und Bereitstellung von COVID-19-Impfstoffen

interoperable digitale Impfbescheinigungen.

  • Die EU und der Mitgliedstaaten bekämpfen gemeinsam die COVID-19-Pandemie. Von der Garantie sicherer und wirksamer Impfstoffe über den Versand medizinischer Ausrüstung dorthin, wo sie am dringendsten benötigt wird, bis hin zur Aufnahme von Patienten aus anderen Ländern, vom Schutz von Arbeitsplätzen und Arbeitnehmern bis hin zur Hilfe für Partnerländer auf der ganzen Welt sind die EU-Länder über sich hinausgewachsen, um einander zu helfen.
  • Die EU ist aber auch solidarisch: die EU und ihre Mitgliedstaaten zusammen unterstützen Partnerländer, auch in der Nachbarschaft, in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Soziales. Europa hat sich zudem verpflichtet, den Zugang zu COVID‑19-Impfstoffen zu fördern und lokale Produktionskapazitäten aufzubauen. Das Team Europa ist einer der führenden Geber der COVAX-Fazilität, der weltweiten Kooperationsinitiative zur Beschleunigung der Entwicklung und Herstellung von COVID-19-Tests, ‑Behandlungen und ‑Impfstoffen und des Zugangs zu ihnen. Die EU-Mitgliedstaaten haben zugesagt, bis Ende 2021 mindestens 100 Millionen Dosen COVID‑19-Impfstoff an Länder der ganzen Welt zu spenden. Bis Juni 2021 war Team Europa bereits auf dem besten Weg, dieses Ziel zu übertreffen. Zudem ist ein weltweiter internationalen Vertrag zur Verbesserung der Pandemievorsorge und -reaktion nach der COVID-19-Krise in Planung.
  • Welche Erfolge sind zusehen:
    • Unterstützung der Gesundheitssysteme und Schutz der öffentlichen Gesundheit
    • Erforschung und Entwicklung sicherer COVID-19-Impfstoffe
    • Reaktion der EU auf die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie
    • Koordinierung pandemiebedingter Reisemaßnahmen innerhalb der EU
  • Die Krisenkoordinierung im Zusammenhang mit der COVID‑19-Pandemiewurde institutionalisiert. Der Informationsaustausch-Modus der Integrierten Regelung der EU für die politische Reaktion auf Krisen (Integrated Political Crisis Response, IPCR) wurde aktiviert.

Vielleicht haben wir die EU auf diesem Sektor unterschätzt, ich gebe zu, dass manches durchaus auch nach „blabla“ klingt, aber vieles wurde doch erreicht. Nur die Berichterstattung über EU-Maßnahmen in einzelnen Ländern lässt noch immer zu wünschen übrig, und viele Erfolge der EU scheinen als Federn auf den Hüten der Mitgliedsländer auf.

Die Pandemie und die Rolle der EU

Was es so auf sich hat, mit den Barbarazweigerln

Wiederveröffentlichung

Meine Barbarazweigerln stehen schon in der Vase – mit lauwarmem Wasser gefüllt, in der Nähe der Heizung mit viel Licht. Ich kann nur hoffen, dass sie blühen werden und nicht vertrocknen. Werden Sie auch schon welche aufstellen? Warum tun wir das eigentlich?

Vielleicht sagen Sie, weil wir das schon immer getan haben, oder weil Sie vielleicht etwas „Blühendes“ in der grauen Zeit zu Hause haben wollen. Alles zulässig, aber es hat dennoch andere Gründe. Diese Zweige werden, nach einem alten Brauch am 4. Dezember, dem liturgischen Gedenktag der hl. Barbara in der römisch-katholischen und der griechisch-orthodoxen Kirche (Barbaratag), geschnitten und in einer Vase in der Wohnung aufgestellt. Je nach Gegend und Brauchtum werden Kirsch-, Apfel-, Birken-, Haselnuss-, Rosskastanien-, Pflaumen-, Holunder-, Rotdorn- oder sogar Forsythienzweige verwendet. Sie sollen bis zum Heiligen Abend blühen und zum Weihnachtsfest die Wohnung schmücken. Der Brauch geht auf eine Überlieferung von der Heiligen zurück, nach der sie auf dem Weg in das Gefängnis mit ihrem Gewand an einem Zweig hängenblieb. Sie stellte den abgebrochenen Zweig in ein Gefäß mit Wasser, und er blühte genau an dem Tag, an dem sie das Martyrium erlitt (4. Dezember).

Das mit dem genauen Tag, das ist für Stadtbewohner schwierig, wir kaufen die Zweige auf einem Markt oder in der Blumenhandlung, wenn wir sie am 4. Dezember aufstellen, wurden sie dann doch schon einige Tage vorher geschnitten. Das ist nur dann ein Problem, wenn man ein wenig abergläubig ist und annimmt, dass das Blühen der Zweige auf Glück im kommenden Jahr hindeutet.  Teilweise war es Brauch, dass die jungen Mädchen jedem einzelnen Zweig den Namen eines Verehrers zuwiesen. Der Zweig, der zuerst blühte, sollte auf den zukünftigen Bräutigam hinweisen. Aber in unserem gesellschaftlichen System, indem man Partner über online Ehevermittlungen sucht, passt das nicht mehr so recht.

Barbarazweige waren früher auch Grundlage anderer Orakel, wie Ernteorakel, wo die Blütenanzahl die Erntegröße zeigte, oder auch zur Vorhersage von Lottozahlen fanden sie Anwendung. Dieser Brauch hat seine Analogien in vielen Kulturen („Lebensrute“) und zählt somit zu den vielen Orakel­bräuchen. Schriftlich nachgewiesen ist der Barbarabaum seit dem 13. Jahrhundert. Eine Bauernregel besagt: „Knospen an St. Barbara, sind zum Christfest Blüten da.“

Daneben gibt es den Barbaraweizen, der am Barbaratag auf einem Teller ausgesät wird und bis Weihnachten aufsprießen soll. Dieses „winterliche Grün“ ist als Teller-Saat oder Adonisgärtlein bekannt. Diese Idee gefällt mir sehr gut – vielleicht wird‘ ich’s versuchen (aber das mit meinem grünen Daumen funktioniert nicht so gut)

Aber wer war nun diese Heilige Barbara? Barbara von Nikomedien (Barbara = „die Fremde“) war eine christliche Jungfrau, Märtyrin des 3. Jahrhunderts. Der Überlieferung zufolge wurde sie von ihrem Vater enthauptet, weil sie sich weigerte, ihren christlichen Glauben und ihre jungfräuliche Hingabe an Gott aufzugeben. Barbara war der Überlieferung nach die Tochter des Dioscuros und lebte am Ende des 3. Jahrhunderts im kleinasiatischen Nikomedia (heute İzmit im Nordwesten der Türkei.). Einer anderen Tradition zufolge lebte sie in der Colonia Heliopolis (heute Baalbek im Libanon). Ihr Vater wird von den verschiedenen Versionen als König oder zumindest reicher Kaufmann oder als Angehöriger der kaiserlichen Leibgarde betrachtet.

Nach der Legende war Barbara eine sehr schöne und kluge junge Frau, so dass viele Männer aus Nikomedia um ihre Hand anhielten. Barbara jedoch wies die Verehrer zurück. Die junge Frau besuchte eine Gruppe junger Christen, die sich trotz der Christenverfolgung durch den Kaiser heimlich trafen. Barbaras Vater Dioscuros versuchte, sie von der Außenwelt abzuschirmen und sperrte sie in einen eigens dafür gebauten Turm. (Bei den Heiligendarstellungen ist Barbara immer diejenige mit dem Turm, daran kann sie erkannt werden, und es gibt einen Merkspruch: Für die „drei heiligen Madl“ mit Bezug auf ihre ikonographischen Attribute: Margareta mit dem Wurm, Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem Radl, das sind die drei heiligen Madl).

Hauptgrund für das Einsperren des Mädchens war der verzweifelte Versuch des Vaters, Barbaras Hinwendung zum Christentum zu verhindern. In der Abgeschiedenheit ihres Gefängnisses bekannte Barbara sich gegen den Willen des Vaters zum Christentum. Der Vater versuchte, sie mit Marterungen und Peinigungen umzustimmen, doch dies bestärkte sie noch in ihrem Glauben. Barbara konnte in einen Felsspalt fliehen, der sich wie durch ein Wunder vor ihr öffnete. Sie wurde dennoch von einem Hirten verraten. Dieser wurde von Gott in einen Stein (nach einer anderen Legende in einen Mistkäfer) verwandelt, seine Schafe in Heuschrecken oder Käfer. Dioscuros fand seine Tochter, schlug sie und brachte sie zum römischen Statthalter Marcianus, der sie zum Tode verurteilte. In der Stadt wurde sie schließlich so grausam misshandelt, dass ihre Haut am Ende in Fetzen vom Körper hing. In der Gefängniszelle erschien ihr Christus und heilte ihre Wunden. Der erbitterte Statthalter ließ sie in der Öffentlichkeit mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln foltern. Vor ihrem Tod betete Barbara, daraufhin erschien ein Engel und hüllte sie in ein schneeweiß leuchtendes Gewand. Letztendlich enthauptete der grausame Vater seine Tochter selbst. Er wurde kurz darauf vom Blitz getroffen und verbrannte, was sich der Legende nach im Jahr 306 unter Kaiser Maximinus Daia zutrug.

Im Zuge der Liturgiereformen des zweiten vatikanischen Konzils wurde die hl. Barbara aus dem römischen Generalkalender gestrichen, da ihre Existenz historisch nicht gesichert sei. Wegen der großen Verehrung, die sie im Volk genoss, blieb ihr Gedenktag jedoch in einigen Regionalkalendern erhalten. Die heilige Barbara zählt zu den vierzehn Nothelfern, und ihr Verhalten im Angesicht von Verfolgung und Tod gilt als Symbol der Wehr- und Standhaftigkeit im Glauben.

Den Märtyrerinnen ist es schon sehr schlecht gegangen, aber ich glaube, dass sie nichts dagegen haben, wenn wir Barbarazweigerln (zu ihren Ehren – oder auch nicht) aufstellen.

Was es so auf sich hat, mit den Barbarazweigerln

Andreas Hofer – Volksheld (und Nationalheld)?

Wie ich zu meinem Andreas-Hofer-Bild kam

Fast hätte ich’s verpasst: der 22. November 1767 ist der Geburtstag von Andreas Hofer. Und ich frage mich, wieso mir das wichtig erscheint? Hofer war Anführer der Tiroler Aufstandsbewegung von 1809 und gilt als Freiheitskämpfer gegen die bayerische und französische Besetzung seiner Heimat. Es gibt eine Reihe anderer „Freiheitskämpfer“ in unserer Geschichte, die meist nur Historikern bzw. an Geschichte Interessierten bekannt sind.

Aus meiner Familie kam die „Hofer-Verehrung“ eher nicht, obwohl väterlicherseits tiefe Wurzeln in Südtirol liegen. Das hatte dazu geführt, dass mein Vater nach dem Ersten Weltkrieg, als seitens seiner Familie verabsäumt wurde, für die österreichische Staatsbürgerschaft zu optieren, bevor er diese dann erhalten hat – in Italien Militärdienst ableisten musste. Er hat ungern und kaum über diese Zeit gesprochen, ich weiß nur, dass er ein Südtiroler Einheit zugeteilt worden war, die letztlich in Libyen im Einsatz war. In seinem restlichen Leben hat mein Vater es abgelehnt nach Italien zu fahren. Schon allein deswegen nehme ich an, dass aus dieser Seite kaum „Andreas-Hofer-Verehrung“ kam.

Vielleicht war es die Schule, die mich diesbezüglich prägte – in der Zeit des Ständestaates und später im Nationalsozialismus waren die Tiroler Schützen – eben jene Gruppe, die das positive Bild Andreas Hofers hochhielt, Teil des Regimes. Die Schützen hatten sich für Propagandazwecke der Nazis missbrauchen lassen, „weil sie das Bild einer tiefen Verbundenheit der nationalsozialistischen Partei mit Heimat, Geschichte und Brauchtum vermittelten“.  Allerdings gab es auch eine Südtiroler Widerstandsgruppe während des Zweiten Weltkriegs namens Andreas Hofer.  Und in der Nachkriegszeit hat man neuerlich auf „österreichische Helden“ gesetzt. Naja und Hofer Denkmäler gibt es allenthalben, und „Zu Mantua in Banden …“ haben wir auch in der Schule gesungen.

Und wie wurde Andreas Hofer zum Helden? Es waren unruhige Zeiten, damals, die alte feudale Ordnung Europas geriet aus den Fugen, als sich Napoleon Bonaparte 1804 in einer spektakulären Selbstkrönung zum Kaiser der Franzosen machte. Und Franz II., Kaiser des Römischen Reiches Deutscher Nation hat diese „Funktion“ zurückgelegt und wurde zu Franz I., Kaiser von Österreich. Für Franz war die Schaffung des österreichischen Kaisertums eine Notlösung und kein wirklicher Ersatz für den ehrwürdigen Titel eines Kaisers des Heiligen Römischen Reiches. Es sollte durch die Auflösung des Alten Reiches nur um jeden Preis verhindert werden, dass im Falle einer Wahl Napoleons durch die Kurfürsten das Haus Habsburg zum Vasallen des Usurpators werden müsste. Es kam zu den Niederlagen der Monarchie.  Im Dritten Koalitionskrieg (1805–1807) gegen Frankreich, wurde Wien -von französischen Truppen kampflos besetzt und die kaiserlichen Truppen in der Dreikaiserschlacht von Austerlitz in der Nähe von Brünn vernichtend geschlagen. Im Frieden von Pressburg musste Franz daraufhin massive Gebietsverluste hinnehmen: neben dem erst 1797 erworbenen Venetien und Dalmatien musste Österreich Istrien, Tirol und Vorarlberg abtreten. Als Kompensation gelangte Salzburg an Österreich.

1809 versuchte Franz das Ruder herumzureißen und erklärte Napoleon neuerlich den Krieg. Die Franzosen besetzen wiederum Wien, und Napoleon residiert von Mai bis Oktober 1809 in Schönbrunn. Auf den Sieg der kaiserlichen Truppen in der Schlacht von Aspern bei Wien unter der Führung von Erzherzog Karl folgte kurz darauf die Niederlage in der Schlacht von Wagram. Auch der „Freiheitskampf“ der Tiroler unter Andreas Hofer brach mangels Unterstützung durch den Wiener Hof zusammen. Trotz anfänglicher Zusicherung seiner vollen Unterstützung opferte Franz den Volksaufstand mit Kalkül den außenpolitischen Notwendigkeiten. Im Frieden von Schönbrunn 1809 musste Österreich Salzburg und Teile Oberösterreichs an Bayern abtreten; Görz, Triest, Krain und Teile Kärntens gingen an das von Verwandten Napoleons regierte Königreich Italien, Westgalizien an das neu gegründete Großherzogtum Warschau.

Und jetzt konkret zu Tirol: Tirol stand nun seit 1805/1806 unter bayerischer Herrschaft. Die Bayern begannen eine Reihe von Reformen umzusetzen, wobei vor allem die Missachtung der alten Tiroler Wehrverfassung (Landlibell Kaiser Maximilians I. von 1511) und die Wiedereinführung der josephinischen Kirchenreform für Unmut sorgten. Auch die Eingriffe in das religiöse Leben (Verbot von Christmette, Prozessionen und Wallfahrten, Rosenkranz etc.) führten zum Widerstand des Klerus und der Bevölkerung.

Die Zwangsaushebung von Rekruten für die Bayerische Armee führte schließlich zum Aufstand, der am 9. April 1809 in der Tiroler Hauptstadt Innsbruck begann. Wurde der Aufstand lange meist als Freiheitskampf gegen bayerische und französische Fremdherrschaft und deren Kirchenkampf und Rekrutierungspraxis verstanden, zeigte dieser jedoch auch reaktionäre, antiaufklärerische Züge. So hatte sich Haspinger, ein Kapuzinerpater, der von der bayerischen Besatzung auch für Tirol eingeführten Pockenimpfung widersetzt, mit der Begründung, dadurch solle Tiroler Seelen „bayerisches Denken“ eingeimpft werden.

Andreas Hofer wurde als Oberkommandant an die Spitze der gegenbayerischen Bewegung gewählt. Hofer hatte als Anführer der Aufstandsbewegung bis zuletzt Widerstand geleistet und war zum Geächteten geworden. Zu einer Flucht nach Österreich konnte er sich aber nicht entschließen. Hofer wurde von französischen Besatzungssoldaten gefangen genommen, die seinen Aufenthaltsort von dem Tiroler Franz Raffl für 1500 Gulden erfahren hatten. Er wurde in Mantua gefangen gehalten. Der französische Kaiser Napoleon ordnete jedoch die unverzügliche Aburteilung und Exekution an.

Hofers letzte Worte sollen „Franzl, Franzl, das verdank ich dir!“ gewesen sein. Es wird aber auch berichtet, Hofer habe, nachdem die erste Exekutionssalve ihn nur verletzt hatte, ausgerufen: „Franzosen! Ach, wie schießt ihr schlecht!“

Hofer war ursprünglich Kommandant der Passeirer Schützen und nahm den Rang eines Majors ein, weswegen es bei den später aufgebotenen Standschützen keinen höheren Rang gab, da niemand über Andreas Hofer stehen sollte.

Andreas Hofer – Volksheld (und Nationalheld)?

Episoden zum Impfen bzw. zum Verweigern

Ich versuche ja auf dem Laufenden (Süddeutsche Zeitung und Neue Zürcher Zeitung) zu bleiben – im Zusammenhang mit den Impfungen, und stoße da auf Seltsames und teilweise sogar Komisches.

In einem Fall geht es darum, dass der Alpenraum (in Deutschland, Österreich und der Schweiz) – angeblich – besonders große Probleme mit dem Impfen hat. Das wird darauf zurückgeführt, dass es im Alpenraum starke föderale, demokratische Traditionen gibt. Zur europäischen alpinen Region EUSALP mit 80 Millionen Menschen gehören nicht weniger als 48 Regionen, Kantone und Bundesländer! Die Aufteilung ist nirgendwo so kleinteilig wie im Alpenraum. Und die Selbstverwaltung wird überall stark betont. Außerdem gibt es historisch eine starke Verbindung zu Verschwörungsmythen.

Zum Beispiel wird der Antisemitismus herangezogen: Der Austrofaschismus, der italienische Faschismus ab 1919 in Mailand. Die NSDAP entsteht in Bayern. Oder die Anti-Impf-Bewegung! Die Salpeterer-Unruhen (mehrere Bauernaufstände, die sich im Hotzenwald des 18. und 19. Jahrhunderts ereigneten. Personen beziehungsweise Personengruppen wehrten sich dagegen, dass sie von einer Obrigkeit gezwungen wurden, etwas zu tun oder zu lassen, was sie nicht wollten, weil es nach ihrer Überzeugung gegen Brauch und Herkommen war) im heutigen Baden-Württemberg im 19. Jahrhundert richteten sich gegen die Pockenimpfungen, auch in Tirol gab es Aufstände gegen das Impfen. Dazu kommen noch die esoterischen Bewegungen, zum Beispiel die Anthroposophie. Die erste Waldorfschule entstand in Stuttgart.  Laut Anthroposophie haben Krankheiten eine höhere Bedeutung und einen Sinn. Der Mensch sei ein wiedergeborenes Wesen, das sich immer weiterentwickele in jeder Reinkarnation, und Krankheiten hätten in dieser Weltsicht im Grunde einen Sinn, eine höhere Bedeutung, seien zum Beispiel ein Ausgleich für Fehlverhalten im letzten Leben. Danach könnte eine Impfung dazu führen, dass man taub würde für die karmische Botschaft.

Das nun ist die These: In den Alpenregionen, in den Alpentälern haben sich über Jahrtausende selbstverwaltete sprachliche Gemeinschaften gebildet. Doch dann kam die Zentralstaatlichkeit und mit ihr die Schrift und Wissenschaft – das reibt sich aneinander. Die Männerbünde entwickelten die Idee des föderalen Bundesstaates, der sich nach dem totalitären NS-Regime auch in Deutschland durchsetzten.

Bei Verschwörungsmythen geht es immer um die Bestätigung eines Feindbilds. Wenn Ihnen etwas Angst macht, haben Sie die Option, das abzuspalten und auf vermeintliche Verschwörer zu projizieren. Die Missernte, das waren dann Hexen. Und wenn die Pest kommt, dann waren das die Juden. Oder wenn Corona kommt? „Das Virus ist doch gar nicht so schlimm – und im Übrigen eine Verschwörung der Konzerne und der Juden“. Die Reaktivierung der immer gleichen Mythen.

(Ich schließ mich diesen Thesen nicht an. Widerstand gegen das Impfen gab es in Frankreich, derzeit besonders in Belgien und in Holland.)

Nun aber zu der anderen Situation: Vor ein paar Wochen berichteten die griechischen Medien über die Aufdeckung eines Betrugs, in den über 100 000 Impfgegner sowie 200 bis 300 Ärzte und Pfleger involviert waren. Impfgegner ließen sich dabei für 400 Euro anstelle eines Vakzins eine Kochsalzlösung spritzen. Die Ärzte hingegen übertölpelten ihre Kunden und injizierten ihnen heimlich ein wirksames Impfmittel. Gleichwohl nahmen sie das Bestechungsgeld entgegen. Als die Ärzte den Impfgegnern ein Zertifikat aushändigten, schummelten sie nicht, denn die betreffende Person war tatsächlich und korrekt geimpft worden, damit allerdings waren sie sowohl moralisch korrekt wie zugleich korrupt. Betrogen wurden nur jene, die zu schummeln beabsichtigt hatten, indem sie sich den Vorteil der Geimpften erschleichen wollten, ohne geimpft zu werden. Sie wurden von der Wahrheit selbst hinters Licht geführt. Sie ahnten nicht, dass sie tatsächlich waren, was sie bloß zu sein vorgaben, nämlich geimpft. Ohne geimpft zu sein, wollten sich die Patienten eine behördliche Impfbescheinigung erschleichen. Darum brachten sie nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen in Gefahr.

Viele Impfgegner betrachten die Impfpflicht nicht nur als einen Angriff auf die persönliche Freiheit, sondern auch als eine Verletzung der körperlichen Unversehrtheit – vergleichbar mit einer Vergewaltigung. Sie wähnen sich vergewaltigt von den Gesundheitsbehörden. Aber gehört denn unser Körper je wirklich nur uns selbst? Viele Impfgegner argumentieren, dass sie nicht wüssten, was im Impfstoff enthalten sei. Aber wissen wir – wie ich neulich gehört habe – was z.B. im Leberkäs enthalten ist? Oder im Aspirin, das wir ohne zu hinterfragen bei der Annäherung einer Grippe oder auch nur Kopfweh, nehmen. Gleichgültig, ob wir geimpft werden, längst werden wir kontrolliert und manipuliert auf Wegen, die uns nicht bewusst sind.

In den Augen der Corona-Skeptiker sind jene die Lämmer (vor der Schlachtung), die sich in der Warteschlange für die Impfung anstellen oder sogar, als der Impfstoff noch rar war, Ärzte bestachen, um geimpft zu werden. Die Mehrheit hingegen hält die Corona-Leugner für Lämmer, da sie eine Gefahr für sich und andere darstellen mit ihrer Weigerung, die Schutzmaßnahmen einzuhalten.

Viele Menschen fürchten zurecht oder zu Unrecht die zunehmende Kontrolle über unser Leben, die Macht der Pharma- und anderer Industrien. Haben sie Recht?

Episoden zum Impfen bzw. zum Verweigern

Die ORF-Moderatoren: die Beichtväter/-mütter der Nation?

„Welche Verantwortung tragen Sie an dieser Situation, Herr Minister?“ wurde gestern abends der Gesundheitsminister vom Moderator der ZIB-2 gefragt. Welche Antwort wurde erwartet (auf die mehrmals gestellte Frage)? Dass der Minister jetzt auf die Brust klopft und sagt: „ich habe gesündigt?“ Durch eine leicht veränderte Fragestellung wäre vielleicht an andere Antwort gekommen – was werden Sie in Zukunft im Licht der Erfahrungen der letzten Monate anders machen.

Ich finde nämlich, dass es um unser aller Zukunft gehen sollte. Was kann – aber jetzt wirklich – besser gemacht werden, um den fünften Lockdown zu vermeiden. Denn bei jedem Lockdown bisher wurde uns versprochen, dass dies der letzte sein würde und (nur) stattfände, um zukünftige zu vermeiden. Naja, und jetzt stehen wir bei Nummer vier.

Die Demonstrationen am vergangenen Samstag (20.November) haben gezeigt, dass es nicht nur „irre Impfgegner“ (und Neonazis, sowie Querdenker) sind, die sich derzeit gegen das (bisherige) Chaos wehren. Es waren auch Geimpfte dabei, die es unerträglich finden, entgegen aller Versprechungen doch wieder den Lockdown erdulden zu müssen.

Ich – für meine Person glaube, dass jeder einzelne zum Ende der grauslichen Pandemie beitragen muss – nicht nur durch Impfungen, sondern auch durch Argumentieren gegen Corona-Leugner. Ich gebe zu, dem bin ich bisher ausgewichen, ich habe zu all diesem Darstellungen (es ist keine Pandemie, Impfen bringt nix etc.) meist geschwiegen. Vielleicht dürfen wir das nicht mehr. Ich will sicher nicht mit meinen Freunden und Bekannten streiten. Aber ich selbst muss mich viel stärker mit den Argumenten der Corona Leugner und Impfgegner auseinandersetzen – um sie vielleicht da und dort entkräften zu können.

Ein Argument, das Impfgegner häufig verwendet haben, war, dass Geimpfte auch Dritte anstecken können. Dass das der Fall ist, hat gestern der Gesundheitsminister zugegeben, und auch, dass man das zu lange nicht gewusst bzw. berücksichtigt hat. Das heißt natürlich, dass sich auch Geimpfte in Zukunft werden regelmäßig testen lassen müssen. OK!

Ich möchte in diesem Zusammenhang besonders auf das Long-Covid verweisen. Eine akute COVID-19-Infektion dauert in der Regel bis zu vier Wochen. Längerfristige Symptome können aber über diesen Zeitraum hinaus bestehen oder zusätzlich auftreten, auch bei mildem Krankheitsverlauf oder unbemerkter Infektion. Die beobachteten Symptome sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von schwerwiegenden Lungenschäden bei hospitalisierten Patienten über Entzündungsreaktionen und Veränderungen an verschiedenen Organen bis zu Atemnot, Fatigue, Bewusstseinstrübungen und neurologischen Störungen. Gerade die Post-COVID-Müdigkeit oder -Fatigue kann bereits nach milden Verläufen auftreten. Man geht davon aus, dass bis zu 15 Prozent aller COVID-Kranken von Long-COVID-Symptomen betroffen sind.

Ich bin kein Freund der Impfpflicht, ich sähe sie ein z.B. für Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten, für Lehrpersonen (aller Stufen), aber alle? Wäre das wirklich sozial verträglich?  Aber da sehe ich einen Hoffnungsschimmer, wenn dieser berühmte „Totimpfstoff“ wirklich ab Februar 2022 von der EMA (Europäische Arzneimittel Agentur) genehmigt wird – und hoffentlich wirksam sein wird, werden sich viele derzeitige Impfgegner problemlos impfen lassen, denn ich habe oft gehört: „Erst wenn der Totimpfstoff“ zur Verfügung stehen wird, werde ich mich impfen lassen“. (Zu Totimpfstoff habe ich schon geschrieben: https://christachorherr.wordpress.com/2021/11/18/totimpfstoff-werden-sich-jetzt-die-impfverweigerer-damit-impfen-lassen/)

Ein Argument der Impfgegner, das besonders Ärzte auf die Palme treibt, ist, dass es jetzt mehr Personen gibt, die an COVID erkranken, als in der Zeit, als noch kein Impfstoff zur Verfügung stand. Prima facie ist das natürlich richtig. Einerseits muss aber dabei darauf hingewiesen werden, dass jetzt eine erheblich ansteckendere Version herrscht, und andererseits darf man dabei nicht vergessen, dass sich auch die Testsituation gründlich verändert hat. Es wird ein Vielfaches der Anzahl von Personen getestet als z.B. vor einem Jahr. Obwohl in den Medien sehr oft über Corona-Erkrankung von Geimpften „als Sensation“ berichtet wird, befinden sich auf den Intensivstationen derzeit 80% Ungeimpfte und 20 % Geimpfte. Und es sind die Intensivstationen, deren Belegung letztlich die Lockdowns auslöst.

Also bemühen wir uns, soweit es uns möglich ist, die Ängste von Impfgegnern durch Fakten (die wir halt jetzt erst mühsam lernen müssen) zu entkräften und ihnen klarzumachen, dass die Gefahren ausgelöst durch eine COVID-Erkrankung erheblich höher sind, als die Impffolgen. Die so genannten Langfristfolgen treten bei den meisten Impfstoffen meist relativ rasch (3 – 6 Monate) nach Einnahme auf, so sagt man mir, und das würde bei dem weltweit breiten Einsatz der jetzigen Mittel schon längst bekannt geworden sein.

Also, hören wir auf, Schuldige zu suchen, nehmen wir die Ängste der Impfgegner ernst – und lernen wir, sie zu entkräften. Es liegt auch an jedem Einzelnen von uns.

Die ORF-Moderatoren: die Beichtväter/-mütter der Nation?